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Autor Thema: Review: MYSTERIOUS SKIN (Scott Heim)  (Gelesen 2649 mal)

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Lionel

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Review: MYSTERIOUS SKIN (Scott Heim)
« am: 26. Dezember 2007, 13:04:24 »


http://www.amazon.de/Mysterious-Skin-Scott-Heim/dp/0060841699/ref=pd_bbs_sr_4?ie=UTF8&s=books-intl-de&qid=1198670264&sr=8-4


Brian Lackey and Neil McCormick come from very different backgrounds. Brian lives nicely with mother, father, and a sister, whereas Neil lives with a drunken mother and is responsible for himself most of the time. The boys also differ when they're on the same Little League team. Neil's a star, but Brian's not very good and quits. Yet, they have something in common: both are sexually abused by their Little League coach, Neil many times and Brian twice. Their reactions differ. Brian convinces himself that he was examined by aliens from a UFO, while Neil feels "honored" by the coach's attention. Later, a teenage Brian searches for answers about what happened to him and eventually, through Neil's friend Eric, meets Neil, now a teenage hustler, again. Heim's story of contemporary teens seeking to come to terms with their losses and their hopes is moving and rawly effective, too, in its disturbing first-person descriptions of pedophilia. Eric, Brian, and Brian's sister Deborah take turns narrating, a technique that in Heim's hands adds yet more realism to the novel. Charles Harmon (from Booklist)





Mit 8 Jahren findet sich Brian Lackey unter einer Nische seines Elternhauses wieder. Die letzten 5 Stunden fehlen ihm und er kann sich keinen Reim darauf machen, was vorgefallen ist. Dieser Vorfall soll in Zukunft sein Leben bestimmen. Er hat regelmäßig Blackouts, bekommt häufig Nasenbluten und macht ins Bett und beginnt, die Vorfälle damit zu erklären, dass er von Aliens entführt wurde, die Experimente mit ihm vorgenommen haben, und die für seinen fünfstündigen Zeitverlust von damals verantwortlich sind. Aus ihm wird ein verschrobener, sozial und sexuell verklemmter junger Mann, für den UFOs und Außerirdische zum Lebensinhalt werden.
Der gleichaltrige Neil McCormick hingegen weiß genau, was in jenem Sommer 1981 vorgefallen ist. Genauso wie Brian war Neil Baseballspieler in der Little League, und fand im Coach des Teams einen Menschen, der ihm sexuelle Zuneigung zukommen ließ – wenn man es so überhaupt nennen kann, denn selbstverständlich geht es hierbei um Kindesmissbrauch und nichts anderes. Doch für Neil war dieses Erlebnis – eine Beziehung, die er in der Gegenwart, mit 19, immer noch mit Liebe verbindet – eine, wie auch für Brian, einschneidende Erfahrung, die ihn schnell erwachsen werden lässt und ihn zu einem gleichgültigen jungen Mann macht, der schon in frühen Jahren seinen Körper verkauft und in kriminelle Gefilde abdriftet. Wenn man so möchte, ist dies Neils Art und Weise mit dem Trauma aus seiner Kindheit fertig zu werden. Niemals hat er den Coach vergessen, doch nicht Hass beseelt ihn, sondern eine sonderbare Melancholie und ein tiefes Gefühl von Liebe.
Als Brian dem Geheimnis seiner Kindheit Stück für Stück näher kommt, schafft er es endlich Neil ausfindig zu machen. Gemeinsam fahren sie zum früheren Haus des Coaches, um ihre Vergangenheit nocheinmal zu durchleben...


The summer I was eight years old, five hours disappeared from my life. I can’t explain. I remember this: first, sitting on the bench during my Little League team’s 7 P.M. game, and second, waking in the crawl space of my house near midnight. Whatever happened during that empty expanse of time remains a blur.
When I came to me, I opened my eyes to darkness. I sat with my legs pushed to my chest, my arms wrapped around them, my head sandwiched between my knees. My hands were clasped so tightly they hurt. I unfolded slowly, like a butterfly from its cocoon. [...]
My thoughts clarified. I was sitting in the crawl space of our house, that murky crevice beneath the porch. I wore my Little League uniform and cap, my Rawlings glove on my left hand. The skin on both wrists was rubbed raw. When I breathed, I felt flakes of dried blood inside my nose.



Mit diesen Sätzen beginnt das Buch. Das erste Kapitel wird aus der Sicht Brians erzählt, soll heißen er ist der Ich-Erzähler. Die ganze Geschichte ist so strukturiert, dass jedes Kapitel ein anderer Protagonist die Dinge von seiner Warte aus erzählt. So ist es zu Beginn Brian, später Neil, aber auch Nebenfiguren, wie Neils beste Freundin Wendy, sein Freund Eric oder Brians Schwester dürfen über die Dinge aus ihrer Sicht berichten, was die eigentlichen Hauptfiguren Brian und Neil zu jenen Zeitpunkten zu „Randfiguren“ (obwohl sie natürlich dennoch jederzeit im Mittelpunkt des Geschehens stehen) werden lässt, über die lediglich in der dritten Person gesprochen wird. Ein genialer Schachzug wie ich finde, denn so werden die Ereignisse und Erfahrungen, die sich über die Jahre angehäuft haben, aus mehr als einer Ecke beleuchtet. Z. B. wie Brians Schwester Deborah sein plötzliches Auftauchen unter dem Haus, was seinem mysteriösen Blackout folgte, erlebt hat, ebenso wie die darauffolgenden Jahre, Brians bizarre Entwicklung zum sozialen Eigenbrötler.
Grundsätzlich ist das Buch so aufgebaut, dass im ersten großen Teil die Jahre 1981, ´83 und ´87 behandelt werden, zusammengefasst unter dem Titel „Blue“. Jeder Teil ist mit einer Farbe betitelt, der zweite mit „Gray“, mit Augenmerk auf den Sommer 1991, der dritte „White“ beschäftigt sich mit der Zeit zwischen Herbst und Winter desselben Jahres. Die Farben geben nicht nur die Stimmung der Protagonisten und deren Umwelt in ihrer jeweiligen Lebensphase wider, sondern sind auch symbolischer Natur – vor allen Dingen für die Brians Flashbacks und Visionen (z. B. blaues Licht = UFOs)
Da Brian und Neil 1981 8 Jahre alt waren, wird im ersten Teil ihr Heranwachsen, ihre Entwicklung in der Gesellschaft unter die Lupe genommen, die beiden mit 8, mit 10, mit 14. Während Neil zum Stricher wird und sich seine Seele dadurch erhält, gewisse asoziale Neigungen zu entwickeln – nur schwer erträglich ist so z. B. die Szene, als er mit seiner besten Freundin Wendy einen geistig behinderten Mitschüler dazu zwingt, Feuerwerkskörper in den Mund zu nehmen und diese dort entzündet – und zum Ladendieb wird, hat Brians Unterbewusstsein die traumatischen Erlebnisse aus seiner Kindheit völlig verdrängt und an deren Stelle die etwas leichter erträgliche Theorie einer Alienentführung, gepaart mit einer Obsession für ebendieses „Genre“, gesetzt. Glaubwürdig schafft es der Autor, Scott Heim, die Charakterentwicklung der beiden Hauptfiguren nachzuzeichnen, zu keiner Zeit wirken die Beschreibungen aufgesetzt, unglaubwürdig oder gar lächerlich. Humor ist ohnehin ein Element, das überhaupt nicht vorkommt.
Neil träumt schon früh von sexuellen Erfahrungen, vor allen Dingen mit Männern. Bevor er in die Little League geht und auf den Coach trifft, findet er ein Playgirl unter dem Bett seiner Mutter und ist fasziniert von nackten Männern und ihren Geschlechtsteilen. Einen Vater hat Neil nicht, seine Mutter liebt ihn zwar, aber kümmert sich nicht ausreichend um ihn. Sie hat ein ausschweifendes Sexualleben, und schon als kleines Kind muss Neil mitanhören und –sehen, wie seine Mutter ihre sexuellen Bedürfnisse mit ihrem Freund Alfred auslebt.

Brian hingegen macht eine völlig andere Entwicklung durch. Ein linkischer Junge, mit Brille und – im Gegensatz zum hübschen  Neil – mit einem wenig guten Aussehen (Hornbrille, Übergewicht etc.) gesegnet, wird er im Verlauf seiner Jugend weder Freunde noch irgendwelche sexuellen Kontakte haben. In den Augen seines Vaters – der die Familie jedoch während Brians Heranwachsen verlässt – ist er ein Versager. Sein Vater ist ein typischer Amerikaner, dabei machohaft und unfähig seine Gefühle gegenüber seinem Sohn zum Ausdruck zu bringen. Nicht selten schlägt er Brian und tadelt ihn für seine Fehlleistungen im Sport – zu dem er seinen Sohn gezwungen hat, schließlich ist er selbst Coach und ein echter Mann muss nun mal auch in einem Sportverein sein. Eine recht unangenehme Szene wird beschrieben, als Brians Vater ihn dazu zwingt eine Schildkröte festzuhalten, während er ihr dabei die Kehle durchschneidet und den Kopf abtrennt. Brian kann es irgendwann nicht mehr mitansehen, lässt die Schildkröte los und wird ohnmächtig – ein weiteres Versagen in den Augen seines Vaters, für den Brian eine Schande ist.
Es gibt eine Sequenz in der Gegenwart, als Neil in New York ist, Brian sich mit Neils bestem Freund Eric anfreundet und die beiden sich gemeinsam betrinken – Brian zum ersten Mal in seinem Leben. Sein Vater ruft an, der sich zuvor Jahre lang nicht gemeldet hat. Erst jetzt, mit 18 Jahren und benebelt vom Whiskey, traut sich Brian seinem Vater Paroli zu bieten, ihm die Meinung zu sagen und ihn zu fragen, was damals, vor 10 Jahren mit ihm geschehen ist. Sein Vater scheint geläutert, gibt sich versöhnlich und entschuldigend, doch Brian hat sich verändert.


“What the fuck do you want?“ I asked.
That sentence almost hurt my mouth, as though it had been jimmied from my lips with an
invisible blade, and when I said it Eric shot up from bed, his eyes widened toward me.
[...]
„My mother isn’t here. She has no part of this. Right now I just want to hear from you. I’ve been fucked-up inside my head for so long, dear father“ – on that word, Eric put his fingers to his mouth – „and since the last time you called I’ve been trying hard to figure out why. Maybe you can help. Maybe you remember that night years ago, when I woke in the crawl space. I was bleeding, and I was dirty, and I smelled horrible, half-dead. Do you remember that? Or were you upstairs, too busy sleeping, not caring a fuck about me? Do you remember how she took me to the doctor, and all you cared about was the fact that I wanted to quit baseball? And do you remember all the times I passed out after that, all the times I pissed the bed, with you never questioning why, only screaming at me for it? Do you remember that Halloween night a few years later, when I passed out again, and I knew something else had happened, and all you did was shrug it off? Do you?“ I stopped to take a breath. My voice had evelated, becoming something I no longer possessed. And the words kept coming: „Could be that someone did something to me, on both those nights. Could be that someone tried to kill me even, or did worse than that.“ My sentences blurred together; and I wondered what he could understand of my ranting. „So what do you know, dear father? What do you have to tell me?“



Doch Brians Dad kann ihm nicht weiterhelfen...oder er will es nicht. Bis zum Ende bleibt unklar, ob sein Vater – oder seine Mutter – etwas von den Vorkommnissen wussten oder zumindest ahnten. Eine Frage, die sich auch Brian im Verlauf seiner Suche nach der Wahrheit stellt.
Brian entwickelt eine Obsession für UFOs und außerirdische Lebenswesen, im sicheren Bewusstsein, dass er mehrmals entführt worden ist und Wesen aus einer anderen Welt für den bemitleidenswerten Verlauf seines bisherigen Lebens verantwortlich sind. Sein Vater lacht ihn aus, seine Mutter glaubt ihm auch nicht, tut aber zumindest so, denn sie hat ihren Jungen sehr lieb. Und das obwohl sie mit ihrem Sohn zusammen vor Jahren ein merkwürdiges bläulich leuchtendes Flugobjekt am Himmel sichtete – ein Ereignis, das Brian über die Jahre in seinem Glauben an die grünen Männchen bestärkt, seine Mutter jedoch mit natürlichen Ursachen zu erklären versucht. Während seiner Nachforschungen trifft er auf die 32-jährige Außenseiterin Avalyn, die in einer Talkshow darüber berichtet, dass sie ebenfalls von Aliens entführt worden ist. Brian ist fasziniert von ihrer Geschichte und sucht sie persönlich auf. Ihm fallen erstaunlich viele Parallelen auf und er steigert sich noch mehr in die Geschichte herein. Er bricht jedoch den Kontakt zu Avalyn ab, als diese, ebenfalls in ihrem bisherigen Leben ohne irgendwelche sozialen oder sexuellen Kontakte, ihm physisch näher kommt und Brian daraufhin in Panik verfällt. Das ist auch der Punkt, als Brian merkt, dass er auf der falschen Fährte ist, und ihm bewusst wird, dass ihm körperliche Nähe zutiefst zuwider – ja, unmöglich – ist.


Before she even touched me, I realized what would happen. It was as if I’d known this for years, that I knew the secret to the reason I’d never approached anything remotely resembling sex: it would take me back to something I didn’t want, a memory that hat hovered for years, hidden, in my head. Her hand clamped around me ,one finger gingerly tracing a line up my penis, stopping at the tip. It felt as though a part of me were vanishing. I felt the same trapped feeling I’d felt only days before, that night in her pasture.


Auf die Wahrheit stößt Brian Stück für Stück, durch einen Ratschlag Avalyns, den er beherzigt. Ihrer Meinung nach findet Brian die Antworten auf seine Fragen in seinen Träumen. Doch während Avalyn immer noch von einer Entführung durch Aliens ausgeht, glaubt Brian mittlerweile nicht mehr daran. Er beginnt seine Träume niederzuschreiben und erinnert sich so an eine längst vergessen Person aus seiner Kindheit, der einzige Mensch, der ihm helfen kann, zu verstehen – Neil McCormick...


7/21/91-
A dream about the kid from the baseball team – we’re together in the blue room again. This time, we’re on opposite sides of the room, I’m just watching as the tall alien figure glides over to him, slowly stretching him out on the silver table. The alien’s fingers are a sickly gray, the color of fish scales, and they’re shaped like frankfurters, they’re touching my teammate’s arms, his chest, his face – when the fingers get to the kid’s mouth they linger there, caressing the skin of his lips, and then the kid is speaking to me, he’s looking at me, and then he smiles and the alien’s fingers penetrate that smile, they slip between the lips, reaching into the boy’s mouth – I’m watching this all, I’m horrified but I can’t move. And then the boy’s clothes are in a pile on the floor. I look up at the blue light that floods everywhere, waterfalls of blue, and I know the boy’s hand is reaching for me, the alien’s hand is reaching for me, but I won’t look at them, I only look at the light, because the light is blinding me, and I want to be blinded.“



8 Tage später schreibt er ein weiteres Traumerlebnis nieder, diesmal handelt es sich um jene Halloween Nacht, in der er ebenfalls ein unerklärliches Blackout erlebte. So kommt Brian der Wahrheit Stück für Stück auf die Spur. Es ist auch nicht so, dass er diese unangenehmen Dinge nicht wahrhaben möchte, nein, er lechzt geradezu danach, endlich Ordnung in seine Vergangenheit zu bringen. Als er mit Eric zusammensitzt und die beiden ein Alien zeichnen wollen, schaltet sich Brians Unterbewusstsein ein: er malt den typischen Körper eines Außerirdischen, doch Komponenten des Coaches schleichen sich mit ein, auch ein Baseballschläger. Zu diesem Zeitpunkt weiß Brian, was in Wahrheit vor sich gegangen ist. Doch er braucht Neil, um vollständig Licht ins Dunkel seiner Kindheit zu bringen...

Neil, der schon früh seine Homosexualität und seine Obsession am Sex – am liebsten mit älteren Männern – entdeckt, ist sich seiner Vergangenheit stets bewusst. Daher ist Neils Geschichte der weniger mysteriöse, aber nicht minder fesselndere Handlungsstrang . Heim wechselt auch stets ab bei der Beschreibung seiner Protagonisten, erzählt deren Lebensgeschichte parallel, alternierend – was eine höhere Vergegenwärtigung und Authenzität der Geschehnisse mit sich bringt.
Mit 14 beschließt Neil, seine Vorliebe in Geld umzumünzen, und treibt sich fortan im berüchtigten Stricherpark des Ortes herum, um seiner inneren Leere durch Sex mit älteren Männern entgegenzuwirken. Der Coach ist bereits vor vielen Jahren weggezogen, Neil weiß nicht wohin, oder was aus ihm geworden ist. „Er könnte sogar tot sein“, sagt er an einer Stelle. Der Coach hat eine Leere in Neils Leben hinterlassen, die dieser mit nichts ausfüllen kann. Noch heute bewahrt Neil Tonbänder und Fotos auf, die die gemeinsamen sexuellen Handlungen dokumentieren. Doch Neil ist kein Perverser, dem es gefiel, missbraucht zu werden. Der Coach hat ihn für sein Leben gezeichnet, Neil kannte nie etwas anderes als ein „unnormales“ Leben zu führen. Er redet sich ein, dass der Coach in wirklich geliebt hat, so wie er es ihm als kleines Kind wieder und wieder versicherte. Obwohl der Coach über die Jahre das halbe Little League Team zu sich nach Hause mitgenommen und missbraucht hat, befand sich Neil immer in einer Art Sonderstellung. Er war des Trainers „kleiner Junge“, er war der beste Spieler des Teams, nur ihn liebte er wirklich. Zumindest will Neil genau das glauben.
Die einzigen Freunde, die Neil über die Jahre gewinnt, sind Eric Preston, ein ebenfalls homosexueller Junge im gleichen Alter, der zugezogen ist, sowie bereits vorher Wendy Peterson, ein Mädchen, das Neils Ausstrahlung und Charme, seiner Qualität „anders zu sein“ verfällt. Beide verlieben sich in den hübschen aber seelisch kaputten Neil, Wendy gibt ihre Schwärmerei schnell auf, als sie Neils Charakter entdeckt (sie ist auch die Einzige, der er sich bis zu einem gewissen Grad anvertraut hat, weder Eric noch seine Mutter haben eine Ahnung von den Ereignissen aus seiner Kindheit) und merkt, dass er mit Mädchen nicht das Geringste anfangen kann. Eric fällt das etwas schwerer. Er hat zu Beginn regelmäßig Sex mit Neil und kann sich seiner Liebe für ihn nur schwer erwehren. Als Neil vorübergehend nach New York geht, um in Wendys – die dorthin gezogen ist – Nähe zu sein, freundet sich Eric mit Brian an, der kurz nach Neils Abreise atemlos vor dem Haus der McCormicks erscheint und Neil sehen möchte.

Die Zeit in New York ist nicht einfach für Neil. „New York ist nicht Kansas“ wird ihm von allen Seiten gesagt. Und das soll sich als wahr heraus stellen. Als er eines Tages mit dem falschen Mann nach Hause geht, wird er vergewaltigt und schwer misshandelt und macht sich in der Folge zum ersten Mal wirklich Gedanken über seine Sexualität – und über sein Leben.


He’s going to kill me, I thought. [...] I landed in the bathtub. My face was turned away from him, toward the gold circle of the dray. I saw stray  beads of water, a soap bubble, a black pubic hair. „You’re getting fucked whether you want it or not,“ his voice said, and in the cold space of the bathroom it echoed like a barbarous god’s. „And I know you want it.“
For a second I thought of Zeke, sprawled on his hotel bed, disease dotting his skin. This trick was much worse. I felt my legs being pulled up, slabs of meat a butcher hoists toward the gleaming hook. He maneuvered me into a failed headstand, and the side of my face slammed against the tub’s bottom. Something made the sound of a walnut cracking. The thumb pushed back into my ass. Another. Then, unmistakibly, I felt him twiddling his thumbs inside me, that classic bored gesture I suddenly knew I’d never make again. He took that as his cue to pull my body toward his. My ass became his bull’s eye. His dick slammed against the hole, holding there, teasing it, and then my tight bud of skin gave way to it. He was inside me. „Gonna show you what that hole was made for.“ [...] His body pistoned back and forth as it had when he’d fucked my face. [...] My eyes closed. When I reopened them, I saw blood swirling toward the drain.
The shower of water enraged him, a rage I could feel shooting into my own body. „Slut,“ he screamed.



Ich denke das reicht, um einen Eindruck zu gewinnen, wie weit Heim in seinen Beschreibungen Sexualität und Gewalt betreffend geht – dabei aber nie selbstzweckhaft wirkt, jede Szene hat ihren Sinn. Ich habe hier lediglich einen kurzen Ausschnitt zitiert , ich könnte auch noch ausführen, wie der Freier Neil in der Folge mit einer Shampoo Flasche halb tot prügelt und ihn dabei weiter penetriert – but you get the idea...Zeke, ein Freier mit einer Hautkrankheit, der im obigen Exzerpt kurz erwähnt wird, wird im Film übrigens ziemlich überzeugend – und gegen den Strich besetzt – von der fiesen B-Movie-Obersau Billy Drago verkörpert.
Neil kehrt also nach Kansas zurück, um Brian – über den ihm Eric in einem Brief bereits berichtete – zu helfen und ein weiteres Mal mit seiner Vergangenheit, dem Ursprung seines Lebens wie es jetzt ist, konfrontiert zu werden. Gemeinsam mit Eric steigen sie in das frühere Haus des Coaches ein und Neil beginnt zu erzählen. Brian ist sich der Geschehnisse auf einmal bewusst und sie ergänzen die Geschichte gegenseitig. Ich möchte jetzt keinerlei Zitate bringen, weil dies das Feeling für das Herzstück der Geschichte zunichte machen würde, aber ich kann euch verraten, dass es eine emotionale und ergreifende Reise in die Vergangenheit wird. Am Ende liegt Brian seinem Leidensgenossen aus einem früheren Leben weinend in den Armen, eine Szene, die in der Verfilmung hervorragend umgesetzt wurde und die mir – auch in Buchform – Tränen in die Augen trieb. Anhand der Zitate und meinem Eifer, über die Geschichte zu berichten, merkt ihr sicherlich wie unheimlich ergreifend und energiegeladen Heim schreibt, seine Worte haben eine Authenzität und Kraft, für die mir die Worte fehlen.
„Mysterious Skin“ ist eine vielschichtige, unangenehm zu lesende, aber unheimlich wichtige Geschichte über Kindesmissbrauch, das Leben, die Liebe. Egal was ihr gerade lest, lasst es stehen und liegen, kauft euch dieses Buch und schaut euch danach die sehr gelungene Verfilmung an. Ich bin traurig, wütend, verstört, aber begeistert wie selten.
Die Vergangenheit kennen unsere beiden Protagonisten nun beide. Doch was wird die Zukunft bringen...? Schließen möchte ich mit den letzten Worten des Romans (keine Sorge, damit trübe ich euren Lesegenuss nicht).


The house’s door clattered open, and the room’s light flickered on.
A woman gasped. Through the open door I could see a sliver of carolers, some faces peering inside at the scattered tatters of money, some faces turned to the sky and the snow, bow beginning to fall. And there, in front of them, in the room with us, stood the family, their outlines barely visible within the weight of the room’s light. It was a light that shone over our faces, our wounds and scars. It was a light so brilliant and white it could have been beamed from heaven, and Brian and I could have been angels basking in it. But it wasn’t, and we weren’t.











Offline Thomas Covenant

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Re: Review: MYSTERIOUS SKIN (Scott Heim)
« Antwort #1 am: 26. Dezember 2007, 20:30:51 »
Wow :shock:da musste aber einiges raus. Ich werde das Buch nicht lesen, trotz deiner enthusiastischen Review. Habe ja bei meiner kurzen Filmkritik schon eher abgewinkt. Das Thema reizt mich nicht. Kann aber verstehen wenn ihr das Buch klasse findet. Ist bestimmt keine schlechte Literatur.Hab ne Abneigung gegen Drogen und Homothematiken-reizt mich null. Der Film hat mich schon genug geschafft ;)

Lionel

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Re: Review: MYSTERIOUS SKIN (Scott Heim)
« Antwort #2 am: 26. Dezember 2007, 21:02:10 »
Wow :shock:da musste aber einiges raus. Ich werde das Buch nicht lesen, trotz deiner enthusiastischen Review. Habe ja bei meiner kurzen Filmkritik schon eher abgewinkt. Das Thema reizt mich nicht. Kann aber verstehen wenn ihr das Buch klasse findet. Ist bestimmt keine schlechte Literatur.Hab ne Abneigung gegen Drogen und Homothematiken-reizt mich null. Der Film hat mich schon genug geschafft ;)
Schade...sowohl Film als auch Buch sind absolute Bomben, ganz unabhängig von der prekären Thematik.

Online JasonXtreme

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Re: Review: MYSTERIOUS SKIN (Scott Heim)
« Antwort #3 am: 27. Dezember 2007, 10:49:44 »
Ich werds mal lesen - aber das Review erst nach meinem Urlaub :D
Einmal dachte ich ich hätte unrecht... aber ich hatte mich geirrt.


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Lionel

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Re: Review: MYSTERIOUS SKIN (Scott Heim)
« Antwort #4 am: 27. Dezember 2007, 11:11:58 »
Ich werds mal lesen - aber das Review erst nach meinem Urlaub :D
Dir wirds sicher gefallen - also das Buch, das Review weiß ich nicht :D

Online JasonXtreme

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Re: Review: MYSTERIOUS SKIN (Scott Heim)
« Antwort #5 am: 27. Dezember 2007, 11:20:24 »
ich werd beides testen :D
Einmal dachte ich ich hätte unrecht... aber ich hatte mich geirrt.


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Lionel

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Re: Review: MYSTERIOUS SKIN (Scott Heim)
« Antwort #6 am: 27. Dezember 2007, 11:25:47 »
Hast den Film jetzt eigentlich gesehen?

Offline Bloodsurfer

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Re: Review: MYSTERIOUS SKIN (Scott Heim)
« Antwort #7 am: 27. Dezember 2007, 14:40:24 »
Bestellt.

Offline Flightcrank

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Re: Review: MYSTERIOUS SKIN (Scott Heim)
« Antwort #8 am: 27. Dezember 2007, 15:41:45 »
Also ich glaub den Film werde ich mir demnächst mal zulegen. Scheiß drauf ob der 15,-EUR kostet...

Lionel

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Re: Review: MYSTERIOUS SKIN (Scott Heim)
« Antwort #9 am: 27. Dezember 2007, 20:00:28 »
Bestellt.
Also ich glaub den Film werde ich mir demnächst mal zulegen. Scheiß drauf ob der 15,-EUR kostet...
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