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Autor Thema: Bushido und die deutschen Gangster...  (Gelesen 7069 mal)

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Offline Max_Cherry

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Re: Bushido und die deutschen Gangster...
« am: 21. April 2009, 11:31:27 »
Oha, riesen Diskussion.
Ich wollte ja auch noch was dazu loswerden, aber da hab ich die letzten, laangen, gut überlegten Beiträge noch nicht gelesen. Also mach ichs ganz kurz:
Ich finde man muss an vielen Stellen differenzieren. Auf der einen Seite gibt es den sogenannten Battle-Rap:

Zitat
Battle-Rap (von englisch battle: Kampf) ist eine Form des Rap, bei der das Dissen eines fiktiven oder realen Gegners und die übertrieben positive Darstellung der eigenen Person im Mittelpunkt steht.

Der Battle-Rapper versucht den Gegner mit möglichst fantasievollen und in technisch möglichst ausgefeiltem Sprechgesang vorgebrachten Beleidigungen in Form von Reimen anzugreifen. Die Diss-Attacken beziehen sich dabei häufig auf die angeblich oder tatsächlich fehlenden Rapfähigkeiten (skills) des Kontrahenten, seine Integrität und Glaubwürdigkeit innerhalb der Szene (realness, credibility) und sind oft sexuell konnotiert. Gewaltmetaphern und Selbstüberhöhung (Angeberei) – oft bezogen auf die eigene sexuelle oder auch finanzielle Potenz sowie über demonstrativen Konsum – sind ebenfalls typische Elemente des Stils.

Der Battle-Rap ist eng mit dem Grundgedanken der Hip-Hop-Kultur verbunden, die durch das agonale Prinzip des Wettkampfs bestimmt ist. Im Battle wird in gewaltfreier Weise symbolisches Kapital und standing der Protagonisten innerhalb der Szene verhandelt. Battle-Rap ist eine der Urformen der Rapmusik.

Dem Boxsport vergleichbar gibt es auch im Battle-Rap Regeln: So sind rassistische Äußerungen gegenüber dem Gegner oder Schmähungen seiner nahen Verwandten meist nicht zulässig. Dabei ist „Spiel über die Bande“, um genannte Einschränkungen zu umgehen, ebenfalls nicht gern gesehen.

MCs und Rapformationen, die für ihre Battle-Skills bekannt sind/waren und auf diesem Gebiet Maßstäbe gesetzt haben, sind beispielsweise der Wu-Tang Clan, The Notorious B.I.G., 2Pac, Rakim, Big L, Big Daddy Kane, Eminem, Nas, Jay-Z, in Deutschland Tone , Westberlin Maskulin (Taktloss und Kool Savas), Sido, M.O.R., Kollegah, Favorite, Eko Fresh, Prinz Pi (noch als Prinz Porno), Sha-Karl und Samy Deluxe.

Und da sehe ich das quai genauso wie bei Filmen, denn diese Art von Musik ist eine Kunstform, die einfach nicht für Kinder geeignet ist! Und da ist m.m.n. der Unterschied zu Filmen, hier besteht eine größere Gefahr, dass die Kids das ernst nehmen. In den meisten Fällen ist es aber ganz und gar nicht so gemeint. Ich finde so kleine Reibereien zwischen deutschen Rappern (z.B. Azad und Sido damals) auch eher lächerlich und kindisch, aber meine Güte, damals bei 2Pack und Biggie flogen richtige Kugeln.
Das große Problem ist nun mal, dass die Kids die Ironie in den Texten und eben die Form des Battle Raps, der so sein muss (ist halt "Hip Hop-Sport", den anderen verbal fertig zu machen) nicht verstehen und die Texte auf Ihre reale Welt übertragen. Und da ist das Problem, muss ein Künstler Rücksicht nehmen? Hat er Verantwortung gegenüber den Konsumenten? Warum muss das bei Musik so sein und bei Filmen nicht?
Ich denke wie bei den Filmen bieten die Texte Identifikationsmöglichkeiten und auch Sprache, die von ZU jungen Leuten abgeschaut werden, die Ursachen für Gewalt ist sicherlich überwiegend wo anders zu suchen, ich denke niemand fängt durch einen Bushido-Song an, 10-jährige zu mishandeln. Was ist mit Elternhaus, soziales Umfeld generell, Perspektivenlosigkeit...
Das erinnert mich mal wieder an ein Scream-Zitat: "Nein Sid, schieb es nicht auf die Filme, niemand wird durch sie wahnsinnig, aber Wahnsinnige werden durch sie kreativer." Und wie gesagt ist da wieder die Frage der Verantwortung auf. Aber da es genügend Leute gibt, die sich Ganster-Rap anhören und "normal" sind (ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie viele den Spacken Bushido hören...) finde ich es zu einfach Gewaltverhalten auf Rap Musik zu schieben.

Klar gibt es da noch Spacken wie Bushido oder Fler, bei denen die Texte ja so authentisch sein sollen und eben auch so verkauft werden, das hat mit dem "Hip Hop"-Gedanken nichts mehr zu tun, das ist Popmusik, aber eben recht gefährliche, da dies von den Kids abgekupfert wird (siehe oben, da habt ihr ja schon genug zu geschrieben).

Also nach wie vor werd ich mir z.B. Sido, Beatfabrik, Kool Savas oder Taktlo$$ gelegentlich anhören, denn bei aller "Gewalt" in den Texten finde ich die sprachlichen Bilder und auch oft eingesetzte Selbstironie (ganz vorne= Sido) einfach unterhaltsam und es gibt definitiv gute deutsche Rapper, kein Plan, ob das oben weiter schon Thema war.
Andererseits gibt es auch lockeren, gehaltvolleren Hip Hop z.B. von Dendemann (neben dem frühen kool Savas, der beste MC in Deutschland.) oder die Absoluten Beginner.

 

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