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Autor Thema: Review: Spiel der Götter - Als Buddha den Fußball entdeckte (Phörpa)  (Gelesen 632 mal)

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Offline Lionel

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http://www.ofdb.de/film/21631,Spiel-der-G%C3%B6tter---Als-Buddha-den-Fu%C3%9Fball-entdeckte

http://www.imdb.com/title/tt0201840/


Im Sommer 1998 in einem tibetisch-buddhistischen Kloster in Nordindien, am Fuße des Himalaya: Während einmal mehr zwei junge Männer, Palden und Nyima – Onkel und Neffe –, aus Tibet geflohen sind um Unterschlupf im Mönchskloster zu finden, steckt der kleine vorwitzige Orgyen seine Ordensbrüder mit seinem Fußballfieber an, denn in Frankreich findet gerade die Fußballweltmeisterschaft statt. Orgyens Zimmer ist mit den Postern seiner Helden dekoriert, sein größtes Vorbild ist der brasilianische Stürmerstar Ronaldo, von dem er auch ein Trikot besitzt. Nachdem Orgyen und einige andere Mönche sich zu Beginn nachts aus dem Kloster schleichen, um die Spiele sehen zu können, droht ihnen schon bald der Ausschluss aus dem Kloster, nachdem die Sache auffliegt. Nun muss sich Orgyen etwas einfallen lassen, um zumindest das Finale zwischen Frankreich und Brasilien sehen zu können. Das Anliegen einen Fernseher zu mieten, wird an den alten und weisen Abt des Klosters herangetragen, der nach einigen Erklärungen des Begriffs Fußball und des Zaubers, der eine WM ausmacht, das Spiel für einen Kampf zweier Nationen um einen Ball hält. Nachdem auch sicher ist, dass Fußball nichts mit Sex zu tun hat, stimmt der Abt dem Anliegen zu, sodass es nun an Orgyen und seinen Freunden ist, das Geld für die Miete beim indischen Verleiher aufzutreiben. Der sprichwörtliche Hut macht die Runde, aber als am Ende immer noch Geld fehlt, zwingt Orgyen den Neuankömmling aus Tibet, den kleinen Palden, seine Uhr als Pfand abzugeben. Dafür verspricht  er ihm vor dem Fernseher einen Platz in der ersten Reihe. Als nach einigen Fehlschlägen tatsächlich der Fernseher geliehen werden kann und zum Laufen gebracht wird, scheint einem gemeinsamen Fußballfest nichts mehr im Wege zu stehen – selbst der Abt und seine rechte Hand wohnen dem Ereignis bei. Doch Orgyen, den Initiator und Fußball-Fan Nr. 1, plagen Gewissensbisse, merkt er doch wie traurig Palden über den Verlust seiner Uhr ist. Nun muss er sich überlegen, wie er zu Geld kommt, um die Uhr des Freundes zurückzubekommen...


 


Spiel der Götter basiert offenbar auf wahren Ereignissen, die sich im Sommer 1998 in einem buddhistischen Kloster zugetragen haben. Der australisch-bhutanische Film ist einer dieser Kleinode am weiten cineastischen Himmel, der mit Authenzität, Feinfühligkeit und subtilem Humor auftrumpfen kann. Neben den beeindruckenden Landschaftsbildern und den witzigen Fußballreminiszensen - neben all den Originalszenen von der WM 1998, insbesondere vom Finale -, sticht vor allem die moralische Botschaft hervor, wobei man mehr als nur eine interpretieren kann. Zum einen ist der alte Abt sehr offen für Neues und stellt das Glück seiner Mönche in den Vordergrund – ein Aufruf gegen konservative Starrsinnigkeit und Verschlossenheit gegen Neuerungen; zum anderen wird das Zusammengehörigkeitsgefühl zwischen den Mönchen gestärkt – alleine ist man schwach, zusammen kann man alles erreichen. Aber die wichtigste Botschaft ist wohl der Appell gegen Egoismus und Oberflächlichkeit, in der Form nämlich, dass Orgyen merkt, wie sein blinder Wille das Spiel zu sehen, dazu geführt hat, dass sein Freund Palden sehr unglücklich ist.


     

   


Neben der psychedelisch-spirituellen Musik wartet der Film auch mit diversen humorvollen Szenen auf, etwa, als Orgyen den Wahrsager in seinem Zimmer einsperrt, bis dieser ihm das fehlende Geld vorgestreckt hat, oder der Fernseher/Schüssel von dem geldgierigen Inder per Traktor transportiert wird - ganz zu Schweigen vom Aufstellen der Satellitenschüssel. Auch die Tatsache, dass eine ganze Meute von Mönchen sich vor einem Schwarz-Weiß-Fernseher im Miniformat versammeln und absolut glücklich und zufrieden damit sind, ruft dem westlichen Zuschauer einmal mehr ins Gedächtnis, dass es nicht jedem so gut geht wie uns und dass es die kleinen Dinge im Leben sind, die zählen. In diesem Zusammenhang ist es auch sehr amüsant zu beobachten, mit welch kindlicher Begeisterung die Mönche bei der Sache sind, sich auf die Seite Frankreichs, Brasiliens oder Italiens schlagen, zum Teil ohne überhaupt die Regeln des Spiels richtig zu verstehen. Als schließlich der Strom während des Spiels ausfällt, und einer der Mönche die Frage in den Raum wirft, wann sich der Fortschritt in ihrem Land endlich niederschlägt, der nächste die Antwort gibt man müsste vielleicht zuerst das Elektrizitätswerk bestechen, zeigt sich der humoristische Charakter des Films vollends. Nicht aber, ohne die Zuschauer am Ende mit einigen ernsten Weisheiten zu beglücken. Vor dem Abspann werden dann noch einige Fakten eingeblendet, wie es den Charakteren in der Folge weiter ergangen ist.
Ein kleiner, aber doch ganz großer Film. Und nicht umsonst der Publikumsliebling der Filmfestivals von Cannes und München, wie das Cover der deutschen DVD bemerkt. Ein Muss für jeden Filmfan, eine Empfehlung für jeden Fußballfan – und ein besonders schönes Erlebnis für Film- und Fußballfans.

In meinem Besitz findet sich die deutsche DVD von Planet Media, die leider nur deutschen Ton und so gut wie keine Extras bietet – lediglich eine Bildergalerie und ein Trailer sind vertreten. Allerdings ist die Synchro wirklich gut gelungen und die Qualität der Disc absolut annehmbar.


Filmwertung :arrow: 7,5-8/10



Trailer:



« Letzte Änderung: 07. Dezember 2011, 20:39:06 von nemesis »


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