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Autor Thema: Review: CRAZY IN ALABAMA (Mark Childress)  (Gelesen 1402 mal)

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Offline Lionel

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Review: CRAZY IN ALABAMA (Mark Childress)
« am: 02. April 2010, 00:07:29 »



http://www.amazon.de/Verr%C3%BCckt-Alabama-Roman-Mark-Childress/dp/3442432073/ref=sr_1_2?ie=UTF8&s=books&qid=1250540370&sr=1-2


Lucille Vinson hat es satt: das stupide Leben an der Seite ihres Mannes, die sechs Kinder, den ganzen Haushalt. Mein Gott, sie ist schließlich noch nicht einmal vierunddreißig! Und sie hat einen Traum, den sie endlich verwirklichen will.

Zeit also, die Dinge in die Hand zu nehmen, die Kinder zur Oma zu bringen und nach Westen aufzubrechen, wo Hollywood zweifellos auf sie wartet: Verrückt? Nein, verrückt war es, so lange zu leben, ohne gelebt zu haben. Lucille ist nicht die einzige, die in diesem heißen Sommer 1965 in Alabama aufbegehrt. Es brodelt in den Südstaaten, alte Ordnungen geraten ins Wanken, und am Ende wird nichts mehr so sein wie früher.
(amazon.de)


Ich mach da mal nen extra Thread auf, da es (hoffentlich) noch andere lesen werden und es sonst zu unübersichtlich wird, weil jeder denkt, dass es nur um Abgebrannt in Mississippi geht. Von mir aus kann man die Themen aber auch zusammenführen und den Threadtitel umbenenennen. ;)

Die Südstaaten in den 1960er Jahren. Überall herrschen Rassenunruhen, es werden Sit-Ins und Demos initialisiert und zerschlagen, Martin Luther King hält bewegende Reden - und irgendwo zwischen Ku Klux Klan und Freedom Now lebt der kleine Peter Joseph, genannt PeeJoe, mit seinem Bruder Wiley und seiner Großmutter Meemaw.
Als seine Tante Lucille eines Tages ihren Mann umbringt und mit dem abgetrennten Kopf in einer Hutbox vor ihrer Haustür aufkreuzt, um anzukündigen, dass sie nun endlich frei sei und nach Hollywood gehe um eine berühmte Schauspielerin zu werden, stellt sich für PeeJoe sein gesamtes Leben auf den Kopf.
Als auch noch ein kleiner schwarzer Junge vom rassistischen Sheriff und seinen Kumpanen bei einem Sit-In im örtlichen Schwimmbad umgebracht, der Mord aber vertuscht wird, überschlagen sich die Ereignisse. PeeJoes Onkel Dove, der ortsansässige Bestattungsunternehmer, setzt alles daran wieder für Ordnung im Ort zu sorgen und den Mord an dem schwarzen Jungen - der für viel Aufsehen sorgt - zu sühnen. PeeJoe, der sich bei einem Ferienjob ein Auge ausschlägt und auf jener Seite das Augenlicht verliert, unterstützt seinen Onkel und wird sogar zum Helden, als er bei einer chaotischen Auseinandersetzung einen kleinen farbigen Jungen beschützt.

Währenddessen ist Lucille in Hollywood angekommen und genießt erstmal das Leben. Jede Menge Männer, Glücksspiel und Spaß. Die ganze Zeit über in einer Hutschachtel an ihrer Seite: der Kopf ihres Mannes, der öfter auch mal mit ihr spricht. Als Lucille es gerade gelingt eine Rolle in "The Beverly Hillbillies" zu bekommen und die High Society Hollywoods kennenlernt, wird sie gefasst und zu Hause im Süden vor Gericht gestellt. Der heimtückische Sheriff will nun einen Deal mit Dove, um seinen eigenen Hals aus der Schlinge zu ziehen: ein Fallenlassen der Anklage gegen ihn, den Sheriff, würde diesen dazu veranlassen an einigen Fäden zu ziehen, um Lucille freizubekommen. Dove und PeeJoe stehen vor einem moralischen Dilemma...

Das etwa 400 Seiten dicke Buch war abermals ein Erlebnis, Childress ist ein großartiger Schriftsteller. Zwar konnte mich die Handlung nicht ganz so packen wie bei Abgebrannt in Mississippi, aber auch dieses Buch packt wieder einen der Südstaaten in eine Geschichte aus Coming of Age und Zeitgeschichte. Nur liegt diesmal die Priorität klar auf letzterem Punkt, hübsch verpackt in einer morbiden aber unterhaltsamen Geschichte, die ihre surrealen Handlungsstränge mit realen Ereignissen und Begebenheiten verquickt. So trifft PeeJoe in einer Szene Dr. Martin Luther King, der ihm die Hand schüttelt und ihn beglückwünscht, und der kurz darauf sogar eine Rede hält.

Dieses Buch entblättert eine Geschichte über den Rassissmus im Süden der USA der 60er Jahre, ist aber gleichzeitig auch ein Aufruf zur Zivilcourage und zeigt, dass einzelne Menschen doch etwas ändern können - und wenn sie es schon nicht können, es zumindest versuchen sollten. Darüber hinaus präsentiert Childress seinen Lesern einige heftige Szenen, die jedoch durchaus aus der Realität gegriffen sind...nicht nur der Mord an dem schwarzen Jungen, auch übelste Schlägereien, Lynchmobs und Brandschatzungen werden hier beschrieben, ja, sogar eine Hit-and-Run-Aktion von Menschen aus der weißen Mittelklasse, die einfach so auf offener Straße einen Farbigen niederschießen.

Childress versteht es seinen Figuren Leben einzuhauchen und ein Ambiente zu schaffen, das man als Leser automatisch in sich aufsaugt. Alles in allem bietet es nicht ganz die Substanz und den flüssigen Schreibstil von Abgebrannt in Mississippi (allerdings ist es auch deutlich dünner), aber ein Erlebnis ist es allemal. Wer genanntes mochte, wird auch hier bestens bedient.
Den Film hab ich übrigens ganz anders in Erinnerung. Während das Buch immer zwischen den beiden Handlungssträngen "PeeJoe" und "Lucille" hin- und herwechselt, dachte ich, dass im Film Lucille ganz klar das Hauptaugenmerk einnimmt. Ich kann mich aber auch täuschen, ist schon x Jahre her. Für mich aber nun ein Grund, den Film wieder mal anzuschauen.


EDIT: Ist ja doch ein kleines Review geworden, war gar nicht geplant. :D
« Letzte Änderung: 04. April 2010, 15:04:26 von Lionel »


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Offline Thomas Covenant

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Antw:Review: VERRÜCKT IN ALABAMA (Mark Childress)
« Antwort #1 am: 02. April 2010, 09:56:57 »
Sobald ich das mal sehe, geht das mit. Klingt sehr gut !!
« Letzte Änderung: 02. April 2010, 09:57:10 von Thomas Covenant »

Offline Lionel

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Antw:Review: VERRÜCKT IN ALABAMA (Mark Childress)
« Antwort #2 am: 02. April 2010, 19:13:58 »
Du wirst es mögen, Gunther, und Marco auch. Beim Rest bin ich mir nicht so sicher.. :D


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Offline JasonXtreme

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Antw:Review: CRAZY IN ALABAMA (Mark Childress)
« Antwort #3 am: 06. April 2010, 13:09:21 »
Da bin ich mir SICHER! Es liegt jetz doch noch ein Lincoln/Child an :D dann isses fällig! Liegt ja schon bereit
Einmal dachte ich ich hätte unrecht... aber ich hatte mich geirrt.


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Antw:Review: CRAZY IN ALABAMA (Mark Childress)
« Antwort #4 am: 06. April 2010, 13:48:31 »
Von Childress kenn ich nur "Heartbreak Hotel" (leider nur halb, aber steht hier noch im Regal), in dem es in Romanform über das Leben von Elvis zum Anfang seiner Karriere geht.
Soweit ich es in Erinnerung hab, ein richtig tolles Buch. Dass ich es nicht zu Ende gelesen hab, hat nichts zu sagen. Bin halt n fauler Hund.

 

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