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Autor Thema: Review: Battle Royale  (Gelesen 965 mal)

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Review: Battle Royale
« am: 16. Dezember 2011, 19:39:46 »
   

http://www.ofdb.de/film/9742,Battle-Royale---Nur-einer-kann-%C3%BCberleben


Japan ist am Ende. Die Arbeitslosenzahl nimmt astronomische Ausmaße an, die Jugendkriminalität steigt ständig. Aus diesem Grund hat die japanische Regierung den "Battle Royale - Akt" erlassen. Bei dieser "erzieherischen" Maßnahme werden Schüler einer Klasse gezwungen sich gegenseitig umzubringen, denn nur einer kann überleben. In diesem Jahr erwischt es die Klasse B von Lehrer Kitano (Takeshi Kitano), unter dessen Aufsicht. Manche bringen sich gleich um, ein neuer Schüler nimmt nur aus Spaß teil. Jeder bekommt eine Waffe zugeteilt; dies kann eine Axt, beispielsweise aber auch nur ein Topfdeckel sein. Auf der verlassenen Insel wird die Klasse von Kitano und einigen Soldaten mit Hilfe eines Computers überwacht und das grausame Geschehen nimmt seinen Lauf.

"Battle Royale" von Kultregisseur Kinji Fukasaku hat sich binnen kürzester Zeit zu einem der umstrittensten Filme überhaupt entwickelt. Verantwortlich dafür ist die Thematik der sich abschlachtenden Schüler, die der Zensur in dem einen oder anderen Land erwartungsgemäß sauer aufgestoßen ist. Natürlich kam der Film in Deutschland nur in einer stark geschnittenen Fassung raus; zum Vergleich: in Japan wurde er als FSK 15 beantragt (was zugegebenermaßen für japanische Verhältnisse auch recht streng ist).
"Battle Royale" ist offene Kritik an der japanischen Gesellschaft. So wird uns das Familienleben des Protagonisten Nanahara folgendermaßen präsentiert: Sein Vater brachte sich ein Jahr zuvor um und ließ seinen Sohn alleine zurück. Er fühlte sich als Versager, konnte keinen Job finden und hatte das Gefühl nicht für seinen Sohn sorgen zu können, ihm nichts beibringen zu können, und in der japanischen Gesellschaft nicht als "vollwertiger Mann" zu gelten. Die Zukunft des Landes wird schwarz gezeichnet: Die Arbeitslosenzahl liegt bei 15% und die Jugendlichen haben jegliches Interesse an Schule und Bildung verloren. Stattdessen driften sie in die Kriminalität ab. Lehrer Kitano wird mit dem Messer angegriffen, die Klasse schwänzt den Unterricht und Kitano prangert an, dass ein Lehrer heutzutage gleich gefeuert würde, käme er auf die Idee sich zur Wehr zu setzen.

Die Botschaft in "Battle Royale" ist also durchaus vorhanden. Leider wird der Verlauf des Films dem anspruchvollen Inhalt nicht gerecht.
Stattdessen entwickelt er sich zu einem Splatterspektakel, denn jeder Tod der insgesamt 42 Neuntklässler wird gezeigt. Nach einer Weile tritt der "Versus-Effekt" ein. Obwohl dieser genauso wie besprochener ein hervorragender Film ist, kann es dazu kommen, dass der Zuschauer ab einem gewissen Punkt des 2 h andauernden Epos das Interesse an der Blutorgie verliert. Doch dann kriegt "Battle Royale" noch rechtzeitig die Kurve und bietet ein überraschendes, gut gemachtes Ende. Leider ist dieses etwas zu lang ausgefallen, womit ich folgendes meine: das Ende des BR Aktes ist wirklich klasse gemacht, aber die Tatsache das die beiden Überlebenden von nun an ständig auf der Flucht sind, finde ich nicht so wirklich gelungen. Da wurde bereits die Möglichkeit einer Fortsetzung berücksichtigt, die ja auch kam.

Regisseur Fukasaku, der leider bei den Dreharbeiten zur Fortsetzung an Krebs verstarb (R.I.P.), verarbeitete mit der Realisierung des Films auch seine eigenen Erfahrungen. Als er im Alter der Schüler war, musste er in den Krieg ziehen. Man merkt an der Umsetzung, dass Fukasaku sein ganzes Herzblut in diesen Film gelegt hat.
Kitano spielt seine Rolle hervorragend, "er musste ja nur sich selbst spielen", wie er in einem Interview sagt, bzw. den typischen Charakter seiner bisherigen Rollen. Im Film wird er von seiner Familie, insbesondere seiner Tochter, verachtet. Dadurch lässt sich die etwas schwer durchschaubare Beziehung zwischen Kitano und Noriko, in dem sie (ist jetzt meine Interpretation) eine Art Vaterfigur sieht. Dies wird durch den Traum bzw. das Gespräch der beiden am Ende (in der längeren Version der Tin-Fassung) unterstrichen. Das Bild, das Kitano am Ende Kawada, Nanahara und Noriko präsentiert hat er übrigens selbst gemalt.
Die anderen Darsteller machen ihre Sache ebenfalls sehr gut, gerade angesichts der Tatsache, dass sie nur 15 Jahre oder jünger sind.

Fazit: "Battle Royale" ist ein Film mit unermesslichem Potenzial. Was man ihm zugute halten muss, ist dass er ungemein unterhält. Die Goreszenen sollten aber eigentlich eher das Tüpfelchen auf dem i eines guten Films sein. Er verspielt einen Punkt bei mir durch die Tatsache, dass er die ernste Thematik nicht genügend berücksichtigt und stattdessen eher auf Schlachtfestsequenzen setzt. Außerdem gibt es leichte Abstriche für das Ende (was andere aber vielleicht als sehr gelungen betrachten).
Bevor jetzt allerdings ein falscher Eindruck entsteht: Ich liebe diesen Film und kann ihn euch nur ans Herz legen. Natürlich fand ich die Goreszenen beeindruckend, doch ebenso hat mir die grundlegende Thematik und die Rückblenden- und Traumsequenzentechnik gefallen. Ein kurzes Wort zum Medium: Ich würde die Tin Doppel DVD von Tartan empfehlen, da dort sagenhafte Extras vertreten sind und zusätzliche Szenen eingefügt wurden. Allerdings gibt es auch leichte Abstriche hinzunehmen. Es wurde lediglich eine DVD 5 verwendet, die Farbintensität wirkt insgesamt etwas schwach ausgeprägt. Der Sound ist in Ordnung. OmU.
Wer Battle Royale verpasst, ist selbst schuld.


Filmwertung: 9/10

http://beyondhollywood.de/index.php/topic,681.50.html

 

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