Beyond Hollywood - das Filmsyndikat

 
Bitte logg dich ein oder registriere dich.

Autor Thema: Review: Chaos  (Gelesen 854 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Online nemesis

  • In der Vergangenheit lebender
  • Administrator
  • *****
  • Beiträge: 53.197
  • Shake it baby, shake it!
    • Profil anzeigen
    • beyondhollywood.de/
Review: Chaos
« am: 16. Dezember 2011, 20:16:27 »


http://www.ofdb.de/film/22513,Chaos


Die hübsche Saori und ihr Mann Takayuki essen zusammen in einem Restaurant. Sie geht etwas früher hinaus und als er nachkommt ist sie weg. Wenig später erhält er einen Anruf von einem Mann, der behauptet er hätte seine Frau entführt und Lösegeld erpresst. Die Entführung ist jedoch ein abgekartetes Spiel, ist sie doch von Saori selbst in Auftrag gegeben worden, die ihren untreuen Ehemann auf seine evtl. noch vorhandene Loyalität und Liebe hin testen will. Das gesamte Handlungsgerüst gerät aus den Fugen als der Entführer nach Hause kommt, Saori ermordet vorfindet und seinerseits einen Anruf bekommt. Doch nichts ist wie es scheint...

Dieser 1999 entstandene Thriller von Hideo Nakata ("Ringu", "Dark Water") hat ausnahmsweise rein gar nichts mit Geistern oder Grusel zu tun, sondern überzeugt als eine auf den ersten Blick eigenartige Mischung aus David Lynch-artigen Filmen wie "Lost Highway" und "Mullholland Drive" und dem Spannungsbogen eines Hitchcock-Werks wie "Vertigo". Geradezu beiläufig und spielerisch arbeitet Nakata hier mit den Zeitebenen und lässt auch einen Vergleich zum großartigen "Memento" aufkommen. Im Gegensatz zu diesem wird die Handlung jedoch nicht komplett rückwärts erzählt, sondern geradezu sprunghaft mal mit Rückblenden mal stringent vorangetrieben.
Etwa zur Mitte des Films fragte ich mich ob das ganze überhaupt einen Sinn ergeben kann, denn zu diesem Zeitpunkt merkte ich gar nicht, dass die Handlung gerade rückwärts abläuft, ein paar wenige Szenen später jedoch wieder in der Gegenwart spielte. Konzentration und Aufmerksamkeit werden hier als vom Rezipienten durchaus verlangt.

Der oben beschriebene Inhalt ist wirklich nur ein ganz grobes Handlungsgerüst, denn es ist unglaublich wie viele Plottwists es hier gibt, die an dieser Stelle zu verraten eine Sünde wäre. Nichts ist wie es scheint, jeder spielt ein doppeltes Spiel, keiner meint es ehrlich.
Sei es der Ehemann selbst, dessen Geliebte oder der Entführer - bei jedem Protagonisten erwartet uns eine Überraschung bzw. eine Verknüpfung der Figuren wie man sie so nicht erwartet hatte.
Lediglich das Ende weiß nicht so ganz zu überzeugen, vielleicht muss ich da aber auch nur nochmal reinschauen.

Formal ist der Film typisch japanisch. Sehr ruhig, fast stoisch erzählt, erinnert er phasenweise ein wenig an Kurosawas "Cure". Ist zwar nicht Jedermanns Sache, mir gefällt diese Unaufgeregtheit aber sehr gut.
Der Soundtrack passt perfekt zum Geschehen und ist ebenfalls äußerst zurückhaltend in Szene gesetzt worden.
Nakata hat bewiesen das er nicht nur Geisterfilme drehen kann, sondern in jedem Genre zu Hause ist. Und was uns nicht wundern sollte: ein US-Remake ist schon in Planung (wenn nicht sogar schon abgedreht).

Die Veröffentlichung von AFN ist relativ gelungen, Bild und Ton liegen im überdurchschnittlichen Bereich. Wo allerdings die deutsche 5.1 Tonspur und das Making Of versteckt sein sollen, da bin ich noch nicht dahintergekommen.

Fazit: Absolut empfehlenswerter, ruhiger Thriller mit einem Weltklassedrehbuch und vielen Plottwists, überzeugenden Darstellern und einem passenden Soundtrack. Auch die deutsche Synchro ist gelungen.


Filmwertung :arrow: 9/10

http://beyondhollywood.de/index.php/topic,12095.msg418272.html#msg418272

 

SMF 2.0.15 | SMF © 2011, Simple Machines
ModernDark64 design by BlocWeb
Seite erstellt in 0.038 Sekunden mit 30 Abfragen.