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Autor Thema: Review: Rampo Noir  (Gelesen 860 mal)

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Review: Rampo Noir
« am: 16. Dezember 2011, 20:48:18 »
 

http://www.ofdb.de/film/89861,Rampo-Noir


Vier Geschichten vom japanischen Edgar Allen Poe, Edogawa Rampo. Puh, wo fang ich an...schon lange nicht mehr so was Stranges gesehen.



Die erste Geschichte, MARS CANAL, ist relativ kurz. Der Film fängt tonlos an, mündet aber nach ein paar Minuten in einer immer lauter werdenden Tonspur in Form eines schmerzenden Piepsen und Rauschen, sehr unangenehm.
Wir sehen ein grünes Feld mit einem Wasserloch. Asano läuft darauf zu. Zwischenschnitt: zwei nackte, sehr dünne Menschen rangeln miteinander. Schnitt. Asano liegt im Bett. Schnitt. Asano liegt nackt und zusammengerollt am Wasserloch.

Ja...fragt mich nicht. Sehr strange und auch nicht so wirklich fesselnd.



Die zweite Geschichte ist deutlich unterhaltsamer. In MIRROR HELL bekommt man kameratechnisch einiges geboten. Sehr edle Optik und ausgefallene Bilder.
"Life is what is reflected in the mirror. It's neither real nor unreal."
Ein Teehaus mit jungen, hübschen Frauen bei der Zeremonie. Eine der Frauen kippt um und stirbt. Auftritt Asano als Akechi, der in dem Mordfall ermittelt. Man kommt schon bald dem Spiegelmacher Toru auf die Spur, der in Verdacht gerät den "Shadow Mirror" hergestellt zu haben. Der Legende nach saugt er jedem das Leben aus, der sich darin betrachtet. Die Leichen häufen sich und letztlich hat alles mit einer Buddha Statue, einem Bahnschrankensignal und Torus narzistischer Besessenheit zu tun...

Unterhaltsame Episode. Die Auflösung will ich an dieser Stelle nicht verraten, sie hängt jedoch mit Torus Selbstverliebtheit, was schließlich auch Auswirkungen auf sein Verhältnis zu Frauen zu hat. See for yourself...
Sick ist eine Szene anzusehen, in der Toru und Azusa im Hotel sind und er sie gefesselt hat und während des Liebesspiels mit Wachs beträufelt: Körper, Zunge...



Die dritte Episode ist wohl die sickeste von allen. CATERPILLAR handelt von einer jungen Frau, die ihren Mann in einem Bunker gefangen hält. Der Mann ist mehr ein Torso, die Glieder sind abgetrennt, das Gesicht verstümmelt und entstellt. Sie prügelt ihn, sie hat Sex mit ihm, alles recht unangenehm anzusehen. Speichel und Rasierklingen kommen zum Einsatz.
"I don't want to be the wife of a war god. I just want to be your woman." Im Prinzip will sie ihren Mann "beschützen" und verhindern, dass er in den Krieg zieht und sie verlässt. Sie redet sich ein, ihm diese furchtbaren Dinge aus Liebe angetan zu haben.

Ei, ei, ei...Meine Herren. Das ist mal heftiger Stoff. Die Kamera fängt hier gleißend helle Bilder ein, entfernt von den Protagonisten, sehr artifiziell und mit Blautönen versehen.
In der bunkerähnlichen Anlage ist außerdem noch ein junger Mann anwesend, der Assistent des Onkels der Frau, der auf eine "Insel" geflüchtet ist. Der junge Mann hütet eine Kunstsammlung ganz besonderer Art...


Schnitt. Asano ist in einer Wüstenlandschaft zu sehen, es wird noch von einer "Insel" die Rede sein. Eine junge Frau kommt und berichtet ihm davon, dass die Haupstadt zerstört sei. Asano blickt durch ein Fernglas und sieht den jungen Mann aus der vorigen Episode.



Schnitt. Wir finden uns in der letzten Episode wieder, CRAWLING BUGS. Asano spielt hier einen jungen Mann, der von seiner Umwelt isoliert ist und Berührungen nicht ertragen kann. Tragischerweise ist er in eine Theaterschauspielerin verliebt, der er nicht nahe kommen kann. Daher tötet er sie, um diesen Umstand zu ändern.

Die Story spielt auf mehreren Ebenen. Immer wieder wird durch Flashbacks aufgegriffen, wie der Mord von statten ging und wie sich alles bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt entwickelt hat. Regelmäßig werden kryptische Botschaften eingeblendet: ein blau-lilanes Weltraumszenario, eine Überstimme erzählt vom Ende der Welt, von Isolation und wie Bakterien alles auffressen.
Durch Bilder komplementiert wird das Thema Bakterien durch einen Ausschlag Asanos am Hals, der ihn immer wieder zu heftigem Kratzen zwingt. Als er bei seinem Arzt ist, meint dieser, sein Leiden könnte psychologisch bedingt sein, und nur indem er sich seinem Problem stellt, könnte er seine Paranoia besiegen.
Asano tötet die Frau letztlich nicht weil er es will, sondern um sie beschützen, weil er sie liebt und ihr nah sein will. Es gibt z.B. auch eine strange Szene zu sehen, in der die Frau von ihrem Mann Blutegel auf die Haut aufgelegt bekommt, was Asano beobachtet.
Eine andere Ebene, auf der sich das Geschehen abspielt ist ein extrem bunter Garten mit gemalter Pappkulisse. Asano in weißem Smoking zusammen mit der toten Frau. Sein größtes Problem (Bakterien!) soll schon bald darin bestehen, die Leiche von der Verwesung abzuhalten. An dieser Stelle ist die Episode recht schwarzhumorig.
Es gibt auch Gore zu sehen und jede Menge bunte, gestylte, zugleich jedoch auf inhaltlicher Ebene schwer zugängliche Bilder. Das Ende wird nicht verraten, aber wem die Pointe in GOZU gefallen hat, der wird hier wohl ein Grinsen kaum unterdrücken können.
Ähnlich wie CATERPILLAR also ein Film über Liebe, wenngleich von der Grundidee natürlich ähnlich krank.


Fazit: RAMPO NOIR ist kein THREE EXTREMES, dafür fehlt irgendwie die Spannung und der Unterhaltungswert. Vor allem in der Spiegel-Episode kommt dann aber tatsächlich die für Poe typische Gothic-Atmosphäre auf, wohingegen ich den anderen Episoden nicht die Handschrift des Meisters bescheinigen würde.

Alles in allem hat mir das Gebotene recht gut gefallen. Eine Bewertung fällt aber schwer. Ich vergebe 8/10.

http://beyondhollywood.de/index.php/topic,12107.msg418296.html#msg418296

 

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