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Autor Thema: Buchrezensionen  (Gelesen 37942 mal)

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jerry garcia

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Buchrezensionen
« am: 21. November 2012, 21:45:51 »
Wie angedroht werde ich hier meine Buchbesprechungen zum Schlechten geben und vielleicht schließt sich da ja noch jemand an.

Gliederung (zumindest bei meinen neueren Verbrechen) wie folgt.
Abschnitt 1 - Klappentext
Abschnitt 2 - Inhalt aus meiner Sicht, möglichst unter Vermeidung von Spoilern
Abschnitt 3 - Meine äußerst subjektive Meinung extrem amateurhaft verfasst



 Dan Simmons. Ungerührt wirft Privatdetektiv Joe Kurtz den Mann, der seine Partnerin bestialisch ermordet hat, aus dem Fenster eines Hochhauses, direkt auf das Dach eines Polizeiautos. Diese Rache ist ihm eine Ewigkeit Knast wert. Fast zwölf Jahre später wird Joe entlassen. Im Keller eines Pornoshops eröffnet er sein Detektivbüro. Den ersten Auftrag erhält er von einem Mafiaboss: Er soll den Mord an einem Buchhalter der "Familie" aufklären. Aber Joe findet zuviel heraus. Bald ist er auf der Flucht vor einer Meute aus sadistischen Drogenhändlern, wahnsinnigen Auftragskillern und korrupten Bullen - und in kürzester Zeit stapeln sich in Buffalos Hinterhöfen die Leichen.

Kurtz findet den Mörder seiner Partnerin und steckt dessen Hand erstmal in den Küchenhäcksler, bevor er dessen Flugeigenschaften mit einem Wurf aus dem Fenster testet. Da diese nicht sonderlich ausgeprägt sind, ist die Flugbahn stets abwärts gerichtet und die Landung abrupt und tödlich. Dann lässt sich Kurtz widerstandslos von den Cops festnehmen.Nach rund 12 Jahren kommt er wieder frei und macht sich daran, wieder auf die Beine zu kommen. Ein Büro für Nachforschungen im Keller eines Sex-Shops, eine Sekretärin und die Möglichkeit, bei einem Mafaiboss eine Aufgabe zu bekommen, da er dessen Sohn im Knast beschützt hat. Nach einem kurzen Gemenge mit einem der Bodyguards erhält er den Auftrag, den verschwundenen Buchhalter des Bosses zu finden. Er befragt die Frau des Verschollenen, erfährt nichts, wird aber während des Besuches bei seiner Bewährungshelferin wegen Mordverdachts festgeommen, da die Befragte plötzlich tot und gehäutet aufgefunden wurde. Kurtz kommt ins Untersuchungsgefängnis, wird aber auf Kaution freigelassen, die die Tochter des Mafioso hinterlegt hat. Nach einem erotischen Zwischenspiel verlässt er ihre Wohnung, muss sich aber bald mit dem Bodyguard auseinandersetzen, mit dem er sich beim Boss gekabbelt hatte. Mit einem Totschläger bricht er ihm einige Rippen, legt den Bewusstlosen dann mit den Beinen unter die Räder seines Wagens und erledigt dann die Grundvoraussetzungen für ein Leben im Rollstuhl. In der Zwischenzeit werden Killer von Drogendealern angeheuert, um Kurtz aus dem Weg zu schaffen und als diese Joe angehen, macht er mit den Spacken aus den Reihen einer Arischen Bruderschaft kurzen Prozess. Jetzt ist er fest entschlossen, dem Treiben ein Ende zu machen und packt die Keule aus. Ob es ein Albino-Killer, ein mörderischer Däne oder Consigliere sind, Joe mutiert zum knallharten Hund und räumt unter seinen Feinden ohne Rücksicht auf Verluste auf und wandelt dabei auf der schmalen Grenze zwischen Recht und Gesetz sowie der des Verbrechens.

Dan Simmons ist ja bekannt für seine Vielseitigkeit und auch Stilwechsel, wie ich hier eindeutig im Vergleich zu "Terror" feststellen konnte. Wüsste man es nicht besser, man würde zwei verschiedene Autoren hinter den Werken vermuten. Schon zu Beginn fand ich seine Widmung für Richard Stark köstlich. In der Folge ist der Verfasser in der Lage, einen vergleichsweise minimalistischen Stil abzurufen, der gut zu dem Roman und seinem Protagonisten passt, obwohl der vielleicht noch etwas trockener und cooler hätte daherkommen können. Der eine oder andere Oneliner mehr hätte der Sache sicher gutgetan. Aber das ist Kleinkrämerei. Es entwickelt sich ein harter Thriller, der dem Leser Bilder vor Augen aufsteigen lässt, die mit ihren dunklen Hinterhöfen, verqualmten Blues-Bars, dreckigen Straßen, Kellerbüros und alternden Mafiabossen an Filmklassiker der Schwarzen Serie erinnern. Buffalo an den Niagarafällen auf der US-Seite versinkt alsbald in Blut, nachdem Simmons seine Story aufgebaut, die Figuren, die in manchen Fällen gar nicht oder nur andeutungsweise auf Tiefgang ausgelegt sind (Auch über Joe Kurtz wird man sicher in den Folgebänden "Bitterkalt" und "Kalt wie Stahl", beide auch bei Festa noch mehr erfahren), eingeführt hat und alles auf die entscheidende Konfrontation und die Auflösung des einen oder anderen Rätsels zusteuert. Man trifft auf kalten Professionalismus ebenso wie auf Gier und Wut bzw. Rachlust. So bekommt man einen spannenden, unterhaltsamen Crime-Thriller aus dem Hause Festa, der nicht mit gewalttätigen Blutorgien aufwartet, sondern sehr solide Krimikost zu bieten hat, aber nicht unbedingt für den Horrorliebhaber mit Splatterhintergrund zu den bevorzugten Lektüren zählen könnte. Ein echter Krimi halt.Von einem Autor, der hiermit seine chamäleonhafte Wandlungsfähigkeit erneut bescheinigt und einen traditionellen Hard-Boiled-Thriller abliefert. Rund 330 Seiten.
« Letzte Änderung: 23. November 2012, 19:21:35 von nemesis »

jerry garcia

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Antw:Buchrezensionen
« Antwort #1 am: 22. November 2012, 02:07:43 »


Jonathan Littell. Die Wohlgesinnten sind die fiktiven Erinnerungen des SS-Offiziers Maximilian Aue, Jahrgang 1913, Sohn eines deutschen Vaters und einer französischen Mutter, promovierter Jurist und frühes NSDAP-Mitglied.
Es sind die verstörenden Erinnerungen an die Schauplätze des zweiten Weltkrieges und an das Grauen der Verfolgung und Vernichtung der Juden vom Juni 1941 bis April 1945, an die Einsatz- kommandos und Massenhinrichtungen in der Ukraine und im Kaukasus, an den Kessel von Stalingrad, an Auschwitz, das besetzte Paris und das zerstörte Berlin. An seine Begegnungen mit Nazigrößen wie Himmler, Eichmann und Speer.

Es ist ein Bericht über die Naziverbrechen aus der Sicht eines Täters und zu Beginn seiner Aufzeichnungen konfrontiert uns der Ich-Erzähler Aue mit der Aussage "Ich bin wie ihr". Dieser kann der Leser aber nur bedingt folgen. Beschrieben wird das in jungen Jahren inzestuöse Verhältnis zu seiner Schwester, die es aber in den späteren Jugendjahren beendet, was laut seiner Erkenntnis zu einer Homosexualität führte, da keine Frau einem Vergleich mit seiner Schwester hätte standhalten können. Bei der Ausübung eben jener Praktiken in einem Park, wird er von einem Gestapo-Mann aufgetan, der ihn aber nicht verhaftet, sondern "freundlich überredet", der SS beizutreten.
Nach der Eingewöhnungszeit mit Berichten erstellen, die dem Willen der Vorgesetzten und der Führung entsprechen, aber nicht der tatsächlichen Sachlage, wird Aue zu den Kriegsschauplätzen im Osten abgeordnet, um eine effizientere Vernichtungsmaschinerie aufzubauen als dies bisher der Fall ist. Die Opfer in den Lagern sind dafür nur Gegenstand, nicht menschliche Wesen. Er nimmt an Erschießungen, der ausgewählten Bevölkerung teil, welche er damit rechtfertigt, vom Chaos und Blutrausch mitgerissen worden zu sein und auf diese Weise findet er für alles eine Begründung, das ihn zu Massakern an Juden, Zivilbevölkerung oder gegnerischen Soldaten verführt. In seine Augen sind die Juden zwar bemitleidenswerte Menschen, aber da minderwertig, ist eine Vernichtung mit Stumpf und Stiel absolut von Nöten. Zudem müsse man ja seine Befehle hinsichtlich der Quoten an Hinrichtungen erfüllen, damit schlechtere Zahlen im Vergleich mit anderen Orten und Befehlshabern nicht einer Beförderung im Wege stünden, was dazu führte, dass man auch hin und wieder willkürlich Leute aus der Menge aufgreift, um die Zahlen zu erhöhen. Spätestens hier kann der Leser die Aussage "Ich bin wie ihr" nicht mehr nachvollziehen. Hier geht es nicht um jemanden, der weggesehen hat, "nur" ein Mitläufer oder Befehlsempfänger war, sondern um einen von Egoismus getriebenen Täter, der diese Menschen noch nicht einmal hasst, sondern sie nur als Karrieresprungbrett betrachtet, ohne sie als lebende Wesen wahrzunehmen. Und dies alles gekrönt von seinen erklärenden Aussagen, dass er ja nicht zu den Schuldigen zähle, da er für alles seine gerechtfertigten Beweggründe gehabt habe.
Der Leser wird konfrontiert mit der ständigen Vorteilsnahme eines privilegierten, begüterten Elternmörders (was sich bei einem Genesungsurlaub ereignete und mit einem Alkoholblackout verharmlost wird und so keine Schuldgefühle aufkommen lässt), der Stalingrad nur deshalb rechtzeitig mit dem letzten Flug verlassen konnte, weil er schwerer Verwundeten Kameraden den Platz streitig machte, da diese ja sowieso sterben müssten, was er in seiner Überheblichkeit ohne ärztlichen Kenntnisse beurteilt hat. Hauptsache weg von der Front. Nach der Rettung und dem folgenden oben erwähnten Mord erlebt man den Rekonvaleszenten bei einem Leben in Saus und Braus (der es sich aber auch im Einsatzgebiet mit wechselnden Lovern und Saufgelagen mit Offizierskollegen schon hat gutgehen lassen) erst im besetzten Paris und später dann in Berlin bis zum Fall, das den Kontrast zwischen dem Offizier, der ja rein gar nichts für die Gräueltaten konnte und dem normalen Teil der Bevölkerung, die ums Überleben in der zerbombten Stadt kämpfen mussten. Von wegen "Ich bin wie ihr"!!!!!!
Seine sexuellen Eskapanden, die schon zuvor immer wieder während des 1300 Seiten umfassenden Buches geschildert wurden, werden nun richtiggehend ausgewalzt und seinen perversen Phantasien ziemlich viel Raum gegeben. Desweiteren werden - je näher die Niederlage rückt - die Intrigen im Kreise der Mächtigen und Oberbefehlshaber immer weiter entlarvt und seine Beteiligung zur Wahrung seiner Interessen tritt deutlich zu Tage. Zum Zwecke des eigenen Vorteils werden Vorgesetzte oder Auftraggeber mit widersprüchlichen Informationen versorgt, die ihm die Möglichkeit eröffnen sollen, zwecks erschwindelter Reisepapiere Deutschland zu verlassen. Da er seine Papiere in den Wirren der Angriffe auf Berlin verliert, erschlägt die verabscheuungswürdige Hauptfigur Aue den jahrelangen Freund und Offizierskollegen aufgrund einer gewissen Ähnlichkeit, um sich die Ausreise nach Frankreich zu ermöglichen, wo er zum erfolgreichen Unternehmer mutierte und sich genötigt sah, diesen Bericht zu verfassen.

Diese Buch hat die nationalen Kritiker entzweit. Von epochalem Meisterwerk mit exzellent recherchiertem Material über die damalige Zeit ist genauso die Rede wie von unerträglichem Schund. Ich sehe es einfach als das, was es ist - ein Roman, eine fiktive Geschichte ohne Anspruch auf die alleinige Wahrheit.
Ich gebe nur eine bedingte Leseempfehlung, da das Buch a) gewisse Längen hat und b) für empfindsame Gemüter eher ungeeignet erscheint ob der drastischen Schilderung seiner Obssessionen und der Gräueltaten. Wer sich aber davon distanzieren kann, sollte einen Blick riskieren, aber das Erscheinen des preislich günstigeren Taschenbuchs abwarten. Als Meisterwerk würde ich das Buch aber nicht bezeichnen. Wie gesagt, die Meinungen sind gespalten.
« Letzte Änderung: 23. November 2012, 19:23:42 von nemesis »

Offline Thomas Covenant

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« Antwort #2 am: 22. November 2012, 08:52:14 »
Den Kurtz Roman habe ich vor Jahren im Original gelesen, er hatte keinen bleibenden Eindruck hinterlassen bei mir. Da gefielen mir andere Hard Boileds deutlich besser.
Für Simmons ist dass auch glaube ich nur eine Fingerübung.
Die Wohlgesinnten ist da schon eine andere Nummer. Gibt ja nen eigenen Thread dazu in TCs Buchregal, kannst ja mal nachlesen.

jerry garcia

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« Antwort #3 am: 22. November 2012, 12:13:19 »
Wenn das bei Simmons nur eine Fingerübung war, find ich sie durchaus gelungen. Und ja, es gibt andere und auch bessere Hard-Boiled-Romane, ich hab ja auch grad erst begonnen, euch mit meinem Murks zu belästigen. Fürchtet euch schon mal. Hier liegt noch eine fertige zu "Jack Taylor liegt falsch". Hatte bisher bloß weder Muße, noch Zeit oder Platz aufm Blog, um den zu posten und derzeit lese ich - mit etwas Verzögerung, weil ich  mir hier rumtreibe - den Slade. Den werd ich vor Bruen bringen.

Und bei den Wohlgesinnten darf jetzt keiner glauben, ich würde auf anspruchsvolle oder pseudo-anspruchsvolle Kost abzielen, der geh ich eher aus dem Weg. Und ich hab nachgeschaut und festgestellt, dass hier büchertechnisch viel mehr los ist als in vergleichbaren Foren, in denen meist nur "was lest ihr gerade..."-threads existieren und das war es dann. Werde dann meine Rezis unter Nutzung der Suchfunktion bei schon vorhandenen Threads einfügen.
« Letzte Änderung: 22. November 2012, 12:37:45 von jerry garcia »

Offline Thomas Covenant

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« Antwort #4 am: 22. November 2012, 12:30:03 »
Slade rules !!

Offline JasonXtreme

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« Antwort #5 am: 22. November 2012, 13:01:16 »
Hier war auch schonmal viel mehr los ;) aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass das wieder wird - es lesen hier schon noch so ein paar :D
Einmal dachte ich ich hätte unrecht... aber ich hatte mich geirrt.


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« Antwort #6 am: 22. November 2012, 13:13:43 »
Hier war auch schonmal viel mehr los ;) aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass das wieder wird - es lesen hier schon noch so ein paar :D

Ich grad nicht so ... ich hab voll die Blockade ... ich les nur aufm Fahrrad oder diesem blöden Cross-Gedöhne  :(
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jerry garcia

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« Antwort #7 am: 22. November 2012, 13:37:21 »


Der Autor Jeff Strand scheint hier ja noch nicht groß erwähnt worden zu sein, könnte sich vielleicht ändern.


 Jeff Strand. Zu jedem Zeitpunkt beherrbergt der menschliche Körper Millionen von Parasiten. Dies ist die Geschichte von nur einem von ihnen. Einem wirklich, wirklich widerlichen. Benjamin Wilson hatte einen lausigen Monat, und das sogar noch vor seinen Magenschmerzen. Er wurde bald 40. Einer seiner Schüler war erschossen worden, während er mit einem Fleischerbeil Amok lief. Und kurz nach dessen Beerdigung fühlte sich Benjamin nicht so wohl. Es verändert sich alles. Sein Körper wird auf unangenehme Weise beeinträchtigt. Sein Charakter entwickelt ein paar "Marotten". Aber die größte Veränderung besteht darin, dass ein Haufen böser und/oder psychisch gestörter Leute versucht ihn umzubringen, um an den Parasiten zu gelangen. Seine einzige Hoffnung ist Julie, eine hinreißende Kopfgeldjägerin, die das Beste für ihn will - oder vielleicht auch nicht. Und die fähig genug ist, ihm zu helfen - oder vielleicht auch nicht.

Brian werkelt erst eher unduldsam an seinen Hausaufgaben, bevor er sich an den PC setzt und sich mit einem Killerspiel vergnügt. Die Metzeleien bereiten ihm durchaus Vergnügen, doch plötzlich steht er auf, schnappt sich in der Küche ein Fleischerbeil und beginnt damit, seine Mutter zu attackieren. Mama trägt einige Verletzungen davon, schafft es aber dennoch zum Nachbarn zu flüchten. Als Brian dort eindringen will, erhält er von dem Mann des Hauses per Schrotflinte die letzte Füllung. Während der Beerdigung des Schülers beugt sich der Lehrer Benjamin Wilson über den geöffneten Sarg und meint, von dem Toten angehaucht worden zu sein. Er tut es als Einbildung ab und sieht auch keinen Zusammenhang, als er Wochen später ständigen Heißhunger auf Schokolade verspürt und zum sexbesessenen Lehrer mutiert (Warum muss ich bloß an Richard L. denken?). Seine Frau findet es toll, also kann es ja nicht falsch sein. Doch genug der Freuden. Bald stellen sich Magenschmerzen ein und als er in der Schule fast zusammenbricht, schafft man ihn ins Krankenhaus. Dort zeigen die Röntgenaufnahmen einen großen Parasiten in seinem Magen. Und dann wird er auch noch    vom OP-Tisch weg von Julie entführt, die ihn ins Forschungslabor nach Kalifornien bringen soll. Und weil das noch nicht genug Probleme sind, werden die beiden dann auch noch von diversen Gruppierungen verfolgt, die ebenfalls hinter dem Parasiten her sind. Die Reise nach Kalifornien entwickelt sich zu einem blutigen Trip, bei dem sich Psychos, Killer und durchgeknallte Hinterwäldler sozusagen die Klinke in die Hand geben.

Jeff Strand hat seine Visitenkarte ja schon mit "Grabräuber gesucht..." und "Alleinstehender Psychopath sucht Gleichgesinnte" abgeliefert. Das dritte Buch um Andrew Mayhem, "Sarg zu verkaufen...." wurde dann vom Otherworld-Verlag zwar angekündigt, aber leider nicht mehr veröffentlicht. Nun hat sich also Voodoo-Press dankenswerterweise des Autors angenommen und gleich einen Kracher vor dem Herrn veröffentlicht. Von Beginn an wird Fun und Action geboten, lässt sich ein Schmunzeln selten vermeiden und steigert sich das Tempo bis zum Ende immer mehr. Abgesehen von einigen Parasitenattacken und einer durchdrehenden Kuh ist der Horror nicht übermäßig blutrünstig, aber die Action und der Humor machen das locker wieder wett. Ob es nun die Begegnungen mit den Brüdern Smith sind oder mit dem Bodenstatz der Gesellschaft, der Mix bleibt immer äußerst spaßig und die Story lässt sich sehr zügig lesen - quasi verschlingen. Zwar bleibt die Charakterzeichnung etwas auf der Strecke, doch darauf hab ich bei Jeff Strand auch nicht gesetzt. "Benjamins Parasit" ist schnörkellos, temporeich, lustig, schwungvoll und dynamisch sowie überkandidelt, abgedreht und völlig überzogen, kreativ und flapsig. Voll von irre komischen Situationen wie der "Unterhaltung" mit dem Parasiten oder die Sache mit den Zähnen. Die Zeit über den ca. 270 Seiten vergeht wie im Flug. Wirklich feine Unterhaltung, die ne Menge Spaß mit sich bringt.
   
« Letzte Änderung: 23. November 2012, 19:26:03 von nemesis »

Offline Thomas Covenant

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Antw:Buchrezensionen
« Antwort #8 am: 22. November 2012, 14:31:37 »
Sag mal ehrlich, spielt der in der Laymon Liga oder kann er schreiben ??

jerry garcia

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Antw:Buchrezensionen
« Antwort #9 am: 22. November 2012, 14:49:41 »
Spielst du auf dem sexbessessenen Lehrer an? Dann vergiss es, ist nur ein kurzes Zwischenspiel und weit von Laymon entfernt - besser als Richie. vor allen Dingen äußerst humorvoll. Das ist einfach Spaßlesen.

Und mal zu Laymon ganz allgemein: die Insel als Erstlektüre fand ich damals ziemlich gut, mittlerweile würde ich dem eine andere Kritik verpassen . Irgendwas in der Art wie dümmliche Gewalt- und Sexfantasien eines pubertären Pickeljünglings (Hauptfigur, Erzähler). Und da Laymon bei den Großverlagen ja auch mit (nach Insel  freiwilligen)Kürzungen zu kämpfen hat, wird der immer lahmer. Ich ordere nur noch die aus dem Festa Verlag, aber auch da wurde mir vom Verlag bestätigt, dass die wirklich brauchbaren seiner üBcher mittlerweile abgegrast sind.

jerry garcia

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Antw:Buchrezensionen
« Antwort #10 am: 22. November 2012, 14:59:41 »


Jeff Strand. Andrew Mayhem ist ständig knapp bei Kasse. Da erscheinen 20.000 Dollar für ein paar Stunden Arbeit wie ein Geschenk des Himmels - auch wenn er dafür einen Sarg ausgraben muss! Statt abzukassieren gerät Andrew jedoch ins Fadenkreuz eines wahnsinnigen Killers. Um sich und andere zu retten, muss er auf eigene Faust ermitteln.

Nun haben wir als Leser die Ehre, Andrew Mayhem, einen Lebenskünstler, kennenzulernen, der sich durch diverse Jobs hangelt, um endlich einen zu finden, der ihn auch wirklich interessiert und mit dem er genug Geld machen kann, um seine Frau und die beiden Kinder ohne größeren Aufwand zu ernähren. Da meint er schon mal ohne Lizenz als Privatdetektiv ermitteln zu können und nimmt auch ungewöhnlichere Aufträge an. Den Sarg ausbuddeln ist einfach, den Eingesargten noch lebend vorzufinden, ist überraschend, dass der dann an einer Herzattacke stirbt, schlichtweg miserabel. Und damit nimmt das Unheil erst seinen Anfang. Da wird schon mal mit Pfeilen aus dem Hinterhalt auf ihn geschossen und er und sein Kumpel Roger werden niedergeschlagen, betäubt, gefangen genommen und wieder frei gelassen, um eine Aufgabe zu erfüllen. So langsam wird die Sache wirklich ernst und er kommt in ein Milieu, das an "8mm" mit Nicolas Cage erinnert. Ab da wird denn auch schon etwas deftigere Kost geboten, aber nichts für Freunde des blutigen Horrors. Die Aufgaben sind durchaus makaber und gehen nicht ohne Verluste an Menschenleben ab. Der Einstieg in die Geschichte ist wirklich humorvoll und hat mich - selten bei einem Buch - oftmals zum Lachen animiert ("Wie wär's, wenn wir uns um 6 Uhr früh treffen?" "Äh, ich hab schon Gerüchte gehört, dass es morgens eine solche Uhrzeit gibt, aber bislang sind sie unbestätigt, soweit es mich betrifft."). Das Ganze wird recht schnodderig formuliert, ist wirklich in einem gut lesbaren Stil verfasst und lässt den anscheinend absolut schusseligen Helden von einem Fettnäpfchen ins nächste treten. Mit der armen Sau kann man schon Mitleid haben, zumal er zu Hause wohl auch eher unter dem Scheffel von Frau und Kindern steht, wobei die Frau die Familie mit ihrem regelmäßigen Gehalt als Krankenschwester am Leben erhält, während Andrew ("Nenn mich nicht Andy") weiterhin mehrere Berufsmöglichkeiten ausprobiert oder von der Tante der Kiddies als Schmarotzer bezeichnet wird. Im Laufe der Geschichte tritt der feine Humor in den Hintergrund und die Spannung nimmt ordentlich zu. Trotz aller detektivischer Mängel macht er sich unverzagt und mit unerwartetem Geschick an die Lösung des Falles und gerät in einen Strudel aus Gewalt, wie er ihn sich niemals im Leben vorgestellt hat.

Sehr kurzweilige, gelungene Lektüre. Nach einigen Flops bekannter Autoren, die ich in letzter Zeit so in Angriff genommen habe, ein echter Lichtblick. Fun und Thrill. Bei lediglich 250 Seiten Umfang mit etwa 18 Euro (gebundene Fassung) etwas teuer, aber das war es durchaus wert. Ein weiteres Abenteuer des gebeutelten Andrew folgt demnächst hier mit "Alleinstehender Psychopath sucht Gleichgesinnte". Aus steht noch ein dritter Teil, der wohl erst 2011 erscheinen wird - "Sarg zu verkaufen (nur einmal benutzt)".
« Letzte Änderung: 23. November 2012, 19:27:48 von nemesis »

jerry garcia

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Antw:Buchrezensionen
« Antwort #11 am: 22. November 2012, 15:01:47 »


Jeff Strand. Andrew Mayhem ist zurück - pleite, planlos und mit dem Hang, in skurril-makabre Abenteuer zu geraten. Diesmal muss er sich als Serienmörder ausgeben, um eine Gruppe von Psychopathen zu infiltrieren, die sich in einem Landhaus in Alaska zu blutigen Spielen versammeln. Kann er die Opfer rechtzeitig befreien oder muss er an ihrem Tod mitwirken, um sein eigenes Leben zu retten?

Da ist er wieder, der liebenswerte Schusselkopp Andrew (nicht Andy) Mayhem. Das Graberlebnis ist mittlerweile anderthalb Jahre her und einigermaßen verdaut, während Andrew in der Zwischenzeit versucht hat, sich mal wieder an ehrenwerten Jobs auszuprobieren. Doch seine Ausflüge in die Bereiche des Salonsängers und in die Zeitarbeit endeten jeweils mit einem Fiasko, sodass ihn der für ihn normale Alltag wieder eingeholt hat und er sich von den Attacken seiner Frau, doch mal wieder am Erwerbsleben zum Unterhalt der Familie teilzuhaben, vor dem Fernseher erholt. Obwohl er schon zu Beginn nur knapp zwei Typen entkommt, die ihn zu Hackfleisch verarbeiten wollten, lässt er sich auf einen vermeintlich einfachen Leibwächterjob ein, der damit endet, dass fünf Menschen am Ende doch recht kopflos agieren. Nix gelernt, lässt er sich vom Parkplatzautovögeln weg zu einem Lockvogel für kriminelle Entführer engagieren. Und da geht es denn durchaus hart und rau zur Sache. Tief im fernen Alaska haben die Typen ein feudales Hüttchen, in dem sie entführte Zeitgenossen möglichst kreativ um die Ecke bringen. Nur so zum Zeitvertreib. Und Andrew halten sie für einen aus ihrem Stall. Hält natürlich nicht lange, die Deckung. Doch bei Andrew hat das auch niemand wirklich erwartet. Und schon muss er sich in einer wahren und gewalttätigen Hatz nicht nur der aufgestellten Fallen erwehren, sondern auch den blutrünstigen Psychopathen.

Zu Beginn ist der durch Band 1 bekannte flapsige und schnoddrige Grundton wieder ein Grund, den Leser zum Schmunzeln zu bringen, doch diesmal ist es damit schnell vorbei. Das Buch erhält eine Wendung, die ruckzuck in die härteren Gefilde eines Actionthrillers mündet. Da wird gefightet, gelitten, gestorben. Massenweise Blut. Kreative Kills, abartige Typen, perverse Foltermethoden - alles drin. Trotz so mancher Übertreibung ist jetzt Schluss mit lustig. Nun heißt es alle gegen einen. Die Romane von Jeff Strand sind anders als die seiner Autorenkollegen. Locker, witzig, abstrus, kurzweilig, spannend, blutig. Wieder eine feine Sache. Warte nun gespannt auf Band 3. Wurde leider aufgrund der Probleme bei Otherworld/Ueberreuther nicht veröffentlicht. Kommt hoffentlich noch. 
« Letzte Änderung: 23. November 2012, 19:28:29 von nemesis »

jerry garcia

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Antw:Buchrezensionen
« Antwort #12 am: 22. November 2012, 18:03:53 »


Etwas für alle, die sich ihr Geld in einem Bürojob verdienen dürfen. Und wer von denen dann auch noch schon so die eine oder andere Umstukturierung mitgemacht hat, könnte hier dran seine Freude haben.

Max Barry. Zephyr Holdings ist ein typischer Großkonzern voll Intrigen, absurder Managemententscheidungen, bizarren Mitarbeiterrichtlinien und einer Firmenphilosopie, die niemand versteht. Stephen Jones, der gerade eingestellt wurde, traut sich, Fragen zustellen, die man nicht stellen darf: Was macht Zephyr überhaupt und warum? Bald gelingt es ihm ,die großen Geheimnisse des Konzerns aufzudecken.

Willkommen bei Zephyr Holdings und einer Unternehmenskultur, die Ihnen die großen Fragen zur Arbeitswelt beantworten wird: - Was hat es für Vorteile, mit seinem Chef zu schlafen anstatt mit nur einem Mitarbeiter - Welche Bezeihung wird Ihrer Karriere wirklich von Nutzen sein? - Wann ist die Anwendung von Gewalt eine angemessene Reaktion auf die Entscheidungen des Managements? - Die Firmenphilosophie ist schwammig formuliert. Ist das etwa Absicht? - Warum ist der eine reservierte Parkplatz niemals belegt? - Ist das vorhaben, sich in der Kaffeepause einen weiteren Donut zu genehmigen, nur eine Bagatelle oder ein strafbares Vergehen? - Wenn das Unternehmen eine Neuorganisation durchführt, bedeutet das, dass die letzte nur Zeit- und Geldverschwendung war? - Was macht der Führungsstab eigentlich den ganzen Tag?

Und nicht zuletzt: Warum arbeite ich überhaupt? Nachdem mich der Australier schon mit seiner perfekten Globalisierungssatire "Logoland" begeistern konnte, nimmt er nun die amerikanischen Managementmethoden zielsicher auf's Korn; und sollte jemand seinen eigenen Arbeitgeber darin erkennen, so ist das wohl nicht weiter verwunderlich, denn etliche Winkelzüge besitzen einen klaren Wiedererkennungsfaktor, da die aus Amerika bekannten menschenunwürdigen Zustände erfolgreich in die ganze Welt exportiert wurden - globalisiert eben. Man kann auch anhand der täglichen Nachrichtenmeldungen aus unserem Lande bezüglich der Versuche, Aktionäre milde zu stimmen, deutlich herauslesen und -hören, dass die Vorhaben zwecks Umstrukturierung, Rationalisierung und Konsolidierung einem bestimmten Muster folgen. Woher dies stammt? Hier wird es erläutert.
Und so führt Max Barry nun den Leser in die zynische Welt des Managements. Zu Figuren, die sich tatsächlich einbilden, über alles erhaben zu sein, zumeist mehr mit sich selbst, ihrem Status und finanziellen Wohlergehen beschäftigt sind und völlig realitätsfremd zum Beweis ihrer eigenen Daseinsberechtigung immer wieder neue Umstrukturierungsmaßnahmen wie Externalisierungen oder weiteres Outsourcing zu ersinnen, obwohl die vorhergehenden gar nicht die Zeit hatten, um greifen zu können bzw. eh nur Zeitverschwendung waren, da weder durchdacht noch erfolgreich umgesetzt. Ohne wirkliche Kenntnisse der Arbeitsabläufe im Betrieb werden Mitarbeiter unproduktiv umgesetzt, durch Bespitzelungen drangsaliert, durch überflüssige Sitzungen von der eigentlichen Arbeit abgehalten und mit Sätzen wie "Behinderte werden nicht diskriminiert, sie werden versetzt" von der Wahrnehmung ihrer Rechte fern gehalten. All dies natürlich nur zum Wohle des Unternehmens, der - verbliebenen - Mitarbeiter und selbstverständlich des Aktienkurses und der eigenen Aktienoptionen und Bonuszahlungen. Die beiden letzten Punkte werden gegenüber der Belegschaft bei den obligatorischen Rundschreiben per Intranet wohlweislich nicht erwähnt. Barry nimmt - böse und sarkastisch - die neue Unternehmenskultur auf die Schippe, zieht ihr die Maske der Integrität und Redlichkeit von der häßlichen Fratze. Jeder, der das unheimliche Glück (ich setze das Wort Glück hier absichtlich nicht in Ausrufezeichen, weil derjenige, der heute Arbeit hat, wirklich auch vom Glück gesegnet ist) hat, in einem größeren Konzern zu arbeiten, wird dieses Buch sicher mit großem Vergnügen oder bitteren Tränen der Wiedererkennung lesen. Jeder BWL-Student sollte wenigstens einmal kurz einen Blick in dieses Buch wagen. So wie der Autor den Managerrobotern den Spiegel vor die Nase hält, hoffe ich auf mehr Lesestoff von ihm. Im Vergleich zu "Logoland" fehlt hier zwar der Actionanteil und hin und wieder werden auch Klischees erfüllt, doch nichts kann den Gesamteindruck trüben. Satire pur. Eine perfekte Lektüre für jeden, der in Lohn und Brot steht (ausgenommen vielleicht der betroffene Personenkreis, da dieser wohl anderer Meinung sein dürfte).
« Letzte Änderung: 23. November 2012, 19:29:16 von nemesis »

Offline Thomas Covenant

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« Antwort #13 am: 23. November 2012, 07:34:41 »
Also der zweite Strand klingt interessant, kommt auf die Merkliste. :thumb:

Online Necronomicon

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Antw:Buchrezensionen
« Antwort #14 am: 23. November 2012, 09:08:33 »
Und mal zu Laymon ganz allgemein: die Insel als Erstlektüre fand ich damals ziemlich gut, mittlerweile würde ich dem eine andere Kritik verpassen . Irgendwas in der Art wie dümmliche Gewalt- und Sexfantasien eines pubertären Pickeljünglings (Hauptfigur, Erzähler). Und da Laymon bei den Großverlagen ja auch mit (nach Insel  freiwilligen)Kürzungen zu kämpfen hat, wird der immer lahmer. Ich ordere nur noch die aus dem Festa Verlag, aber auch da wurde mir vom Verlag bestätigt, dass die wirklich brauchbaren seiner üBcher mittlerweile abgegrast sind.


Ich hab Laymon eine zeitlang vergöttert, Die Insel fand ich auch sehr gut, den Keller und Parasit ebenso aber wenn man mal die Regale mit ihm voll hat... es ist immer die gleiche Kacke und gerade die hier zuletzt neu auf deutsch erschienenen, es geht nur noch um Folter und Quälereien und an sowas hab ich mich echt satt gelesen !

jerry garcia

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Antw:Buchrezensionen
« Antwort #15 am: 27. November 2012, 16:11:49 »


Ken Bruen. Jack Taylor, ein Bücher liebender Polizist, der säuft, prügelt und schließlich rausfliegt, macht als Privatdetektiv weiter und bezieht sein neues Büro im Grogan's, dem einzigen Pub in Galway, in dem er noch nie Hausverbot hatte. Eigentlich ein ernsthafter Ort für ernsthaftes Trinken. Doch schon bald hat Jack seinen ersten Fall an der Backe.

Nach zehn Jahren Job bei der Polizei gepaart mit regelmäßigem Suff wird Jack von seinem Vorgesetzten zu einem Aufenthalt auf einer Fanta-Ranch verdonnert. Die Therapie zeigt sogar einige Zeit Wirkung, doch nach und nach verfällt Jack wieder in alte Verhaltensmuster. Bei einer langweiligen Verkehrsüberwachung, die er mit einer Thermoskanne Brandy, getarnt mit einem feinen Schuss Kaffee, zu überstehen gedenkt, halten er und sein Kollege Clancy einen zu schnellen Mercedes mit Regierungskennzeichen an. Durch den Alkohol forsch geworden fordert Jack den Chauffeur auf, sich auszuweisen als der Fahrgast - ein hoher Beamter - dem Wagen entsteigt. Und da tut Jack, was jeder aufrechte Bürger gerne mit den Bonzen aus dem Politzirkus tun würde - er haut ihm aufs Maul. Konsequenz: Job weg. Also schlägt er sich ab jetzt mit Alk und Privatermittlungen durch. Dann erhält er den Auftrag, den Selbstmord einer Sechzehnjährigen zu untersuchen, den deren Mutter anzweifelt. Schon nach seinen ersten lästigen Fragen wird er von zwei Ex-Kollegen aufgemischt. Das hält ihn jedoch nicht ab. Er kommt einem Pädophilen auf die Spur, den er bei einer Auseinandersetzung versehentlich tötet. Doch das war nicht alles. Es gibt noch einen Hintermann und zudem kommt Jack nicht von der Flasche los. Eine Sauftour folgt auf die andere. Ein Freund wird getötet und Jack war blau. Jetzt will er erst recht den Fall klären.

"Jack Taylor fliegt raus" hat schon einen gewissen Humor zu bieten, doch der ist eher düster und böse, denn lustig und komisch. Dieser Krimi wird beherrscht von der Figur des Jack, einem Mann am Rande der Selbstzerstörung, der die Hälfte des Buches knülle ist, seinen Glauben an was auch immer verloren hat, statt von der eigentlichen Suche nach dem vermeintlichen Mörder. Es gibt zwar die eine oder andere Leiche, absichtlich oder unabsichtlich getötet, doch der Fall selbst bleibt unter der Geschichte und der Verzweiflung des Protagonisten verborgen und blitzt nur hie und da mal auf. Die Story wechselt sich zwischen gefällig konstruiert und dem Tagebuch eines starken Alkoholikers, der scheinbar unbelehrbar ist, ab. So sind Bruens knappen Dialoge und kurzen Sätze zwar atmosphärisch dicht und bieten zudem viele Anspielungen auf Filme und Musiker sowie Gedichte, die man zumindest in den meisten Fällenauch kennt, doch an die Qualität anderer Werke wie z.B. "London Boulevard" reicht es diesmal nicht heran. Zu sehr liegt der Fokus auf der Charakterstudie des Protagonisten, seiner Vergangenheit, der schwierigen Mutter und seines Mangels an Vertrauen. Darunter leidet denn auch die Spannung, die im Mittelteil fast völlig zum Erliegen kommt, um gegen Ende den Fall schon fast nebenbei zu klären. Mehr persönliches Drama denn Crime. Daher nur bedingt zu empfehlen.

jerry garcia

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« Antwort #16 am: 27. November 2012, 16:16:00 »


Daniel I. Russell. Samhane, ein nettes verschlafenes Örtchen im Norden Englands. Nur wenige Leute kennen die Wahrheit. Donald Patterson muss bis um Mitternacht in Samhane das dort angesiedelte Orchard House erreichen, da sonst seine Verlobte der Star einer perversen, sadistischen Online-Show wird.

Brian Rathbone und sein Sohn sind Jäger der besonderen Art. Sie nehmen sich jene kleinen Probleme vor, die unter den Einwohnern der Stadt ein Blutbad angerichtet haben. Bis die Ereignisse eine noch unheimlichere Wende nehmen und Brian den wahren Grund ihres Aufenthaltes infrage stellt.

Donald erwirbt einen gebrauchten Laptop, auf dem er einen schrecklichen Videoclip entdeckt und will das Gerät schnellstens dem ursprünglichen Besitzer zurückgeben. Doch statt sich von den schrecklichen Bildern zu befreien, wird in seiner Abwesenheit seine Verlobte entführt. Eine Nachricht zwingt ihn Richtung Samhane. Zur selben Zeit ist Brian mit seinem zehnjährigen Sohn Sam in Samhane, um dort auf Geheiß des Bürgermeisters als Geisterjäger aktiv zu werden. Die ersten Erfolge bringen weitere Aufträge mit sich. Doch unheimliche Ereignisse und mysteriöse Vorgänge lassen Brian bald vermuten, dass mehr hinter der ganzen Sache steckt als anfangs vermutet und es mehr ist als nur ein schlichter Job, der sich um Ghoule oder Vampire dreht. Prompt stellt man ihm eine Falle, der er nur mit Mühe entrinnen kann. Was ist falsch in dem Ort Samhane? Sein Jagdinstinkt ist jetzt erst recht geweckt und mit seinem Sohn im Schlepptau dringt er in die düstere Villa Orchard House ein. Hier kreuzen sich die Wege der beiden Monsterjäger und von Donald, während sie sich durch die labyrinthartigen Gänge und Kellergewölbe des Gemäuers kämpfen und sich diverser grausamer Gegner menschlichen und nichtmenschlichen Ursprungs erwehren müssen. Eine alte Macht greift nach der Weltherrschaft, um sie dem Chaos zu unterjochen. Sie verstricken sich in Kämpfe, an deren Ende die Welt, wie wir sie kennen, vernichtet werden könnte.

Grausam und grässlich (in zweifacher Hinsicht), brutal und blutig. Das ist Samhane von Daniel I. Russell. Fängt es noch relativ harmlos mit dem Laptop an, entwickelt sich die Geschichte schnell zu einer Mixtur aus dem Bereich der Snuff-Filme und Supernatural für Erwachsene sowie einer Prise Hostel. Ein bisserl Erotik a la Laymon verirrt sich auch noch in die Story, aber die mögliche pornographische Komponente eines solchen Szenarios wird nicht übermäßig ausgewalzt. Das Tempo des Geschehens steigert sich von Seite zu Seite und ab der Mitte der knapp 360 Seiten geht die Post ordentlich ab. Samhane erfährt ein echtes Monsterwunder. Der Leser bekommt für sein Geld die Vollbedienung an Folter, Amputationen, Blut und Schleim. Da wird geköpft, gemetzelt und gematscht, was das Zeug hält und man hat es nicht nur mit den menschlichen Bestien zu tun, sondern auch mit Wassernixen oder Zandathru zu tun, die sich schon lange in Samhane eingenistet hat, die Menschen zu Üblem verführt, Chaos verbreiten will, um irgendwann die Macht zu übernehmen und die Welt zu beherrschen. Das Finale wird zu einer knüppelharten Splatterorgie mit einem durchaus spannenden Handlungsstrang, der aber ohne tiefergehende Charakterzeichnung auskommt und literarisch sicher nicht preisverdächtig ist. Flottes Gemetzel für erwachsene Leser, garantiert nichts für schwache Nerven und sicher kein Mainstream sondern eher für eine kleinere Klientel der Extremhorrorfans. Abnorm, gewalttätig, exzessiv. Freunde harter Horrorkost werden gut bedient. Insofern also mehr als nur zufriedenstellend.

jerry garcia

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« Antwort #17 am: 27. November 2012, 16:19:01 »


Wayne Simmons. Eine hartnäckige Grippe geht um - eine Epidemie sogar, wie manch einer behauptet. Auf Plakaten sagen sie, du sollst dir beim Niesen die Hand vor das Gesicht halten. Tachentücher nur einmal benutzen. Zu dumm, dass sich diese Grippe nicht von solchen Maßnahmen aufhalten lässt. Hast Du sie dir erst eingefangen, klopfen schwer bewaffnete Polizisten an die Tür und sperren dich zu Hause ein, wo du alleine sterben musst. Und das wirst du innerhalb weniger Tage. Und wenn es dann mit dir zu Ende gegangen ist, dauert es keine zwei Stunden und du schlägst die Augen wieder auf.

Nach dem einleitenden Kapitel, in dem Polizisten die ersten Kranken isolieren, geht es ganz schnell. Irland wurde von der Epidemie überrolt. Jeder wird misstrauisch angeschaut, der nur leicht hüstelt. Die verschnupften Toten beherrschen die Straßen. Nur kleine Gruppen Überlebender haben sich an verschiedenen Orten verschanzt und versuchen, der Ansteckung oder dem gefressen werden zu entgehen, denn die Grippe killt ihren Wirt nicht nur, sie macht ihn auch gefräßig. Vor einer Militärbasis stapeln sich die Leichenberge, da man die Infizierten abschoss, um die Seuche einzudämmen. Doch auch das misslang und so sind in den Katakomben nur wenige Soldaten und Wissenschaftler plus wenige Offiziere übriggeblieben, die versuchen, durch Forschung dem Phänomen auf die Spur zu kommen. doch die zu Beginn eher lethargischen Keucher, die die Menschen um sich herum kaum beachteten, verwandeln sich langsam aber sicher in halbwegs intelligente Monster, die ihre Opfer einkesseln und dem Grauen eine neue Dimension verleihen. Während sich die Eingeschlossenen tapfer zur Wehr setzen, wird Irland vollständig abgeriegelt. Sie sind sich selbst überlassen. Nach und nach führen die Wege der verschiedenen Grüppchen zusammen und auch die Armee sucht die Überlebenden. Blutige Kämpfe und Hetzjagden prägen fortan das Geschehen und nicht alle kommen ungeschoren davon.

Der richtige Roman zur richtigen Jahreszeit. Sollte euch bei den Weihnachtseinkäufen eine Triefnase über dne Weg laufen, schlagt lieber einen Bogen drum. Wer weiß, was da auf euch zukommt. Und wenn es euch selbst erwischt, geht der Polizei aus dem Weg, denn die hilft garantiert nicht. Hoffentlich nimmt das unsere Regierung nicht als Anleitung für ihre neue Gesundheitsreform, mit der sie Arztbesuche künftig unbezahlbar für den Großteil der Bevölkerung machen will, indem sie einfach das Eintrittsgeld beim Arzt extrem erhöht, sodass die Kluft zwischen Arm und Reich nicht nur größer wird, sondern auch auf finanzieller Ebene die überflüssigen Kostentreiber, die den Reichen ihre Exklusivversorgung streitig machen, elegant aussortiert werden. Sicher wird es dann bald soweit sein, dass die Besserverdiener für jedes Fachgebiet ihren eigenen Arzt haben (denn die darf man ja nicht opfern, die Ärzte), da der Rest durch eine Art aktive Sterbehilfe (oder kann man das auch anders bezeichnen) vom Staat aus dem System genommen wurde. Wäre aber Pech für die so schlaue Regierung, wenn die Unterversorgten plötzlich wieder aufstehen und sich nehmen, was sie wollen. Stellt euch mal den Schreck der Führungsspitze vor, wenn die Untoten plötzlich Rente verlangen würden. Herrje, die armen Staatskassen. Der Roman selbst ist jetzt keine Revolution des Genres. Simmons erfindet es nicht neu. Einige wenige Charktere, die allesamt eine nicht sonderlich reine oder unbescholtene Vergangenheit haben, teilweise recht undurchsichtig sind, aber mehr hermachen als jeder Wichtel in einem Laymon-Werk, die Simmons stilistisch bei Weitem übertrifft, kämpfen in fast aussichtloser Situation um ihr Überleben. Das kommt daher wie ein Steak, bevor es gebraten wird - nämlich roh und blutig. Mit einem alles andere als gemächlichen Tempo skizziert der Autor die Katastrophe und würzt das Ganze auch noch mit Zutaten der irischen Revolutionsgeschichte, dem Terror der IRA, aber auch dem Fehlverhalten der Armee, der Politik der Briten aber auch der Sinn Fein. Da kann man sogar von Tiefgang sprechen, wenn er Folter oder gezielte Tötungen beider Seiten anspricht und als Fazit zieht: Irland ist endlich vereint - im Tode. Action sowie eine Portion Geschnetzeltes runden den ca. 275 Seiten langen Roman ab. Irgendwie besonders menschenverachtend und grausam sind die Szenen, wenn Kranke in ihre Wohnung zurückgedrängt werden - und zwar mit Waffengewalt durch die Ordnungshüter - und Familien mit Kindern künftig hinter zugeschweißten Türen und Fenstern sterben und wiederauferstehen dürfen. Eine schreckliche Vorstellung. Zuletzt widmet er sein Werk noch der Vogelgrippe, der Schweinepest und dem Rinderwahn. Seine Grippe könnte durchaus der nächste Schritt sein. Und wie positiv man das Ende bewerten will, bleibt jedem selbst überlassen. Aus meiner Sicht garantiert kein Happy-End. Ein blutiger und unterhaltsamer Horroroman, der zwar nicht mit vielen Neuerungen aufwarten kann, aber das Zombiegenre würdig vertritt.

jerry garcia

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« Antwort #18 am: 27. November 2012, 16:23:45 »


William Swaers. Die Welt in nicht allzu ferner Zukunft: Eine Seuche, deren Ursprung nicht bekannt ist, hat die Erde in bewohnbare und von Militäreinheiten sowie privaten Sicherheitsfirmen beschützte Regionen und solche verwandelt, in denen zombieähnliche Wesen, Zooks, befallene Menschen, leben und jagen. Obgleich die Erde kurz vor dem Abgrund stand, hat sich ein gewisses Machtgleichgewicht zwischen Zookland und den von Menschen bewohnten Gebieten etabliert - doch jetzt zeigen die Zooks neue Verhaltensweisen und Politiker versuchen, die Krise für ihre eigenen Zwecke auszunutzen. Gary und Jake, die beiden Partner der privaten Zookjägerfirma Seraglio, erhalten den Auftrag, für ein Konsortium reicher Investoren die erste Freilandreinigung seit Jahrzehnten durchzuführen: Ein Golfplatz soll von den Zooks gereinigt und nutzbar gemacht werden. Was wie die hoffnungsvolle Wiederinbesitznahme eines großen Stücks Landes nach vielen Jahren des Rückzugs in hermetisch abgeschlossene Siedlungen beginnt, endet jedoch in einer Katastrophe.

Jake saß zwei Jahre im Bau, weil er als Soldat seine Einheit bis auf den letzten Mann platt gemacht hat. Es war gerade die Angangszeit der Seuche und man wusste noch nichts um die Auswirkungen und wie man ihrer Herr werden kann. Mittlerweile wurde die Regierung bzw. deren Nachfolge eines Besseren belehrt und Jake wurde freigelassen. Zusammen mit seinem Kumpel Gary wird er zu einem professionellen Zookjäger. Die Zooks sind eine Variante der Zombies, die nach dem Tod wieder auferstehen. Zu töten sind sie mit Silber, das sie zum Verbrennen bringt, und wenn man ihnen die Rübe vom Körper trennt. Diese Teile sollte man aber nicht gemeinsam begraben, sonst finden sie wieder zusammen wie Hollywood und Remakes - genauso eine Plage. Ihre gegründete Firma ist eine wie Tausende in den Staaten und so konnte man dem Treiben der Zooks zumindest Einhalt gebieten, aber sie nicht stoppen. Etwa ein Drittel der Menschheit ist verzookt. Doch sie müssen sich nicht nur mit den Monstern auseinandersetzen, sondern haben auch Gegner anderer Natur. Das Leben in Zookland ist kein Zuckerschlecken und die Gefahr ist allgegenwärtig.

Wer jetzt eine Blut- und Splatterorgie erwartet, wird wohl etwas enttäuscht sein, denn dies wird nicht geboten. Die Kämpfe gegen die Zooks verlaufen recht normal wie in einem Actionfilm. Irgendwie kommt einfach kein richtiges Tempo auf, trotz zahlreicher Kämpfe fehlt der Drive und der Schwung, man fiebert nicht richtig mit. Das heißt jetzt nicht, dass das Buch schlecht wäre, aber ihm fehlt einfach das gewisse Etwas. Und hinzu kommt noch, dass der Begriff Thriller wörtlich zu nehmen ist. Intrigen und unglaubliche Machenschaften von Konzernen und Politikern gepaart mit irren Wissenschaftlern versuchen die Zookjäger in ihrer Arbeit zu behindern und gefährden die ganze Nation. So wechseln sich langatmige Passagen mit spannenden und actionreichen, wenn auch oft wiederholten, Sequenzen ab und so kann das Buch nicht voll überzeugen. Da einige Begriffe und unerklärt bleiben und im Epilog angedeutet wird, dass da noch einiges im Argen liegt, dürfte eine Fortsetzung schon ausgemachte Sache sein. Mal abwarten. Und ganz nebenbei ist dies die weltweit erste Veröffentlichung des amerikanischen Autors. Insgesamt wohl eher oberes Mittlemaß aus dem Atlantik-Verlag. Nicht der erhoffte große Wurf.

Offline Thomas Covenant

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« Antwort #19 am: 27. November 2012, 20:52:16 »
Also ich kenne die alle nicht. Was mich schon ein wenig erstaunt. Den Bruen fand ich vom Plot jetzt interessant, aber deine Rezi hat ja eher den Tenor-let it be.
Von Gemetzeln hab ich gerade genug. Ich kann das schon sehr gut ab  ;) aber etwas an Narration und Handlung erwarte ich schon. Und dass haben diese Extrem Horror oder Splatterpunks leider weniger.

jerry garcia

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« Antwort #20 am: 28. November 2012, 00:26:49 »
Die beiden Romane von Swears und Simmons sind schon eher dem "normalen" aber nicht feinsinnigen Horror mit Actionelementen zuzurechnen und nicht denen, die mit Sex und Gewalt alles toppen wollen (was ich ja wie bekannt auch konsumiere).

Ken Bruen hab ich grad den zweiten "Jack Taylor liegt falsch" gelesen und die Rezi erst einmal auf den Blog gestellt. Keine große Veränderungen zum ersten Buch. Stellenweise zäh, wenn sich Rohwolt/Bruen über den Drogenkonsum, die Selbstverachtung, die Belesenheit des Protagonisten auslassen. Da geht die Spannung den Bach runter, zumal der deutsche Titel ja schon spoilert. Die Übersetzung ist flapsig-humorvoll, aber manchmal auch ausgereizt bis zum geht nicht mehr.

jerry garcia

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« Antwort #21 am: 28. November 2012, 00:30:04 »


Jason Brannon. Captain Jack Omaha besucht mit seiner ungewöhnlichen kryptozoologisachen Wanderausstellung die Stadt Crowley's Point. Doch hinter den Gitterstäben seiner Käfige lauert etwas Tödliches und Hochintelligentes. Während er versucht, mit dem Zoo in Crowley's Point Verhandlungen aufzunehmen, braut sichein Sturm zusammen, und als dieser losbricht, trifft der Mensch auf Bestien und auf etwas noch viel Schrecklicheres. Für die hilflosen Besucher wird der Zoo zu einem Käfig, aus dem es kein Entrinnen gibt. Die Naturgewalten und die finstersten Grauen sind entfesselt. Wer wird die Angriffe der blutrünstigen Kreaturen überleben? Gibt es einen Ausweg aus diesem Käfig?

Teddy Archer, seines Zeichens Polizist mit Gespür für den eigenen Kontostand, vermittelt für Leonard und seine Kumpel, gelangweilte Erfolgsbörsianer mit zuviel Geld, eine Beute, die sie in einem abgehalfterten Quarter ihrer Heimatstadt mit ihren High-Tech-Waffen zu Tode hetzen können, um sich die Trophäe an die Wand zu hängen. Mit dem, was Jack Omaha ihnen liefert, hatten die überheblichen und verweichlichten Großkopferten denn doch nicht gerechnet. Muffensausen stellt sich ein, doch ein Zurück gibt es nicht mehr. Zumal Omaha auch noch ein falsches Spiel im Sinne hat. Zum Leidwesen der Freizeitkiller natürlich. Weiter geht die Reise Richtung Crowley's Point und dem dort beheimateten Zoo, der kurz vor der Pleite steht und dem die Wirtschaftskrise wie anderen Geschäften auch schwer zu schaffen macht. Da kommt die Wanderausstellung gerade recht. Ein Angebot wird gemacht und akzeptiert. Omahas Monster finden einen Unterschlupf. Währenddessen säubert sich Polizist Teddy von den Eingeweiden seiner Kunden, nachdem ihn sein Instinkt und eine schnelle Reaktion davor bewahrten, ebenfalls ein tragisches Opfer in der Farce des Captain Omaha zu werden und nur noch als eine "köstliche" Anekdote in dessen Vita zu existieren. Jetzt wirft er alle Hemmungen und Zukunftspläne über Bord und ist nur noch auf Rache aus. Somit beginnt seine eigene Großstadtjagd - die nach Captain Jack, der mittlerweile seine Zelte im Zoo aufgeschlagen hat, und nach Teddys Regeln. Im neuen Domizil des Schaustellers erfreuen sich die ersten Besucher an den Tieren des Zoos, während ein heftiges Unwetter mit Tornadowarnung naht. Natürlich hat das Unwetter unmittelbare Auswirkungen auf den Zoo. Mal abgesehen, dass es zum Davonschwimmen schüttet, fällt der Stom aus, die Kommunikationsmöglichkeiten liegen plötzlich brach und Zootiere wie Bestien kommen frei. Fröhliches Halali. Wer nicht rechtzeitig flüchten kann, wird niedergemetzelt und als schmackhaftes Häppchen genutzt, bis nur noch Omaha und ein kleines Häuflein Unverzagter übrig sind. Und in dieses blutige Chaos kommt der Polizist/Jäger Teddy, der mittlerweile von einem Medium geführt wird. Schwerbewaffnet erreicht er den Zoo in dem Moment, als die Gräueltaten beginnen.. Und er sieht sich nicht nur den räuberischen Zootieren gegenüber, sondern auch dem Jersey Devil, Mongolischen Todeswürmern, El Chupacabra und dem Drachen von Bone Island - und alle gieren nach Blut, Fleisch und Rache. Ein Tierhorror mit übersinnlichen Momenten und während ihres grausamen Überlebenskampfes machen die Protagonisten jeweils ihren persönlichen Wandel durch. Aus Gejagten werden Jäger, feige wird mutig, Einsichten machen sich breit, statt zu reagieren wird nun agiert. sie gehen Koalitionen ein und kooperiren bei der Jagd nach den Bestien des Wanderzoos. Sie stellen Fallen, um die Kreaturen zu vernichten, müssen aber auch erkennen, dass die Viecher ihnen durchaus an Raffinesse und Rachedurst überlegen sind. Besonders auf ihren ehemaligen Peiniger Captain Jack Omaha fokussiert sich das Interesse der Monster. Und da ist ja auch noch Teddy, den sein Gewissen und sein Jagdinstinkt auf die Spur von Omaha setzen, wobei er natürlich auch mit der animalischen Bedrohung in gewalttätige Auseinandersetzungen gerät. Und für Jack Omaha hat er noch etwas ganz Perfides in petto.

Der Basilisk-Verlag hat mir mit "Der Käfig - The Cage" das Vergnügen beschwert, einen mir bis dato unbekannten Autor namens Jason Brannon lesen zu können. Dieser spielt auch gleich mit der Gier des Menschen nach Sensationen, der Faszination des Grotesken nach Blut und Gewalt. Immer größer, immer mehr, immer schrecklicher. So kann man sich denn auch die gelangweilten reichen Jäger erklären, denen Familie, Geld verdienen, Wohlstand, Freunde zu wenig sind, die einen abartigen Nervenkitzel bei der Jagd nach Lebewesen empfinden wollen, um zu spüren, dass sie selbst noch lebendig sind. So wie die Typen glauben, dass sie sich mit Geld alles erlauben können, spielen finanzielle Belange auch bei den anderen Handelnden zu Beginn der Geschichte eine Rolle. Der bestechliche Polizist, der gierige Omaha und der Zoomanager in der Krise. Nebenbei erinnert die kryptozoologische Wanderausstellung des Captain Jack Omaha zumindest zu Anfang etwas an F. Paul Wilson und seinen Oszymandias Prather mit seinem Kuriositäten-Kabinett aus "Der letzte Rakosh" mit dem Protagonisten Handyman-Jack. Stilistisch ist Brannon fein goutierbar, auch wenn ich ihn vielleicht nicht gerade zu den Meistererzählern zählen möchte. Aber das sind andere Erfolgsautoren auch nicht. Auf jeden Fall versteht er es, Angst zwischen zwei Buchdeckeln zu verbreiten und er setzt nicht nur auf vordergründige, blutrünstige Szenen, an denen es aber nicht mangelt, sondern lässt die Furcht der Protagonisten vor den geflüchteten Kreaturen in der Dunkelheit fast spürbar werden. Wer Stephen King schätzt, macht hier garantiert keinen Fehler beim Erwerb des Buches. Auch Brannon bietet neben Horror pur, Grusel und Grauen Eigenschaften wie Menschlichkeit, Familiensinn, Loyalität und Zusammenhalt im Angesicht drohender Gefahr. Narrativ vielleicht nicht der Überflieger, aber auf jeden Fall gut genug, um den Roman ohne große Einschränkungen empfehlen zu können. Kleine Schwächen sind verziehen. Sehr ordentlicher, übersinnlicher Tierhorror.

Offline JasonXtreme

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« Antwort #22 am: 28. November 2012, 10:33:09 »
Samhane, Grippe und Cage dürften in mein Schema fallen :D
Einmal dachte ich ich hätte unrecht... aber ich hatte mich geirrt.


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jerry garcia

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« Antwort #23 am: 28. November 2012, 19:52:35 »
Um mal etwas für die Action-Fraktion zu tun, ein Buch das mich sehr positiv überrascht hat:



 Martin Kay. Ein ganzes Leben kann an einem einzigen Tag völlig umgekrempelt werden, ein Weltbild aus den Fugen geraten. Diese Erfahrung muss auch Eileen Hannigan machen. Ihre Karriere als Agentin von Homeland Security endet abrupt, als ihr Partner getötet wird und Eileen sich auf der Liste amerikanischer Staatsfeinde an erster Stelle sieht. Sämtliche Bundesbehörden der Vereinigten Staaten eröffnen die Jagd auf sie. Ihr einziger Verbündedter scheint ein mysteriöser General zu sein, der behauptet, Eileen wäre vor Jahren Teilnehmerin an einem streng geheimen militärischen Experiment gewesen. Die Sache hat einen Haken: Eileen kann sich nicht erinnern.

Bei der Verfolgung eines Verdächtigen kommt ihr Partner ums Leben als plötzlich ein Helfer ihres flüchtenden Kriminellen auftaucht. Und plötzlich ist Eileen im Zentrum des Interesses: noch während sie den Killer jagt, wird sie von einem Unbekannten angerufen, der sie warnt, dass nun sie die Gejagte sei und er ihr helfen wolle. Seine Hinweise stellen sich als richtig heraus. Schließlich bringt man sie in die Basis des Unbekannten - des Generals. Er will, dass sie Informationen zum Projekt "Misty Hazard" zusammenträgt, welche auch ihr aus ihrer Zwangslage helfen würden. Außerdem eröffnet er ihr, dass sie an einem streng geheimen Experiment beteiligt war und man danach diesen Teil ihres Gedächtnisses gelöscht habe. Währenddessen vertreibt sich in Unna, Deutschland, Markus mit seinem Freund Andy die Zeit in einer Disco, als ihm ein liegengebliebenes Pillendöschen in die Hände fällt. Natürlich öffnet er es und findet darin eine micro-SD Karte. Er selbst kann sie nicht auslesen, also wendet er sich an einen Studentenkumpel, bekannt als Kiffer und Hacker. Dieser wird seinem Ruf gerecht und sie finden eine Liste mit Namen. Und dann taucht plötzlich ein Heli, auf der mit die Wohnung mit einer AGM (Air-to-ground-missile) dem Erdboden gleich macht. Doch Markus ist rechtzeitig aus dem Rum gerannt und flüchtet nun, wird von der Polizei aufgegriffen und erfährt, dass man auch seinen Freund Andy getötet hat. Die Verhörspezialistin vom MAD erklärt sich bereit, ihm zu helfen, doch viel bringt das nicht, denn nun sind sie beide auf der Flucht vor den Behörden. Einige Zeit und Anschlagsversuche später kreuzen sich die Wege von Markus und Eileen und mit vereinten Kräften können sie einiges in Erfahrung bringen, doch ihre Gegner sind mächtig und sie können niemandem trauen.

Meine bisherige Action-Entdeckung des Jahres - und das aus deutschen Landen. Bei einheimischen Autoren bin ich zumeist sehr skeptisch und wurde auch recht oft in meiner negativen Beurteilung bestätigt, doch Uwe Schomburg, Christoph Scholder (wo bleibt ein neues Buch?), Dirk van den Boom (mit seiner Alternate Reality-Reihe "Kaiserkrieger") und nun auch Martin Kay beweisen, dass es beachtenswerte Ausnahmen gibt. "Kalte Spuren" steigt sofort und ohne Umschweife ein und lässt es ordentlich krachen. Pausen gibt es selten, eine richtige Hatz durch die Seiten, prallgefüllt mit krachender Action. Ja, fast kommt Martin Kay gar in die Nähe von Matthew Reilly, nur sein Stil ist nicht ganz so rasant. Ein einzigartiges Spektakel mit Hubschrauberattacken, einer Menge Explosionen, Seegefechten, ziemlich hohem Body Count mit einigen unbeteiligten Passanten, das Kay hier bietet. Dazu Verschwörungs- und Paranoia-Szenarien wie man sie sonst nur von jenseits des Großen Teiches kennt. Ganz klar Daumen hoch für "Kalte Spuren". Ein fetziger, turbulenter Page-Turner aus dem Atlantis-Verlag, der hier ein gutes Preis-Leistungsverhältnis für die 400 Seiten ohne große Ränder oder übergroße Schrift und Riesenzeilenabstand auf hochwertigem Papier bietet. eigentlich ein Rundum-Sorglos-Paket für Fans von Action- und Verschwörungsthrillern. Sehr, sehr unterhaltsames Action-Kopfkino dessen Fortsetzung bereits in den Startlöchern steht. Feine Sache.



Offline JasonXtreme

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« Antwort #24 am: 29. November 2012, 09:30:41 »
Aus deutschen Landen hätt ich sowas jetz auch nicht erwartet! Zumal die Geschichte ja auch noch in den USA stattfindet - klingt nach lesen muss! Vor allem hab ich aus dem Actionbereich ohnehin lange nichts mehr gehabt. DAS wäre so ein Buch gewesen, dass ich im Laden nichtmal in die Hand genommen hätte :)
Einmal dachte ich ich hätte unrecht... aber ich hatte mich geirrt.


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