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Autor Thema: Buchrezensionen  (Gelesen 37939 mal)

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Offline JasonXtreme

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Antw:Buchrezensionen
« Antwort #50 am: 05. Dezember 2012, 10:31:05 »
Das erinnert auch stark an Mission Arktis von Rollins :D
Einmal dachte ich ich hätte unrecht... aber ich hatte mich geirrt.


Meine DVDs

jerry garcia

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Antw:Buchrezensionen
« Antwort #51 am: 05. Dezember 2012, 11:21:56 »
Nee, lass ma. Der Rollins ist dann doch ne Stufe besser.

jerry garcia

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Antw:Buchrezensionen
« Antwort #52 am: 06. Dezember 2012, 19:36:43 »


Jeff Somers. Avery Cates ist ein sehr schlechter Mensch. Manche würden ihn als Kriminellen bezeichnen. Er ist sogar bereit zu töten, solange die Bezahlung stimmt. Doch momentan hat Avery Cates Angst. Er muss den elkektronischen Mönchen entkommen: Cyborgs mit menschlichen Gehirnen, verbesserten Roboterkörpern und einem beachtlichen Waffenarsenal. Ihre Mission: alles und jeden zur Cyber-Kirche zu konvertieren. Die Sache hat nur einen Haken - Konvertierung bedeutet den sicheren Tod.

Die Welt hat sich verändert. Es gibt keine Nationalstaaten mehr sondern einen konföderierten Staatenbund unter Führung des Einheitsrates. Für die Sicherheit sorgt der System-Sicherheits-Dienst (SSD) - lässt man das "D" weg, kann man erahnen, wie er funktioniert - sowie eine untergeordnete, korrupte Polizeitruppe. Menschen können sich mit Genoperationen Muskeln usw. verpassen lassen, was aber nicht ohne Nebeneffekte bleibt und die Mönche der Kirche sind Cyborgs. Hier lebt in den zerstörten Teilen New Yorks der kriminelle, einem Drink nie abgeneigte Auftragsnehmer und Revolvermann Avery Cates, der sich auch für den einen oder anderen Mord nicht zu schade ist. Doch zum Leidwesen seiner Kundschaft entscheidet er selbst, wen er umzubringen gedenkt und wen nicht. Irgendein kruder Rest von Gewissen und Ehre schwirrt ihm im Geist herum und er kann davon nicht ab, selbst wenn es ihm Ärger einbringt. Klar, dass er damit in Schwierigkeiten gerät und schon bald von der Weltpolizei (ein Schelm, wer da an einen bestimmten Staat denkt, der sich zu solchen Aktionen berechtigt fühlt) des SSD gesucht wird. Doch damit nicht genug, er bekommt es auch noch mit den elektronischen mönchen zu tun, die ihn zur Cyber-Kirche konvertieren wollen, wobei er auch noch das Pech hat, mitansehen zu müssen, wie einer dieser Mönche einen der eigentlich unantastbaren SSD-Bullen tötet. Natürlich wird ihm diese Aktion auch noch in die Schuhe geschoben und er wird von allen gejagt. Doch Überraschung: der Big Boss des SSD heuert ihn mit einem fantastischen finanziellen Angebot an, die Cyber-Kirche aufzuhalten, die korrupten SSD-Schergen zu eliminieren und so aus allem heraus zu kommen. Da nur der Boss und Cates informiert sind, bleibt es bei der Hetzjagd auf Avery, der zwischen allen Fronten steht.

Zur Abwechslung mal ein anderes Genre - SciFi. Auf Jeff Somers bin ich beim Stöbern in meinem Stammbuchladen gestoßen und habe beim Blättern in dessen Danksagungen angesichts seines Buches "Die digitale Seuche" aufgrund des Textes "Als mich die Regierung bat, dieses Buch zu schreiben........" und der weiteren Sätze mit einem debilen Grinsen (nein, das ist bei mir nicht Dauerzustand) im Laden gestanden und mich dann sofort zum Kauf entschieden. Zu Hause eingetroffen, musste ich feststellen, dass zuvor noch die Lektüre von "Der eletronische Mönch" angebracht wäre. Also geordert, erhalten und sofort in Arbeit genommen. Ergebnis: ganz, ganz klasse Unterhaltung. Trotz einer wirklich düsteren Zukunftsvision mit Noir-Elementen packt der Autor noch genügend Humor mit hinein, dass es den Leser stellenweise wirklich zum Schmunzeln animiert. Auch wenn er an einen Richard Morgan und dessen rhetorische Fähigkeiten noch nicht heranreicht, ist Jeff Somers immerhin recht vielversprechend gestartet. Mal sehen, was die Folgebücher "Die digitale Seuche" und "Das ewige Grab" zu bieten haben. Eines ist sicher. Die Lektüre des Buches macht Spaß, ist flüssig zu lesen und spannend mit der einen oder anderen Actionszene aufgewertet und sein selbsterzählender Protagonist lässt es an flapsigen Bemerkungen und Gedanken an die Welt an sich nicht mangeln, ohne daraus ein existenzielles Drama zu machen. Schlicht kurzweilig, temporeich, frisch und flott zu lesendes Debüt von Jeff Somers, das wirklich Lust auf mehr macht.

jerry garcia

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Antw:Buchrezensionen
« Antwort #53 am: 06. Dezember 2012, 19:46:25 »


Schneller, globaler, tödlicher ist das Leben in der völlig durchkapitalisierten Welt Mitte des 21. Jahrhunderts. Auch der junge Londoner Investmentbänker Chris Faulker bekommt das zu spüren, als er seine neue Stelle bei Shorn Associates antritt, einer Firma, die vornehmlich in Krisengebiete der dritten Welt investiert. Die Konkurrenz hat Chris zum Abschuss freigegeben.

Morgan liefert hier eine actionreiche Satire zur Globalisierung und dem Kapitalismus moderner Prägung ab. Die Regierungen sind kaum mehr handlungsfähige Pleitiers und haben den gierigen Global Playern der Welt schon lange nichts mehr entgegenzusetzen. Die Verlagerung von Arbeitsplätzen in Billiglohnländer und der Gelder in Steueroasen nimmt ungeahnte Ausmaße an. Die Konzerne regieren mittlerweile selbst wie kleine Nationen - und zwar solche mit Macht und Geld. Wirtschaftlicher Aufschwung geht hier einher mit Arbeitsplatzverlust, die Kosten dafür tragen die Regierungen der Staaten. In diesem Ambiente kämpft Chris Faulkner im wahrsten Sinne des Wortes um einen neuen Job. Die Bewerber müssen den Gewinner in einer Art Death Race ausfahren. Wer überlebt, hat den Job. Und ist man erst auf seinem Platz, kann man jederzeit von einem Konkurrenten zum nächsten Duell herausgefordert werden. In ähnlicher Weise erfolgt die Auftragsvergabe der Firmen. Die Kunden müssen sich in einer tödlichen Auseinandersetzung beweisen, um den Auftrag zu erhalten. Um ihre Produkte zu verkaufen, werden gezielt Märkte geschaffen, die kleinen Länder weiter unter dem Existenzminimum gehalten. Die Schere zwischen arm und reich klafft immer weiter auseinander. Die reiche Minderheit beherrscht die Welt - und das sind die Konzerne und ihre CEOs.

Eine tiefschwarze, absolut bösartige Satire über die Auswüchse des Kapitalismus und der Globalisierung, die im Jahre 2049 völlig außer Kontrolle geraten ist und den Menschen nur noch als Ware oder Arbeitsmaterial ansieht - wenn er Glück hat. Nach einem etwas ruhigeren Beginn zieht "Profit" danach atemberaubend das Tempo an und bietet eine beklemmende Zukunftsvison, die Angst macht, aber unterhaltsam verpackt an den Leser gebracht wird. Das Buch rockt. Zwingend und überzeugend geschrieben, mit einigen Erzählsträngen auch zum aufmerksamen Lesen animierend, wird die Unmenschlichkeit der weltweiten Profitgier gnadenlos angeprangert. Sprachlich hervorragend umgesetzt, aber nicht ohne Klischees auskommend genau das richtige Buch für einen intelligenteren Leseabend ohne dabei zu langweilen. Lesetipp!

Offline Thomas Covenant

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Antw:Buchrezensionen
« Antwort #54 am: 06. Dezember 2012, 21:30:53 »
Morgan ist ein Grosser im SF Genre .

jerry garcia

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Antw:Buchrezensionen
« Antwort #55 am: 07. Dezember 2012, 00:24:18 »
Von Morgan kommt ja bald mit Das kalte Schwert die Fortsetzung zu Glühender Stahl.

Die Kovacs-Romane hab ich leider verpeilt. Sind ja bis auf einen nur schwer oder überteuert aufzutreiben.

jerry garcia

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Antw:Buchrezensionen
« Antwort #56 am: 07. Dezember 2012, 15:45:04 »


Kurz und negativ:

Eine Warnung für diejenigen, die einen fetten Horrorthriller erwarten:

Rob Scott. 15 Meilen. Horror (?). Samuel Doyle, gerade erst ins Morddezernat versetzt, wird zu seinem ersten Fall gerufen, und der hat es in sich: Auf einer gottverlassenen Farm im ländlichen Virginia wurden die Leichen des Ex-Marines Carl Bruckner und seiner Frau gefunden. Womit Doyle jedoch nicht gerechnet hat: Die Rache des verstorbenen Marines kennt keine Grenzen – nicht einmal den Tod.

Hätte man dieses Buch als düsteren Thriller mit Drama-Elementen angepriesen, wäre man ihm a) eher gerecht geworden und b) hätte ich ihn dann möglicherweise liegen lassen. So erwartete ich wie auf dem Klappentext versprochen, einen starken Roman vom neuen Stern am Horrorhimmel. Ja, am Arsch. Das ist bestenfalls ein verglimmendes Lichtlein wenn es um Horror geht. Der Protagonist ist ein Tablettensüchtiger im Drogenwahn, kämpft mit den Geistern seiner Vergangenheit und muss sich mit dem Fall des Marines beschäftigen. Erzählen kann der Autor ja, aber zustande gebracht hat er leider nur eine überlange Folge CSI mit einem vielleicht mystischen Moment auf der Schlangenfarm. Und sonst? Nix Horror. Durch die falsche Herangehensweise des Verlages beim Klappentext und die Erwartungshaltung bezüglich Horror eine Enttäuschung. Sagen wir Horror 3/10 (also wird mir ein weiterer Rob Scott nicht in die Finger kommen), als düsterer Thriller mit dezenten Mystery-Elementen und viel gutem Willen 5/10. fast 600 Seiten.

jerry garcia

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Antw:Buchrezensionen
« Antwort #57 am: 07. Dezember 2012, 15:46:46 »


Jack Henderson. Die junge Jeannie Reese ist DIE Koryphäe der amerikanischen Geheimdienste auf dem Gebiet der IT-Branche. Zusätzlich zu den bekannten Überwachungsorganen hat sie noch ein Programm entwickelt, das die bisherigen absolut in den Schatten stellt. Durch Zufall stößt sie auf Informationen, die die Welt an den Rand des Abgrunds führen könnten.

Bei ihren Recherchen findet sie den von der Welt abgeschotteten John Fagan, der sich als Hacker seit Jahren anonym durch die Welt des Internet bewegt. Zusammen versuchen sie, einer umfassenden Verschwörung auf die Spur zu kommen und weitere Anschläge zu verhindern. Ein weiterer Thriller um die Tücken des www - das war meine Intention beim Kauf dieses Buches. Von mir erwartet war etwas mehr Action als bei Charles den Tex und gehaltvoller als z.B. der Film "Das Netz" mit Sandra Bullock (von dessen Sequel ganz zu schweigen). Herausgestellt hat sich das Ganze als ein First-Class-Verschwörungsthriller, der ganz nebenbei sämtliche Paranoiker der Welt aufs Feinste bedient und in ihrer Meinung der totalen Überwachung nur bestärkt (wenn das Schäubi gelesen hätte). Was der Klappentext nicht verrät: Die Ausgangssituation ist der 11.9.2001. Das Thema wurde ja schon etliche Male in Buch-und Filmform beackert, aber nie so gekonnt wie von Jack Henderson. Absolut realistisch schildert er, wie die Überwachung überhand nimmt, die Bürger ausspioniert werden, aber das Netz auch gegen die Machthaber verwendet werden kann. Bei ihrer Jagd nach Informationen stoßen die Protagonisten auf weitere Hacker, die sich mit ihnen gemeinsam dem neuen Feind stellen, der nach den Anschlägen von 9/11 weitere Aktionen auf die Fahne geschrieben hat, die die Welt vollkommen verändern sollen und durchaus stellenweise Erinnerungen an die berühmt-berüchtigten Turner-Tagebücher wecken, ohne deren rassistische Hetze hervorzuheben. CIA, FBI, NSA usw. - die gesamte Buchstabensuppe der US-Gehiemdienste gehört zu den Verdächtigen. Mord und Entführung werden angeordnet, Milizcamps per Bombardement geplättet, Erstschläge vorbereitet. Wie kann man das verhindern?

Mal abgesehen davon, dass der Autor durchaus fähig ist, über den Tellerrand hinaus zu schauen (die Immobilien- undBankenkrise hat er schon 2005 - das Erscheinungsjahr des Romans - in einem Nebensatz vorhergesagt), hat er ein bedrohliches und gar nicht so abwegiges Szenario entwickelt, das vor Spannung und Action teilweise nur so strotzt. Sicher sind manche Charatere recht plakativ, doch das behindert die Story überhaupt nicht. Seine Verbindung der virtuellen und materiellen Welt um eine Saga wie man die Weltmacht USA wirtschaftlich und militärisch durch Anschläge und Attentate in eine Katastrophe führen kann, ist hervorragend zu einem absoluten Thrillerkracher verwoben worden, der Hoffnung auf mehr von Jack Henderson macht (laut Verlag in Vorbereitung, was immer das bei denen heißen mag).Grandios, überragend, überzeugend!!!! Absoluter Einkaufstipp. 576 Seiten.

jerry garcia

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Antw:Buchrezensionen
« Antwort #58 am: 08. Dezember 2012, 21:21:22 »


Gord Rollo. Michael Fox ist im Begriff, Selbstmord zu begehen, als ihm ein Fremder zwei Millionen Dollar anbietet. Alles, was er dafür will, ist Fox rechter Arm Doch das ist erst der Anfang. Die Pläne des geheimnisvollen Chirurgen gehen weit über einen schlichten Arm hinaus. Und Fox ist nicht der einzige Spender. Gefangen hinter den Türen des Operationssaals muss Fox feststellen, dass er einem Wahnsinnigen in die Falle gegangen ist und es kein Entrinnen gibt.

Michael Fox ist kaputt. vom Leben gebeutelt nach dem Tod seiner Frau und seinem Sohn und dem nachfolgenden Selbsthass und der Ablehnung durch seine Tochter, die mittlerweile 17 Jahre alt ist und bei seiner Schwägerin lebt. Er selbst knallt sich mit allem zu, das ihm in die Finger fällt, pennt wortwörtlich unter der Brücke und hat die Schnauze voll. Er will sich das Leben nehmen. Doch kurz bevor es soweit kommt, tritt ein Fremder auf ihn zu und unterbreitet ihm ein Angebot. Da er nichts zu verlieren hat und ihm eh fast alles egal ist, steigt er darauf ein, die Kohle kann man ja noch mitnehmen, sich eine letzte Dröhnung gönnen. Der "Spaß" vergeht ihm, als er hört, was er dafür zu tun hat. Trotzdem fährt er mit zu dem Arzt, der seinen Schergen auf die Suche nach einem "Spender" ausgesandt hatte und bekommt 2 Millionen Dollar für seinen rechten Arm geboten. Und jetzt beginnt der Albtraum erst. In der Klinik des Arztes finden sich weitere "Spender", abgeschottet von allem anderen und dazu auserkoren, Körperteile für die Versuche eines wahnsinigen Doktors zu geben. Und schon bald wird das Grauen intensiver.

Michael, der hier als Erzähler in der Ich-Perspektive auftritt, lebt auf der Straße. Anhand seiner Schilderung hält er sich immer noch für etwas Besseres als so mancher seiner Leidensgenossen, die ebenso wie er alles zum zudröhnen nutzen, das billig und schnell zu haben ist, die in Containern leben, überfahrene Tiere essen und nur noch so vor sich hinvegetieren. Betteln, saufen und vollgekotzt am Straßenrand aufwachen gehört zum Tagesablauf. Dem will er ein Ende machen. Das erhaltene Angebot stoppt dieses Vorhaben und schickt ihn in eine grauenvolle Welt voller Blut und Hoffnungslosigkeit. Gord Rollo lässt sich nach der Anwerbung Zeit, bis er auf den Punkt kommt und die blutrünstige Story mit all ihrem Grauen auf den Leser loslässt. Stellenweise wird es knallhart und entspannt zu Gemüte führen kann man sich das Werk wahrlich nicht, dazu ist es zu intensiv, zu deftig, zu dramatisch. Nachdem es so ungefähr ab Seite hundert dann ordentlich zur Sache geht, lässt das Tempo kaum nach, entwickelt sich ein echter Page Turner, der an Brutalität und Grausamkeit nichts zu wünschen übrig lässt. Vielleicht sogar ein bisserl krank, das Ganze. Nichts für schwache Nerven (oder Mägen). 336 Seiten.

Offline Thomas Covenant

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Antw:Buchrezensionen
« Antwort #59 am: 09. Dezember 2012, 13:32:25 »
Morgans Fantasy Romane, sind dass nicht die mit dem schwulen Krieger ?
Gord Rollo ist ja mal ein cooler Tip  :thumb:

jerry garcia

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Antw:Buchrezensionen
« Antwort #60 am: 09. Dezember 2012, 14:12:08 »
Ja, die Fantsay Romane sind die um seinen schwulen Krieger.

jerry garcia

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Antw:Buchrezensionen
« Antwort #61 am: 11. Dezember 2012, 10:42:53 »


 Don Winslow. Am Strand ist das Paradies. Am Strand ist die Hölle. Hier verlor Kalifornien seine Unschuld.

Das Trio Ben, Chon und O lebt 2005 eher müßiggängerisch an den Stränden von Laguna Beach und ist vom Arbeiten so weit entfernt, wie dieser Blogger davon, ernst genommen zu werden. Der Ort im Orange County, Kalifornien, ist ein echtes Surferparadies, das Chon - man höre und staune - nur für Einsätze für die Spezialeinheiten der Army in Sandland verlässt. Eines Tages bringt er von drüben ein zartes Pflänzchen mit, das die drei hegen und pflegen wie ein Baby ermöglicht sie ihnen doch den Einstieg ins Geschäft mit sanften Drogen. Ben kreiert eine exzellente neue Mischung, die sie dann auf den heimischen Markt bringen. Als die Nachfrage und somit das Geschäftsumfeld sich ausweitet, meldet sich die Konkurrenz, die keine Neulinge auf ihrem Territorium duldet außer sie zahlen eine Abgabe. Eine wenig subtile Warnung wird von Chon mit einigen gebrochenen Knochen beantwortet, bevor er zum nächsten Einsatz für sein Land aufbricht. Kaum ist Chon aus dem Weg, starten ihre Gegner einen neuen Versuch mit einem Vorschlag, den Ben vordergründig akzeptiert, während er längst an einem Plan für einen Konter bastelt. Ben ist stur und lässt sich nicht gerne zu etwas drängen. Als Chon dann aus Afghanistan zurückkommt, gedenken sie diesen Plan in die Tat umzusetzen. 1967, 1976, 1981. Aus der Happy-Hippie-Zeit in Laguna Beach entwickelt sich unter Anleitung von Doc, John, Stan und Diane sowie der jungen Kim nach und nach die kalifornische Drogenszene. Da wird dann aus Gras bald das lukrativere Gechäft mit Heroin, die Einnahmen steigen. Und Jahre später, eben 2005, kreuzen sich die Wege von Jung und Alt, finden Kinder ihre Eltern, lernen Verleugnung, Wahrheit und sogar Fürsorge kennen. Alles im Strudel um den War on drugs, der ja eigentlich war against drugs heißen müsste, aber nicht umbenannt wurde, weil womöglich sämtliche damit befassten staatlichen Stellen und Politiker eben on drugs sind.

Don Winslow wie man ihn kennt und schätzt. Erstes Kapitel, vier Worte, eine Seite. Kurz, knapp, prägnant. Glücklicherweise geht es nicht ganz so sparsam und minimalistisch weiter, aber seine knackigen Sätze kommen dennoch mit wenigen Worten aus und erläutern dabei mehr als manche Autoren auf Seiten zustande bringen. Und der Schriftsteller hält mit seiner Meinung nicht hinterm Berg. Ob er nun den Liberalen eine Breitseite mitgibt oder sich darüber mokiert, dass mehr Geld in Kriege, Gefängnisse oder diverse kommunale Stellen gebuttert wird, statt in die Bildung. Vielleicht schützt ja Dummheit die Kinder vor Drogen. Mit "Kings of cool" schildert Winslow die Vorgeschichte zu "Zeit des Zorns" (unter dem Originaltitel "Savages" von Oliver Stone verfilmt) und gibt seinen Protagonisten dadurch mehr Tiefe, erhellt ihre Vergangenheit, befasst sich mit ihren Problemen, die sich durch die desinteressierten Ex-Hippie-Eltern mit zuviel Kohle und zu wenig Fürsorge ergeben. Jeder hat seinen eigenen Kopf, O tritt trotz vorhandener Intelligenz als nutzlose Schlampe mit oberflächlichem Gedankengut auf, Chon liebt den Kampf und Ben versteckt sich hinter einer Maske der Ruhe und lässt außer seinen Freunden niemand an sich heran. Mit vielen Verweisen auf seine bisherigen Romane - die man aber jetzt nicht unbedingt gelesen haben muss, um der Handlung folgen zu können - wie Bobby Z. oder Frankie Machine und mehr oder weniger dezenten Erwähnungen aus Literatur, Film und Musik führt Winslow die Wege der handelnden Personen zusammen und auch wenn dem Leser klar ist, dass das Trio zum Ende hin kleinen größeren körperlichen Schaden nehmen wird aufgrund dessen, dass es ja die Vorgeschichte zu "Zeit des Zorns" ist, kann der Autor trotz der einen oder anderen kleinen Verschnaufpause mit seiner einzigartigen Prosa eine gewisse Spannung und selbstverständlich den Lesefluss mit trockenem Humor und Sarkasmus gewürzt immer aufrecht erhalten. Und man ertappt sich als Konsument dabei, dass man trotz ihrer kriminellen Geschäfte mit den Dreien fiebert. Also wieder ein starker Roman aus der Feder von Don Winslow und man kann sich schon auf nächstes Jahr freuen, wenn bei Suhrkamp dann "Glamour" erscheinen soll. Dieser ist einige Jahre früher geschrieben worden als das vorliegende Werk und man kann gespannt sein, ob der Stil damals schon so prägnant war. 

jerry garcia

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Antw:Buchrezensionen
« Antwort #62 am: 14. Dezember 2012, 13:35:43 »


 Z.A. Recht. Drei Monate lang hast das Morgenstern-Virus rund um den Globus gewütet und Menschen in Monster verwandelt. Drei Monate voller verzweifelter Versuche, die völlige Ausrottung aufzuhalten. Nun scheint alles verloren - bis eines Tages ein scheinbar perfektes Heilmittel entdeckt wird. Der Kampf ums Überleben beginnt von vorn.

Die einzelnen Gruppen der wenigen Überlebenden machen sich aus verschiedenen Richtung auf nach Omaha, wo sie sich zusammentun wollen, um einen Impfstoff zu entwickeln. Von Westen kommt General Sherman mit seinen Leuten, der sich alsbald in Kämpfe nicht nur mit Infizierten sondern auch mit Banditen verwickelt sieht. Nachdem er und sein Trupp nur knapp einem Hinterhalt von Wegelagerern entgehen, erreichen sie ein gut befestigtes kleines Städtchen und suchen dort Schutz und Unterstützung bei der Reparatur ihrer Fahrzeuge. Als Gegenleistung sollen sie eine entführte Frau aus den Händen von Marodeuren und Plünderern befreien. Die Aktion gelingt, doch die Gangster sinnen auf Rache und hecken einen perfiden Plan aus. sie locken eine große Gruppe Zombies vor die Stadt, um die Verteidiger damit abzulenken und selbst aus der Gegenrichtung anzugreifen. Die Schlacht beginnt. Unterdessen ist das Trio um Anna, die Ärztin vom CDC, geradeso einer Falle des abtrünnigen Regierungsagenten Sawyer entgangen und hat sich in den nächstgelegenen Ort geflüchtet. Dort treffen sie auf drei weitere Überlebenden, die sich ihnen nach dem Austausch von Informationen anschließen und sogar einen Laster als Transportmittel zur Verfügung stellen können. Sawyer hetzt seine Leute hinter ihnen her und ein Voraustrupp tötet die Journalistin Julie, bevor Mason ihnen den Garaus machen kann. Als dritte Gruppe ist die Besatzung des Zerstörers Ramage auf dem Weg nach Omaha. Diese hatte sich, nachdem sie Sherman und seine Leute an Land gebracht hatten, wieder aufs Meer zurückgezogen und gehofft, dort die Seuche aussitzen zu können. doch irgendwann gingen Treibstoff und Proviant zur Neige und man musste das Schiff aufgeben. Da sich ihnen sonst kein Ziel anbietet, bewegen auch sie sich gen Osten. Unterwegs treffen sie auf Stiles, der vor Wochen bei einem Ablenkungsmanöver von seinen Leuten getrennt wurde.

Der Schreiber der Inhaltsangabe auf Seite zwei scheint sich nicht sonderlich gemüht zu haben. Nicht nur, dass der Text so neutral ist, dass er auf etliche andere Bücher zutreffen könnte, hat er auch die Bezeichnung Billion direkt ausd dem amerikanischen übernommen und der Seuche Billionen Menschen zum Opfer fallen lassen - wohl sein Beitrag zur Überbevölkerung und die gewohnte "Sorgfalt" der Großverlage. Zum Buch: Es gibt Military-SF und von Z.A.Recht Military-Zombie-Horror. Die Geschichte setzt direkt an das Ende von "Die Jahre der Toten" an, aber die Infizierten werden zugunsten der reinen Action etwas in den Hintergrund gedrängt. sie haben zwar weiterhin ihre Rolle wie in dem fiesen Plan der Gangster, aber das Augemnerk von Recht ist hauptsächlich auf Kampfeinsätze gerichtet. Die Protagonisten bekommen kaum Ruhepausen vergönnt, die Szenerie wechselt voin einem Kampfgetümmel zum anderen. Langeweile kommt also schon mal nicht auf. Die Figurenzeichnung und auch diverse Handlungsebenen sind hinlänglich aus anderen Werken oder Filmen bekannt, erfüllen diverse Klischees, wie die gefeierten Retter der Stadt oder die Opferbereitschft einzelner Soldaten. Fesselnde, spannende und flüssige Lektüre ohne explizite oder ausufernde Gewaltdarstellungen mit Hauptaugenerk auf Action und die Auseinandersetzungen der verschiedenen Parteien. Es wird noch das Buch "Der Fluch der Toten" im nächsten Jahr erscheinen, das aufgrund des Todes von Z.A. Recht von einem anderen (Ghost-) Autor verfasst wurde.

jerry garcia

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Antw:Buchrezensionen
« Antwort #63 am: 17. Dezember 2012, 11:43:24 »


Christoph Scholder. Der zweite Wiesn-Sonntag. Weiß-blau erstreckt sich der Himmel über München. Tausende strömen auf das größte Volksfest der Welt. Partystimmung, so weit das Auge reicht, ausgelassen tanzen die Leute in den riesigen Zelten. Niemand ahnt, dass dieser Nachmittag um exakt vier Minuten vor sechs in einem Höllenszenario enden wird. Denn genau zu diesem Zeitpunkt gibt Oleg Blochin, der skrupellose Kommandeur einer russischen Elite-Soldateska, seinen Männern den Befehl, das Betäubungsgas im ersten Bierzelt freizusetzen. Und das ist erst der Anfang. Schlag auf Schlag geht es weiter. 70.000 Menschen werden zu Geiseln in einem hochriskanten Spiel auf Leben und Tod.

Bosnien, Mauritius, Afghanistan, Tschetschenien, Bremerhaven, München, Kaliningrad, Helgoland. Unterschiedliche Schauplätze zu unterschiedlichen Zeiten. Vorstellung der Hauptfiguren (wobei mich eine doch sehr an den ehemaligen Chef von 1860 München erinnert). Aufbau der Handlungsfäden. Waffen werden beschafft und illegal ins Land gebracht. nunmehr nutzlose Schergen werden aus dem Weg geräumt (Kehlenschnitt und der Blutfluss wird kommentiert mit "O'zapft is'"). die Unternehmer Romburg und Vogel geraten durch einen lukrativen Auftrag in die beängstigenden Geschehnisse und einen Strudel aus Blut und Gewalt, Mord und Erpressung. Ein russischer Offizier nimmt das Münchner Volksfest in seiner Gesamtheit als Geisel und fordert zwei Milliarden Euro. Wahres Motiv? Unklar. Die Bundesregierung lässt ihren geheimsten Geheimagenten des MAD, Wolfgang Härter, den Fall übernehmen. Der Bundeskanzler (AM abgewählt, ein Segen? Nö, Pech gehabt, das Buch spielt einige Jahre zuvor und erinnert noch an die vermeintlichen und spekulativen, unbewiesenen Seilschaften mit russischen Präsidenten zur Sicherung eigenen Wohlstandes während man noch vom Volk bezahlt wird und für dieses arbeiten sollte.) nennt den Agenten seinen deutschen James Bond (Nein, ich bin Härter. Wolfgang Härter.), der die Situation sicher und unter zu Hilfenahme einiger Kollegen bereinigen soll - inklusive weiterer Bonmots. Oleg Blochin bekommt einen würdigen Gegner, während er und seine Leute ihre Geiseln mit Freibier und Hendln umsonst ruhig stellen können. Das geht wohl auch nur in Bayern. Im weiteren Verlauf der Handlung entwickelt sich das Ganze zu einem Duell der beiden Kontrahenten, das etliche Opfer fordert und auch die eine oder andere kleine Überraschung zu bieten hat. Da die Geiselnehmer schwer bewaffnet sind (mobile SAM-Abschussrampen, H&K MPs, Gasvorrichtungen), ist Vorsicht angebracht, die nicht immer bei den Großkopferten an erster Stelle steht. Kann Härter das Disaster verhindern?

Passend zum aktuellen Anlass kam die Veröffentlichung des Buches sowie meine zeitige Rezi. Ob so ein Szenario wirklich denkbar ist? Keine Ahnung. Aber wer hätte an 9/11 gedacht? Höchstens Tom Clancy. So kam es denn auch, dass das Werk von Christoph Scholder schon im Vorfeld heftige Kritik vonm allen Seiten einstecken musste. Weil er es wagte a) ein großes deutsches Volksfest als Grundlage für sein Terrorszenario zu wählen, b) weil es zum 30. Jahrestag des Wiesn-Attentats erschien und c) auch noch pünktlich zum Wiesnstart. Da wurde ihm jegliche Sensibilität abgesprochen, dafür aber Sensationsgier unterstellt (und das auch noch von Faltblättern, die mit der Wahrheit wenig, dafür aber mit Sensationsgeilheit, Gerüchten und vagen Behauptungen um so mehr am Hut haben). Fragwürdige Argumente wurden aus dem Hut gezaubert, die sich aber mal keiner zu äußern wagt, wenn ein amerikanischer Schriftsteller solche Bedrohungen in seine Geschichten integriert, da bleiben die Populisten mit ihren erhobenen, mahnenden Zeigefingern feige in ihren Löchern. Denen ist wohl nicht die Angst um die Menschen an die Nieren gegangen, sondern eher der Bammel vor Umsatzverlusten. Man stelle sich vor, dass die Leser den Roman ernst nehmen und das Fest meiden. Diese Blamage, diese Steuerverluste, die armen Wiesn-Wirte und ihre Zulieferer und die armen Organisatoren. Solchen Schreiberlingen muss öffentlich ein Riegel vorgeschoben werden - einfach das Volksfest Nummer Eins verunglimpfen. Mammon vor Mensch eben, wie in der heutigen Zeit üblich. Das Buch selbst beginnt mit einem wilden Dekadenhopping (80-er, 90-er, erste Dekade 2000 und bunt gemischt), um die Motivation der einzelnen Figuren begreiflich zu machen und einzelne Handlungsfäden zu starten (die im Gegensatz zu manch anderen Autoren zu Schluss alle verknüpft und zu Ende geführt werden). Insgesamt ein recht spannendes Buch, gewalttätig, aber nicht übermäßig blutrünstig, dafür hin und wieder recht menschenverachtend (Afghanistan: Ein russischer Offizier hält zwecks Befragung der Eltern ein Kleinkind über einen Brunnenschacht, lässt es fallen und meint: "Ups, da ist das Kind in den Brunnen gefallen".). Ein Schmankerl für Fußballfreunde ist auch enthalten, da der Anführer der Speznaz Oleg Blochin heißt (Weltfußballer 1975). Von der sprachlichen Gestaltung sollte man sich nicht zuviel erwarten. Von einem akademiker mit Abschluss in Soziologie, Philosophie und Psychologie hätte ich denn doch mehr erwartet als das gebotene "Ohne Mampf kein Kampf". Recht biederes Niveau. Da lob ich mir denn doch den von mir schon hin und wieder kritisierten Daniel Silva, bei dem die Sprache sowie etwas intellektuelleres Umfeld doch besser ankommen. Bei ihm hapert es im Storyaufbau (siehe demnächst in der neuen Rubrik Bücherreport). Warum trotzdem eine ausführliche Besprechung? Weil das Buch für deutsche Verhältnisse in diesem Genre sehr gelungen ist und einen Marc Kayser (um nur ein Beispiel zu nennen) um Längen hinter sich lässt, dazu eine ordentliche Portion Action mit hoher Opferzahl anbietet. Am Humor müsste vielleicht noch etwas gearbeitet werden, der kam nicht so rüber. Für Deutschland am oberen Limit und international immer noch oberes Mittelmaß. Also durchaus geeignet für spannende, unterhaltsame und actionreiche Lesestunden, wenn man nicht mit zu hohem Anspruch an die Sache rangeht. Ein wirklich gelungenes Debüt, mal sehen, ob mehr kommt.

jerry garcia

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Antw:Buchrezensionen
« Antwort #64 am: 19. Dezember 2012, 13:58:57 »


Jack DuBrul. Der Bergbauingenieur Philip Mercer sucht in der Zentralafrikanischen Republik nach wertvollen Erzvorkommen, während das Land vom Bürgerkrieg zerrissen wird. Gemeinsam mit der CDC-Ermittlerin Cali Stone gerät er zwischen die Fronten. Zwar können sie knapp entkommen, doch sie stoßen auf ein dreitausend Jahre altes Geheimnis, das bereits früher nichts als Tod brachte. Plötzlich finden sich Mercer und Stone in einem Wettrennen mit skrupellosen Killern um die halbe Welt wieder. Den Gewinner erwartet Macht und Weltruhm – den Verlierer ein einsamer Tod.

Im Jahre 1937 vor dem WKII befindet sich in einem Safe an Bord des Luftschiffes Hindenburg eines der größten Geheimnisse der Antike. Um es zu bewahren geht er in den Tod - und reißt alle an Bord mit sich. In der Gegenwart ist der Berggbauingenieur Philip Mercer auf der Suche nach einem wertvollen Erzvorkommen in der Zentralafrikansichen Republik, während das Land vom Bürgerkrieg zerrissen wird. Dort trifft er auch auf die CDC-Ermittlerein Cali Stowe, die die Ursache für die ungewöhnlich hohe Anzahl von Krebskranken in einem abgelegenen Dorf untersucht. Gemeinsam geraten sie zwischen die Fronten der Kriegsparteien. Zwar können sie knapp entkommen, doch das ist erst der Beginn eines atemberaubenden Wettrennens um ein dreitausend Jahre altes Geheimnis. Denn in Atlantic City treffen sie erneut aufeinander, nachdem Mercer von dem geheimnisvollen Safe auf der Hindenburg erfahren hat. Die Jagd führt Mercer und Stowe um die halbe Welt, immer selbst verfolgt von den skrupellosen Killern, die das Geheimnis für sich haben wollen.

Action, Action, Action. Der Klappentext kann gar nicht wirklich den enormen Anteil an rasanten Actionszenen in dem Buch würdigen. Da geht es ständig hoch her, wird geballert, dass es eine Freude ist. Brutal oder übermäßig hart ist das Buch nicht, aber mit einem so hohen Tempo ausgestattet, dass man fast an einen neuen Reilly denken möchte, noch nicht ganz so stark, aber nahe dran. Viel eher ist er aber in der Nähe eines McDermott und das ist auch schon was. Der Autor war mir bisher nur als einer der Vertragsschreiberlinge von Clive Cussler bekannt, da aber immerhin als der bessere von allen. Daher hatte ich mich zum Kauf des Buches entschlossen, um zu sehen, wie er sich solo macht. Ich wurde nicht enttäuscht. Er liefert einen ordentlichen Kracher ab, der natürlich keine anspruchsvolle Story abliefert, aber sehr gut unterhält. Er bedient sich zwar einiger der üblichen Schablonen was die Lovestory angeht und die Schwarz/Weiß-Malerei bei den Gegnern bzw. unsympathischen Figuren, aber ansonsten ist er auch weit von seinem sonstigen Auftraggeber entfernt - im positiven Sinne. Ganz starkes Actionbuch im Stile der Reilly/Rollins/McDermott und daher für Actionfans uneingeschränkt zu empfehlen. Nur der Verlag hat da mal wieder eine eigene Denke entwickelt. Zum Protagonisten Mercer gibt es von Jack DuBrul eine ganze Reihe und der Verlag hat sich natürlich das zuletzt erschienene zur Veröffentlichung ausgesucht, was man während der Lektüre durchaus an einigen Dialogen erkennen kann, die auf vorherige Ereignisse verweisen. Komische Verlagspolitik und nicht das erste Mal in der Form. Hoffentlich werden die anderen Bücher nachgeliefert, die DuBrul verfasste, bevor er für Clive Cussler zu arbeiten begann .

jerry garcia

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Antw:Buchrezensionen
« Antwort #65 am: 19. Dezember 2012, 14:01:46 »


Was die mit ihrem Abe lincoln können, können wir mit unserem Winnetou auch.

Karl May & Peter Thannisch. Karl May erzählte in seinem Manuskript zu "Winnetou" nur die halbe Wahrheit über den Wilden Westen. Oder wussten sie, dass Old Shatterhand eine Schwäche für junge Werwölfinnen hat? Dass Apachen den Mond anheulen und sich Bleichgesichter vor dem Sonnenlicht in Särge verkriechen? Wo Vampire Silberschätze rauben und Rothäute ahnungslose Touristen skalpieren, beginnen die Abenteuer von "Winnetou unter Werwölfen".

Der junge Mayer Karl wird in St. Louis, wo er bei einer Familie als Lehrer arbeitet, erst von einem Pfaffen getestet, ob er wirlich eine Lusche ist, indem er ein besessenes Ross zähmen muss und eine Horde Ghule mit Kopfschüssen niedermäht und danach als Landvermesser angeheuert.Zusammen mit seinem neuen Kumpel Howlin Sam soll er beim Bau einer Eisenbahn durchs Indianerland helfen. Der Bahnboss hat zum Schutz eine Gruppe rumänischer Vampire an seiner Seite, die Indianer entpuppen sich als Werwölfe und einer der Indianer vom Stamme der Apachen hat es ihm besonders angetan - der mit einem grausigen französischen Akzent parlierende Winnetou. Zusammen mit ihm, Howlin Sam, den ständig besoffenen Landvermesserkollegen und Sams Freunden Büffel Bill und Dick geht es gegen die Kiowas, die ebenfalls als Werwöfe daherkommen, Zombies und gierige Geschäftsleute sowie Vampire, die den Schatz im Silbersee rauben wollen. Und immer wieder kann man sich über den Deutschtümler Mayer Karl amüsieren, wenn er sich endlos über die germanischen Tugenden auslässt, Howlin Sam in punkto Geographie korrigiert oder dessen Sprüche verballhornt.

Völlig überdrehte Story nach den alten Karl May-Romanen. Sprachlich ein Mix aus dem Original und Moderne kommt Peter Thannisch mit einigen netten Ideen, die teils etwas kindisch erscheinen rüber. Je länger die Geschichte dauert, umso mehr zieht er seine Protagonisten durch den Kakao, bringt Zitate zu Filmen und anderen Figuren ins Spiel und hat sichtlich Freude dabei. Irgendwie bekommt der Leser den Eindruck, dass sich der Autor trotz aller Scherze dicht am Original gehalten hat und es einfach überspitzt wiedergibt.Von lustig bis albern und auch mit einigen blutigen Einlagen, die zu so einer Story gehören, hat er seine Helden auf die Abenteuerreise geschickt. Das hat Tempo, liest sich flüssig und kurzweilig. Irgendwie vertraut, aber trotzdem neu. Als Massenware kann das Buch sicher nicht durchgehen, da es wohl kaum die große Leserschaft erreichen wird. Man sollte zudem schon das Original kennen oder zumindest den Film "Der Schuh des Manitou" gesehen haben, um die Slapstickeinlagen und den Witz dieses Buches wirklich würdigen zu können. Bleibt zu hoffen, dass Pierre Brice das Ding nicht in die Finger bekommt, damit er nicht wieder so beleidigt reagiert, wie bei seiner ersten Reaktion auf den Film von Bully Herbig. Eine nette, komische Lektüre für zwischendurch. Kurios, aber gelungen. Wer mal etwas schmunzeln will, kann sich das Buch durchaus gönnen. Ist eben Geschmackssache.

jerry garcia

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« Antwort #66 am: 19. Dezember 2012, 18:03:48 »


Sean Creed. London. In einem Hotelzimmer des Ritz erwacht der ehemalige CIA-Agent Danny Shanklin - in der Hand ein Sturmgewehr, neben ihm die Leiche eines Mannes, den er noch nie zuvor gesehen hat. Noch völlig benommen stolpert er auf den Balkon und sieht das Unfassbare: Auf dem Platz vor dem Ritz liegen überall Leichen. Eine Limousine brennt, schreiende Menschen laufen ziellos umher. Sämtliche Einsatzkräfte der Londoner Polizei sind auf der Straße. Scharfschützen beziehen Stellung. Inmitten dieses Chaos sieht Danny plötzlich drei Menschen, die ganz ruhig wirken. Eine der Personen hält einen großen Gegenstand in der Hand und Danny begreift: Dieser Gegenstand ist eine Fernsehkamera und die ist genau auf ihn gerichtet.


Als seine Familie von einem irren Serienkiller, der immer noch frei rumläuft, mit Ausnahme der Tochter bei einem Urlaub in den Bergen getötet wurde, schmeißt Danny den Job bei der CIA und verdingt sich freiberuflich. Seinen Kontaktmann bekommt er nie zu sehen, Aufträge werden nur virtuell in einem Online-Spiel erteilt. Während Danny sich auf seinem Hausboot mit seiner Gelegenheitsfreundin vergnügt, wird ein russischer Diplomat von einer feschen Tussi in die berühmte Honigfalle gelockt und von seinen Häschern dann für deren Zwecke benutzt. Und Danny tappt bei seinem neuen Auftrag auch in einen Hinterhalt und wird mit einer Injektion betäubt. Danach findet er sich im Hotelzimmer wieder, das auf dem Klappentext Erwähnung findet. Schnell begreift er, dass er sich aus dem Hotel absetzten muss, da man sicher ihm die Schuld für diesen verheerenden Anschlag geben wird. Nun beginnt eine atemlose Hetzjagd quer durch London, an der sich nicht nur die Sicherheitsbehörden sondern auch die Gangster beteiligen, da Dannys Flucht so nicht in ihrem Programmheft stand. Und Danny versucht natürlich, nicht nur seine Haut zu retten, sondern auch die Hintergründe der Sache aufzudecken. Und schleppt dabei seine Tochter mit sich rum, die er in dem Internat, in dem sie unterbracht ist, aus offensichtlichen Gründen nicht zurücklassen konnte.


Das werbeträchtige Lob von Jeffrey Deaver, dass es von der ersten bis zur letzten Seite nur um Tempo geht, ist so nicht ganz stimmig, da doch rund 100 Seiten dazu benötigt werden, den Plan in die Tat umzusetzen - dann aber geht die wilde Hatz richtig los. Und London bzw. die britische Regierung als Hauptstadt der Paranoia und Überwachungskameras bekommt auch ihr Fett weg, da nimmt Creed (eigentlich Emlyn Rees, Sean Creed ist nur für den deutschen Markt gewählt) kein Blatt vor den Mund. Rasant, spannend, bei den Charakteren leider etwas unausgegoren und seicht, geht die Jagd ungemein schnell voran, unterbrochen nur durch gelegentliche Rückblenden zum Tod seiner Frau und des Sohnes, die sein Verhältnis zu seiner Tochter erklären sollen und leider manchmal an den völlig falschen Stellen eingbaut sind. Mitten in einer Jagd durch ein Einkaufszentrum, wo er sich in höchstem Tempo durch die Massen schlängelt, denkt Danny plötzlich an die Vergangenheit - eher unwahrscheinlich. In einem ruhigen Moment ja, aber nicht mitten in einer Flucht, die Verfolger auf Sichtweite hinter ihm. Als Leser ist man dem Protagonisten bezüglich der Hintergründe zumindest teilweise etwas voraus, aber wer ihn in die Falle gelockt hat, warum man gerade ihn ausschalten will und welchen nutzen wer dann aus dem Attentat zu ziehen gedenkt, bleibt lange im Dunkeln, was der Spannung natürlich nicht abträglich ist. Tiefsinnig ist das Buch jetzt nicht gerade und die Wendungen sind auch nicht die großen Überraschungen, die schnelle Wandlung der Tochter von der ihren Vater verachtenden Göre zur vertrauensseligen Familienagehörigen geht viel zu schnell vonstatten. Für längere Auseinandersetzungen blieb wohl auch keine Zeit, wollte der Autor nicht den Fluss des Buches abschwächen, der wirklich nur auf die Rasanz abzuzielen scheint. Fetziges Tempo hat das Buch also, nur wirklich abwechslungsreich ist es durch die dauernde Jagd nicht und bis auf das Attentat und eine Foltersequenz bietet es auch keine sonderlichen Härten, die zwar nicht unbedingt vonnöten sind, aber der Held der Geschichte vermeidet zunehmend jede tödliche Auseinandersetzung, was bei den Polizisten durchaus verständlich ist, aber bei den Gegnern eher weniger. Insgesamt also seichte, schnelle Unterhaltung, die nicht enttäuscht und "Gehetzt" hält, was der Klappentext verspricht, wenn man nicht eine komplexe Story erwartet hat und die mit Sicherheit eine Fortsetzung erfahren darf, da einige Fäden noch nicht verknüpft sind.

Offline JasonXtreme

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Antw:Buchrezensionen
« Antwort #67 am: 20. Dezember 2012, 09:12:20 »
Also der Winnetou klingt doch mal tierisch unterhaltsam :lol: ich hab May zwar nie gelesen, kenne aber immerhin alle Filmsche :D
Einmal dachte ich ich hätte unrecht... aber ich hatte mich geirrt.


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jerry garcia

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« Antwort #68 am: 21. Dezember 2012, 11:29:01 »


David Baldacci. Die verwackelten Bilder eines gefolterten Russen, der seine letzten Worte in die Kamera spricht, versetzen die ganze Welt in Entsetzen. In rasender Geschwindigkeit verbreitet sich das Video über das Internet - und mit ihm die alarmierende Botschaft des Mannes: Er ist Opfer der russischen Regierung, und er ist nicht das einzige. In großem Stil räumt Russland sein eigenes Volk aus dem Weg. Daraufhin spitzen sich die Konflikte zwischen den Großmächten der Welt zu. Ganze Armeen rüsten auf - es droht ein neuer globaler Krieg in nie dagewesenen Ausmaßen. Nur Shaw, Agent einer multinationalen Geheimdienstorganisation, soll die Wahrheit hinter den Gräueltaten aufdecken und den Krieg verhindern. Dieser Auftrag kann ihn das Leben kosten - und die Welt retten.

 Politiker, Medien, Manipulation, Gier. Danach richtet Baldacci seinen neuen Thriller aus. Wie man mit genug Geld und Einfluss die Massen so manipulieren kann, dass man seinen eigenen Interessen dahinter vollkommen versteckt ausführen kann, indem man einfach seine eigene Wahrheit erfindet und sie unters Volk bringt und am Ende davon profitiert. So wird auch das Video eingesetzt, das den gefolterten Russen zeigtdas dann eine Eigendynamik entwickelt, die ihresgleichen sucht. Mit entsprechendem Unterbau wird die gesamte Welt zu Protesten gegen Russland animiert, werden neue Feindbilder geschaffen, Völker aufeinander gehetzt, um die eigenen - doch recht verworrenen - Ziele zu erreichen. Um dies zu verhindern, muss nun Agent Shaw gegen diesen perfiden Plan antreten. Die dabei auftretenden Widrigkeiten räumt er nicht gerade zimperlich aus dem Weg und muss sich dabei nicht nur den Dämonen seiner Vergangenheit stellen, sondern auch aufpassen, dass er nicht von den eigenen Leuten hintergangen wird, was denn auch gegen Ende zu einem kleinen Aha-Effekt führt.

Nach den Reihen um Oliver Stone und den Camel-Club sowie dem Ermittler-Duo Maxwell/King nun endlich wieder ein Stand-Alone von David Baldacci und sofort ist eine Steigerung gegenüber den vorgenannten zu erkennen. Zwar ist er bei seiner Charakterzeichnung der Hauptfiguren nicht vom Pfad des Üblichen abgewichen und hat eine klare Trennung zwischen Gut und Böse vorgenommen und einige Klischees wie ein Trauma aus der ach so dramatischen Vergangenheit der Helden mit eingebaut oder die große, absolut kräftige Statur des gutaussehenden Protagonisten, gegen den natürlich kein anderer auch nur im geringsten anstinken kann. Hier bleibt doch alles recht banal, wie schon in Tausenden anderer Thriller gelesen. Davon aber abgesehen, hat er in punkto Action noch einige Pfund draufgepackt, stellenweise rüde umgesetzt und tatsächlich kann sich einem der Eindruck aufdrängen, dass Baldacci mit diesem Werk in die Nähe eines Clancy zu dessen guten Zeiten gerückt ist. In die Nähe wohlgemerkt, denn trotz internationaler Verwicklungen, kriegerischen Auseinandersetzungen und amerikanischem Heldenpatriotismus fehlt doch noch einiges bis zu der Ikone des Technothrillers. Es bleibt aber ein starker Spannungsroman mit einer klaren Sprache, klaren Verhältnissen und einer ordentlichen Portion Action. Durchaus beachtenswert. Das Perzeptionsmanagement, das hier angesprochen wird, ist eigentlich die Weiterführung des "Spin Doctors", der für seinen Auftraggeber Fakten zum Positiven hin verdreht, sodass dieser am Ende doch gut dasteht. Aber alles basiert auf Fakten. Das Perzeptionsmanagement erfindet aber einfach die Fakten und verkauft sie dann als Wahrheit. Beispiele gibt es dafür schon (Irak, Massenvernichtungswaffen) und auch Boulevardzeitungen sowie Politiker im Wahlkampf nutzen dies in geringerem Umfang. Einfach mal was behauptet, mit irgendwelchem Gewäsch untermauert und publiziert. Die Masse wird es schon glauben. Und in Zeiten des www ist es ja noch einfacher geworden. Da fragt man sich schon, ob man überhaupt noch etwas glauben soll, das einem so als News verkauft wird. Egal, von wem.

jerry garcia

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« Antwort #69 am: 21. Dezember 2012, 11:33:15 »


Mike Lawson. Eine Anschlagserie mit muslimischem Hintergrund erzeugt in ganz Amerika eine Atmosphäre aus Angst und Panik. Der ideale Zeitpunkt für Senator Broderick, um seinen anti-muslimischen Gesetzesentwurf durchzubringen. Doch Kongresssprcher Mahoney wittert Unstimmigkeiten und beauftragt seinen Mann für heikle Fälle, Joe DeMarco, mit diskreten Nachforschungen. Schon bald kommen DeMarco und seine resolute Partnerin Emma einer hochrangigen politischen Verschwörung auf die Spur, die keine Gnade kennt.

 Auch wenn die Attacken auf das Weiße Haus.oder andere Ziele scheitern, die Attentäter umkommen, herrscht in Amerika wieder Angst. Dies ruft die titelgebenden Hardliner (in der deutschen Ausgabe) auf den Plan und schon wird versucht, ein Gesetz auf den Weg zu bringen, das die Muslime im Land unter Generalverdacht stellt. Man ist es ja gewohnt, dass die Amerikaner unter dem Deckmantel des Patriot Act gerne Menschen- und Bürgerrechte außer Kraft setzen, wenn es ihnen in den Sinn kommt. Der amerikanische Weg der wahren Demokratie eben. Doch mit dem neuen Gesetz sollen die Muslime nicht nur kontrolliert, sondern kaserniert oder aus dem Land geschafft werden bzw. erst gar keine Einreiseerlaubnis erhalten. Mit jedem Attentat kommen diese Vertreter des Gesetzes ihrem Ziel näher. Und während Senator Mahoney versucht, dieses radikale Vorgehen zumindest abzuschwächen und seinen Mitarbeiter Joe DeMarco auf Ungereimheiten ansetzt, kann auch der Leser erahnen, dass hinter dem Ganzen eine völlig andere Stratgie stecken könnte. Joe indessen geht die Sache vorerst recht locker an, fährt mal kurz für einige Tage in Urlaub, bis er von Mahoney zurückbeordert wird. Nach und nach tauchen erste Verdächtige auf, die möglicherweise ihre Finger im Spiel haben. Da DeMarco alles andere als ein Troubleshooter ist und kaum je eine Waffe in Händen hielt oder gar gegen Menschen einsetzen musste, benötigt er Hilfe. So wendet er sich an Personen in den Ermittlungsbehörden, die seine Zweifel durchaus teilen und sie ermitteln vermeintliche Hintermänner und versuchen diese mit einem Trick aus der Reserve zu locken. Und während der Ermittlungen wird in einem weiteren Handlungsstrang die Vorbereitung eines wesentlich größeren Anschlags skizziert, von dem die Strafverfolgungsbehörden nicht einmal etwas ahnen.

 Ein Roman wie gemalt für Verschwörungstheoretiker, aber da die Klappentextschreiber oft genug die Pointe schon in ihrer kurzen Zusammenfassung verraten, bleibt auch hier wenig von der möglichen Spannung erhalten. So hangelt man sich von Attentat zu Attentat und von Verdächtigem zu Verdächtigem, wobei der Actionanteil nicht allzu hoch ist. Hauptsächlich die Ermittlungen und politischen Intrigen prägen den Roman. Da wird gemauschelt und geschachert, um ein Gsetz durchzubringen und dabei geht es garantiert nicht um die Vorteile für die Bevölkerung. Lobbyisten versuchen für ihre gut zahlenden Klienten das Beste rauszuholen, während die Politiker nur nach ihrer Karriere und hervorragend dotierten Pöstchen nach ihrer Amtszeit gieren. Kommt einem irgendwie bekannt vor, als hätte Europa von den Amerikanern gelernt, wie man Politik zu eigenen Gunsten macht. Durch den zweiten Handlungsstrang mit der Attentatsvorbereitung im größeren Stil bleibt zwar eine latente Spannung erhalten und auch Fragen offen, doch insgesamt ist die gesamte Lektüre - wenn auch ohne größeres Manko lesbar - bestenfalls akzeptables Mittelmaß ohne aus der Masse der Veröffentlichungen hervorzustechen. Einziger Unterschied ist vielleicht der Protagonist Joe DeMarco, der nicht der Alleskönner und Supermann ist, wie man sie aus den sonstigen Veröffentlichungen des Genres kennt. Er ist kein Kämpfer, durchaus bequem und nicht gerade ein Held der Arbeit, aber wenn er sich mal in einen Fall verbissen hat (oder dazu genötigt wird), dann bleibt er dran und holt sich Hilfe für die Aktivitäten, die er nicht beherrscht.

jerry garcia

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« Antwort #70 am: 21. Dezember 2012, 11:36:10 »


Richard Morgan. Für die meisten ist Ringil ein gefeierter Held und der beste Schwertkämpfer der Tieflande. Für alle, die ihn etwas näher kennen, ist Ringil lediglich ein heruntergekommener Haudegen, der in einem Provinznest seine Zeit mit Schaukämpfen und halbherzigen Affären totschlägt. Als eines Tages seine Mutter, die Herrin des Klans, in der Tür steht, wird Ringil jäh aus seiner Tristesse gerissen: Er soll eine entfernte Kusine wiederfinden, die in die Sklaverei verkauft wurde.

 Doch Ringil muss schon bald erkennen, dass seine Kusine nicht nur in einer größeren Gefahr schwebt, als alle bisher glaubten - sondern dass diese Gefahr die gesamte Menschheit bedroht. Im Verborgenen sind die Dwenda, uralte, gottgleiche Wesen, wieder erwacht, und sie wollen die Herrschaft über die Menschen erneut an sich reißen. Ringils einzige Verbündete im Kampf gegen die Dwenda sind seine ehemaligen Kampfgefährten: Archeth, Tochter eines längst verschollenen Volkes, und Egar, Barbarenhäuptling und Drachentöter. Denn so viel steht für Ringil fest - die Rettung der Menschheit wird eine blutige Angelegenheit. Nachdem ich die erhabene Überlegenheit des legendären Shane mit langweiligen Trailern so gut wie eingeschläfert habe, kann ich mich wieder als Laienpoet der unteren Ebene versuchen. Dafür bin ich Richard Morgan in das Genre der Fantasy gefolgt, der ich bis auf einige Exemplare von Conan in früheren Jahren bis dato nicht viel Aufmerksamkeit geschenkt habe und demzufolge wirklich als Laie dastehe. In seinem Roman geht es in der Hauptsache um Ringil, einen Kämpfer aus gutem Hause mit schlechten Angewohnheiten. Seine Hobbys bestehen aus kiffen, saufen, killen und Schwänzen hinterherjagen, einfach ein schwuler Tunichtgut, der zum Widerwillen seiner Herkunft zu seinen Lastern steht. Eingeführt werden die Protagonisten mit kleinen Scharmützeln gegen Grabfresser oder Guhls, die sie unabhängig voneinander auszufechten haben. Während Egar, der Drachentöter als alternder Barbar mit Sinn für Gerechtigkeit geschildert wird, ist Archeth doch eher eine streitlustige Xanthippe. Drei Personen, drei Schicksale, die im Laufe der Geschichte zusammengeführt werden. Während Ringil sich auf die Suche nach seiner Kusine begibt, wird dem Leser die Welt, in der die Helden leben, vorgestellt und man kann sich nicht davor schützen, dass Erinnerungen an Intrigen im alten Rom oder am französischen Hof wach werden, wenn seine Eltern oder Lordobere zu verhindern versuchen, dass er die Aufgabe übernimmt. Nach und nach bewegen sich die Hauptfiguren auf ihrem jeweiligen Weg immer näher aufeinander zu und man stellt fest, dass es bis dahin eigentlich keine großen Schlachtengetümmel gibt. Kleinere Kämpfe gegen vereinzelte Gegner ja, mehr aber auch nicht. So mündet das Ganze denn in einer endgültigen Metzelei zur Entscheidung über die Herrschaft der Welt zum Ende des Romans hin.

 Langweilig wird es trotz des geschilderten Ablaufes und 560 Seiten nie, da hier eine völlig andere Geschichte erzählt wird, als man sie (zumindest für mich aus Filmen) bisher kennt. Kein strahlender Held ohne Makel, sondern Typen mit Fehlern und Vorliebe für's Zudröhnen. Querköpfe, deren Lebensryhthmus man verfolgen kann, bis sie in die Schlacht ziehen. Eine unkonventionelle Lektüre fern aller Fantasy- und Barbarenklischees, keine Typen mit der Schablone skizziert, dafür einige drastische Sprachgebilde, in denen das F... Wort Hochkonjunktur hat und Morgan scheint Gefallen daran zu finden, in seinem neuesten Buch die Grenzen des guten Geschmacks des öfteren zu überschreiten (wobei dies jeder für sich selbst beurteilen muss) und zu provozieren. Sexuelle Ausschweifungen, Spaß am Töten, Rauschzustände, abgetrennte Körperteile , reichlich Blutvergießen gegen Ende und zerschmetterte Knochen wechseln sich mit einer bedrückenden Fantasywelt ab, die durchaus Parallelen zu moderneren Welten erkennen lässt. Korruption und Günstlingswirtschaft durchziehen auch diese Zivilisation. Ein überzeugender Roman - wobei sich hier aber die Meinungen voneinander entfernen werden. Was für mich eine wohltuende Abwechslung im allgemeinen Heldeneinerlei ist, könnte für andere Leser eher abstoßend wirken. Insgesamt ist er jedenfalls gut geschrieben, hält den Leser bei Laune und langweilt nie. Wird im Jänner 2013 mit "Das kalte Schwert" weitergeführt.

Offline Thomas Covenant

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« Antwort #71 am: 21. Dezember 2012, 21:39:22 »
Richard Morgan soll ein cooler Schreiber sein, von dem Roman hab ich nur gutes gehoert.

jerry garcia

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« Antwort #72 am: 22. Dezember 2012, 18:37:06 »
Ich hab es  mir mittlerweile angewöhnt, seine neuesten Werke stets zu ordern. Kann man nicht viel falsch machen.

jerry garcia

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« Antwort #73 am: 22. Dezember 2012, 18:41:40 »


 Eric van Lustbader/Robert Ludlum (Charakter). Eine mächtige internationale Organisation schickt sich an, der amerikanischen Wirtschaft einen vernichtenden Schlag zu versetzen. Doch zuvor muss der Mann beseitigt werden, der ihr als Einziger gefährlich werden kann: Jason Bourne. ausgerechnet Bournes russischer Freund Boris Karpow wird auf den amerikanischen Top-Agenten angesetzt. Findet Karpow einen Weg aus der tödlichen Zwickmühle?

Erneut geplagt durch in seinen Träumen auftauchende Erinnerungsfetzen an eine Auftrag in Stockholm zu seiner Zeit vor dem Sturz ins Meer (Erstes Bourne-Buch von Robert Ludlum), erwacht Bourne in seinem Zimmer in Phuket, Thailand. Er macht sich bereit, zu einer Unterstützungsaktion für seine Freundin Mara nach Kolumbien aufzubrechen, wo er einen Mann treffen soll, der mehr über die Vorgänge weiß, die US-Wirtschaft zu destabilisieren. Es ist der zweite Versuch einer Gruppe, nachdem Bourne ihnen den letzten Plan mit den Goldreserven vermasselt hat. Doch als er sich am Strand etwas erfrischen will, wird er von vier Figuren attackiert, die er aber auslöschen kann. Wie von ihm erwartet, wird der Auftrag nicht gerade einfach. In Kolumbien wird er schnell vom Drogenboss Correlos festgesetzt, der ihn zu beseitigen gedenkt, doch von Jalal Essai aufgehalten wird. Essai hat sich von der Gruppe namens Severus Domna losgesagt und will sich nicht nur vor deren Rache in Sicherheit bringen, sondern seinerseits gegen sie vorgehen. Bourne soll zu diesem Zweck einen Mann mit Namen Vegas aus den Bergen rausholen und nach Spanien zu Don Fernando bringen, ebenfalls Gegner der Severus Domna. Der Trip wird gefährlich und schon bald wird er von Militär und Rebellen der FARC gejagt. Er kann sich seiner Verfolger entledigen, findet Vegas und dessen Frau, aber sie werden von zwei Helis attackiert, die die beiden Männer aber mt Raketen vom Himmel holen können und sich dann mit Rosie auf den Weg nach Europa begeben, ausgestattet mit verändertem Aussehen und falschen Pässen. Severus Domna ist natürlich nicht untätig und unternimmt den nächsten Versuch, die USA in die Knie zu zwingen. Die Organisation, die nicht nur weltweit verzweigt ist, sondern auch aus Mitgliedern aus Ost, West und Muslimen besteht, hat China dazu gebracht, ihre Finanzkraft auf den Erwerb von Firmen und Gebieten zu konzentrieren, in denen man die äußerst wertvollen seltenen Erden findet, die man unter anderem zur Herstellung von Mikrochips usw. braucht. Als man fast alle Förderstellen unter Kontrolle hat, schneidet man die USA von der Quelle ab. Vorbei wäre es mit PC oder gar der ultramodernen Bewaffnung der Amerikaner. Natürlich muss zu dem Zweck auch der Weg bereitet werden, was das Todesurteil für diverse Geschäftsleute und Politiker in den USA ist. Und der äußerst lästige Jason Bourne soll von seinem alten Freund Boris Karpow erledigt werden. Karpow ist in der Hand eines russischen Geheimdienstführers, der nicht unerwartet auch für Severus Domna arbeitet. Also wird Karpow auf die Reise geschickt, Bourne zu eliminieren.

Eric van Lustbader hat die Bourne-Reihe von Robert Ludlum mit wechselnder Qualität weitergeführt. Besonders anfangs hat er im Vergleich zum Meister eher schlecht abgeschnitten, sich dann aber angepasst und nach und nach dessen Talent für verzwickte Agentenromane mit Action garniert auf sich selbst übertragen. so bietet auch "Der Bourne-Befehl" einige Spannungselemente, viele Parteien und etliche zwielichtige Gestalten, deren Motivation oder Loyalität nicht sofort zu erkennen ist. Neben einigen Klischees in der Beschreibung der verschiedenen Länder, durch die die wilde Hatz geht, wird wenig auf die Geschehnisse vergangener Einsätze eingegangen, obwohl dies für einen neuen Leser durchaus vonnöten wäre. Immer wieder tauchen Personen oder Verweise auf zurückliegende Ereignisse auf, die mit der derzeitigen Handlung in Verbindung stehen. Ansonsten ist das Buch zwar kurzweilig und actionreich, aber auch verzwickt zu lesen, da man ständig von einem Ort zum anderen springt, massenweise Figuren die Handlung bestimmen und man nie weiß, wer mit wem nun mauschelt (Lezteres ist natürlich gut für die Spannung). Manche der Actionszenen erinnern zumindest von der Idee her an Matthew Reilly, aber bei van Lustbader fehlt der Schwung, sie auch in dessen Art umszusetzen. Einen weiteren Teil des Interesses zieht sicher die Frage, ob die beiden Freunde nun aneinandergeraten, auf sich. Doch bis es dazu kommt (oder eben nicht) dauert seine Zeit. Mehrfach wird natürlich auch das Thema der Identitäten diskutiert, seinen sie nun echt, falsch, krankhaft oder eingebildet, jedoch meist nur kurz angerissen, um der Action wieder den Vorrang zu geben. Sieht man von den genannten Nachlässigkeiten und der Tatsache, dass sich das Thema Bourne und seine Suche nach der Vergangenheit langsam erschöpft und schon irgendwie abgedroschen wirkt, ab, ist "Der Bourne-Befehl" ein unterhaltsamer, spannender und temporeicher Spionagethriller mit hohem Body Count und einem echt explosiven Finale. Gut, aber auch mehr nicht.

jerry garcia

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« Antwort #74 am: 22. Dezember 2012, 18:44:40 »


Christopher Farnsworth. Für die einen die Geißel der Menschheit, für die anderen die Rettung vor den Ausgeburten der Hölle: Nathaniel Cade, Vampir im Auftrag des Präsidenten. Gebunden durch einen Jahrhunderte alten Bluteid, ist Nathaniel Cade das letzte Mittel des Präsidenten der Vereinigten Staaten gegen die Invasion Werwölfe, Untoten und anderen Kreaturen.

Für den ehrgeizigen Secret-Service-Aenten Zach Barrows läuft es hervorragend: Er ist vom Wahlhelfer zum politischen Zögling des Präsidenten aufgestiegen, und nichts scheint seine Karriere noch aufhalten zu können - bis er den Fehler begeht, sich mit der Präsidententochter ein heftiges Techtelmechtel zu erlauben. Klar, dass das nicht ungestraft bleiben kann. Als ganz besondere Sühne wird er eines Nachts in die Katakomben des Weißen Hauses geführt, wo man ihm ein Wesen vorstellt, von dessen Existenz auf der ganzen Welt nur eine Handvoll Menschen wissen: Nathaniel Cade. Durch den Bluteid daran gebunden, dem Präsidenten und somit der USA zu dienen. Al-Kaida, Afghanistan oder Irak sind nur Kleinkram gegen die Gefahren, mit denen sich Cade herumschlagen muss. Werwölfe auf dem Balkan, magische Artefakte oder einer Geheimorganisation innerhalb der CIA sieht er sich ausgesetzt. Doch die neueste Bedrohung überrascht auch ihn. Dr. Johann Konrad - ein Altnazi - will die USA mit einer Armee von Untoten überfluten (um die geistigen Zustände braucht er sich dort ja nicht mehr kümmern) und Nathaniel Cade vernichten. Jetzt sind einige blutige Nachtschichten angesagt. Dazu kommt noch ein Unsterblichkeitsserum, das selbst den loyalsten Politiker (eh selten genug, diese Gattung) in Versuchung führt und Al-Kaida auf Seiten der Untoten (die aus gefallenen US-Soldaten "rekrutiert" wurden) machen seine Aufgabe auch nicht leichter. Da hatte sich Zach Barrows seine Karriere sicher anders vorgestellt, als nun den Handlanger / Aufpasser für den Vampir aus dem Keller zu spielen und Kämpfe gegen Monster waren in seinem Aufstiegsplan wohl auch nicht vorgesehen.

Abgesehen davon, dass die USA nun neben dem Kampf gegen den Terror auch einen Kampf gegen den Horror führen und auch noch einen Vampir auf ihrer Seite haben, nichts wirklich Neues an der Horrorfront. Handlungsabläufe und Figuren kommen dem Leser meist irgendwie vertraut vor, doch ansonsten hat Farnsworth die Mischung aus Thriller und Horror zu einem sehr unterhaltsamen Roman verquickt. Er weiß hier und dort auch erfahrene Thrillerbefürworter mit einigen Wendungen zu überraschen, die man so nicht ganz erwartet hat. Stilistisch eher gewöhnliche Kost, die aber actionreich, mitreißend, jedoch ohne sonderlichen Tiefgang serviert wird. Ein bißchen Humor dazu und fertig ist die perfekte Lektüre zum Abschalten. Gelungen. Gefallen. Ist ja alles drin. Zombies, Werwölfe, Al-Kaida, Geheimdienste, Verräter, Nazis, Vampire und das über allem stehende Amerika. Fehlt nur noch Jack Bauer *gg*. Bin sehr gespannt auf die Fortsetzung der Reihe. Gibt mittlerweile noch zwei weitere Bücher um den Präsidentenvampir, aber die wurden in Deutschland bisher nicht veröffentlicht.

 

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