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Autor Thema: Buchrezensionen  (Gelesen 37945 mal)

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jerry garcia

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Antw:Buchrezensionen
« Antwort #75 am: 22. Dezember 2012, 18:47:14 »


Josh Bazell. Nachdem ihm die Flucht vor den Mobstern aus Manhattan gelang, arbeitet Pietro unter falschem Namen als Schiffsarzt auf einem Luxus-Liner. Doch dann erhält er das verlockende Angebot, für einen mysteriösen Milliardär herauszufinden, ob dieser einem Schwindel aufgesessen ist. Zusammen mit der Paläontologin Violet begibt sich Pietro auf eine äußerst seltsame Expedition. Doch die harmlos scheinenden Wälder und Seen von Minnesota verwandeln sich bald in ein Inferno aus Wahnsinn und Gewalt.

Vor Jahresfrist wurden an einem See im Norden der USA zwei Menschen getötet. Nun erhält der Milliardär Rec-Bill eine Einladung zu einer Expedition an den Ort des Geschehens. Ihm wurde Bildmaterial zugesandt, das auf eine geheimnisvolle Entdeckung hoffen lässt und er soll vor Ort entscheiden, ob er dieUntersuchungen finanzieren will. Er traut dem Frieden nicht und lässt Pietro alias Lionel zusammen mit seiner Angestellten Violet nach Minnesota reisen, um die Angelegenheit zu prüfen. Pietro, froh von dem Schiff runterzukommen, sagt sofort zu, als Unterstützung der Paläontologin teilzunehmen. Dort angekommen treffen sie die verschiedensten Figuren mit unterschiedlichsten Motiven, um sich der Expedition anzuschließen. Zu allem Überfluss treiben sich auch noch einige Dealer in der Umgebung der kleinen Ortschaften, die kurz vor dem Vergessen stehen, herum. Man wartet auch noch auf eine geheimgehaltene Teilnehmerin, die aus Regierungskreisen stammen soll, und das Ganze so aufwertet, dass ein großes allgemeines Interesse auf die Sache gezogen wird. Die Story, die der Initiator den Teilnehmern auftischt, scheint schier unglaublich und die Skepsis ist natürlich groß. Reibereien mit den Einwohnern der Orte um das Naturschutzgebiet bleiben nicht aus und dann stellt sich der Ehrengast auch noch als Sarah Palin heraus, eine Politikerin mit einem weit vorauseilenden Ruf - und das ist nicht gerade der beste. Ab jetzt läuft für Pietro der Auftrag endgültig aus dem Ruder. Und zuguter letzt muss er sich auch noch entschließen, endlich etwas gegen seine alten Feinde zu unternehmen.

Bazell wollte sich in seinem neuen Roman "Einmal durch die Hölle und zurück" wohl als Stalinorgel der Regierungskritik etablieren, denn er feuert wirklichaus allen Rohren auf ehemalige Präsidenten wie Carter, Reagan oder Bush und deren Administration. Und die ehemalige Gouverneurin von Alaska namens Sarah Palin kriegt erst recht ordentlich auf die Mütze. Korruption und Vorteilnahme werden ebenso angeprangert wie das Gesundheitswesen, das eh nur von zahlungsunwilligen Versicherern beherrscht wird oder die Bildungsmisere und der Lug und Trug spendabler Konzerne, die mit viel Geld die Politiker auf ihre Linie einschwören. Irrige Gesetze, die die Menschen den Firmen regelrecht ausliefern. Der Anhang hat es wirklich in sich, in dem er die ganzen Erklärungen zu seinen Andeutungen aus dem Buch liefert. Die eigentlich Story selbst ist leider eine ziemliche Enttäuschung. Zwar hat Bazell wieder humorvoll und amüsant seine Geschichte gewürzt, aber wer sich auf eine stimmige Fortsetzung von "Schneller als der Tod" gefreut hat, wird bald eines Schlechteren belehrt. Hier bietet er nur einen Mix aus Krimi, Politfarce und etwas Mystery, das an Loch Ness verlagert nach Amerika erinnert. So wirklich passieren tut eigentlich nix. Action ist Mangelware und der Wahnsinn aus Blut und Gewalt, bleibt völlig außen vor. Am Ende andeutungsweise etwas Kampf, aber sonst nichts. Wirklich origniell ist es nicht und die vielen Fußnoten mögen zwar putzig sein, hemmen aber den Lesefluss, da sie manchmal auch recht üppig ausgefallen sind. Wer sich also für das Buch interessiert und es sich trotzdem anschaffen will, sollte zumindest auf die Taschenbuchausgabe warten, denn das Geld für die Hardcoverausgabe ist es meiner Meinung nach nicht wert. Es hatte irgendwie den Anschein, als wäre ihm seine Kritik wichtiger als die Story und das Buch nur der Aufhänger für den Anhang.Gar nicht überzeugend. Also den Vorgänger "Schneller als der Tod" kann ich nur wärmstens empfehlen, hatte dazu leider nie ne Rezi verfasst.

jerry garcia

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Antw:Buchrezensionen
« Antwort #76 am: 22. Dezember 2012, 18:50:39 »


Tom Nestor. In der Wüste steht ein Baum (Boah, was'n Satz, ey!!!). Er stammt aus der Zeit, als der Mensch im Paradies lebte - der biblische Baum der Erkenntnis (dessen Früchte ich besser vor dem Kauf des Buches genascht hätte). Was, wenn wir dort nicht allein waren? Ein Forscher entdeckt das Unglaubliche: wir sind ein Irrtum der Evolution. Andere Lebewesen haben ebenfalls die Früchte der Erkenntnis gegessen. Lebewesen, die viel widerstandsfähiger sind als wir. Sie sind intelligenter als wir. Sie leben tief in der Erde. Sie beobachten uns seit vielen Jahrhunderten. Und nun haben sie beschlossen, uns zu vernichten. Sahara. Drei Abenteurer auf Irrfahrt entdecken mitten in der Wüste ein einzelnes Bäumchen. Was hat es damit auf sich? Man nähert sich, einer versinkt in vermeintlichem Treibsand, wird von den Freunden rausgezogen und ist unterhalb der Hüfte voller Blut. Sand, der solche Wunden verursacht?

 Italien. Entomologe Tom hilft bei der Suche nach Erdbebenopfern, indem er sein neues Verfahren einsetzt, bei dem er Kakerlaken mit einer Kamera und Steuermodul verbindet und sie in unzugängliche Lücken zwischen Trümmern schickt, um dort Verschüttete zu finden, an die sonst kein Mensch herankäme. Die kleinen Krabbler kommen in Öffnungen, die sonst unerreichbar wären (hier verkneife ich mir lieber Bemerkungen, wären nicht jugendfrei). Trotzdem wird das Ganze eher ein Fiasko und ab geht es heim nach Good Old England, wo er zugleich vom Chef ordentlich abgefiedelt, von der Gattin verlassen und danach flugs vom wieder strahlenden Chef Richtung Kongo verfrachtet wird, wo ein Kollege eine seltsame Ameisenkathedrale entdeckt hat. Ja, der leibe Tom hat so richtig Spaß, dass er vor Lebenslust nur so sprüht, der Knabe. Insektenforscher führen halt ein aufregendes und ereignisreiches Leben voller Abenteuer. Und in Russland nahe der Grenze zu Georgien beginnt ein zweiter Handlungsstrang um einen Agenten im Auftrag der Kirche, der jegliche Entdeckung, die der kirchlichen Glaubenlehre zuwiderläuft, radikal eliminieren soll, was er auch voller Eifer tut. Da wird die Arche Noah im Gebirge ausgebuddelt, was leider beweisen würde, dass die biblische Geschichte nur ein Plagiat einer anderen Religion wäre und so müssen die Archäologen plus Arche eben dran glauben. Kirche und Nächstenliebe at it's best eben. In der Form plätschert die Story denn auch vor sich hin, die Handlungsstränge werden verknüpft und kurz vor Schluss geht dem Autor dann irgendwie die Fantasie aus und der finale Kniff wird in wenigen Sätzen abgehandelt.

 Ich gehe mal davon aus, dass meine etwas lästerliche Schreibe schon direkt zu Beginn beim Klappentext deutlich gemacht hat, was ich von diesem wirklich exzellenten Ausbund eines Autorengehirns halte. Leider könnte ich das auch auf mich beziehen, da ich ja den Baum der Erkenntnis auch nicht genutzt habe, um Fehlgriffe wie Grisham (ja, da lerne ich es wohl auch nie) oder verschiedene deutsche Autoren (gut hier nur Andreas Eschbach und Uwe Schomburg, mit Abstrichen seit "Limit" Frank Schätzing und als völligen Humbug empfand ich das Gekritzel von Marc Kayser und jetzt auch Tom Nestor, dessen nächstes Werk "Caligula" ich nun doch lieber für den Wühltisch liegen lassen werde) zu vermeiden. Habe noch Romane von Marc van Allen und Christian Schönborn vorliegen, die ich aber nicht beurteilen kann, da sie noch meiner Aufmerksamkeit harren. Jetzt zum vorliegenden Mumpitz, den der Autor unter einem Pseudonym verfasst hat, um seinen anderen Namen - Boris von Smerczek - wohl nicht damit in Verbindung zu bringen (hätte ich Ochs das nur vorher recherchiert). Falls er wirklich - wie auf dem Klappenkommentar gepriesen - wie Michael Chrichton oder das Duo Lincoln/Child schreiben wollte, hat er auf ganzer Linie versagt. Allein schon die Erwähnung dieser Autoren ist für jene eher eine Strafe. Trotzdem beginnt die Story eigentlich recht ordentlich und wenn man da noch von dem Klappentext ausging, hätte wirklich etwas Feines aus der Sache werden können. Doch hätte, wenn und aber bringen leider hier mal wieder nix. Nach der Aktion in Italien und der Entdeckung im Kongo geht es mit der Geschichte aber so was von steil bergab, dass einem schwindelig werden könnte. Ameisen kommuniziern per Laptop. Jo Mann, das isses. Erinnerte mich irgendwie an den absolut missratenen Film "Killerameisen - The Hive". Genauso spinnert. Richtige Verschwendung von Geld und Lebenszeit, wobei das Buch auch noch mehr in Anspruch nahm. Als Film wäre "Phänomen" so richtig geeignet für das 20.15 Uhr Abendprogramm von RTL2 oder Vox. Schön klischeebeladen mit einem Heldendoktorchen, der nicht nur die superdupischlauen Ameisen aus der Kolonie nach Hause schleppt, sondern sich zu allem Überfluss mit einer Gattin rumplagen muss, die kein Verständnis dafür hat, dass er sich weigert, ihre Eheprobleme zur Kenntnis zu nehmen und auszieht und natürlich schon ihren Arbeitgeber als neuen Lover hat, mit dem Tommyboy dann auch noch zur Rettung der Stadt zusammenarbeiten muss. Obwohl es ja nicht nur der Loverboy seiner Alten ist, mit dem er sich da zusammentun muss, nein, das helfen auch noch die guten Ameisen gegen die bösen. Um das zu erreichen, wird erstmal über PC ein Plan ausgeheckt, den ihm die Ameisen anbieten. Ein paar kleine Tierhorroreffekte lockern das Grauen zwischendurch mal auf, aber zu spät und zu wenig. Der Handlungsstrang mit dem katholischen Killerbuben wird natürlich auch noch eingebaut und der entführt wen? JA, natürlich die abtrünnige Fremdvöglergattin. Und wer eilt zu deren Rettung? Wieder richtig. Tommylusche mit seinen Ameisen. Echt, die Nummer mit der Kirche war absolut überflüssig und wohl nur dem Umstand geschuldet, dass man mit den Themekomplexen Kirche und Verschwörung momentan immer punkten kann. Die Vampire und feuchte Schmachteteeniegirls haben halt noch gefehlt. Empfehlen würde ich das wirklich nur Leuten, die ich in irgendeiner Form nerven will, ansonsten: FINGER WEG. Mir hat das Werk nun mal gar nicht zugesagt und ich war froh, als ich endlich durch war.

jerry garcia

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Antw:Buchrezensionen
« Antwort #77 am: 24. Dezember 2012, 07:33:47 »


Boris von Smercek. Reporterin Julie Carlton wittert die Story ihres Lebens: Vor den Küsten Queenslands ist ein riesiger Fischschwarm aufgetaucht. Über 400 verschiedene Arten sind gemeinsam auf der Flucht vor einer Gruppe merkwürdig mordgieriger Delfine. Wer oder was hat aus den sanftmütigen Tieren hochaggressive Jäger gemacht?

 Während ihrer Recherchen trifft Julie auf Dr. Scott. Der Wissenschaftler lädt sie zu einem Besuch seines geheimen Forschungslabors tief im australischen Urwald ein. Zu spät wird Julie klar, dass sie in eine Falle geraten ist. Denn im Dschungel lauert eine absolut tödliche Gefahr. Da sind sie nun: Killerdelfine vor Australien. Denkt da jemand an Frank Schätzing und "Der Schwarm"? Ja, aber wirklich nur kurz. Hier ist doch alles etliche Nummern kleiner. Geheime Forschungen im Dschungel und leider auch die unvermeidbare Liebesgeschichte vor dem Hintergrund drohender Gefahr. Hätte man eigentlich weglassen können, diese Liebe auf den ersten Blick ist ja mal zu unrealistisch - und das bei einem "Programm", das wirklich nicht vom Realismus lebt. Ansonsten wird einem der ewig gleiche Kampf von Gut gegen Böse geboten mit einem Sammelsurium der bekanntesten Klischees wie dem irren Wissenschaftler, Selbstversuchen, Monsterviechern und schmachtenden Pärchen.

 Nettes Thema, massenkompatibel umgesetzt, in einige Spannungselemente verpackt. Das bietet uns der Deutsche Boris von Smercek, der mich aber trotzdem besser zu unterhalten wusste wie Marc Kayser, obwohl die Story so flach ist wie ein Surfbrett, brutal wie Wicky und charismatisch wie ein Bausparvertrag. Es ist ein stellenweise extrem überzogener Biothriller, der aber keinerlei Kenntnisse erfordert, um ihn zügig zu lesen, da er auch sprachlich und narrativ recht einfach gestaltet ist. Und hin und wieder stellen sich diverse Figuren selten dämlich an, wie z.B. die Reporterin, die ein Star werden will: So offen kann man doch gar nicht in eine Falle laufen. Aber das auszuführen, hätte wieder einen komplexeren Aufbau der Geschichte erfordert, genau wie die anderen Handlungsstränge. Da geht alles wie von selbst, ohne jeglichen Tiefgang flutscht die Story dahin. Das Ganze ist einfach nur ein Thriller von der Stange, bestenfalls etwas über Groschenromanniveau und daher irgendwie geeignet, um ihn bei Arbeitspausen oder im Liegestuhl zu lesen, ohne den Geist auch nur im mindesten anstrengen zu müssen. Einen bleibenden Eindruck hinterlässt das Buch sicher nicht, aber gravierende Fehler hat der Autor nun auch nicht gemacht. Sollte Nu Image demnächst auf der Suche für ein Drehbuch für einen ihrer Tierhorrorfilme sein, sollten sie dies hier vielleicht als Option wählen, denn es scheint wie dafür gemacht. Die Charaktere eher ein Nebenprodukt, die Story banal und einfach gestrickt, dafür aber genveränderte Viecher aller Sorten. Affenhorden, die mit Knüppeln zwei Leoparden plätten, Delfine mit Killerinstinkt und Kraken, die an jene aus "Tentakel" erinnern (nur schwächer) - und alle wollen den Menschlein in ihrem Umfeld an den Kragen bzw. ans Fleisch. Für zwischendurch gerade so brauchbar, aber wer sich das Lesen verkneift, hat auch nix verpasst.

jerry garcia

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Antw:Buchrezensionen
« Antwort #78 am: 24. Dezember 2012, 07:35:59 »


Uwe Schomburg. Präsident Clintons letzte Europa-Reise im Jahr 2000: ein toter Präsidentenberater, die Erprobung von Strahlenwaffen in Alaska, ein geheimnisvolles Air Force Space Bureau. Was hat das alles mit dem mysteriösen Fund in einer Pyramide der Maya zu tun? Und was steht im White Letter, dem Brief, den jeder scheidende Präsident an seinen Nachfolger schreibt und ihn persönlich übergibt? Der Journalist Alexander Cromwell kommt einer unglaublichen Verschwörung auf die Spur und kämpft schon bald nicht mehr allein um sein eigenes Überleben. Denn nicht nur nach dem Kalender der Maya endet der Zyklus der Menschheit in naher Zukunft.

Ich muss zugeben, dass ich bisher deutschen Autoren zumeist die vielzitierte kalte Schulter gezeigt habe und mich eher für Werke aus dem amerikanischen Bereich entschied. Die Inhaltsangabe zu diesem Buch ließ mich aber eine Ausnahme machen - gute Entscheidung. Schomburg lässt Präsident Clinton mit den Russen (und siehe da, einmal nicht als die Macht des Bösen) zusammen an dem bekannten Schutzschild im Weltall arbeiten, um eine Bedrohung von außen abzuwehren, aber nicht mit aggressiven Methoden, sondern nur als Verteidigungsschild. Während der Verhandlungen macht sich aber eine weitere Kraft auf, um dieses Schutzschild bzw. eine neue Waffe zu kreieren, die auf Vernichtung jedes Eindringlings in den Luftraum der Erde abzielt, was natürlich die zerbrechlichen Annäherungsbemühungen der beiden Großmächte zunichte machen würde.

Die Aktivitäten der Gegenpartei sind skrupellos und als dem Journalist Cromwell eine Diskette mit Beweismaterial in die Hände fällt, gehen die Dunkelmänner mit allen Mitteln gegen ihn vor, was den Actionanteil an dem Roman ständig steigert. Dass so manches Klischee ebenfalls genutzt wird, tut der Sache keinen Abbruch und das Buch liest sich hervorragend und ist spannend genug, dass man es sich zweimal überlegt, ob man eine Lesepause einlegt. Hier hat ein deutscher Autor - zumindest mir - bewiesen, dass er auf dem Gebiet des Verschwörungs-Thrillers durchaus mit den amerikanischen Publizisten mithalten kann. Kleiner Nachteil ist, dass man schon zu Anfang mit einer klaren Rollenverteilung konfrontiert wird, die das Mitraten/-ermitteln leider nicht zulässt, doch seine Ausführungen, die dann den Fund im Maya-Tempel beinhalten, halten das Interesse an der Fortführung der Geschichte hoch bis zum Ende. Viel Action, viel Verrat, ein bisschen SciFi ergeben eine gute Mixtur für entspannende Lesestunden.

jerry garcia

  • Gast
Antw:Buchrezensionen
« Antwort #79 am: 24. Dezember 2012, 07:37:51 »


Markus Heitz. Wir schreiben das Jahr 3042. Die Menschheit ist ins Weltall aufgebrochen, doch nicht mit eigener Technik, sondern mit hilfe von Objekten, die man bei Ausgrabungen auf der Erde gefunden hat. Außerirdische Hinterlassenschaften, die den Menschen das Reisen mit Überlichtgeschwindigkeit ermöglichen, obwohl nur ansatzweise klar ist, wie diese Artefakte eigentlich funktionieren. Schnell bilden sich multinationale Konzerne, die mit Macht und viel Geld den Aufbruch zu den Sternen vorantreiben - bis die Menschheit auf eine geheimnisvolle außerirdische Spezies trifft, die ihnen bei weitem überlegen ist: die Collectors. Und mittendrin der Schwerlastfahrer auf Terra - Kris Schmidt-Kneen. Als er von seinem Arbeitgeber den Spezialauftrag erhält sieht alles nach leicht verdientem Zusatzgeld aus, doch weit gefehlt. Transport sabotiert, Ladung gestohlen und Kris dafür verantwortlich gemacht. Als Strafe wird er auf eine geheime Mission geschickt - und lernt nicht so ganz freiwillig die Collectors kennen.

Eine technologisch weit überlegene Rasse nimmt mehr und mehr Planeten mit menschlichen Bewohner unter ihre Obhut. Da von dort keine Nachrichten mehr durchdringen und schon gar keiner mehr die Planeten verlassen kann, weiß auch niemand, was in Wahrheit vor sich geht. Zum Zwecke der Erkundung werden einige mehr oder weniger Freiwillige in "Das dreckige Dutzend"-Manier zum Dienst gepresst und sollen zusammen mit Entscheidungsträgern die Wahrheit hinter der Obhut herausfinden. Außerdem an Bord: mächtige Aliens, kybernetisch veränderte Menschen, parapsychologisch begabte Mutanten sowie Chimären - Mensch/Tierkreationen. Ebenso mit an Bord - viele Geheimnisse, Intrigen, Falschspieler und Verräter. Was die Obhut wirklich ist, wie die Collectors vorgehen, wird erst im letzten Drittel unter einigen Verlusten aufgedeckt.

Eine SciFi-Mär aus Deutschland. Durchaus lesbar, obwohl sie im Mittelteil etwas lahmt und erst im letzten Drittel wieder mächtig Fahrt aufnimmt. Leider konnte es sich der Autor nicht verkneifen, einen Handlungsstrang einzubauen, der sich mit der Impfung der behüteten Menschen befasst, die dann einem ungezügelten Sexualtrieb anheimfallen, den sie denn auch fröhlich munter an jedem Ort zu jeder Zeit auf dem Planeten ausleben. Das könnte auch aus einem C-Movie a la Fred Olen Ray entstammen - billig. Besonders hier bleibt der intellektuelle Nährwert vollständig auf der Strecke. Das Ganze wird zu einer Rammler- und Vermehrungsveranstaltung degradiert. Ansonsten wurde aber alles reingepackt, was in einen schlichten SciFi-Roman ohne Anspruchsdenken gehört (das Wort Epos auf dem Klappentext ist natürlich eine klare Übertreibung, das Buch ist einfach nur 150 Seiten zu lang): ausufernde Weltraumschlachten, Aliens, Verschwörungen, Elitetruppen und Heldenfiguren. Zudem dient das Buch auch der Einführung der neuen Reihe "Justifiers", deren erster Band "Justifiers-Missing in Action" von Christoph Hardebusch schon erschienen ist und noch schlichtere Action ohne große Längen zu bieten hat und mich mancherorts an alte "Star Trek"-Folgen erinnert. In beiden Romanen ist es auffällig, dass sich in tausend Jahren der Umgang von Konzernen mit ihren Mitarbeitern nicht geändert hat - die Arbeitnehmer werden immer noch am Nasenring durch die Manege geführt und sind bestenfalls ersetzbares Arbeitsmaterial. Das könnte man schon fast als Sozialkritik auffassen, ebenso wie die eine oder andere Bemerkung zur Tierhaltung zu Nahrungszwecken, aber wirkliche Botschaften sind es denn doch nicht, dazu ist alles zu flach und einfach aufbereitet. Actionreiche, unterhaltsame Kost, die jeglichen Anspruch vermissen lässt. Zudem kommt es einem beim Lesen vor, als habe sich der Autor durchaus an einige TV-Serien seiner Kindheit erinnert und die Einflüsse genutzt sowie das Niveau beibehalten. Kann man sich geben, muss aber nicht unbedingt sein. Kein Pflichtkauf.

jerry garcia

  • Gast
Antw:Buchrezensionen
« Antwort #80 am: 24. Dezember 2012, 08:00:04 »


 Richard Stark. In Palm Beach, Stadt der Superreichen und der Polizisten, will Parker im Alleingang einer Bande ehemaliger Kumpel das Geschäft vermasseln. Eine Frau, die ihm auf die Schliche kommt, verdirbt ihm seinen nahezu perfekten Plan. Und am Ende muss er einen Kampf an drei Fronten führen.

Der Bankraub, zu dem Parker über einen Mittelsmann hinzugezogen wurde, klappt perfekt. Enttäuschend ist aber für den Gerechtigkeitsfanatiker unter seinen Milieuumständen, dass die drei Kumpane die gesamte Beute in die Finanzierung ihres nächsten Coups investieren wollen - also auch Parkers Anteil. Das Angebot,an dem Raubzug teilzunehmen, lehnt er ab und die Typen lassen ihn mit zweitausend Dollar und dem Versprechen, dass der Rest als Darlehen gilt und nach dem Raub verzinst zurückgezahlt wird, allein zurück. Parker bleibt ruhig, lässt sich nicht anmerken und denkt dabei dennoch nur an Rache. Er weiß, wann und wo der Coup stattfinden soll und beginnt mit den Vorbereitungen für seine Aktion. Erst besorgt er sich recht unkonventionell neue Waffen, dann zieht er durchs Land, um sich bei fünf unterschiedlichen kriminellen Aktivitäten die Finanzierung zu sichern. Dass er mittlerweile weitaus mehr Geld eingenommen hat, als er durch die Spacken verlor, ist fiür ihn dabei völlig irrelevant. Der Betrug geht ihm einfach gegen den Strich, gegen seinen Sinn für Ehre unter Ganoven. Es gab klare Absprachen und die sind einzuhalten. Bei dem Versuch, sich frische Papiere zu besorgen, geht etwas schief. Parker ist nicht der einzige Kunde des Experten und als er seine neue Identität abholen will, sind da schon drei Killer, die den Experten und alle Kunden, die an dem Tag bei diesem vorstellig waren, aus dem Weg schaffen wollen. Parker überwältigt die Typen und lässt sie dann vom Experten erschießen. Der verzieht sich nach getaner Arbeit und Parker geht seinen Plan an. In Palm Beach tritt er als dümmlich-reicher Öl-Texaner auf, der weder selbstständig genug ist, den Aufzug zu finden, noch weiß, wohin mit seinem vielen Geld. Er wendet sich an eine Maklerin, um mit ihrer Hilfe, das Haus zu finden, in dem sich seine Ex-Kollegen eingenistet haben, um dort ihren großen Auftritt vorzubereiten. Leider ist die Frau nicht so naiv, wie von ihm vermutet und seine Tarnung weist ein Lücke auf, die sie auch noch entdeckt. Sie will an dem Reibach teilhaben. Da sie sich durchaus als nützlich erweisen kann und ihn auch  nicht sonderlich mit dauerhaftem Gequassel nervt, stimmt Parker zu. Womit er auch nicht gerechnet hat, ist die Tatsache, dass die Vorkommnisse bei der Beschaffung seiner Papiere nicht vergessen wurden. Der Auftraggeber der nun toten Handlanger, hat zwei weitere auf den Weg geschickt und die schaffen es Parker zu überraschen und zu schnappen. In den Everglades gedenken sie ihn zu beseitigen, doch da kommt eine Gruppe Heimatverteidigung trainierender Möchtegern-Arier vorbei und rettet ihm das Leben, das seine Häscher so blöd sind, eine Schießerei zu starten. Parker wird schwer verletzt und muss ins Krankenhaus, wo er zu allem Überfluss jetzt auch noch im Fokus der Cops ist. Trotz aller Schwäche verduftet er mithilfe der Maklerin Lesley aus dem Sanatorium und nistet sich in dem Haus ein, das die Verbrecher, die er sucht, angemietet haben. Die sind gerade unterwegs, ihren Zug zu machen und räumen gründlich aus. Zurück in ihrem Domizil, wartet dort Parker schon auf sie, ABER....

Cool, clever, wortkarg, souverän. So lässt Richard Stark seinen Protagonisten auch in "Irgendwann gibt jeder auf" agieren. Akribisch ausgetüftelte Verbrechen, möglichst ohne Todesopfer, in kurzen, trockenen Worten skizziert, beweisen Starks Gespühr für Sprache und Aufbau einer Story. Sein Parker bleibt als eigentlich eiskalter Verbrecher zwar fair, ist aber umso rigoroser im Umgang mit Hindernissen und Leuten, die ihn hintergehen. Ein vollkommen amoralischer Typ, dem eigentlich keine Sympathien entgegengebracht werden sollten. Die Gestaltung der Figuren, Handlung und Dialoge ist so sparsam, dass weder bekannte Klischees noch irgendwelche nervigen Familiendramen oder andere vom Plot ablenkende Szenarien den Fluß der Geschichte, die zumindest einen großen Zufall beherbergt, verlangsamen können. Man liest sich da mit echtem Zug durch. Da wurde wirklich eine große Portion an Brüchen und Action zwischen die beiden Buchdeckel gepackt - schnörkellos, trocken und hin und wieder sogar etwas unterkühlter Humor. Sollte auf den Leser Parkers Welt kalt wirken, soll er sich doch mal die der Palm Beach-Reichen anschauen. Wer nicht zu ihrer "Herde" alten, ererbten Geldes gehört, das zumeist auch nicht unbedingt aus reelen Geschäften stammt, gehört für die zum Pöbel. Dazu zählen auch solche, die sich ihre Millionen oder Milliarden erarbeitet haben, vielleicht sogar ehrlich sind. Für die sind alle anderen nur Pack, sodass sich kaum einer wirklich was drausmachen dürfte, wenn die mal was von  ihrem Vermögen, das die für selbstverständlich halten und sich damit Gesetze, Polizei und Macht kaufen, auf die eine oder andere Art verlieren. Kompromisslos, mit Wendungen versehen und auf hohem Niveau - Richard Stark braucht nicht viele Worte, um eine Geschichte temporeich und außerordentlich spannend zu erzählen. Klare Leseempfehlung. Und da dieses Buch als Vorlage für den Film"Parker" diente, der am 7.2.13 bei und mit Jason Statham und Michael Chiklis in den Kinos starten soll, freu ich mich drauf. Sollte man sich mehr nach dem Buch von Stark denn nach einem Drehbuchverwursterwichtel gerichtet haben, wird das ein feines Kinoerlebnis.

jerry garcia

  • Gast
Antw:Buchrezensionen
« Antwort #81 am: 25. Dezember 2012, 16:02:07 »


Brad Meltzer. Wes Holloway gehört zum Stab des amerikanischen Präsidenten. Am 4.Juli verschafft er seinem Freund Boyle einen kurzen Gesprächstermin in der Limousine des Staatsoberhauptes. Doch dann schlägt ein Attentäter zu - nicht der Präsident, sondern Boyle wird getötet. Acht Jahre später taucht der Tote wieder auf - und mit ihm ein seltsamer Code, der auf eine gigantische Verschwörung hinweist.

 Und wieder sitzt der Leser bei Meltzer in der 1. und 2. Reihe der amerikanischen Politiker- und Landesführerriege. Als nach dem Attentat ein recht peinliches Foto des US-Präsidenten in den Medien auftaucht, hat sich das mit der ersten Reihe schnell erledigt, da er bei den anstehenden Wahlen mit Pauken und Trompeten durchrasselt und dazu noch den Spitznamen "Der feige Löwe" als Abschiedsgeschenk mit auf den Weg ins politische Nirwana bekam. Den beim Anschlag verletzten und traumatisierten Wes Holloway hat er nach dessen Genesung wieder in seinen - nun immens verkleinerten - Stab integriert und der begleitet ihn auf seinen Reisen rund um den Globus zu lukrativen Reden und Spendengalen. Eigentlich hat es so ein Ex-Präsident nicht schwer. Keine Verantwortung, aber weiterhin hohes Einkommen, weiter vom Secret Service beschützt, weiterhin wird jeder Wunsch erfüllt - die Nation liegt ihm immer noch zu Füßen. Nur die Macht geht ihm ab. Was für ein Drama für den armen Kerl. Und da taucht wie aus dem Nichts der getötete Boyle wieder auf, von Angesicht zu Angesicht aber nur beim Proagonisten Wes Holloway, dem natürlich keiner glaubt. Nach einer intensiven Befragung durch G-Men wendet Holloway sich an seinen Kumpel, Mitbewohner und Anwalt und sowie an Dreidel, der ihm noch von der früheren Zusammenarbeit beim Präsidenten bekannt ist. Dazu stößt noch die Klatschkolumnistin Lisbeth, die eigentlich nur das Treffen von Dreidel und Holloway auf den Plan brachte, da sie sich für Dreidels Werdegang interessiert, der mittlerweile für den Senat kandidieren will, aber nun ins Geschehen voll involviert wird. Gemeinsam ermitteln sie, dass Boyle tatsächlich noch am Leben ist und sich Informationen zukommen lässt. Zu allem Überfluss hat sich der Attentäter, der für seinen Anschlag in ein fürsorgliches Heim mit gesunder Ernährung und Rund-um-die-Uhr-Service gesteckt wurde, dazu entschlossen, seinem gemütlichen Zuhause ade zu sagen und sich flugs zu verpissen, um sich auf den Weg zu machen, seinen Fehler zu korrigieren. Damit nicht genug, jetzt kommt auch noch einer mysteriösen Verbindung - genannt "Die Drei" - ins Gehege. Stellen sich die Fragen: Welchen Zusammenhang gibt es zwischen denen? Hat es was mit dem Attentat vor 8 Jahren zu tun? Gibt es eine Verschwörung von Größen aus Wirtschaft und Politik?

 Gewohnt gekonnt baut Meltzer die Spannung auf, schürt Erwartungshaltungen, versieht seine Kapitelabschlüsse geschickt mit cleveren Cliffhangern. sodass man automatisch weiterliest. Seinen Figuren lässt er zumeist Raum zur Entfaltung und z.B. ihre Traumata aufzuarbeiten. Da glücklicherweise die Inhaltsangabe auf dem Buchdeckel nicht sonderlich viel spoilert, kommen selbst Thriller-Dauer-Leser dem Komplott und den eventuell Beteiligten nicht so schnell auf die Spur, denn der bekannte Attentäter ist eh nur ein Spielball der Hintermänner. Ein weiteres Mal ist Brad Meltzer mit seiner gediegenen Thrillerkost eine Empfehlung wert und sticht aus der Masse der Veröffentlichungen positiv heraus.
« Letzte Änderung: 25. Dezember 2012, 16:04:34 von jerry garcia »

jerry garcia

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Antw:Buchrezensionen
« Antwort #82 am: 25. Dezember 2012, 16:04:03 »


Brad Thor. Die Schmelze eines Alpengletschers gibt ein Geheimnis preis, das die westliche Zvilisation um Jahrhunderte zurückwerfen könnte. Nur ein Mann kann die drohende Katastrophe abwenden: der Undercoveragent und ehemalige Navy-Seal Scot Harvath. Zusammen mit Jillian Alcott, einer Molekularbiologin, soll Harvath die Organisation aufspüren, die bereits an der tödlichen Waffe arbeitet.

Nach drei heißen Jahrhundertsommern in Europa gibt die Schmelze eines gletschers ein uraltes Geheimnis preis - eines, das die gesamte westliche Zivilisation ins Mittelalter zurückkatapultieren könnte. Bereits jetzt sterben in einem kleinen, abgelegenen Dorf im Irak Menschen an eioner unbekannten Seuche - alles Nicht-Muslime. Harvath, der sich schon so einige Klöpse im Dienst geleistet hat, steht kurz vorm Rauswurf, aber wie üblich kommen sie dann doch nicht ohne ihn zurecht und der Präsident erteilt ihm einen Geheimauftrag bezüglich dieser Waffe, der ihn in den Mittelmeerraum führt, wo er gegen die Organisation ermittelt, die sich als eine ultimative Gefahr für Amerika und dessen Verbündete herausstellen könnte. Zur Seite steht ihm dabei Jillian Alcott, eine englische Molekularbiologin. Nach umfangreicher Ermittlungsarbeit gelingt es ihm, mehr über die Seuche in Erfhrung zu bringen. Sie stammt aus der Antike und wäre besser im ewigen Eis verborgen geblieben. Aber so konserviert in die Griffel des bösen Feindes gefallen, muss er nun alles daran setzen, diese Waffe zu vernichten.

Zimperlich geht es in diesem weiteren America First-Output nun wahrlich nicht zu, aber auch die Strapazen einer Ermittlungsarbeit mit kleinen Fortschritten und großen Hindernissen wird thematisiert. Glücklicherweise entwickelt sich das Buch nicht zu einem reinen Biothriller, sondern zu einem waschechten Geheimdienstactioner mit allen dazugehörigen Rezeptionen. Intrigen, Verrat, Mord und Massenmord. Da wird ein gesamtes Dorf mit der Waffe eliminiert, da wenden sich die verschiedenen Religionen und Glaubensrichtungen auch der muslimischen Welt gegeneinander und Harvath mittendrin. Da es auch an der Unterstützung seiner Auftraggeber mangelt und er sich nicht sicher sein kann, wem er trauen darf, ist er mit Jillian auf sich allein gestellt. Romantische Anflüge werden glücklicherweise im Keim erstickt und so werden wenigstens diese klischeehaften Versatzstücke vermieden, von denen es aber sonst schon das eine oder andere gibt. Hervorragend geschrieben, nicht ganz so actionlastig wie "Overkill", aber spannend. Ein wirklich gelungener Thriller. Hatte mir mehr aus der Feder von Brad Thor erhofft, aber der pseudo-deutsche Verlag Randomhouse hat mal wieder nicht mitgespielt, was er ja seit F. Paul Wilson oder Jonathan Maberry nicht zum ersten Male praktiziert. Schade, denn da dürfte dem deutschen Leser so einiges entgehen.

jerry garcia

  • Gast
Antw:Buchrezensionen
« Antwort #83 am: 25. Dezember 2012, 16:06:30 »


Nur als Kurzkritik:
Ronald Malfi. Snow-Die Kälte. Horror. Und hier eine der positiven Überraschungen. Amerikas mittlerer Westen schneit zu, und alle Flüge werden gestrichen. Für Todd Curry, einen geschiedenen Vater auf dem Weg zu seinem Sohn, ist das schlimm genug. Kurz entschlossen macht er sich mit drei anderen "Gestrandeten" im Auto auf den Weg durch die Kälte. Doch als sie einen zerlumpten und verletzten Anhalter mitnehmen, der sie schließlich in ein eingeschneites Städtchen führt, beginnt für ihn eine Odyssee des Grauens. Denn draußen im Schnee lauern SIE, und SIE haben immer Hunger. Guter, alter Horror, der nie langweilt und an die guten Darbietungen eines Stephen King erinnert. Einfach, aber gekonnt entwickelt Malfi eine Story, die spannend ist, da auch der Leser nie weiß, was da imSschnee umgeht oder die Protagonisten noch erwartet. Hin und wieder kommen mal kurz Erinnerungen an "Die Körperfresser kommen" auf, doch auch andere Elemente halten Einzug in die Geschichte. Da werden tatsächlich Körper gefressen, aber eher in Zombie-Manier. Da wird gehetzt, gekämpft und geblutet und ein allzu zuckersüßes Happy-End gibt es auch nicht. Vielleicht nicht die innovativste Story des Jahres, aber dafür eine äußerst gelungene. Hoffentlich kommt von Malfi noch mehr.

jerry garcia

  • Gast
Antw:Buchrezensionen
« Antwort #84 am: 25. Dezember 2012, 16:08:07 »


 Wayne Simmons. Ein Sonntagmorgen im Frühling: Gerade will Star ihren ersten Kunden tätowieren, als die Welt plötzlich in eine üble Schieflage gerät. Belfasts verkaterte Nachteulen fallen in einen noch tieferen Schlaf als gewöhnlich und Sekundentode verursachen ein heilloses Verkehrschaos, Brände und Flugzeugabstürze. In den Nachwehen des Chaos begibt sich eine Gruppe Überlebender auf Sinnsuche durch die postapokalyptische Stadt. Der alternde Radiomoderator Sean Magee findet sein Heil zusammen mit dem Jungfrauenkiller Barry Rogan in einer Hotelbar. Die ehemalige IRA-Aktivistin Mairead Burns und Soldat Roy Beggs verbünden sich zwangsläufig, Ordnung in eine Kommune zu bringen, während andernorts ein geheimnisvoller Prediger verstörte Überlebende aus den Schatten lockt, indem er ihnen Erlösung verspricht.

In der Folgezeit versuchen Tim und Caz, die ein Eisenbahnunglück überlebt haben, der recht trinkfreudige alternde DJ mit dem guten Musikgeschmack Sean, der zum Alki mutierte emeritierte Professor Herb und die Tätowoererin Star jeder auf seine jeweils ureigene Art mit der plötzlichen Katastrophe umzugehen. Barry, Student, Trunkenbold und aufreißer, wacht neben einer Leiche in seinem Bett auf und spannt erst gar nicht, was los ist. Roy ist in seinem Land-Rover unterwegs, im Gepäck die IRA-Aktivistin Mairead, die er unterwegs aufgelesen hat, Waffen und Proviant und am Heck einen kleinen Konvoi, dessen Anführer er ungewollt geworden ist. Die Leute hoffen auf die Hilfe der Army. Alle versuchen sie, einen sicheren Ort zu erreichen, Unterstützung, andere Menschen, Hilfe. Die Gruppe um Roy nistet sich in einer Schule ein und wo Menschen verschiedener Herkunft oder Glaubensrichtungen in einer Krisensituation zusammentreffen, gibt es auch Reibereien. Sean trifft indes auf Barry und die beiden Schluckspechte picheln sich erst einmal den Frust weg, bevor sie weiterziehen. Tim, Caz und Star richten sich im Busbahnhof ein und kommen einigermaßen zurecht, warten ab, was als nächstes passiert. Der halbblinde Prediger macht sich auf, verlorene Seelen zu sammeln. Die Kommune schafft es, einen Angriff von Marodeuren abzuwehren, bei dem sich Mairead und Roy trotz aller Unterschiede fast schon perfekt ergänzen. Leider kommt es danach ob gewisser Härten und Führungsansprüche von Roy zum Bruch und Mairead nimmt die kleine Clare und verschwindet von dort, verfolgt von ihrem ehemaligen Mitstreiter. In Belfast treffen sie auf die Gruppe um Star und es kommt zum Kampf. Auch die Kommune muss um ihr Bestehen fürchten - die Toten stehen wieder auf. Gleiches bekommen auch der Prediger und der Rest von Belfast zu spüren.

Die Iren und ihre Musik. Schon nach wenigen Seiten werden wie bei Bruen auch hier Thin Lizzy mit ihrem Song "Whiskey in the Jar" erwähnt. Irisches Kulturgut eben. Leider wird dieses Kulturgut nach den ersten Wehen der neuen Katastrophe nur geringen Wert haben und die Menschen kämpfen ums Überleben. Die eine oder andere Szene - Star vor ihrem Studio - erinnert tatsächlich ganz kurz an "Der Omega-Mann" mit Charlton Heston. Allein und einsam in einer verheerten Stadt. Doch dann finden sich die anderen Überlebenden nach und nach zusammen und Simmons lässt sie einen anderen Weg gehen. Er nimmt sich viel Zeit, die Personen zu charakterisieren, ihre Schwächen, Stärken und Probleme vorzustellen und so manch einer hat ein mehr oder weniger großes Geheimnis zu verbergen, das sich aber im Laufe der Zeit dann unter Stress doch offenbart. Lange ist das Buch auf die Figuren konzentriert, nur hin und wieder werden in der ersten Hälfte kleine Actionsprenkel eingeflochten oder auch die äußerst tragischen und bedauernswerten Schicksale eines Kranken, der im Ganzkörpergips auf ständige Betreuung angewiesen ist und elendig zugrunde geht oder die tapfere Flugbegleiterin, die in der Maschine als einzige Person überlebt hat und nun ausharrt, bis dem Flieger der Sprit ausgeht und sie in den Boden rammt. Kleine, traurige Schicksale im großen Chaos. Passend zum ganzen Szenario hatte der DJ Sean noch den Song "Don't fear the Reaper" von Blue Öyster Cult gespielt, ein Song der in solchen Situationen gerne als Referenz hergenommen wird und eh als zeitloser Klassiker gilt. Simmons hat sich auch wie bereits bei seinem gelungenen "Grippe" auch hier den Irland-Konflikt, Rassenthematik und eben die Religion auf die Fahnen geschrieben. Das gehört zu Irland wie Musik und Suff. Doch ebendas und Machtgier sind auch schuld am Zerbrechen der Kommune, gute Menschen werden zu Tyrannen, gar Mördern. Der Wandel vollzieht sich meist schleichend und die zuvor erwähnten Geheimnisse und Charakterschwächen treten offen zutage. Und als wäre dies nicht genug, taucht im letzten Drittel des Buches die eigentliche Katastrophe auf. Ab jetzt wird es blutig, Eingeweide werden herausgerissen, Körperteile verspeist und die wenigen Überlebenden müssen wieder kämpfen. Nach dem intensiven Blick ins irische Seelenleben ist die Kacke jetzt am Dampfen und da das Buch eine Fortsetzung erfahren wird, können wir Leser uns schon freuen, denn da dürfte es dann wirklich rund gehen. Und die Idee mit diesen ungewöhnlichen und wahrlich neuen Zombies hat was für sich, ist schlicht genial und hat mich trotz aller Tragik und brutaler Gewalt bei einem bestimmten Gedanken tatsächlich noch zum Schmunzeln gebracht. Einen kleinen Lapsus hat sich der Verlag geleistet, in dem er an das fünfte Kapitel das vierte noch einmal drangehängt hat. Kleiner Fehldruck, der aber zu verschmerzen ist und die Freude auf die kommende Fortsetzung ganz sicher nicht trübt. Jetzt heißt es nur geduldig warten.

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Antw:Buchrezensionen
« Antwort #85 am: 26. Dezember 2012, 12:45:29 »
Na die letzten beiden klingen doch ziemlich cool!
Einmal dachte ich ich hätte unrecht... aber ich hatte mich geirrt.


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jerry garcia

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Antw:Buchrezensionen
« Antwort #86 am: 05. Januar 2013, 11:44:50 »
Der Malfi hat mich damals sehr positiv überrascht, während man beim neuen Simmons immer im Hinterkopf behalten sollte, dass die Stopry noch nicht zu Ende ist.

jerry garcia

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Antw:Buchrezensionen
« Antwort #87 am: 05. Januar 2013, 11:49:41 »


Scott Turow. Der Richter sitzt stundenlang am Ende eines Bettes, in dem eine tote Frau liegt. Seine Frau. Erst am nächsten Morgen ruft er die Polizei. Er wird des Mordes angeklagt werden. Alles wird gegen ihn sprechen. Er wird beweisen müssen, dass er unschuldig ist. Vor zwanzig Jahren hatte Rusty Sabich eine Affäre mit einer Kollegin, die brutal ermordet wurde. Sein Widersacher in der Staatsanwaltschaft, Tommy Molto, hatte unnachgiebig versucht, Rustys Schuld zu beweisen. Diesmal will Tommy Molto zu Ende bringen, was er damals begann.

Vor rund zwanzig Jahren kriselte es in der Ehe vom serbischstämmigen Rusty Sabich, als er sich auf die Affäre mit einer Kollegin einließ. Doch das war damals nicht das einzige Problem. Der Tod seiner Geliebten hätte Rusty um ein Haar in den Knast gebracht. Seine Frau hielt zu ihm, sie überstanden die Krise und verurteilt wurde er auch nicht. Er arbeitete weiter in seinem Beruf, der alte Ruf war wieder hergestellt und alles nahm seinen geregelten Lauf. Könnte alles so schön sein, würde seine Gattin Barbara nicht tot im Ehebett aufgefunden. Erste Verdachtsmomente weisen darauf hin, dass Medikamente im Spiel waren. Und schon steht Tommy Molto bzw. sein Scherge Jimmy Brand, der nach einer steilen Karriere giert, auf der Matte, Verlierer in der vorangegangenen Auseinandersetzung um den Tod der Geliebten. Diesmal soll es besser laufen und gleichzeitig der Eindruck vermieden werden, dass Molto nur auf Wiedergutmachung seines verlorenen Prozesses aus ist und nun versucht, die niederlage von vor 20 Jahren jetzt mit allen Mitteln ausmerzen zu wollen. Doch auch Richter Sabich hat wohl nichts aus den Ereignissen von damals gelernt. Molto und sein Team finden heraus, dass sich Sabich mit einer ehemaligen Untergebenen trifft. Da wäre denn schon mal ein Motiv für den Mord. Jetzt kann er die Angelegenheit vor gericht bringen und einen aufsehenerregenden Prozess anstrengen, dessen penible Vorbereitung Monate braucht, um eine unanfechtbare Verurteilung zu erreichen. Natürlich ist auch Sabich nicht untätig und geht seinerseits in die Offensive, um das Schlimmste zu vermeiden. Doch er ahnt nicht, was wirklich auf ihn zukommen wird.

Viele Cineasten werden sich sicher noch an den sehr gelungenen Kinohit "Aus Mangel an Beweisen" mit Harrison Ford in der Hauptrolle erinnern. Nun liegt mit dem Justizthriller "Der letzte Beweis" nicht nur das neueste Werk von Scott Turow vor, sondern auch die Fortsetzung seines damaligen Erstlings und verfilmten Bestsellers. Turow beweist damit auch, dass es sich lohnt (auch für den Leser), sich beim Verfassen eines Buches Zeit zu lassen und dabei die Qualität des Romans hochzuhalten, anstatt auf jährliche Outputs für den Massenmarkt in leicht verständlicher Sprache und wenig komplexer Handlung zu setzen, um das eigene Konto aufzustocken und vielleicht noch Hollywood anzulocken, das ja unerklärlicher Weise gerade auf solche Werke reagiert wie ein Hai auf Blut. Uninspiriert, handlungsarm, nur durch den schnellen Dollar motivierte Machwerke im Boulevardstil. So erreicht man zwar hohe Verkaufszahlen, aber keine guten Storys. Glücklicherweise ist das nicht die Arbeitsweise von Scott Turow, was ihn von anderen Autoren in diesem Genre wohltuend unterscheidet. Er bietet dem Käufer einen vielschichtigen und hochspannenden Fall, den er in jahrelanger Vorbereitung qualitativ hochwertig und ausgiebig recherchiert hat. Es hat wohl schon seinen Grund, warum er seit seinem Debüt 1987 erst acht Romane verfasst hat und das ist sicher nicht der Mangel an Käuferschichten. Auch in "Der letzte Beweis" werden die Figuren tiefgründig (und ich für meinen Teil muss sagen, dass mir die Hauptfigur mal so gar nicht sympathisch war, ein Egoist, wie er im Buche steht - und das ist nicht mal alles) präsentiert, ist die Sprache klar und ausdrucksstark, verglichen mit anderen Schreiberlingen schon fast ein literarischer Höhenflug. Erneut setzt Turow zu einem Blick auf das amerikansiche Justizsystem an, der zeigt, dass es bei den ganzen Strategien, Verwicklungen und Machtspielchen nicht immer einfach ist, den wirklich Schuldigen zu bestrafen. Zudem werden Verhandlungen nur nach dem Motiv des Sieges geführt. Die Verteidiger sind nicht im Geringsten an Schuld oder unschuld ihres Mandanten interessiert, sie wollen ihn nur aus dem Knast heraus halten. Aber auch die Staatsanwaltschaft, die eigentlich dazu da sein sollte, dass die Gerechtigkeit siegt, denkt nur an das Gewinnen des Prozesses, nicht an ihren eigentlichen Auftrag. Geht ein Unschuldiger in den Knast - egal, Hauptsache wieder eine Kerbe auf der Siegerliste. Da wird durch die Anwälte vor Gericht geschauspielert, getrickst, Geschworene mehr oder weniger subtil beeinflusst, nur um den Prozess zu gewinnen und natürlich ist es immer noch so, dass Angeklagte mit einem guten Ruf, einer entsprechen geschätzten Profession oder genügend Geld anders behandelt werden, als ein armer Schlucker. Wirkliche Gerechtigkeit geht anders und das prangert Turow hier auch deutlich an. Die Geschichte um Rusty Sabich dient dazu nur als Aufhänger - aber als ein äußerst spannender und gelungener. Für Freunde von Gerichtsthrillern eine klare Empfehlung und und große Vorkenntnisse aus dem Debüt "Aus Mangel an Beweisen" sind auch nicht nötig.

jerry garcia

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« Antwort #88 am: 06. Januar 2013, 17:04:04 »


Patrick Lee. Countdown zum Weltuntergang. Ein Forschungszentrum in der Einöde Wyomings Mitte der siebziger Jahre. In einem Laboratorium tief unter der Prärie beginnt ein Experiment. Doch das geht anders aus als geplant. Und unerwartet öffnet sich die Tür zu einer anderen Welt. Es wird das bestgehütete Geheimnis des Planeten. Und auch das gefährlichste. Über dreißig Jahre später stößt Expolizist Travis Chase mitten in der eisigen Gebirgslandschaft Alaskas auf ein riesiges Flugzeugwrack. Es ist voller Leichen. Todesursache: Kopfschuss. Unter den Opfern: die First Lady der USA. Unvermittelt sieht sich Travis als wichtigste Figur in einem apokalyptischen Spiel. Der Einsatz: die Zukunft der Erde.

Der Expolizist Travis, der nach einigen Jahren im Knast aufgrund diverser Verfehlungen, die im Laufe des Buches so nach und nach erläutert werden, nun endlich frei die Einsamkeit der Wildnis sucht, findet das Wrack und einige Notizen, die auf die Vorkommnisse hinweisen. Zudem stellt er fest, dass zwei Menschen, die den absichtlich herbeigeführten Crash überlebt haben, von Angreifern mitgenommen wurden und verhört werden. Er greift ein, kann zumindest die Frau, Paige, nach einem erbitterten Kampf retten und wird damit in ein Spiel hineingezogen, das er nur schwer verstehen kann. Sie flüchten vom Ort des Geschehens, werden mit Hubschraubern und von Quads gejagt, schaffen es trotzdem in ein kleines Kaff. Doch die Ruhepause währt nicht lange. Die Gegner kommen, machen die Gäste eins kleinen Cafes ohne Ausnahme nieder und wenden sich nun den beiden Flüchtigen zu. Gerade rechtzeitig kommt ihnen ein Armeehubschrauber mit einem Spezialteam zu Hilfe. Travis wird mitgenommen in ein geheimes Versteck und man macht ihn mit der Pforte bekannt. Diese liefert den Menchen in Stargate-ähnlicher Weise Gegenstände, die ihnen nutzen können, die aber auch Böses verursachen können. Und prompt befand sich unter den Insidern einer, der genau dieses im Sinne hatte. Nun greift er die Wissenschaftler an und wird selbst von der Armee gejagt und zwar weltweit, weil in Gegensatz zu den sonstigen Egiosmen der einzelnen Nationalstaaten diesmal alle zusammen von der Pforte profitieren. Eine Spur führt nach Zürich und dort kommt es zu Geschehnissen die schier unglaublich sind und ein Gemetzel unter den Bewohnern von Zürich nach sich ziehen.

Da hat Patrick Lee mit seinem Debüt einen ordentlichen Kracher hingelegt. Er setzt größtenteils auf Action, erklärt die Entdeckung der Pforte und den Werdegang von Travis in Rückblenden, lässt sich von verschiedenen Logiklöchern nicht irritieren und geht sofort in die Vollen. Er hat ein rasantes, zumeist auch spannendes Buch mit viel Geballer und Action, Sci-fi-Einschlag a la Stargate und ein bisserl Gefühl geschaffen, das man sich bedenkenlos zulegen kann, wenn man keine zu hohen literarischen und inhaltlichen Ansprüche stellt. Zu den Klassikern der Weltliteratur wird das Buch wohl nie gehören, wurde vom Rezensenten auch nicht erwartet. Der wollte schlichte, unterhaltsame Action und die hat er mit diesem nett ausgeklügelten apokalyptischen Spiel um die Zukunft der Erde bekommen. Und mit "Ghost country" steht schon ein Nachfolger um die Protagonisten Paige und Travis bereit, der ebenfalls knallharte Action verspricht. Ist mit Sicherheit auf meinem Einkaufszettel, sobald das Dingen den deutschen Sprachraum erreicht.

jerry garcia

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Antw:Buchrezensionen
« Antwort #89 am: 07. Januar 2013, 11:50:39 »


Patrick Lee. Ein unscheinbares Gerät mit ungeheurer Macht. Es stellt eine Schleuse in die Zukunft her. Forscherin Paige Campbell wagt als Erste den Blick ins Morgen. Und sieht nichts als eine tote Einöde. Ruinenstädte und Knochenberge. Offenbar steht das Ende der Menschheit schon in wenigen Wochen bevor. Es sei denn, Paige und ihr Partner Travis Chase finden heraus, welche Kräfte unsere Zivilisation zu zerstören drohen. Die beiden müssen den Sprung wagen, sie müssen in die Zukunft. Auch auf die Gefahr hin, nicht mehr zurückzukehren.

Zwei Jahre sind seit "Die Pforte" ("The Breach") vergangen. Ein neuer Präsident ist am Ruder und lenkt die Geschicke der USA. Und Travis Chase hat sich nach der Eröffnung gegen Ende des ersten Abenteuers von der Bordert Town zurückgezogen, sich von Paige Campbell eine neue Identität verpassen lassen und lebt ruhig und unerkannt in Atlanta. Paige hingegen ist noch voll in ihrem Element und mit einer neuen Entität beim Präsidenten vorstellig geworden. Auf dem Rückweg von der Vorführung wird ihr Team und die Wagenkolonne aus dem Hinterhalt überfallen. Nur Paige überlebt, wird aber zusammen mit der Entität entführt. Zuvor kann sie gerade noch eine Nachricht an eine Kollegin abschicken, die wiederum Travis um Hilfe bittet. So wird er wieder für Border Town aktiv. Mithilfe der Entität - einem Portal in die Zukunft - können sie Paige befreien und stoßen auf ihren neuen Gegner Finn. Dazu das Programm UMBRA, in das anscheinend auch der aktuelle Präsident eingeweiht ist. 70 Jahre in der Zukunft ist die USA entvölkert, Ex-Präsident Garner ermordet, das gesamte Land eine Einöde. Sie machen es sich zum Ziel, die Ereignisse zu verhindern, doch in Finn haben sie einen unerbittlichen Gegner gefunden.

Um "Dystopia" ("Ghost Country") wären Vorkenntnisse aus "Die Pforte" zwar durchaus nützlich, aber nicht zwingend erforderlich. Man kann es auch als eigenständiges Buch lesen. Glücklicherweise macht sich auch die Vergangenheit des Autors als Drehbuchschreiber bemerkbar. Kein langes Schwadronieren in unwichtigen Nebensächlickeiten, sondern direkt auf den Punkt gebrachte Handlung ohne Fissimatenten. Sprachlich vielleicht nicht die Oberliga, aber dafür leicht konsumierbar und trotz der Sci-Fi-Elemente bezüglich der Zeitreisenthematik gut verständlich, wenn auch hin und wieder mit Logiklöchern. Rafinesse sucht man hier zwar vergeblich, dafür sind seine Figuren nicht immer so eindimensional, wie man es aus ähnlichen Werken gewohnt sein mag. Besonders der Gegner Finn hat eine durchaus hehre Motivation. Nur den Weg, den er wählt, kann man als falsch bezeichnen. Tolle (Endzeit-)Action (obwohl nicht ganz so massiv wie im Vorgänger) mit einem hohen Spannung-Level trotz eines leichten Hängers im Mittelteil machen auch "Dystopia" wieder zu einem guten Page Turner aus der Feder von Patrick Lee. Teil 3 um unsere womöglich äußerst düstere Zukunft kann also gerne kommen. Teil 3 liegt mittlerweile als Im Labyrinth der Zeit bei mir vor. Rezi demnächst.

jerry garcia

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« Antwort #90 am: 10. Januar 2013, 12:23:16 »


Matthew Stokoe. Auf der Suche nach Geld, Sex und Macht zieht es Jack nach Los Angeles. Doch der Traum von Ruhm und Reichtum bleibt unerfüllt. Stattdessen fristet Jack ein elendes Dasein und schlägt sich mit Gelegenheitsjobs durch. In der Hoffnung auf ein kleines, bescheidenes familiäres Glück nimmt er schließlich die Prostituierte Karen bei sich auf. Doch Karen verlässt ihn. Wenige Tage später wird ihre Leiche in einem Abwasserkanal gefunden, entstellt und ausgeweidet. Jacks Leben gerät vollends aus den Fugen. Bis er sich entschließt, sich dem Grauen, das über ihn hereingebrochen ist, zu stellen. Er erfüllt sich seinen Traum von einem Leben im Scheinwerferlicht - und begibt sich auf eine Reise in die Finsternis.

Jack ist in der Nacht unterwegs. In den dunklen Straßen von Los Angeles sucht er nach seiner Frau Karen. Er findet sie auch - tot, ausgeweidet und von Bullen und Gaffern umlagert. Kommentarlos zieht er sich zurück. Er und die abgehalfterte 22-jährige Nutte hatten ein Jahr zuvor geheiratet, doch Liebe war dabei nicht im Spiel. Es war eher eine Zweckgemeinschaft zweier  einsamer gescheiterter Existenzen. Sie ging weiter ihrem Job nach. Eines Tages taucht sie auf und schenkt Jack einen Wagen, den sie aus dem Lohn für eine verkaufte Niere erstanden hat. Danach verschwindet sie wieder und erscheint Tage später erst als Leiche wieder auf der Bildfläche. Jack stürzt ab, säuft, kokst und verlässt die Wohnung kaum noch. Doch er bekommt Besuch: Ryan ein Cop, der angeblich im Fall von Karen ermittelt und dann Rex, ein Stricher, der die Reichen bedient. Ebendieser Rex führt Jack dann auch in die Gemeinde der Liebesdiener ein, verschafft ihm sogar ein Engagement in reichem Hause. Und dann beschließt Jack, Karens Tod aufzuklären und taucht dabei tief in den Sumpf des Geschäftes mit der käuflichen Liebe in den Hinterhöfen der Metropole ab. Gibt sein altes Apartment auf, verscherbelt die mitgemieteten Möbel, zieht in den schmutzigen Teil von Hollywood und sucht nach einem Arzt, der Karen die Niere entnommen hat. Dabei lernt er Bella kennen, findet ihre Adresse raus und stellt fest, dass sie den Lebensstil führt, den er sich für seine Wenigkeit vorgestellt hat. Er nistet sich bei ihr ein, bis sie ihm ein eigenes Haus mit allen Annehmlichkeiten und einen Wagen bezahlt. Doch es bleibt nicht lange so, denn Ryan hängt sich an seine Hacken und wie sich herausstellt, ist Bellas Vater Arzt.

"High Life" spielt zu einer Zeit als Tom Cruise sich noch hinter Nicole Kidman vor Gerüchten verschanzt, Macauley Culkin noch auf seinen achtzehnten Geburtstag wartet und über Mel Gibsons Millionensalär für "Ransom" spekuliert wird. In diesem Ambiente zeigt die radikale Gesellschaftssatire nicht Hollywoods Scheinwelt mit Johnny Depp oder Arnold Schwarzenegger, sondern das dunkle und düstere Gesicht der Metropole mit den vielen Gescheiterten, den Pennern, Junkies und Nutten in den dämmrigen Gassen und Hinterhöfen. Schon damals hat Stokoe Hollywood als das entlarvt, was es für viele auch ist: Eine Täuschung, die nur für den Tourismus und einige wenige erfolgreiche Menschen wirklich existiert und in der alles Nichtamerikanische ohne Chance und Wert ist. Und auch Jack denkt so. Nur das Leben im Scheinwerferlicht ist für ihn von Bedeutung, er will geliebt werden ob seiner Präsenz auf Bildschirm oder Leinwand, er will das Geld und die großen Anwesen. Mit aller Macht. Dafür würde er wirklich alles tun. Alle anderen zählen für ihn nicht. Daher ist Jack auch nur ein armseliger Wicht, ein unmoralischer, widerwärtiger und emotionsloser Bastard. Stokoe beschreibt Jacks Hollywood mit üblen Szenen reinen Ekels, zu denen Menschen doch fähig sein können. Abartig, pervers, unfassbar. Echte Morde mit Bohrmaschinen vor Zuschauern, die dafür tausende Dollar gezahlt haben und gegen die das zuletzt besprochene Buch von Richard Laymon "Licht aus!" mit seinem Thema Snuff-Filme schon fast wieder Kindergeburtstag ist. Stellenweise brutaler, gefühlloser als Vieles was ich schon gelesen habe. Ein derber Blick auf die Gesellschaft ausserhalb der Traumfabrik. "High Life" ist Extremliteratur, die schon mit "American Psycho" oder "Fight club" verglichen wird (auch wenn das vielleicht etwas zu hoch gegriffen scheint) und gnadenlos den Finger auf die Wunde legt, wie weit manche gehen, um berühmt zu werden und abzusahnen. Sieht man ja heutzutage auch in unseren Breitengraden immer wieder im privaten Spacken-TV.  Gutes Aussehen, schöne Titten und als maximale Anforderung vielleicht noch sprechen können reicht da völlig. Intelligenz ist fehl am Platze oder gar abträglich, es ist fürs Fernsehen. Insgesamt harter Stoff mit derbem Sex und blutig-brutalen Szenen und nicht ganz zu unrecht von der Kritik gelobt wird.

jerry garcia

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« Antwort #91 am: 10. Januar 2013, 12:24:59 »


Donald Ray Pollock. Zwei Lebensfluchten kollidieren, eine auf dem Weg in die Verdammnis, die andere aus ihr heraus. Der junge Arvin wächst in den fünfziger Jahren im heruntergekommenen Niemandsland des Mittleren Westens auf. Hier hat sich der amerikanische Traum in einen fiebrigen Albtraum verwandelt, der bevölkert wird von psychopathischen Verbrechern, korrupten Sheriffs und religiösen Fanatikern. Arvin ringt um einen Ausweg aus dieser Welt. Doch als seine Freundin vom Ortsprediger missbraucht wird und sich daraufhin erhängt, nimmt auch er das Gesetz in die eigene Hand. Zur gleichen Zeit, nur wenige Meilen entfernt, brechen die beiden Serienkiller Carl und Sandy zur Jagd auf. Sie locken arglose Tramper in ihren Wagen, um sie dort auf brutale Art und Weise umzubringen. Irgendwo in der tiefe des Hinterlandes, in jenem Grenzgebiet zwischen Zivilisation und archaischer Grausamkeit, kreuzen sie schließlich Arvins Weg.

Die Story beginnt mit der Rückkehr von Willard, der im WKII im Pazifik-Einsatz war und Schreckliches erlebt hat, in seinen 600-Seelen-Heimatort Knockemstiff. Seine tiefgläubige Mutter hat schon Pläne für seine Zukunft gemacht, die passende Braut ausgesucht. Doch Willard heiratet stattdessen Charlotte und zieht mit ihr nach Meade, Ohio und sie bekommen einen Sohn - Arvin. Die verschmähte Herlen indes heiratet einen Wanderprediger namens Roy, der mit seinem gelähmten Bruder Theodore unterwegs ist. Theodore erträgt es nicht, ab jetzt die zweite Geige zuspielen und und intrigiert gegen Helen so sehr, dass Roy im Fieberwahn seine Frau tötet. Die beiden Prediger verschwinden flugs aus der Gegend. In der Zwischenzeit wächst Arvin normal auf, bis die Mutter erkrankt. Dann zwingt ihn sein Vater täglich an einer extra errichteten Stätte stundenlang für die Gesundung der Mutter zum Herrn zu beten, während Willard dort immer neue Blutopfer bringt. Erst sind es nur Tiere, doch dann muss auch der Besitzer des Hauses dran glauben, das sie gemietet haben. Als die Mutter trotzdem stirbt, schneidet sich Willard an der Gebetsstätte die Kehle durch und wird von Arvin gefunden, der gerade erst 10 Jahre alt ist. Im Jahre 1965 sind in der Gegend zwei Serienkiller unterwegs, Carl und Sandy, die ihre Opfer auf den Landstraßen suchen, die Tramper mitnehmen, um sie beim Sex mit Sandy zu fotografieren und dann bestialisch zu töten. Und irgendwann kommen auch sie nach Meade und es stellt sich heraus, dass Sandy die Schester des korrupten Sheriffs ist, der aber vom Treiben seiner Schwester und ihres Gatten nicht den geringsten Schimmer hat. Und mit der Zeit führen die Wege des Herren oder Das Handwerk des Teufels die handelnden Personen zusammen und es endet für viele unerfreulich.

In der von Rassismus und religiösem Fanatismus geprägten Zeit der 50-er und 60-er Jahre im Hillbilly-Land der USA, wo Eichhörnchenbraten noch ne Delikatesse ist (weil man sich nichts anderes leisten kann) ist die Hoffnungslosigkeit eher die Normlität. Dort zu existieren ist kein Leben, es ist ein Dahinvegetieren. Keine Zukunft, keine Freude oder Glück. Die Bürger in deser Hölle werden mitleidlos in ihr Schicksal getrieben, die Lehren der Vergangenheit und der Jugend bleiben an ihnen haften, sie werden wie die Generationen zuvor. Das Umfeld prägt die Menschen in dieser authentischen, kaputten Welt. Pollock braucht in seinem Buch keine effekthascherischen Szenen, um die degenerierte Szenerie im Hinterland der USA zu beschreiben und den Leser zu faszinieren und er benötigt keinen unschlagbaren Protagonisten, der alle Widrigkeiten besiegt und als großer Held aus der Geschichte hervorgeht. Einfache Menschen in einer unmenschlichen Umgebung, von denen man zu keiner so wirklich Sympathien entwickeln kann (abgesehen vielleicht von Charlotte und Arvin mit Abstrichen) genügen Pollock, um das Amerika außerhalb der Großstädte und somit außerhalb der öffentlichen Wahrnehmung zu skizzieren und auf das unausweichliche Finale zuzusteuerm, das bei jedem seine Wunden hinterlässt. Der Stil des Autors ist präzise und voller Energie, ohne aber ein rasantes Tempo eines Actionthrillers aufzubauen und daher eher ein ruhiger, abgeklärter Roman über Frömmler und Psychopathen in einer Welt, wo Erziehung noch mit der Faust stattfand. Keine seiner Figuren ist ohne Makel, jeder mit Defiziten ausgestattet und im Gegensatz zu dem Amerika, das Stephen King zuletzt portätierte, ist hier das Leben im Hinterland kein Zuckerschlecken. "Das Handwerk des Teufels" ist ein tiefdüsteres Buch, das wie bei James Ellroy einen Blick auf die gerne verschwiegenen und verschleierten dunklen Seiten der USA wirft.

jerry garcia

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« Antwort #92 am: 10. Januar 2013, 12:27:41 »


Carsten Stroud. Niveville, eine Kleinstadt im Süden der USA, verschlafen, altmodisch und noch immer fest in den Händen der Gründerdfamilien. Hier lässt es sich leben. Aber irgendetwas läuft schief in Niceville. An einem Sommertag verschwindet der kleine Rainey Teague. Zehn Tage später wird er gefunden - in einer alten Gruft. Er liegt im Koma. Nick Kavanaugh, der Ermittler, steht vor einem Rätsel. Niceville findet keine Ruhe mehr. Merle Zane und Charlie Danziger überfallen eine Bank und machen sich mit zweieinhalb Millionen Dollar aus dem Staub. Nach einer Meinungsverscheidenheit knallen sich beide gegenseitig ab. Beide überleben schwer verletzt. Niceville wird zu einem Ort ohne Gnade. Während eines langen infernalischen Wochenendes überschlagen sich die Ereignisse. Liegt ein Fluch über Niceville? Geht er aus von einem mit schwarzem Wasser gefüllten Loch auf dem Felsen über der Stadt? Man sagt, etwas lebt darin. Doch was?

Niceville ist nicht so idyllisch wie gedacht. Hier sind in den letzten Jahren überdurchschnittlich viele Menschen verschwunden. Diese alarmierenden Zahlen sorgen dafür, dass bei sofort von allen Polizeistellen inklusive FBI in der nächsten größeren Stadt sofort reagiert wird, als die Suche nach dem kleinen Rainey beginnt. Trotzdem ist er nicht aufzufinden. Man verfolgt alle möglichen Spuren, bis der Ermittler Nick Kavanaugh in einem Geschäft die Aufnahmen der Überwachungskamera begutachtet. Er sieht den Burschen vor dem Schaufenster auf dem Gehweg stehen und etwas betrachten - einen alten Spiegel. Anscheinend erschreckt ihn etwas, denn er tritt zurück und verschwindet von einem Schritt auf den anderen. Puff und einfach weg - ohne Spur. Dann wird er zehn Tage später in einer fast hundert Jahre alten Gruft gefunden. Firedhofsarbeiter haben sein Weinen gehört. Er wird aus der vollkommen unberührten Gruft geholt und ins Krankenhaus gebracht und fällt dort ins Koma. Wie kam der Junge in die Gruft, die seit "Einweihung" nicht mehr geöffnet oder angerührt wurde? Sein Vater bleibt einige Stunden bei dem Jungen und fährt dann nach Hause, um sich den Schädel wegzuschießen. Die Mutter hatte schon Tage zuvor ihren Wagen vor dem Loch Crater Sink geparkt, die Schuhe ausgezogen und verschwand anscheinend in den Tiefen des dunklen Wassers. Ein Jahr später ist der Fall immer noch ungelöst, der Bube weiter im Koma. Das Leben geht seinen Gang. Dazu gehört auch ein Banküberfall. Merle Zane und Charlie Danziger jagen mit ihrem Mercury vor der Meute der Verfolger her - bestehend aus vier Polizeiwagen und einem Presseheli. Im Hinterhalt wartet ein Komplize mit schwerem Gewehr. Er holt erst den Pressehubschrauber vom Himmel und erledigt dann nach und nach die vier Verfolger, bevor er zu seinem Wagen geht - dem des County-Sheriffs. Die beiden Bankräuber verstecken sich im Wald, um die Suche abzuwarten und dann erhält Danziger einen Anruf, bevor er beginnt, auf Zane loszuballern. Der schießt zurück und beide verziehen sich schwer verletzt in ihre jeweiligen Verstecke. Später werden weitere Vermisste gemeldet und auch einige Leichen gefunden. Alle haben mit einer myteriösen Clara zu tun, alle haben zu den ehemaligen Gründerfamilien gehört. Wie übrigens auch der kleine Rainey Teague. Und alle haben mit dem seltsamen Spiegel zu tun. Ein jeder wird von einer dunklen Wolke bedrängt und sieht darin schwarze Vögel mit scharfen Schnäbeln. Und die Bankräuber? Haben aus der Bank noch einen Gegenstand mitgehen lassen, der einen Inhaber einer Secvurityfirma auf den Plan ruft, eine Gruppe chinesischer Geschäftsmänner und werden von allen gehetzt. Nach und nach führen zumindest einige Wege zusammen, doch damit ist es nicht genug. Da kommt noch ein Mann namens Bock ins Spiel, der einen Sorgerechtsprozess verloren hat und auf Racxhe sinnt und seine Pläne erst einmal an völlig Unbekannten testet. Auf diese Weise kommt er mit dem Securitymann, dem Sheriff und anderen Beteiligten in Kontakt. War es das? Nein. Denn eine riesige Menge schwarzer Vögel bringt ein Fluzeug zum Absturz und sammelt sich dann auf dem Berg vor dem Wasserloch und beobachtet es.

Niceville ist ein sehr kurzweiliger Auftakt zur Trilogie von Carsten Stroud. Der Beginn liest sich noch wie ein Thriller mit vielen Verdächtigen und einer gewissen Portion Action, bevor das Buch in eine Art Mysterythriller kippt. Eigentlich ist das gesamte Szenario in einer typischen Südstaatenatmosphäre inklusive diverser Klischees angesiedelt, wobei aber der ansonsten meist auch vorhandene Rassismus hier bis dato fehlt. Dafür sind aber die sonstigen Zutaten wie uralte Familientraditionen der früheren Sklavenhalter, Hass auf den Norden wegen des verlorenen Bürgerkriegs und alles beherrschende Gründerfamilien in ihren weitläufigen Domizilen, die nicht alle auf einer Seite stehen. So pendelt die Story temporeich und mit kurzen Kapiteln sehr interessant gestaltet, zwischen heftigen Schusswechseln und unheimlichen Begebenheiten hin und her, verlangt vom Leser einiges an Aufmerksamkeit durch die Vielzahl der Figuren und Schauplätze um Niceville herum. Zwischen Bankräubern und Gespenstern. Die Geschichte wird von Seite zu Seite komplexer und kaum glaubt man, dem Geheimnis auf der Spur zu sein, wirft Stroud neue Fragen auf, gibt es ein weiteres Rätsel. So gelingt es dem Autor aber auch, den Leser bei der Stange zu halten, die Neugier treibt einen (naja, zumindest mich) dazu, immer weiter zu lesen, vollkommen gespannt, was als nächstes kommt. Und das ist nicht wenig. Damit hat man einen vielschichtigen Roman aus den Bereichen Thriller, Mystery und Fantasy in den Händen, der sich mit Outputs von Stephen King (hier - bis jetzt - ganz klar Vorteile vor dessen letztem Buch "Der Anschlag" hat) oder Dean Koontz durchaus messen kann und ein großartiges Puzzle zum Mitraten und der trotz einiger Ballereien ohne übermäßigen Einsatz von blutiger Gewalt und extrem brutalen Szenen auskommt. Langweilige Parts gab es ebenfalls keine. Wer hier noch keine Lösungsansätze findet außer dem mit den alten Familien, sollte sich nicht grämen, dafür sind ja noch die weiteren Teile zuständig, für die auch noch mehr als genug Handlungsstränge offen bleiben, um aufgelöst zu werden. Jedenfalls ist die Saat jetzt ausgebracht, aber geerntet wird erst mit "Niceville - Die Rückkehr" (2013) und "Niceville - Der Aufbruch" (2014), auch wieder aus dem DuMont-Verlag. Und ich kann dem Klappentext nur zustimmen - "Niceville" ist absolut geeignet, zu einer hochinteressanten TV-Serie verarbeitet zu werden, falls die Folgebücher die Qualität des vorliegenden halten können. Da wären Cliffhanger am Ende jeder Folge quasi garantiert. Hat mir also gut gefallen und stellt eine positive Überraschung dar, da mir Carsten Stroud bis dato noch kein Begriff war. Wer die von mir schon erwähnten Referenzautoren schätzt, sollte vielleicht mal einen Blick wagen.

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« Antwort #93 am: 10. Januar 2013, 12:57:48 »
Ich müsste mit dem nochmal anfangen. Hatte ca. 100 Seiten gelesen, und irgendwie die Lust verloren, weils teils schon arg konfus war durch die viele hin- und her Hüpferei.
Einmal dachte ich ich hätte unrecht... aber ich hatte mich geirrt.


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jerry garcia

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« Antwort #94 am: 10. Januar 2013, 13:20:53 »
Und es geht so weiter, fordert doch Aufmerksamkeit und es bleibt ja noch einiges offen für die Folgebücher.

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« Antwort #95 am: 10. Januar 2013, 13:24:39 »
Dachte ich mir ;) naja wie gesagt. Ich war nicht völligst abgeneigt, daher kriegt der nochmal ne Chance eingeräumt
Einmal dachte ich ich hätte unrecht... aber ich hatte mich geirrt.


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« Antwort #96 am: 10. Januar 2013, 14:15:19 »
Zu SNOW von Malfi hab ich hier ja auch schon was geschrieben aber das allgemeine Interesse daran war im Promillebereich  :lol:

Fand ich auch sehr gut und einfach mal was anderes

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« Antwort #97 am: 10. Januar 2013, 22:39:42 »
Jerry die letzten drei klingen mal richtig gut.
Wann liest du denn das alles? Hast du zwei Leben ?

jerry garcia

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« Antwort #98 am: 11. Januar 2013, 15:44:46 »
Zu den Büchern:
Die ersten Beiden von den Dreien hab ich mir auf Empfehlung von Kriminalakte zugelegt. Dort versorge ich mich gerne mit Tipps, wenn ich die Burschen um McBean, Lee oder Smith über hab.
   http://kriminalakte.wordpress.com/

Zum Rest gibt es demnächst mal ne PN. Falls ich es vergesse - nachhaken. Oder Marco fragen, der hat mich damit auch schon gelöchert.

jerry garcia

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« Antwort #99 am: 15. Januar 2013, 18:06:34 »


Martin Langfield. Eine mysteriöse antike Kupferdose enthält den ersten verstörenden Hinweis - einen kurzen verzweifelten Hilferuf. Zunächst ahnt der englische Journalist Robert Reckliss noch nicht, welch schreckliche Veratnwortung ihm damit auferlegt wird. Doch dann enthüllt ein alter Freund das ganze unfassbare Geheimnis: Irgendwo in New York liegt eine uralte Waffe verborgen, die in nur sieben Tagen die Welt zerstören kann. Und allein Robert ist in der Lage, die Katastrophe jetzt noch abzuwenden. Doch dazu muss er zunächst noch sieben Rätselaufgaben lösen - in einer atemlosen Hetzjagd quer durch Manhattan, die Robert weit über die Grenzen des menschlichen Verstandes hinaus fordern wird.

 Zur Abwechslung mal ein Mysterythriller kann ja nicht schaden - dachte ich mir. Bis die Story dann wie folgt vonstatten ging. Der Reporter mit nie wirklich konkret beschriebenen übersinnlichen Fähigkeiten wird auf der Suche nach einer Waffe, die von einer Macht ausgelöst werden soll, die die Menschheit unterjochen will, wird bei seiner Suche von weiteren Freunden unterstützt, die ebenfalls mit manngfaltigen Fähigkeiten ausgestattet sind, um die sieben Prüfungen zu bestehen. Bunt gemischt werden dabei Personen oder Gruppen und Ereignisse eingebaut, dass es sich gewaschen hat - Al Kaida, Isaac Newton, Alchimisten, Manhattan Programm, 9/11, Freinaurer, Ägypter und Spione. Die Prüfungen werden alle durch einen überflüssigen Spruch angekündigt und daraus soll Reckliss die Lösung ableiten. Irgendwie wird ihm aber durch die unterstützung seiner compadres immer wieder mit deren hellseherischen Fähigkeiten eh verraten, was kommt und groß lösen muss er gar nix. So geht das dann 560 Seiten lang. Ich weiß nicht, was ich mir dabei gedacht habe, als ich das Buch kaufte. Hab ich überhaupt gedacht? Abwechslung durch Mysterythriller erhofft. Gewünscht, es wäre eine gelungene Mischung aus Handyman Jack und Jake West. Trotzdem hab ich es 2 Jahre auf Halde liegen lassen und wünschte, ich hätte es auch dort belassen. Wirres Erzählkonstrukt ohne richtige Handlung, das mich anfangs gelangweilt, dann genervt hat und später auch mir eine schwere Prüfung auferlegt hat. Lese ich das Ding fertig oder feure ich es in die Ecke?

 Voller Stolz kann ich behaupten, dass ich meinen inneren Schweinehund besiegt habe und mich durchkämpfte. Unlogisch von Anfang bis Ende. Hofft man noch, dass ab dem Beginn der Prüfungen auf Seite 130 endlich Schwung in die Sache kommt, wird man schnell eines Besseren belehrt. Dämonenmurks der allerschlimmsten Art. Das Ding ist so langweilig, dass man es an Veterinäre verkaufen sollte, damit sie damit kranke Tiere einschläfern können. Sicher gibt es Leute, denen das Werk auch gefallen hat und ich gönne denen auch ihr Vergnügen, das sie bei der Lektüre hatten, ich will ja niemanden belehren - aber ich fand es SCHEIßE. Sowas wird veröffentlicht und ordentliche Kracher a la McDermott abgelehnt, ich fasse es nicht (jaja, ich weiß, momentan mein Lieblingsthema, aber ich empfinde es halt so und muss meinem Ärger Luft machen). Ach ja, für die Interessierten - es wird die Tage ein weiteres Buch des Herren Langfield veröffentlicht. Ich schlag natürlich nen großen Bogen drum.

 

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