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Autor Thema: 12 Years a Slave  (Gelesen 606 mal)

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Offline JasonXtreme

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12 Years a Slave
« am: 16. Juni 2014, 14:59:25 »


Steve McQueen, der Regisseur von HUNGER und SHAME hat sich erneut Michael Fassbender gegriffen, und diesen für die Hauptrolle in seinem neuesten Drama 12 YEARS A SLAVE verpflichtet. Es handelt sich dabei um die wahre Geschichte des farbigen Solomon Northup, der diese Geschichte 1853 veröffentlichte. Solomon lebte im Norden der USA als freier Mann mit seiner Ehefrau, und seinen beiden Kindern. Eines Tages reist er mit zwei angeblichen Zirkusmännern nach Washington, um dort Auftritte als Geiger zu absolvieren - jedoch wird er unter Drogen gesetzt, angekettet und als Sklave nach New Orleans gebracht.

Anfangs wird er von William Ford gekauft, und arbeitet für dessen Sägewerk, bis er sich mit einem der Vorarbeiter anlegt. Ford ist ansich sehr freundlich zu den Sklaven, aber wegen seiner Reputation muss er Solomon wegschicken, bevor dies jemand mitkriegt. Solomon heißt fortan auch Platt, sein Sklavennname, und wird weiterverkauft auf die Baumwollplantage des trunksüchtigen und brutalen Epps. Dort weht ein anderer Wind, und wer nicht genug plückt, wird gepeitscht. Epps herrscht mit rauer Hand, und bedient sich regelmässig sexuell an der jungen Patsey, während Solomons Hoffnung auf Flucht mehr und mehr erstickt wird. Erst als er auf den Wanderarbeiter Bass trifft, der ebenso für Epps arbeitet, keimt seine Hoffnung auf Freiheit erneut auf.

Erwartet habe ich von McQueens Drama ersteinmal nichts, auch trotz der Oscars nicht. Bekommen habe ich wiederum sehr viel, denn er schaffte etwas, was sicher die wenigsten Regisseure in der Art hinbekommen hätten: Er schafft es sämtliche Charaktäre in keinem Fall eindimensional erscheinen zu lassen! Die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen, und das trotz der Thematik der Sklaverei. Natürlich ist es eine ergreifende Geschichte, bei der auch ich am Ende eine Träne wegdrücken musste, aber nicht weil es rührselig wird! Weil eine Situation des damaligen Amerikas gezeigt wird, die dann nach wie vor weiterhin fortbestand! Es gibt keine Linderung, keine Erlösung und kein Happy End - Solomon ist wieder frei, aber was er ertragen musste müssen weiterhin alle Sklaven ertragen. Schmerz, Folter, unmenschliche Arbeit und Tod. Menschen, die von Menschen wie Vieh gehalten werden.

Allerdings gibt es auch hier Abstufungen. Benedict Cumberbatch spielt Ford, der im Grunde gut zu seinen Sklaven ist, und auch sein Oberaufseher handelt lediglich zweckdienlich. Man merkt aber, dass es auch besser ist, dass Ford nach außen hin eben so ist, wie man im Süden eben ist: Man hält sich Sklaven für die Arbeit, und erntet seinen Ruhm durch den Schweiß und Schmerz der Sklaven. Epps wiederum, hervorragend verkörpert durch Fassbender, ist ein brutaler Bastard! Er peitscht, schlägt und fickt wie er das will. Aber auch hier zeichnet McQueen keine eindimensionale Person! Auch der Sklavenschinder hat ruhigere Momente, er tötet nicht zwanglos und nimmt sich ab und an sogar leicht zurück, weil grade der Tag des Herrn ist. Natürlich macht ihn das zu keinem guten Menschen, aber es zeigt, dass hier alles andere als schwarzweiß Malerei betrieben wurde. Auch bei der Figur des Bass bleibt dies bestehen. Er ist völlig gegen Sklaverei, drückt dies auch Epps gegenüber aus - aber er hat Angst Solomon zu helfen.

Die Wandlung von Solomon, der meint bald wieder freizukommen, zu dem Solomon/Pratt der sich fast schon seinem Schicksal fügt ist hervorragend eingefangen! Was mir ein klein wenig gefehlt hat, ist das Leben der Sklaven untereinander, da hätte man etwas mehr investieren können. So vbleibt es fast nur bei Solomon und Patsey, und deren beider Geschichte. Insgesamt kriegt man hier bedrückende 2 Stunden Film, die einen echt runterziehen, und wiedereinmal an der Menschheit zweifeln lassen. Man bekommt aber auch eine hervorragende Charakter- und Fallstudie, die superb besetzt und gespielt ist!!! Die gnadenlose Ruhe mit der McQueen inszeniert war in seinen vorigen Werken schon vorhanden, hier passt sie aber einfach grandios ins Bild. Wenn Solomon gefühlte 5 Tage am Baum hängt, oder die Szene mit Epps/Solomon/Patsey... das ist fast schon meisterlich.

Die fehlende Tiefe bei den Sklaven und deren Miteinander, und die falsch besetzte Rolle des Bass (Brad Pitt) hauen die Wertung dann auf :8: aber rein filmisch/handwerklich gesehen sollte das hier eigtnlich eine :10: sein
Einmal dachte ich ich hätte unrecht... aber ich hatte mich geirrt.


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Offline Max_Cherry

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Antw:12 Years a Slave
« Antwort #1 am: 17. Juni 2014, 12:39:56 »
Klingt absolut nicht schlecht.
Große Hollywood-Filme mit ernster Thematik haben mir zuletzt weniger gefallen, aber den würd ich mir wohl mal ansehen.
schönes Review!

Offline JasonXtreme

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Antw:12 Years a Slave
« Antwort #2 am: 17. Juni 2014, 13:26:57 »
Trotz der Besetzung finde ich den absolut garnicht wirklich hollywoodlike - das isses ja. McQueens andere Werke sind ja auch alles andere als das, und allein die gemächliche Inszenierung dürfte schon nicht das Hochglanzpublikum treffen
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Offline Sing-Lung

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Antw:12 Years a Slave
« Antwort #3 am: 17. Juni 2014, 15:37:39 »
Hab den im Kino gesehen und fand ich wirklich sehr gut, hab das Digibook jetzt zu Hause.

Es ist kein Film, den man sich mehrmals jährlich ansieht. Aber insgesamt muss/kann man es schon als Meisterwerk betrachten. McQueen hats echt ziemlich drauf :!:

Offline JasonXtreme

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Antw:12 Years a Slave
« Antwort #4 am: 17. Juni 2014, 15:41:00 »
Ich finde er man sieht an diesem Werk hier, wie sehr er sich als Regisseur entwickelt hat. HUNGER fand ich eher lahm, aber handwerklich gut gemacht, und darstellerisch auch. SHAME war sehr eigen, darstellerisch abermals super und handwerklich ebenso gut. Dieser hier fügt diesmal alles zusammen für mich, und ich bin gespannt, was er als nächstes abliefern wird. Kann auch sein, dass er abermals Fassbender engagiert, da er in einem Interview schon während des Drehs von Shame damals in den allerhöchsten Tönen von ihm schwärmte.
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Offline Freddy

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Antw:12 Years a Slave
« Antwort #5 am: 23. Juli 2016, 23:00:27 »
Habe den Film gerade eben zum zweiten Mal gesehen.

:9.5:

Oft sind mir wieder die Tränen gekommen.
Grausam, was die Menschen einander antun.
Thematik ist heute nach wie vor aktuell. Leider.

Ich werde mir gleich noch das Buch für den Kindle holen und anfangen zu lesen.
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Offline Bloodsurfer

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Antw:12 Years a Slave
« Antwort #6 am: 01. Juli 2018, 15:59:38 »
Seit heute auf Netflix verfügbar.

 

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