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Autor Thema: Resident Evil 4 - Review (spoilerfrei!)  (Gelesen 486 mal)

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Offline AndreMASTER

  • FSK-Heinz
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Resident Evil 4 - Review (spoilerfrei!)
« am: 09. Februar 2005, 00:20:03 »
Eigentlich wollte ich dieses Review an den RE4-Thread hängen, aber es wäre mir doch ein wenig zu schade, wenn es in den Weiten des Threads verschwindet, wenn ihr versteht, was ich meine :lol:
Es sei noch anzumerken, dass nach der Hälfte der Fertigstellung des Reviews, mein PC abgestürzt ist, wodurch viel Schreibarbeit für die Katz war... :evil:  :cry:


Verdammt, wo soll ich anfangen? Naja, erstmal soll gesagt sein, für alle diejenigen die es noch nicht wissen, dass ich Resident Evil 4 für das beste Spiel aller Zeiten halte. Davor hielt ich RE 1+2 für die besten Games, aber schon nach einer Stunde Rotation der ersten von zwei RE4 Mini-DVDs in meinem Cube, hat sich meine Meinung schlagartig geändert! Desweiteren bin ich nicht der einzige, der RE4 einen derart hohen Stellenwert anrechnet. Tatsache ist, dass das Spiel (nach Zelda: Ocarina of Time) die besten Wertungen in der Fachpresse seit Erfindung der Videospiele bekommen hat. Sowas kommt nicht alle Tage vor! Gehen wir mal geordent vor...


Grafik:
Die MAN!AC schreibt "Ein 'Halo 2' zum Beispiel bietet vielleicht spektakulärere Effekte, ein 'Splinter Cell: Chaos Theory' die atemberaubenderen Licht/Schatten-Spiele und Texturen - in der Summe hat 'Resident Evil 4' jedoch die Nase vorn". Und womit schreibt die MAN!AC das? Mit Recht! Wer das erste Mal RE4 in Bewegung auf dem Fernseher erlebt und dessen Kinnlade nicht bis runter auf die Zehen gesunken ist, der ist entweder blind oder hat vorher noch nie ein Videospiel gesehen. In der ersten Szene in der wir die Kontrolle über Leon Kennedy übernehmen, sehen wir eine wunderschön grau-braune Waldlandschaft. In der Luft kreisen Raben, die in unregelmäßigen Abständen Federn verlieren. Im Hintergrund hinter dem ganzen Geäst erkennen wir einen Brunnen und dahinter ein Haus und je näher wir dem Haus kommen, desto deutlicher scheint es zu sagen "Geh nicht rein! Kehr wieder um!". Eine Bildersprache die man so nur aus Herbst-Gemälden gewohnt ist, brennt sich in den ersten Spiel-Sekunden (Spiel-SEKUNDEN!!!) in das Hirn des Spielers. Eindeutig etwas, was man nie vergessen wird. Dabei war das erst der Anfang, denn das was uns später erwartet, grenzt an Göttlichkeit. CAPCOM schafft es tatsächlich die grafische Qualität im Laufe des Spielverlaufs von Kapitel zu Kapitel immer weiter zu steigern. Wartet erst bis ihr am Friedhof ankommt. Ich wollte gar nicht erst weiter in der Story fortfahren, ich lief jeden Millimeter in dieser Loaction auf und ab, auf der Suche nach neuen, noch stimmigeren, wunderschönen "Momentaufnahmen". Aber das alles wurde nur wenige Minuten wieder in den Schatten gestellt, als ich am See ankam. Eine wundervolle Weitsicht über den ganzen See mit schwimmenden Baumstämmen über dem ein bedrohlich wirkender Nebel, im wahrsten Sinne des Wortes, gleitet, bot sich mir. Nahe am Bootssteg entdeckte ich Fische verschiedener Größen, die rumplantschten und hin und wieder aus dem Wasser sprangen. Ich konnte mal wieder meinen Augen nicht trauen. "Zu schön um wahr zu sein" dachte ich mir und beschloss mal die Wellenphysik mit Hilfe meiner Pistole zu begutachten, um auch das auf seine "Richtigkeit" zu überprüfen. Nach etwa vier Schüssen sprang ich geschockt vom Sofa auf. Wieso, das solltet ihr am besten selbst mal überprüfen, wenn ihr das Spiel habt.
Aber wenige Minuten später blickte ich erneut einem grafischen Highlight entgegen: Der regnerischen Nacht. Die Stimmung änderte sich plötzlich von "bedrohlich" in "allzeit lebensgefährlich". Einzig Leons (bescheidene) Taschenlampe und ein paar Fackeln in der Umgebung erläuchten den Bereich. Fackeln! Noch nie habe ich derart genial animiertes Feuer gesehen! Ich blieb regelmäßig an ihnen stehen und begutachtete sie, aber immer mit der Angst, dass der nächste Gegner bereits hinter dir sein kann, oder auch vor dir als 10 Meter große Koloss...
Wie ihr seht, ist es unmöglich alles grafisch Beeindruckende niederzuschreiben. Eines soll jedoch gesagt sein: Die Grafik harmoniert absolut perfekt mit dem Spiel und wenn ihr denkt, dass das was ihr gerade gesehen habt nicht zu toppen ist, dann belehrt euch CAPCOM nur wenige Augenblicke später eines besseren!


Sound:
Beim Sound bildet sich ein ähnlich perfektes Bild wie bei der Grafik. Fangen wir erst mit der Musik an. Die Musik war schon immer ein großes Markenzeichen von RE, doch auch hier toppt CAPCOM alles bisher Dagewesene. Während die Spiele damals drohten in der Musikkulisse zu versinken, gelingt CAPCOM nun das Wunder, die Musik immer perfekt passend zur Grafik und zur Spielbarkeit zu gestalten. Dabei hat das Spiel so gesehen relativ wenig eigentliche Musik, vielmehr wird hier Wert auf Dynamik gelegt. Wird man zum Beispiel von einem Gegner entdeckt kommen zum Ambiente-Sound bedrohliche Horrorfilm-mäßige Bass-Samples dazu, die bei einem Angst verursachen. Wird man jedoch von einer Gegnerhorde entdeckt, wird die Musik lauter, schneller und das eigene Herz passt sich an den Bass an. Aus der Angst wird Panik und erst wenn der letzte Gegner tot umfällt, kehrt Ruhe ein, trügerische Ruhe, bei der man sich sogar noch unwohler fühlt, als bei der Musik, wenn Gegner in der Nähe sind. Einzig die Musik wenn man sich bei einer Schreibmaschine befindet, gibt einem das Gefühl der Sicherheit, aber selbst diese angenehmen Töne erinnern einen immer wieder daran, dass draußen das Grauen lauert. Manchmal setzt auch Musik ein, die aus einem Actionfilm sein konnte. Sie gibt einem zu erkennen, dass es gleich tierisch abgeht, also vorher noch mal durchatmen. Jedoch wirkt die Musik nie penetrant, immer das Spielgeschehen unterstreichend und immer passend. Nie übernimmt die Musik die Oberhaupt, dazu sind Grafik, Spielbarkeit und Atmosphäre zu perfekt.
Wichtiger als die Musik sind die Soundeffekte. Schonmal mehrere Minuten lang gehört wie eine Kettensäge immer näher kommt und die ganze Zeit um einen herum Fensterscheiben zu Bruch gehen? Kein Spiel davor hat audiovisuell Panik genialer dargestellt als RE4. Unheimlich stimmig sind auch die Schreie der Dorfbewohner. Man versteht zwar nie ein Wort von dem, was die da rufen, aber man glaubt zu wissen, was sie sagen, nichts Gutes auf jeden Fall. Noch unheimlicher sind die Stimmen der Mönche. Diese sind derart mystisch bedrohlich, dass man sich als Spieler einfach nur denkt "Bitte, tötet mich oder haut ab, ich halte es nicht mehr aus!", im positiven Sinne natürlich.  
Allgemein sind die Stimmen der Hauptcharaktere wirklich super. CAPCOM hat es tatsächlich geschafft, gute Sprecher zu organisieren, die ihren Charakteren Leben einhauchen. Dabei sind diese zwar teilweise ziemlich zweidimensional, aber wen interessiert's? Lieber genieße ich ein Horrorspiel mit einfachen und coolen Charakteren, als mit Personen, die minutenlange Monologe über ihre psychischen Probleme führen (Gruß an Hideo Kojima und sein Metal Gear Solid). Man freut sich einfach, wenn eine Zwischensequenz kommt und die Charaktere nerven nie (wir erinnern uns an Alfred Ashford oder Sherry Birkin *kotz*). Dazu tragen auch die sehr coolen Sprüche bei, die sogar Schmunzler auf das Gesicht der Spieler zaubern. "Where did everyone go? Bingo?" oder "Where is the satisfying sound of someone's impalement?" sind nur zwei Beispiele von den vielen einprägsamen Sprüchen.


Spielgefühl:
Das schreckte viele RE-Fans ab. Keine Zombies? Kein Umbrella? Keine festen Kameras? Stattdessen intelligente Gegnermassen, Shooter-Handling und Action ohne Ende. Genau das zeichnet RE4 aus! Es ist nicht mehr das abgenudelte "Auf den nächsten Schock warten"-Prinzip und es ist auch kein "Angst vor der Angst"-Silent Hill-Klon. Es ist was völlig Neues: PANIK! Man weiß ganz genau, dass man immer in Gefahr ist, dass in der nächsten Ecke die nächste Gegnerhorde sein kann, die einem das Lebenslicht ausblasen will. Was aber sehr erfrischend ist, dass CAPCOM nicht permanent dieses Gefühl von Angst anspricht. Es gibt im Spiel durchaus auch Passagen in denen man sich denkt, man spiele einen der alten Teile. Übernimmt man für kurze Zeit die Rolle von Ashley, erlebt man einen Spielabschnitt, der so nicht besser in einem Silent Hill Teil aufzufinden wäre. Überhaupt hat sich CAPCOM bei vielen Spielen etwas abgeguckt. Das Inventar-System kennen wir aus diversen Rollenspielen, die Funkgerät-Konversationen sind aus MGS (wobei Gott sei Dank nicht so ausufernd), die Quick-Time-Events sind aus Shen Mue und die Möglichkeit Schätze zu sammeln, sie zu verkaufen und mit dem Geld allerlei neue Waffen zu kaufen, bzw. diese upzugraden, kennt man auch aus RPGs. Genau dieser Mix aus vielen tollen Sachen, lässt die Spielbarkeit perfekt wirken. Sie sind zwar nicht neu, aber die Art und Weise wie sie eingesetzt werden, ist bahnbrechend.
Die Steuerung ist vom Grundprinzip her der der alten Teile identisch. Man geht nach vorne und dreht sich mit dem Analog-Stick (bzw. Digi-Kreuz wenn man es so will), zieht mit L seine Waffe und feuert mit A. Neu ist das Zielen, doch es geht sehr schnell ins Blut über. Schon nach kurzer Zeit erzielt man permanent Kopfschüsse. Apropos Kopfschüsse: Dass das Spiel ungeschnitten ab 18 hier erscheint ist ziemlich überraschend. Das Spiel ist dafür ausgelegt Leuten den Kopf wegzufetzen, das ist quasi das Ziel des Spiels. Dieses wird auch "sehr gut" "dargestellt". Zerplatzt einem Gegner mal der Kopf, fliegen detailierte Fetzen durch die Gegend, begleitet von einer Blutwolke, die sich in eine Blutfontäne aus dem Rumpf verwandelt. Das ist noch das Harmlose am Spiel. Richtig hart wird es, wenn Leon einen seiner digitalen Tode stirbt. Als mir das erste Mal der Kopf abgesägt wurde, guckte ich erst mehrere Sekunden geschockt auf den "You Are Dead"-Bildschirm, bis ich auf "Continue" geklickt habe. Leon stirbt mehr und auch grausamere Tode als ihrer Zeit Lara Croft, aber das sollt ihr selbst sehen und sterben werdet ihr mit Sicherheit nicht selten. Als RE-Profi schafft man es ein RE durchzuspielen ohne ein einziges Mal zu sterben. Wenn man den RE-Teil vorher nicht kannte, stirbt man 1-2 Mal, selten mehr. Bei Teil 4 bin tatsächlich um die 30 (!!) Mal gestorben. Das wirkt jedoch auf keinen Fall frustrierend. Die Rücksetzpunkte sind mehr als fair verteilt und Schreibmaschinen findet man alle 20 Meter. Farbbände braucht man nicht, man kann immer speichern, ich habe es beim ersten Durchspielen etwa 80 Mal gemacht ;)


Langzeitmotivation:
Wow, selten ein so langanhaltendes Spiel gespielt! 20 Stunden Spielzeit beim ersten Durchspielen (26, wenn ihr, wie ich, euch alles ganz genau anguckt und gar nicht hetzt), das ist absoluter Rekord für ein RE! Natürlich gibt es nach dem Durchspielen auch allerlei Boni zu entdecken. Neben dem obligatorischen "Sie haben neue Kostüme freigeschaltet und können sich nun neue Waffen kaufen", hat man auch die Möglichkeit sein Inventar aus dem vorherigen Spiel beizubehalten und voll beladen auf "Menschen"-Jagd gehen. Das Spiel wird dadurch zwar ziemlich einfach, aber drauf geschissen, Spaß macht es trotzdem :twisted:. CAPCOM hat natürlich auch noch zwei Bonus-Games dazugepackt mit deren Hilfe man noch mehr Features für das Hauptspiel freischalten kann. Im ersten Bonus-Game übernimmt man die Rolle von Ada Wong und muss mit ihr ihre Mission erfüllen, quasi parallel zur Handlung von Leon. Sehr spaßig und das Ende des Mini-Spiels übertrifft sogar das Ende vom eigentlichen Spiel in Sachen Gänsehaut-Faktor. Das andere Mini-Spiel ist die Kröung des Ganzen. Allein für dieses andere Mini-Game hätte sich der Kauf gelohnt. Man übernimmt die Rollen von verschiedenen Charakteren und muss in einem Zeitlimit soviele Gegner wie möglich ins Jenseits befördern. In den vier verschiedenen Areas sind Bonus-Items versteckt mit denen man sein Zeit-Limit erhöht oder mehr Punkte pro Abschuss auf sein Konto bekommt. Wenn man gut spielt, schaltet man neue Charaktere für das Mini-Spiel frei. Spielt man sehr gut, schaltet man eine neue Waffe für das Hauptspiel frei. Da das Mini-Game sehr fordernd ist, fesselt es einen sehr stark an das Pad und man versucht immer weiter seine Highscores zu brechen.


Fazit:
Geil! :D



Das beste Spiel aller Zeiten, mehr kann ich nicht sagen!!


 

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