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Autor Thema: Review: LORD OF THE FLIES (William Golding)  (Gelesen 1691 mal)

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Lionel

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Review: LORD OF THE FLIES (William Golding)
« am: 20. August 2006, 11:58:25 »



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Eine Gruppe englischer Schuljungen überlebt einen Flugzeugabsturz über dem Pazifik und findet sich auf einer unbewohnten Insel wieder. Zuerst versuchen sie, die Lebensformen der zivilisierten Welt zu bewahren, doch nach und nach gewinnen die dunklen Seiten immer mehr die Oberhand. Mit Einleitung und Anmerkungen. (Produktbeschreibung amazon)



Ich habe LORD OF THE FLIES auf Englisch gelesen und muss sagen, es war alles andere als leicht zu verstehen. Gespickt mit typischen britischen Ausdrücken und geschrieben in einem Englisch im Schreibstil der 50er Jahre hatte ich hin und wieder Schwierigkeiten, alles zu verstehen (und ich studier den Mist!!), aber letztlich waren das nur Kleinigkeiten.

Eine Gruppe von Kindern, 6-12 Jahre, strandet nach einem Flugzeugabsturz auf einer einsamen Insel, ohne Erwachsene. Schon bald wird ein Anführer gewählt, der das Überleben gewährleisten und die Rettung organisieren soll. Dieser Junge ist der 12-jährige Ralph, ein schlanker, gut aussehender Burscher, der im Herzen der geborene Führer ist. Eine Gruppe von Chorknaben, allen voran der egomanische Jack, prangern die Rolle von Ralph als Führer jedoch bald an. Es bilden sich Grüppchen und die Situation eskaliert...

An Ralphs Seite steht der pummelige, nervtötende, brillentragende Piggy, der jedoch der einzige Junge auf der Insel zu sein scheint, der größere intellektuelle Fähigkeiten besitzt. Während Ralph und Piggy stets als Stimme der Vernunft fungieren und es für das Wichtigste erachten, zuerst Hütten zu bauen und ein Feuer stets am Brennen zu halten, um auf sich aufmerksam zu machen, wenn ein Schiff vorbeikommt, hält Jack nicht viel von diesen Maßnahmen. Er ist der geborene Jäger und für ihn ist das Wichtigste, Schweine jagen zu gehen, damit Fleisch vorrätig ist.

Ralph findet zu Beginn der Geschichte eine Schneckentrompete, eine Art Muschel, die er dafür verwendet, Versammlungen einzuberufen, auf denen besprochen werden soll, wie man vorgeht. Ralph ist auch derjenige, der Regeln aufstellt, da er davon überzeugt ist, dass man nur mit Hilfe von Regeln und Disziplin gerettet werden kann. So ist eine der Regeln, dass nur derjenige reden darf, der die Schneckentrompete in Händen hält.

Jack, der Ralph die Rolle des Anführers von Anfang an geneidet hat, wird immer egozentrischer und seine Eifersucht wandelt sich schon bald in Hass. Hass auf Ralph. Er zieht sich zurück in die Wälder. Schon bald folgen die anderen ihm, scheint es doch zu verlockend jeden Abend zu feiern und gebratene Schweine zu verspeisen, ohne irgendeine Verantwortung zu tragen.
Überhaupt wandelt sich das ganze Szenario von "heile Welt" in Verzweiflung. Am Anfang sind die Kinder noch froh, dass es weit und breit keine Erwachsenen gibt und man schwimmt in der Lagune, sammelt Früchte und genießt das Leben. Keiner hält sich wirklich an Ralphs Anweisungen. Man denkt, dass man schon irgendwie gerettet wird und alles von alleine läuft.

Ich würde das Buch weniger mit BATTLE ROYALE vergleichen, als vielmehr mit DAS EXPERIMENT. Schließlich ist hier, in LORD OF THE FLIES eine Entwicklung notwendig, bevor die Kinder verrohen und zu Wilden werden. Nachdem sie sich Jack angeschlossen haben, sind sie nämlich nichts anderes, visuell ausgedrückt durch ihre Kriegsbemalung und angespitzten Speere. Eine psychologische Verrohung fand statt, Stück für Stück. Wer nicht bereit ist, sich Jacks "Stamm", wie er es nennt, anzuschließen, wird gefangen genommen, getötet oder gejagt.
Am Ende ist noch Ralph übrig und wird von Menschen, Kindern, gejagt, die zu emotionslosen Jägern geworden sind, zu Primitiven, bereit Ralph zu töten, vorangetrieben von Jacks Geltungsbedürfnis und unbändigem Hass.

Die kleinen Kinder sind von wenig Nutzen bei der Organisation des alltäglichen Lebens und sie sind es auch, die Ralph schon bald darauf aufmerksam machen, dass ein Biest auf der Insel lebe. Zuerst sind es nur Alpträume, doch schon bald behaupten sie, tatsächlich ein Biest gesehen zu haben. Ralph und Jack machen sich auf die Suche. Zu diesem Zeitpunkt sind sie noch geeint...

Das Buch dreht sich um die animalische Seite des Menschen, das Verkommen von menschlichen Werten, bis nichts mehr davon übrig ist. Der "Herr der Fliegen", ein aufgespießter Schweinekopf, fungiert als Teufel, als Sinnbild für das, was auf der Insel vor sich geht, als Jack die Führerrolle an sich reißt. In einer wunderbar surrealen Szene spricht der Kopf zu Simon, einem der Jungen, der auf Ralphs Seite steht, und sagt:"You knew, didn't you. I'm part of you? Close, close, close! I'm the reason why it's no go? Why tings are what they are?"

Golding selbst beschreibt sein Buch folgendermaßen:
"The theme is an attempt to trace the defects of society back to the defects of human nature. The moral is that the shape of a society must depend on the ethical nature of the individual and not of any political system however apparently logical or respectable. The whole book is symbolic in nature..."

Individuuen, einzelne Persönlichkeiten, wie sie denken und agieren, prägen also das Weltbild und nicht aufgestellte Regeln und Systeme. Das Problem der Gesellschaft ist es also, wenn die Menschen in dieser Gesellschaft vorhaben etwas Böses zu tun, dann wird es passieren, es sei denn es gibt andere Individuuen, die etwas dagegen unternehmen.

Obwohl gegen Ende ein astreiner SURVIVING THE GAME - Theme steht, ist das Buch alles andere als eine reine Abenteuergeschichte, sondern eine Parabel unserer heutigen Zeit und Spiegel unserer Gesellschaft. Das Ende selbst möchte ich aber an dieser Stelle nicht verraten, ich denke mal, das möchte jeder für sich selbst herausfinden.

Ich weiß nicht, ob es in Deutsch ähnlich verzwickt geschrieben ist, aber es hält sich doch auf jeden Fall im Rahmen und ich kann dieses Buch nur jedem Leser ans Herz legen!
 Ich fand es sehr interessant, unterhaltsam und im gleichen Zuge anspruchsvoll. Zudem ist es mit etwa 200 Seiten (auf Englisch) durchaus überschaubar.

Offline Thomas Covenant

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Review: LORD OF THE FLIES (William Golding)
« Antwort #1 am: 22. August 2006, 00:43:54 »
Klasse Abriss von dem Buch-hatte es schon so oft in der Hand, aber nie gelesen. Ist doch glaube ich schon ein Klassiker und wird an den Schulen gelesen-kann mich aber auch täuschen.

Offline Elena Marcos

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Review: LORD OF THE FLIES (William Golding)
« Antwort #2 am: 22. August 2006, 08:52:22 »
Zitat von: "Thomas Covenant"
Klasse Abriss von dem Buch-hatte es schon so oft in der Hand, aber nie gelesen. Ist doch glaube ich schon ein Klassiker und wird an den Schulen gelesen-kann mich aber auch täuschen.


Das stimmt - in den Schulen wird es oft in Deutsch gelesen (wahrscheinlich Mittelstufe - wegen des Inhalts) und auch im Englischunterricht - wegen der Sprache (was sonst....hehe).

Steht definitiv auf dem Lehrplan....

"Wir laufen keinen Trends hinterher, wir SETZEN welche!"

 

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