Die Geschichte des Giallo

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Offline Elena Marcos

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    Das interessiert doch bestimmt den Dirk und den ein oder Anderen hier.

    Mammutwerk über Giallos. Ich würde schnell zuschlagen. Die Preise gehen ja in die Höhe  :!:
    In zwei Bänden bisher.

    https://www.amazon.de/So-Deadly-Perverse-Italian-Giallo/dp/1936168502/ref=sr_1_1?s=books-intl-de&ie=UTF8&qid=1493449168&sr=1-1&keywords=so+deadly+so+perverse

    https://www.amazon.de/So-Deadly-Perverse-Italian-1974-2013/dp/1936168588/ref=sr_1_cc_1?s=aps&ie=UTF8&qid=1493449310&sr=1-1-catcorr&keywords=so+deadly+so+perverse

    Ich hab mir die Bände noch zu recht moderaten Preisen bestellt und bin fasziniert von dem Nachschlagewerk. Troy Howarth gibt einen guten Überblick zu dem "gelben" italienischen Krimis von 1963 bis so 2012. Die ersten Seiten haben mich inspiriert mich wieder etwas näher mit meiner Lieblingsspielart des italienischen Kinos zu beschäftigen. (Was BÜCHER so auslösen können). Im Oktober kommt sogar ein neuer Band von Christian Keßler mit dem Titel "Gelb wie die Nacht", der ebenfalls die Spielarten des "Giallo" umfassend beleuchtet. Grund genug für mich hier ebenfalls mal meine Gedanken niederzuschreiben.

    Troy Howarth schreibt allerdings, dass er natürlich eine Auswahl treffen musste. Es gibt etwa Poliziottesco, die das Genre streifen, aber kein "Giallo" im klassischen Sinne sind. Wir wissen, dass der Begriff "Giallo" auf den gelben Umschlägen der Krimis basiert, die in Italien erschienen sind. Zum Giallo in Buchform gehören sämtliche Krimis. Im Film stellen wir uns oft die Streifen vor in denen ein maskierte Killer im Regenmantel mit einem Messer blutig auf Frauen einsticht... das ist so der Kern des Genres.

    Nach der Lektüre bin ich direkt mit 1963 eingestiegen und habe mir den Ur-Giallo nochmal vorgenommen:

    The Girl Who Knew Too Much
    - Mario Bavas Klassiker von 1963 gibt es leider nicht auf deutsch. Ich hab die französische DVD, die mit englischen Untertitel und auch italienischem Ton aufwartet. Der Film ist tatsächlich die Blaupause der Blaupause, denn vor Blutige Seide hat Bava mit diesem Film den klassischen Giallo vorgezeichnet. Es geht um eine junge Amerikanerin, die nach Rom kommt um Ferien zu machen. Ihre kranke Gastgeberin stirbt unverhofft, daher versucht die junge Nora dann Hilfe zu holen. Auf dem Weg zum Krankenhaus wird sie überfallen und ausgeraubt. Kurze Zeit später wird sie Zeugin eines Mordes - doch niemand glaubt ihr. Sie ermittelt zusammen mit einem jungen Arzt (John Saxon) und stößt auf den Fall des Alphabet-Killers, der bereits drei Morde hinter sich hat ... und ihr Nachname beginnt mit einem "D".

    Bava filmt hier zwar noch in Schwarz-Weiss, doch Ausleuchtung und Inszenierung sind absolut Horrortauglich. Die Einstellung, in der man den Killer sieht, ist toll - man sieht den Schatten über der Leiche und die Augen blitzen ganz leicht im Gesicht. Brr... der geübte Giallo-Fan und auch Argento Jünger kommt dem Geheimnis leider schnell auf die Spur. Interessant ist, dass man schon viel vom Plot des "Geheimnis der schwarzen Handschuhe" hier wiederfindet. Der Ausländer, der einen Mord beobachtet, und ihm niemand glaubt. Ein schreckliches Geheimnis und viele falsche Spuren. Auch Hitchcock hätte an dem Streifen seinen Spaß gehabt.
    "The Girl who knew too much" ist ein grandioser Italo-Krimi, hervorragend fotographiert und leider zu unrecht vergessen.


    Das Telefon
    - Im Anschluss nahm ich mir dann nochmal die erste Episode von Bavas "Drei Gesichter der Fucht" vor. Die Kurzgeschichte mit dem Titel: Das Telefon" ist quasi der erste Giallo in Farbe. Ich muss kaum erwähnen, dass die Umsetzung von Bava absolut bildgewaltig ist und ohne Ende rockt. In etwa einer halben Stunde erzählt der Meister von Rosy (Michele Mercier ... wow), die von einem Unbekannten am Telefon belästigt wird. Dieser prophezeit ihr, dass sie in der Nacht sterben muss. Sie glaubt, dass der Anrufer ihr Ex-Freund ist, der wohl aus dem Gefängnis ausgebrochen ist (wo sie ihn hingebracht hat). Aus Angst ruft sie ihre Freundin Mary an, damit sie die Nacht bei ihr bleibt. Doch wie immer ist alles anders, als man denkt... Nachts dringt tatsächlich ein Mann in die Wohnung ein...
    Hier möchte ich nicht den Rest verraten, denn die Geschichte ist natürlich mit doppelten Boden, auch wenn viele die Pointe erahnen. Die Geschichte gibt selbst auch einiges früh preis... aber das sollte man sich selbst angucken. Dennoch hat Bava hier schon vieles etabliert. Den geheimnisvollen Beobachter/Killer. Das ängstliche leicht bekleidete Opfer und einen hübschen lesbischen Unterton, der in der US-Fassung komplett rausgeschnitten wurde. Kulisse, Beleuchtung und Farbe ist superb. "Blutige Seide" musste quasi der nächste Schritt sein... aber der folgte erst 1964.


    1964:

    24 ore di terrore
    - nun, bevor es mit "Blutiger Seide" So richtig losgehen konnte, gab es noch zwei kleinere unbekanntere Filme. "24 ore di terrore" ist eher dem Gangsterfilm zuzuordnen. Dennoch sind hier einige Giallo-Elemente bereits enthalten. Eigentlich geht es um eine Drogen-Schmuggler-Bande, die sich in einem hübsch gruseligen schlossähnlichen Anwesen verschanzen. Vor einem großen Deal soll noch ein Mittelsmann einer befreundeten Organisation dazukommen. Doch das FBI schleust einen Mann Undercover ein, um den Deal und die Bande hochgehen zu lassen. Doch dann geschehen in dem Schloss mehrere Morde. Die Gangster wollen herausfinden, wer ihnen der Gar ausmachen will und warum. Bis zur Auflösung gehen jedoch einige Verbrecher hops.

    Der Hybrid ist nicht ganz Fisch noch Fleisch, aber dennoch recht spannend und filmhistorisch interessant. Leider ist er nur mal im italienischen TV gelaufen und sonst nicht erhältlich. Ich hatte das Glück in auf YT zu finden - sogar mit englischem Untertitel. Kein großer Wurf, aber zum einmal sehen, war es schon unterhaltsam. Regisseur Grandi hat nur einen weiteren Film gemacht und sonst nicht.

    Assassination in Rome
    - gelistet mit der Jahreszahl 1965 stand "Il Segreto del vestito rosso" im SDSP Band unter 1964. Dieser Krimi von Silvio Amadio war mir komplett unbekannt. Erschienen ist er nur als US-DVD von Dark Sky Films im Double Feature mit "Espionage in Tangiers". Nun die DVD ist wie ein klassischer Kino-Besuch aufgemacht - es gibt vorher Pizza und Würstchen-Werbung, dann Trailer und dann den ersten Streifen. Ich hab den Agenten-Film und auch die "Intermission" übersprungen, weil ich gestern Abend nicht allzu viel Zeit hatte.
    Ich war angenehm überrascht. Denn "Attentat in Rom" ist ein wundervoll gefilmter Krimi an den Touristenschauplätzen von Rom und Venedig und sieht hervorragend aus. Die Story ist verschachtelt und etwas verworrene, was es eigentlich total spannend macht. Am Fontana die Trevi wird die Leiche eine Fotographen gefunden, der noch im Besitz eines kleinen Drogenpäckchens ist. Zeitgleich brechen Old Mike und Dino, vertrottelte Kleinganoven, in die Wohnung des Fotographen ein, die allerdings schon von anderen verwüstet wurde. Sie räubern die Wohnung also weiter aus. Mike klaut sich ein Paar Schuhe, die ihm zwar nicht passen, aber super aussehen. Hier finden die zwei später einen Mikrofilm, der noch wichtig werden soll...
    In Rom ist übrigens auch Shelly North unterwegs, die mit ihrem Mann Bill Urlaub macht. Leider verschwindet ihr Mann und Shelly wendet sich an die Polizei, die das aber nicht ganz Ernst nimmt. Shelly trifft auf ihre alte Jugendliebe Dick Sherman, der sich mittlerweile als Reporter einen Namen gemacht hat. Dieser will Shelly helfen und recherchiert in einem Sumpf aus Verbrechen und falschen Spuren, bis er Bill in Venedig aufspürt. Dieser kam mit starken Kopfverletzungen ins Krankenhaus. Was Bill gemacht hat oder mit wem er sich getroffen hat - kommt nach und nach ans Licht. Doch der Mörder schläft nicht... und macht Jagd auf Bill, Shelly und den Mikrofilm...
    Der Film hat mich letztendlich supergut unterhalten - er war super spannend und auch toll gefilmt. Was ihn leider in die letzte Kategorie rutschen lässt, ist die total bekloppte Auflösung und ein Täter der kein Sinn ergibt. Hier hatte man das Gefühl es musste hinter der Maske jemand sein, den niemand vermutet hätte. Nun - ich auch nicht - denn es machte kein Sinn. Auch alle anderen Fäden wurden gar nicht aufgelöst oder mit einem Satz vom Tisch gewischt. Das macht das Ende des Films (das Finale mit dem Abgang des Killers erinnerte an Argentos "Vier Fliegen auf grauem Samt") absolut unglaubwürdig und enttäuschend. Wahrscheinlich ist das mit ein Grund, warum der Films sonst nirgends ausgewertet worden ist. Schade - aber so ist der Film nur leidliches Mittelmaß.

    « Letzte Änderung: 06. August 2020, 16:48:57 von Elena Marcos »

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      https://www.amazon.de/So-Deadly-Perverse-Italian-Giallo/dp/1936168502/ref=sr_1_1?s=books-intl-de&ie=UTF8&qid=1493449168&sr=1-1&keywords=so+deadly+so+perverse

      https://www.amazon.de/So-Deadly-Perverse-Italian-1974-2013/dp/1936168588/ref=sr_1_cc_1?s=aps&ie=UTF8&qid=1493449310&sr=1-1-catcorr&keywords=so+deadly+so+perverse

      Ich hab mir die Bände noch zu recht moderaten Preisen bestellt und bin fasziniert von dem Nachschlagewerk. Troy Howarth gibt einen guten Überblick zu dem "gelben" italienischen Krimis von 1963 bis so 2012. Die ersten Seiten haben mich inspiriert mich wieder etwas näher mit meiner Lieblingsspielart des italienischen Kinos zu beschäftigen. (Was BÜCHER so auslösen können). Im Oktober kommt sogar ein neuer Band von Christian Keßler mit dem Titel "Gelb wie die Nacht", der ebenfalls die Spielarten des "Giallo" umfassend beleuchtet. Grund genug für mich hier ebenfalls mal meine Gedanken niederzuschreiben.

      Die beiden Werke sind wirklich spitze. :biggrin:
      Kann ich den interessierten Fans auch nur nahelegen. :)
      “When I ride my bike I feel free and happy and strong.  I’m liberated from the usual nonsense of day to day life.  Solid, dependable, silent, my bike is my horse, my fighter jet, my island, my friend.  Together we will conquer that hill and thereafter the world”


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        https://www.amazon.de/So-Deadly-Perverse-Italian-Giallo/dp/1936168502/ref=sr_1_1?s=books-intl-de&ie=UTF8&qid=1493449168&sr=1-1&keywords=so+deadly+so+perverse

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        Ich hab mir die Bände noch zu recht moderaten Preisen bestellt und bin fasziniert von dem Nachschlagewerk. Troy Howarth gibt einen guten Überblick zu dem "gelben" italienischen Krimis von 1963 bis so 2012. Die ersten Seiten haben mich inspiriert mich wieder etwas näher mit meiner Lieblingsspielart des italienischen Kinos zu beschäftigen. (Was BÜCHER so auslösen können). Im Oktober kommt sogar ein neuer Band von Christian Keßler mit dem Titel "Gelb wie die Nacht", der ebenfalls die Spielarten des "Giallo" umfassend beleuchtet. Grund genug für mich hier ebenfalls mal meine Gedanken niederzuschreiben.

        Die beiden Werke sind wirklich spitze. :biggrin:
        Kann ich den interessierten Fans auch nur nahelegen. :)

        Im Übrigen gibt es noch einen dritten Band, der sich quasi mit dem "Global Giallo" beschäftigt - also ausländische Varianten, etwa "Dressed To Kill" ist da ein sehr gutes Beispiel.

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          Im Übrigen gibt es noch einen dritten Band, der sich quasi mit dem "Global Giallo" beschäftigt - also ausländische Varianten, etwa "Dressed To Kill" ist da ein sehr gutes Beispiel.

          Ah, gerade gesehen.
          https://www.amazon.de/So-Deadly-Perverse-Giallo-Style-Around/dp/1644300575/

          Den kenne ich noch nicht.
          Ist, so wie ich sehe, auch erst 4 Jahre nach den anderen beiden erschienen.
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            Blutige Seide (1964)

            - jetzt bin ich da. Bei DEM Film, der den Giallo eigentlich begründet hat. Ich hatte im Forum gesucht bis ich gelb wurde. Ich hab den alten Giallo Thread durchforstet und auch mein "Letzter Film, den ich..." - ich hab nie etwas zu dem Film verloren, obwohl ich ihn im letzten Jahr noch gesehen hatte. Schande über mich. Nun - eigentlich DARF man nichts über diesen Krimi verraten. Aber kurzum:
            In der Agentur/Atelier von Christina (gespielt von Eva Bartok) kommt es zum Mord an dem Model Isabella. Die Frau wurde auf dem Weg zur Arbeit von einem maskierten Killer mit schwarzem Regenmantel und Handschule brutal ermordet. Später wird die Leiche in der Agentur gefunden und die Polizei alarmiert. Inspektor Silvestrie verhört sämtliche Verdächtigen. Es gibt zahlreiche zwieelichtige Personen, etwa den Freund Isabellas, der drogensüchtige Franco, den Geschäftsführer der Agentur Max, einen dauernervösen Angestellten usw. Plötzlich endeckt das Model Nicole das Tagebuch der Toten und will es der Polizei übergeben. Aber nicht nur Nicole hat ein Interesse an dem Buch, sondern auch alle anderen - denn jeder hat ein Geheimnis und Isabella hat vielleicht was in ihr Tagebuch geschrieben. Nun - auch Nicole wird ins Gras beißen und das Tagebuch verschwindet, aber dennoch findet der Inspektor immer weitrer Hinweise - und das morden geht weiter... Wer ist der Killer?

            Bavas Klassiker war einfach nur wegweisend. Natürlich der verzwickte Plot mit den vielen Verdächtigen und der überraschenden Lösung/Finale (das der geübte Zuschauer von heute sich jedoch vielleicht denken kann) - aber auch die sendationelle Kameraarbeit des Films. Farben, Beleuchtung und Settings sind über jeden Zweifel erhaben. Die Agentur mit den vielen Puppen ist genauso unheimlich, wie der Antiquitätenladen von Franco. Die Morde sind alle hübsch inszeniert und auch recht brutal, aber nicht blutig und sehr kurz. Damals war das noch nicht gang und gebe, die Todeszenen von schönen Mädchen so auszuwalten. Doch zum Beipsiel ist der Mord mit der Kralle doch sehr effektiv.
            Bava versteht es sich allerdings auch auf Hitchcocks Wegen zu wandeln. Zum Beispiel gibt es einen klassische Suspense Szene in der Nicole ihre Handtasche in der Agentur auf einen Tisch stellt - und alle verstohlene Blicke zu der Stelle werfen. Bava lässt die Tasche groß im Vordergrund erscheinen, während im Hintergrund immer Leute im hektischen Treiben vorbei gehen. Man fragt sich - verschwindet die Tasche mit dem Buch bald... Bava lässt hier die Spannungskurve richtig ansteigen.
            Einen Fehler hat jedoch die deutsche Kinosynchro. Denn als der Killer sich bei Nicole telefonisch meldet, kann man aufgrund der bekannten Stimme sofort den Killer erraten. Das führt natürlich sofort auf eine gute und richtige Spur. Dennoch gelingt es dem Film, den Zuschauer bis zuletzt an der Nase herumzuführen. (Wer sich überraschen lassen will, sollte nicht auf Wikipedia die Zusammenfassung lesen - das gilt übrigens für JEDEN Film).

            Als Fazit bleibt ganz klar zu sagen: Ein Muss für jeden Italo/Giallo-Fan.

            Der Film ist damals bei ems und Anolis auf DVD erschienen. Besonder die "Buio Omega" Version ist mittlerweile rar und teuer. Bei X-Rated ist er allerdings dann auch als Mediabook mit Bluray erschienen. Doch kostengünstig ist er bei Krekel in der CCC mittlerweile raus oder als Complete 2-Disc Collection (BD/DVD - also ein Mediabook ohne Mediabook). Also der Film ist an sich noch gut erhältlich und sollte in keiner Sammlung fehlen.

            « Letzte Änderung: 06. August 2020, 16:43:42 von Elena Marcos »

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              Blutige Seide (1964)

              - jetzt bin ich da. Bei DEM Film, der den Giallo eigentlich begründet hat. Ich hatte im Forum gesucht bis ich gelb wurde. Ich hab den alten Giallo Thread durchforstet und auch mein "Letzter Film, den ich..." - ich hab nie etwas zu dem Film verloren, obwohl ich ihn im letzten Jahr noch gesehen hatte. Schande über mich.

              Tja nun, ich helfe mal beim Suchen. :D

              Blutige Seide
              - was soll ich sagen. DER Ur-Giallo. Bavas Krimi definierte nicht umsonst ein ganzes Genre. Von der ersten Sekunde an besticht der Film durch eine exzellente Farbgebung, Dekors, Licht und Kameraarbeit. Argento war eindeutig durch Bava geprägt. Aber auch Bava bediente sich bei den großen, etwa bei Hitchcock (Stichwort Handtasche). Die Handlung ist simpel. In einer Modeagentur wird ein Model umgebracht. Eine Kollegin findet ein Tagebuch der Toten und schon bald ist die nächste Schnitte an der Reihe. Der gesichtslose Mörder lässt jeden verschwinden, der einen Hinweis auf seine Identität vermutet. Mit Regenmantel, Hut und Handschuhen, killt er sich durch die Reihen der Mädels. Leider gibt es in der deutschen Fassung den berühmten "Knight Moves" Fehler. Der Mörder ruft sein nächstes Oper an - und die Stimme ist in der deutsche Fassung nicht verstellt. Da damals die Kinofilme mit bekannten Synchronsprechern besetzt wurden, war mir sofort klar, wer der Killer ist. Auch wenn es mehrere falsche Fährten gibt, war für mich als geübter Giallo-Fand schnell die Lösung klar. Man muss sich aber bewusst sein: es war der erste seiner Art. Deshalb war das Finale mit doppeltem Boden natürlich für viele eine Überraschung.
              Fazit: Genialer, zeitloser Klassiker des Italo-Kinos, mit wenigen fiesen Morddetails, einem jazzigem Soundtrack und einer wundervollen Optik.


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                Verrückt. Ich habe das definitiv nicht gefunden... und ich hab lange gesucht. Ich raff es nicht. Aber ich hätte mich wirklich gewundert, wenn ich zu dem nichts geschrieben hätte.

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                  War ganz einfach und schnell. Oben auf Suche klicken (niemals die Schnellsuche verwenden), dann "seide" als Suchbegriff und bei "von Benutzer" deinen Usernamen eingegeben, den Haken bei "als Beiträge zeigen" noch gesetzt, der bewirkt, dass auch mehrere Treffer in demselben Thread angezeigt werden, dann ein bisschen in den Ergebnissen gescrollt.
                  Wenn es zu viele Treffer werden und man etwas ganz bestimmtes möchte, die Menge der durchsuchten Unterforen noch einschränken. Die Suche kann ziemlich viel, wenn man sie entsprechend bedient. ;)


                  Offline Elena Marcos

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                    War ganz einfach und schnell. Oben auf Suche klicken (niemals die Schnellsuche verwenden), dann "seide" als Suchbegriff und bei "von Benutzer" deinen Usernamen eingegeben, den Haken bei "als Beiträge zeigen" noch gesetzt, der bewirkt, dass auch mehrere Treffer in demselben Thread angezeigt werden, dann ein bisschen in den Ergebnissen gescrollt.

                    Der Haken war's! Gut zu wissen.

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                      Die teuflische Intrige (aka Der Teufelskreis)

                      - "L' Intrigo" fällt wahrscheinlich unter die Kategorie vergessener Film. Kein Wunder, denn er ist kaum gelaufen und bei uns nur noch als extrem seltene Videokassette erhältlich. In der Frühphase des Giallos ist dieser auch noch nicht von schwarzen Handschuhen durchsetzt. Dennoch ist der Krimi von Geroge Marshall (US Regisseur), der zusammen mit Vittorio Sala, entstanden ist, ein spannendes Filmchen geworden. (Auch wenn Frank Trebbin schriebt: Lahmer Psychothriller vor schöner Kulisse. )
                      Die Geschichte ist tatsächlich nicht originell. Shirely Jones spielt die Amerinakerin Karen Williams, die ,Assistentin eines Gutachters ist, der für Graf Barbarelli in Rom die Kunstsammlung schätzen soll. Der Hausherr ist zunächst sehr unsympathischer Typ, leicht schmierig und herrisch. Karen macht sich an die Arbeit, doch erliegt sich bald dem Charme des Grafen und verliebt sich. Plötzlich steht eine junge Frau in der Tür. Cora ist die Tochter des Grafen, die nach einem Skiunfall ihr Gedächtnis verloren hat. Doch nach einem kleinen Schock kehrt Coras Erinnerung wieder und behauptet die Frau des Grafen zu sein...
                      Sicherlich ist der Zuschauer schnell auf der Seite von Cora, denn Karen ist leichtgläubig und nimmt in ihrer Liebe dem Grafen sämtliche Lügen ab. Doch Karen schwankt immer zwischen den beiden - denn Cora klingt glaubhaft, kann es aber nicht beweisen, weil ihre Papiere und Hochzeitsbilder fehlen. Dann kommt der Graf mit der nächsten Erklärung und Karen fällt drauf rein. Im Hintergund gibt es noch eine Liebhaberin des Grafen, die ebenfalls die Wahrheit kennt und den Mann zurück haben will. Doch der eiskalte Kerl lässt sich darauf nicht ein... Dann geschieht ein schrecklicher Unfall...
                      Ich sage jetzt nicht, wer und wie ins Gras beißt - doch ab dem Moment wird der sonst super durchschaubare Film doch spannend. Denn Karen fängt an zu zweifeln und beginnt eigene Ermittlungen. Sie geht einem Hinweis nach, den es später so ähnlich auch in "Profondo Rosso" gab - und entdeckt die Wahrheit...
                      Wer sich nicht von der lahmen Geschichte abschrecken lässt, bekommt vor allem ein toll fotographierten Film zu sehen, der Italien in schönsten Farben zeigt. Die Schauspieler sind zwar etwas hölzern (bis auf George Sanders als Kunstfachmann), machen ihre Sache aber dennoch gut. Die letzten zwanzig Minuten sind Giallo pur - auch ohne Mörder im Regenmantel. Dies ist noch eine
                      Produktion aus der Zeit, wo US-Regisseure und Schauspieler nach Italen kamen, um doch günstig zu drehen. Hier merktend ie Italiener dann, dass sie das auch selber gut können - und es gipfelte in einer Phase reichhaltigen Schaffens der Filmindustrie.
                      Leider ist der Film schwer erhältlich. Die Videofassung ist vielleicht gekürzt, was mir jedoch nicht aufgefallen ist. Leider ist natürlich die Qualität der VHS nicht mehr uptodate und wird der Kameraarbeit nicht gerecht. Ob, der Film allerdings jemals erscheinen wird, wag ich zu bezweifeln. Laut ofdb lief er 2006 mal auf Premiere. Kein Highlight, aber doch sehr unterhaltsam.
                      « Letzte Änderung: 06. Juli 2020, 08:17:43 von Elena Marcos »

                      "Wir laufen keinen Trends hinterher, wir SETZEN welche!"


                      Offline Elena Marcos

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                        Sexy Party a.k.a. Death on the fourposter (1964)

                        - Der frühe Giallo-Thriller mit dem Originaltitel „Delitto allo specchio“ ist irgendwie wieder so ein krudes Zwitter-Dings. Wahrscheinlich hatte sich das Genre selbst noch nicht so definiert, dass es zunächst zu diesen Mischmasch-Streifen kam.
                        In „Sexy Party“ geht es um eine Gruppe junger Leute (heute wären das Teenies), die ein Wochenende bei ihrem Freund Ricky verbringt. Der ist nämlich ganz schön wohlhabend und hat ein Schloss. Die Party beginnt mit ein paar Drinks. Dann taucht auf einmal Serena auf (Famme Fatale – Antonella Lualdi) mit ihrem neuen Gespilen Anthony auf (John Drew Barrymore). Serene heizt der Zusammenkunft erstmal ein – mit einem bizarren Tanz (auf Anthonys neuer Single Sexy Party), wo alle durchs Wohnzimmer stapfen wie beim Square Dance. Danach gibt es ein paar Spielchen der Sorte Wahrheit oder Pflicht, beziehungsweise Zocken mit Würfeln. Wer keine Kohle hat, setzt dann einfach die Freundin... Doch richtig interessant wird es erst, als Serena der Bande offenbart, dass ihr Anthony übersinnliche Fähigkeiten hat. Er kann per Berührung eines Gegenstandes die Vergangenheit erspüren oder Zukunft voraussagen. Die Demonstration geht für alle schlecht aus – denn er prophezeit den Tod, der ins Schloss einzieht. Anthony verschwindet, weil er an seine Gabe glaubt – und Serena bleibt, um den Nervenkitzel auszureizen. Leider ist Serena auch bald tot und die Clique geht auf Mördersuche.
                        Tja – wer war es? Die Frage beschäftigt den Zuschauer erst gut ab der Hälfte, denn so lange dauert es bis der erste ins Gras beißt. Die anrüchige Party mutet heute etwas altbacken an – eher wie ein Kindergeburtstag, wo man die ersten Küsschen verteilt und sich verkleidet. Doch nach dem Fund der Leiche wissen alle, es ist kein Spaß mehr. Zunächst verdächtigt man das Faktotum Aldo, der gerne die Mädchen mal durchs Schlüsselloch beobachtet. Dann gibt es noch die Haushälterin Caterina, die wohl eine Affäre mit dem jungen Hausherren unterhält (ich finde Luisa Rivella heißer als alle Backfische in dem Film zusammen – leider empfindet Ricky das nicht so... zumindest nicht am Party Wochenende). Als Ricky dann Franca tot auf einem Sofa findet und die Leiche später verschwindet, zweifelt er an seinem Verstand und glaubt er wäre der Killer... doch die Fäden zieht ein Unbekannter.
                        Die Story ist ein bisschen lala, tempoarm und die Auflösung wieder an den Haaren herbeigezogen. Positiv aufgefallen sind die Kameraführung und die Atmosphäre, die dadurch erzeugt wird. Denn in weiten Teilen wirkt der Film wie ein Gothic-Horror-Film mit Kerzenbeleuchtung und Geheimgängen. Dann gibt es wieder diese Teenie-Szenen (mit komisch jazziger Musik, die aber irgendwie unpassend klingt), dann gibt es die Krimi-Sequenzen. Filmhistorisch geht der Film ok, ist aber kein Highlight – denn die Morde passieren Off-Screen. Da hat Bava schon für die Zeit die Messlatte weit nach oben gesetzt. Fazit: Nettes Krimi-Kammer-Stück in Schwarz/Weiß, aber auch nicht mehr.

                        Angeblich gibt es eine DVD mit einem Triple-Feature - ich musste YT hinzuziehen:
                        « Letzte Änderung: 06. Juli 2020, 08:17:55 von Elena Marcos »

                        "Wir laufen keinen Trends hinterher, wir SETZEN welche!"


                        Offline JasonXtreme

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                          klinht nach nem ziemlich kruden Dingens
                          Einmal dachte ich ich hätte unrecht... aber ich hatte mich geirrt.


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                          Offline Elena Marcos

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                            klinht nach nem ziemlich kruden Dingens

                            Also für einen Giallo schon. Aber der Durschnittszuschauer würde den Film für eine langweilige Schmonzette halten. Weil ja eigentlich nicht viel passiert. Wenn man aber bedenkt, dass die Jugendlichen eine wilde Party feiern, wirkt das ganze schon etwas merkwürdig. Bei einer wilden Party hab ich Bilder von 80er-Jahre-Filmen im Kopf...

                            "Wir laufen keinen Trends hinterher, wir SETZEN welche!"


                            Offline Max_Cherry

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                              klinht nach nem ziemlich kruden Dingens

                              Also für einen Giallo schon. Aber der Durschnittszuschauer würde den Film für eine langweilige Schmonzette halten. Weil ja eigentlich nicht viel passiert. Wenn man aber bedenkt, dass die Jugendlichen eine wilde Party feiern, wirkt das ganze schon etwas merkwürdig. Bei einer wilden Party hab ich Bilder von 80er-Jahre-Filmen im Kopf...
                              Filmhistorisch scheint der nicht uninteressant zu sein. Auch wenn es hier keine Teens sind, Teen Horror Muster scheint es ja im Ansatz zu geben.

                              Die Musik bei 18:57 :)
                              Klingt irgendwie wie eine Mischung aus Superman und Star Trek. :D


                              Offline Elena Marcos

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                                Also für einen Giallo schon. Aber der Durschnittszuschauer würde den Film für eine langweilige Schmonzette halten. Weil ja eigentlich nicht viel passiert. Wenn man aber bedenkt, dass die Jugendlichen eine wilde Party feiern, wirkt das ganze schon etwas merkwürdig. Bei einer wilden Party hab ich Bilder von 80er-Jahre-Filmen im Kopf...
                                Filmhistorisch scheint der nicht uninteressant zu sein. Auch wenn es hier keine Teens sind, Teen Horror Muster scheint es ja im Ansatz zu geben.

                                Man muss dazu sagen, dass früher die "Teenies" ja oft von Erwachsenen gespielt wurden (siehe "The Blob" - McQueen war doch wirklich kein Teenie mehr). Ich finde in dem Film benehmen sich die "Erwachsenen" eben ziemlich kindisch. Daher meine Einschätzung.

                                "Wir laufen keinen Trends hinterher, wir SETZEN welche!"


                                Offline Elena Marcos

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                                  Crimine a due – A Game of Crime (1964)

                                  - Weiter geht’s mit einem Schwarz/Weiss Giallo der 60er. Nach Sexy Party landete John Drew Barrymore wieder in einem italienischen Krimi. Hier gibt er einen kleinen Schmierlappen von Gauner Paul, der spielt und um seine Schulden zu begleichen, seinen Arbeitgeber Davide Lugano beklaut. Paul hat wohl eine Affäre mit Luganos Frau Anna und ein Kind mit Sängerin Christine. Eigentlich will sich Paul aus dem Staub machen, doch Davide hat Herzprobleme und bekommt am Abend einen Anfall. Nun – Davide stirbt und Anna erbt alles, allerdings nur unter der Voraussetzung, dass Anna seinen Bruder Carlo, der nach einem Autounfall schrecklich entstellt und gelähmt ist, zu Hause pflegt. Dazu ist dann Schwester Elisabeth da, die sich später als Pauls Schwester herausstellt. Paul macht sich bei Anna als Berater breit, verplant ihr Geld uns schickt Christine in eine Abtreibungsklinik. Doch Inspektor Perrotti, ein Freund von Davide, vermutet Mord und beginnt gegen Paul und Anna zu ermitteln... doch dann geschieht ein weiterer Mord...
                                  Eigentlich ist der Krimi recht durchschnittlich. Er lebt von der schmierigen Darstellung John Drew Barrymores und dem undurchschaubaren Beziehungsgeflecht. Dennoch blieb ich bis zum Ende dran, denn ich vermutete (ganz recht) eine Auflösung mit doppelten Boden. Die kommt zwar am Ende etwas platt daher, kann man aber noch grad durchgehen lassen. Leider ist Romano Ferrara kein guter Regisseur, was man schnell merkt... Geht zwar insgesamt ok, aber Spannung ist etwas anderes. Zu schnell vermutet man, wo der Hase hingeht, zum Beispiel ist der behinderte, ewig schreibende Bruder nicht einfach nur Dekoration oder Gruselstaffage. Sofort weiß man, es hat schon einen Grund warum der im Film ist.
                                  Insgesamt ok – aber halt kein großartiger Krimi. Für den Sonntagnachmittag solide Unterhaltung, aber kein Meilenstein des Genres. Da er wohl mal im TV lief, ist er auch nur auf You Tube zu finden.


                                  "Wir laufen keinen Trends hinterher, wir SETZEN welche!"


                                  Offline Elena Marcos

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                                    What Ever Happened to Baby Toto? / Che fine ha fatto Totò baby? (1964)

                                    Bereits 1964 erschien in Italien die erste Giallo-Parodie, obwohl das Genre erst gerade noch im Entstehen war. In dieser Komödie steht Schauspieler „Antonio Griffo Focas Flavio Angelo Ducas Comneno Porfirogenito Gagliardi de Curtis di Bisanzio“, kurz Totó, im Mittelpunkt. Er spielt nämlich einen rüden und im Herzen unsympathischen Kleinganoven Baby Toto, vor dem die Polizei gerade zu zittert. Er und sein Bruder Pietro rauben seit frühester Kindheit (der Vater wird ebenfalls von Toto gespielt) alles, was ihnen zwischen die Finger kommt. Im Waisenhaus wird der Monsignore um seinen Schmuck gebracht, im Krieg stehlen sie den Faschisten sogar die Stiefel während der Militärparade und nach dem Krieg erleichtern sie die Amerikaner um eine Medaillensammlung. Während Pietro eher der trottelige Unglücksrabe ist, entpuppt sich Baby Toto als Hirn hinter sämtlichen Aktionen. Er kommt auf die Idee am Bahnhof Reisende um ihr Gepäck zu bringen. Dabei rauben sie einen Koffer mit einer Leiche, die sie an der Backe haben. Als sie den Körper verschwinden lassen wollen, gabelt Pietro (mit einem gestohlenen Wagen) die süßen deutschen Urlauberinnen Helga und Inge auf, die sie zur Villa von Micha Auer bringen. Der betreibt einen kleinen Drogenring und pflanzt Marihuana im Garten an. Leider kommt es zu einer Verwechslung – die Deutschen Fräuleins nehmen den Koffer der Leiche, Baby Toto und sein Bruder den mit der Damenunterwäsche. Die Ganoven steigen in die Villa ein, um die Leiche wieder zurück zu bekommen...
                                    Was zunächst nach „Immer Ärger mit Harry“ aussieht, entwickelt sich zu „Der Fremde im Zug“, denn die Trottelverbrecher verwechseln die Leiche mit dem Hausherrn, der seinen Rausch auspennt. Dieser erwacht natürlich bei der „Beseitigungsnummer“ und erpresst die Brüder. Er lässt die Leiche verschwinden, wenn sie seine Frau umbringen. Die hat nämlich viel Geld und ein schwaches Herz. Bei dieser Nummer bricht sich Pietro ein Bein und ist an einen Rollstuhl gefesselt und kann die Villa nicht verlassen. Baby Toto bedient sich jeden Tag am Drogenfeld und stopft sich das Zeug wie Salat rein – mit schrecklichen Folgen...
                                    In der letzten halben Stunde parodiert der Film natürlich den Klassiker von Aldrich mit Bette Davis und Joan Crawford. Baby Toto verwandelt sich langsam zum Psychopathen, der seinen Bruder quält (und serviert ihm am Tisch diverse Ekligkeiten) und gegen Ende tatsächlich zusammenschlägt (wie im Originalfilm...). Hier hat der Film schon längst die Biege zum Horrorfilm gemacht, denn Baby Toto macht auch vor Mord nicht mehr halt und lässt die Leichen verschwinden (oder auch nicht). Über allem schwebt zwar schwarzer Humor, aber irgendwie ist es furchtbar derbe. Er zerschmettert Pietros zweites Bein gar mit einem Hammer, nur weil er Auer gegenüber erwähnt hat, dass Pietro beide Beine gebrochen hat.
                                    Was wie eine typisch chaotische italienische Komödie beginnt, wird am Ende, trotz viel Klamauk, zur bitterbösen Parodie. Leider ist der Film wohl nie auf Deutsch oder Englisch erschienen. Natürlich gibt es auch einige Seitenhiebe auf die Deutschen – aber es hält sich im Rahmen. Der Film wurde produziert von Luciano Ercoli, der später selbst einige Meisterwerke des Genres abgeliefert hat und das Drehbuch stammt von Sergio Corbuccis Bruder Bruno. Star des Films ist aber ohne Zweifel Toto, der so richtig aufdreht. Für ihn war der Film noch ein später Erfolg, denn die Jahre später starb er an einem Herzinfarkt. Der absolute Hammer ist jedoch, dass er 1957 durch eine Augeninfektion so gut wie blind wurde und dennoch weiterarbeitete. In keiner Szene fällt auf, dass der Mann nichts mehr sieht...
                                    Fazit: Die Komödie hat einige gute Gags, funktioniert letztendlich auch als Parodie und entpuppt sich dann doch als fieser Krimi – was den Film irgendwie einzigartig macht.
                                    Leider ist er nicht auf Scheibe erhältlich – daher musste man wieder auf YT zurückgreifen:


                                    "Wir laufen keinen Trends hinterher, wir SETZEN welche!"


                                    Offline Max_Cherry

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                                        • Show only replies by Max_Cherry
                                      Der klingt wirklich sehr interessant.
                                      Hast Du den denn auf Italienisch geschaut?


                                      Offline Elena Marcos

                                      • a.k.a. Dirk
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                                        Ja... aber es gibt Untertitel zu dem Streifen... nur nicht auf YT.

                                        "Wir laufen keinen Trends hinterher, wir SETZEN welche!"


                                        Offline Elena Marcos

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                                          Libido (1965)

                                          Ein Giallo, wie er im Buche steht. Ernesto Gastaldis Regiedebüt, das er mit etwas Hilfe von Vittorio Salerno umsetzte, ist ein absolut klassischer Vertreter seiner Art. Er beginnt mit einem kleinen Jungen, der mit seiner Spieluhr (Jimmy, die Grille), der zufällig mit ansehen muss, wie sein Vater – ein perverser Sex-Killer, eine Frau im eigenen Haus umbringt. Er hat sie in einem Zimmer voller Spiegel ans Bett gefesselt, bevor er sie tötet. Dann geht der Vater aus dem Haus zu den Klippen und begeht selbst Mord. Jahre später wird der erwachsene Christian (gespielt von Giancarlo Giannini) als geheilt aus der Anstalt entlassen und fährt zusammen mit seiner Frau Helene (Dominique Boschero) zurück zum Elternhaus. Begleitet werden sie von seinem Anwalt Paul (der bekannte Italienische Nebendarsteller Luciano Pigozzi) und dessen junger Frau Brigitte (Mara Maryl). Christian versucht sich seiner Vergangenheit zu stellen, hat insgeheim aber Angst wie sein Vater zu sein. Seine Frau und auch Paul unterstützen ihn, während Brigitte, ein typisches blondes Dummchen, von einem Fettnäpfchen ins nächste tritt. Das zeigt sich direkt, als sie sich zum Schlafen das Mordzimmer aussucht.  Christian lässt das widerwillig zu. Doch plötzlich häufen sich schreckliche Ereignisse. Christian glaubt, sein Vater wäre wieder da. Schließlich wurde seine Leiche nie gefunden. Der Schaukelstuhl wippt, seine Pfeife liegt qualmend im Aschenbescher und mitten in der Nacht sieht Christian seinen Vater im Garten. Als er Helene holt, ist die Gestalt weg, aber feuchte Fußspuren führen durch das Haus...

                                          Nun – Gastaldi, der etliche Drehbücher und Romane verfasst hat, inszenierte ein Kammerspiel, das die meiste Zeit mit nur vier Personen auskommt. Pigozzi als zwielichtiger Anwalt ist sowieso eine Show und auch Mara Maryl, die übrigens mit Gastaldi verheiratet war und die Idee für diesen Film hatte, gibt das blonde Dummchen als perfekte Mischung aus Arroganz, Naivität und purem Sex. Der Film spielt die größte Zeit im Haus und lässt sich für die Entwicklung der Geschichte erstaunlich viel Zeit, ohne allerdings langweilig zu sein. Immer wieder bekommt der Zuschauer ein Puzzlestück, bis zum ersten Mord...

                                          Hier sein natürlich nicht verraten, wer wen umbringt. Ich habe zwar halbwegs richtig gelegen, doch hat mich das Ende dann doch etwas überrascht. Aber eins kann ich versprechen: natürlich gibt es ein Finale mit doppeltem Boden und einer doch fiesen Pointe.
                                          Libido ist ein absolut gelungener Krimi, der am Anfang mich entfernt an „Profondo Rosso“ erinnern ließ. Hier gibt es den kleinen Jungen (ich glaube unterm Weihnachtsbaum – kann mich aber nicht genau erinnern) und eine Spieluhr mit einer Melodie, die auch zum unheimlichen Hauptmusikthemas des Filmes wird. Es gibt viele unheimliche Szenen in dem Haus und eben eine fiese Auflösung.
                                          Ich kann diesen kleinen Krimi, die geneigten Giallo-Fan auf jeden Fall ans Herz legen.

                                          Erschienen ist er bisher nur in Italien auf DVD und in den USA auf VHS - allerdings nur im Original ohne UT. Da hilft mal wieder nur YT:


                                          "Wir laufen keinen Trends hinterher, wir SETZEN welche!"


                                          Offline Elena Marcos

                                          • a.k.a. Dirk
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                                            The Monster of Venice / The Embalmer (1965)

                                            Troy Howarth bezeichnet ihn als “Worst of the Worst Gialli“, aber ganz so schlimm ist es nicht. „The Embalmer“ ist mehr ein durchschnittlicher Grusel-Krimi a la Wallace, der leider sehr uninspiriert gedreht ist.

                                            In dieser Geschichte geht ein unheimlicher Mörder in Venedig um. Er taucht durch die Lagune und holt sich schnell und sicher seine jungen Opfer, die meist um die 18 Jahre alt sind, und bringt diese dann in die Katakomben unter der Stadt. Hier konserviert er die Leichen und stellt diese in einen Art Vitrinen-Schrank – sein Tempel der Schönheit und des Todes. In der Zwischenzeit hat der Reporter Andrea eine Theorie und geht zur Polizei, die ihm aber nicht glaubt. Schließlich sind keine Leichen gefunden worden. Als dann auch noch eine Horde Studentinnen auf den Plan treten, verliebt sich Andrea nicht nur in die fesche Betreuerin Maureen, sondern das „Monster“ hat eine hübsche Auswahl an knackigen Girls für seine Ausstellung...

                                            Dem Film muss ich schon etwas Atmosphäre zusprechen. Der Mörder ist als „Froschmann“ unterwegs und zieht die Mädels immer gekonnt unter Wasser. Die jeweiligen Opfer werden immer mit einem kurzen Freeze-Frame gekennzeichnet, wenn der Irre sich die ausguckt. Auch das Finale in der Unterwasserhöhle ist schon schaurig – eben so richtig Wallace-Like. Leider ist der Rest des Films sehr statisch gefilmt. Hübsche Einstellung aus Venedig gibt es genügend, aber es reicht nicht für einen richtig packenden Film. Auch die kurze Laufzeit von rund 76 Minuten tut dem Film gut. Die Identität des Mörders ist recht früh ersichtlich und keine echte Überraschung, aber es hätte auch jemand anderes sein können. Eine Aufklärung zu seiner Motivation gibt es am Ende nicht.

                                            Der Film ist bisher nur in den USA erschienen. Es gibt ihn auf DVD und in Tales of Horror Collection –wahlweise im 50er oder 100er Pack. Ich hab ihn bei YT entdeckt. Fazit: ok – und nicht mehr.


                                            "Wir laufen keinen Trends hinterher, wir SETZEN welche!"