Der Goldene Handschuh (Fatih Akin)

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Offline JasonXtreme

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    Tja wo soll ich anfangen... ich kenne die Buchvorlage von Heinz Strunk nicht, habe mich diesbezüglich aber interessehalber informiert und einzelne Vergleiche gezogen. Das habe ich aus dem Grund getan, weil ich über den Fall Fritz Honka selbst durch andere Medien durchaus informiert bin, und aus Gründen der Vollständigkeit, um zu dem hier vorliegenden Film von Fatih Akin überhaupt etwas schreiben zu können. Akin, der selbst in Hamburg aufwuchs, und den Fall aus seiner Kindheit/Jugend kannte, war sehr interessiert den Stoff zu verfilmen, und nahm sich also im Grunde nicht die realen Akten zur Vorlage, sondern Strunks Buch. Das sollte ungefähr das gleiche sein, da Strunk sich ja fast manisch im Staatsarchiv in die Akten des Falles von Frauenmörder Fritz Honka einlas, und zudem über 100 Mal im Goldenen Handschuh zu Gast, um sich in die Situation reinfühlen zu können. Aber es geht hier ja nicht um das Buch...



    Wir befinden uns im Jahr 1970, der entstellte und körperlich schwächliche Hilfsarbeiter Fritz Honka ergibt sich dem völligen Siff und Suff. Er verbringt seine jämmerliche Freizeit in der Kiez-Kneipe Goldener Handschuh, in dem nur gescheiterte Existenzen vor sich hinvegetieren, während ab und an auch Seeleute ihren Fick für die Nacht suchen. Dort lässt er vom Wirt ältere und verwahrloste Frauen ansprechen, denen Fritz Alkohol ausgibt, um sie danach mit sich nach Haue zu nehmen. Dort kommt es zu noch mehr Suff und Honka will Sex! Dies eskaliert weil er durch den Alkohol keinen hochkriegt, und dabei stirbt Opfer Nummer 1, welches er zersägt und teilweise entsorgt. Den Rest der Leichenteile versteckt er im Kniestock seiner Wohnung, weswegen es dort entspechend stinkt. Einige Jahre später nimmt Honka die obdachlose Gerda mit nach Hause, und die Spirale dreht sich weiter...



    Nun ich will keinen Hehl daraus machen, dass Der Goldene Handschuh nicht spannend ist! Der Film ist ein Abriss aus Honkas Zeit der Frauenmorde, wogleich es ja "nur" 4 waren, und hier nicht permanent gemoprdet wird! Vielmehr handelt es sich hier im Grunde um eine Charakter- und Milieustudie, und das in allen noch so drastischen Zügen die jene auch nur annähernd annehmen kann! Akin geht in die Vollen, und damit meine ich nicht Splatter oder Mordszenen (letztere gibt es zwar, aber die sind eher nur asozial als grafisch explizit). Und wenn ich asozial meine, kann ich nichtmal wirklich mit Worten ausdrücken, was genau ich meine! Ich habe während dem Film etwas Süßes essen wollen, das habe ich nach kurzer Zeit weggelegt, weil es mich einfach geekelt hat dabei etwas zu essen. Der Siff, die Schmierigkeit, der abrgundtiefe Ekel, darin watet Akin hier nicht nur knietief, sondern bis zum Hals und darüber hinaus! Ob das wirklich in der Form nötig war... puh, schwierig. Einerseits weiß ich nicht wie weit Strunks Buchvorlage da geht (dem Vernehmen nach eventuell noch weiter!), und vor allem ob die Prozessakten und Ermittlungsprotokolle überhaupt SO tief in Details gehen, dass man das so heftig und detailverliebt im Film nachzubilden in der Lage ist!

    Bei allem Ekel muss man aber sagen, dass der Film selbst zwar keinerlei Spanunng bietet, und die Schauwerte für mich keinesfalls jemals eine Zweitsichtung zulassen werden, aber die darstellerischen Leistungen und die Ausstattung abartig gut sind! Jonas Dassler als Honka kennt keine Tabus, und sei es ihn an seinem nicht steif werdenden Penis herumwichsend und fluchend in seiner Siffbude zu sehen, während er zwischendurch humpelnd auf den weiblichen Fettberg stürzt, den er breitbeinig vor sich im eigenen Bett liegend zu ficken versucht! Und ja, genauso muss man das hier sagen! Auch alle anderen Darsteller, vor allem die weiblichen Opfer von Honka - ich kann das nicht in Worte fassen, was die hier körperlich und darstellerisch geleistet haben! Mut zur Hässlichkeit und bar jeglicher Moral und sicherlich allem was die bisher gedreht haben! RESPEKT! Vor allem da es sich hier um mehr als gestandene Schaupsielerinnen handelt, die sich hier mit Bockwürsten und Kochlöffeln ficken lasssen, verdreschen lassen, und im Suff jegliche Scham keinerlei Rolle mehr spielt. Die Wohnung von Honka wurde fast 1:1 nachgebildet, wie auch der Rest (im Abspann Bilder der echten Szenerien), bei den Suafgelagen ist man einfach nur noch angeekelt, untermalt mit deutschem Schlager jener Zeit (oft Seemannslieder von Freddy Quinn, in Honkas Wohnung stets "es geht eine Träne auf Reisen). Lieder die Sehnsucht wecken...

    ...und Sehnsucht ist auch ein Stichwort zur Charakterisierung Honkas für mich. Er ist eine echte Wurst, eine arme Sau. Der Alkohol lässt ihn aggressiv werden, und das vermag Akin superb hervorzukehren, auch wenn er hier die (setze ich mal voraus) Wahrheit aus Strunks Buch teils etwas ändert und verdreht (Honka dürfte nie komplett trocken gewesen sein usw.) - die Szenen dienen dazu zu zeigen, dass Honka im Grunde absolut nicht der typische Serienkiller war, sondern eher ein Ergebnis seines unwüdrigen Lebens, dass im Suff Dinge tat die er danach sicherlich nichtmal mehr wusste oder einordnen konnte - was er ja auch selbst im Gericht gesagt hat. Wenn einer 4 Promille hat, ist die Frage... aber ich will seine Taten hier nicht kleinreden! Es geht mit um die Darstellung der Figur im Film. Er ist herrisch und brutal, aber eben auch eine schüchterne und weiche Wurst der keinen Respekt einflösst, außer wenn er unter Alk austickt. Sein sexuelles Verlangen kommt noch obendrauf, da er dies nie erfüllen kann, dies immer abartiger wird aber er durch den Suff ja keine Möglichkeit hat es umzusetzen - Resultat die Dinge die er hier tut.

    Auflockerndes Element, auch wenn es eigentlich traurig ist :lol: sind die Szenen mit den restlichen Gästen des Goldenen Handschuhs und deren Barkeeper - die hauen Sprüche raus, das ist eine wahre Pracht - wobei solche Sachen wie "ich hab Hunger auf Fotzen, ich könnt sie fressen wie Kartoffelsalat" und andere Dinge durchaus aus Strunks Buch stammen ;) was etwas aus dem Rahmen fällt im Film sind die Szenen mit dem jungen Willi und seiner Bekanntschaft Petra - die waren eigentlich völlig unnötig in der Konsequenz, und stammen im Grunde aus einer Rahmenhandlung von Strunks Buch, haben also hier eigentlich nichts zu suchen - aber eher aus dem Grund weil die Geschichte von Willi und Petra hier schlicht nicht erzählt wird! Die ist im Buch anders und umfangreicher, da kann Marc vielleicht was dazu sagen.

    Alles in allem kann und will ich hier keine Wertung abgeben - soll jeder selbst entscheiden ob er den schauen will oder muss! Ich würde ihn NICHT mit meiner Frau schauen, und kann das jedem nur empfehlen. Ich denke die würde mich für völlig krank halten :lol:
    Einmal dachte ich ich hätte unrecht... aber ich hatte mich geirrt.


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    Offline Max_Cherry

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      Wow, ein richtig starkes Review, Marco.
      Danke.

      Also ich guck ihn mir an und wenn es nur für die von Dir als positiv hervorgehoben Dinge ist.
      « Letzte Änderung: 12. September 2019, 14:23:38 von Max_Cherry »



      Offline Bloodsurfer

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        Offline Masterboy

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          könnte mir ausnahmsweise hier auch vorstellen den mal anzuschauen.
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          Offline EvilEd84

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            Volle Empfehlung von mir auch. Menschenfeind trifft auf Kiez.
            Spannend? Nein, aber faszinierend und interessant. Abartig ekelhaft mit einigen krassen Sprüchen.


            Offline JasonXtreme

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              Die Vergleiche... ja kann man so sagen, manche reden auch was von Henry oder eben Mann beißt Hund - was auch ich schrieb bevor ich ihn sah. Richtungsweise ja, aber er ist doch eigener und vor allem noch siffiger als alles genannte :D
              Einmal dachte ich ich hätte unrecht... aber ich hatte mich geirrt.


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              Online skfreak

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                Ich werd mir den Film sparen, da er sich nix für mich ist. Aber ein echt klasse Review, Marco!


                Offline Max_Cherry

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                  Ich hab auch an genau diese 3 Filme beim Schauen gedacht. Menschenfeind, Mann beißt Hund und Henry. Ach ja und minimal an ExDrummer.


                  Der Goldenen Handschuh
                  Ich bin angewidert und auch irgendwie fasziniert. Mutiger, unangenehmer Film, der sicherlich nicht ganz rund ist, aber in Deutschland und mit dem vermutlich hohen Budget eigentlich undekbar erscheint. Respekt auch an die Darsteller, die gehen hier teils echt durch die Ekelhölle.
                  Auch wenn der Film überwiegend siffig und ekelig ist, hat er tatsächlich so einige Sprüche am Start. Die Kombi ist schon echt schräg
                  « Letzte Änderung: 22. Januar 2020, 22:10:23 von Max_Cherry »


                  Offline JasonXtreme

                  • Let me be your Valentineee! YEAH!
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                      • Show only replies by JasonXtreme
                    danke Sascha.
                    Einmal dachte ich ich hätte unrecht... aber ich hatte mich geirrt.


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                    Offline Max_Cherry

                    • Die Großen Alten
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                      Der goldene Handschuh

                      Was soll man zu einem Film schreiben der im Grunde ein Biopic eines brutalen Serienmörders und einer gesellschaftlichen Gruppe ist die sich am Rande des vorstellbaren befindet?
                      Wir werfen einen Blick in die Leben völlig gescheiterter Existenzen die sich dem Suff ergeben haben. Wahre Einblicke. Schnaps, Urin, Kotze, Fotze, Tresen, Gestank, Gilb, Dreck, Rauchen - die nächste Runde bitte! Geht auf mich!
                      Und darin spielt sich dann die Geschichte um Fritz Honka ab, der die Exszesse dann noch in Morden enden lässt. Da gibt es nichts mehr zu steigern an Abartigkeit.
                      Ich glaube der einzige Grund warum man sich sowas anschaut ist die abstruse Faszination dass es sowas wirklich gibt und man sich das tatsächlich bildlich vor Augen vorführen lassen muss um es überhaupt in die eigene Vorstellung transportieren zu können. Ähnlich Reality TV oder so.
                      Filmischer Unterhaltungswert ist hier schwer anzuwenden und zu bewerten. Ganz sachlich und nüchtern betrachtet (welch Ironie in diesem Sauffilmkontext) müsste man sagen, super gemacht - also handwerklich in Szene gesetzt und wohl nahezu 100% authentisch, das darf man wohl sagen. Wer das also veträgt und ein gewisses Interesse für das Thema Honka oder KiezSzene etc hat der muss wohl reinschauen. Der Rest sollte die Finger davon lassen.  Ich kann für meinen Teil sagen es interessant gefunden zu haben. Als spannende Abendunterhaltung kann ich es aber nicht bezeichnen.



                      Im großen und ganzen sind wir uns da alle einig.


                      Offline Thomas Covenant

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                          • Show only replies by Thomas Covenant
                        Das ist ja mal ein Schwergewicht für jeden Magen.
                        Ein Blick in die Hölle  :7.5:
                        Darstellerisch wie vorher schon gesagt -unglaublich gut und mutig.
                        Ich geh jetzt duschen-das letze Mal hatte ich das gleiche Bedürfnis nach Ansehen eines Films bei Irreversible.


                        Offline ap

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                          Ich hab auch an genau diese 3 Filme beim Schauen gedacht. Menschenfeind, Mann beißt Hund und Henry. Ach ja und minimal an ExDrummer.

                          dito. Vergleich passt! Das sind mitunter die dreckigsten und assigsten Menschendarstellungen überhaupt...

                          Den Der Goldene Handschuh mochte ich auch! Ganz erstaunlich, da ich ansonsten Fatih Akin eher aus dem Weg gehe...
                          « Letzte Änderung: 26. Mai 2020, 05:54:44 von ap »


                          Offline Flightcrank

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                            Offline Masterboy

                            • aka Gregor
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                                Hunger auf Fotzen, und n Korn dazu - bitte :lol:
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