Die Filme der Shaw Brothers

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Offline Elena Marcos

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    Neben den Hammers, Gialli und jede Menge Kultregisseure gehören die Shaw Brothers noch zu meinen großen Leidenschaften. Und ich hab in den letzten Wochen mal geschaut. Es gibt einzelne Reviews und Besprechungen, aber keinen eigenen Thread. Vielleicht kann ich hier alles mal so nach und nach zusammentragen. Allerdings wird das nicht chronologischen sein, sondern eher wie bei den Hammer Filmen.

    Nun die Shaws haben wohl seit 1925 produziert, verzeichnet sind die Filme allerdings erst so ab Ende der 40er Jahre. Man muss auch ehrlich sein - alle wird man nie mehr wieder sehen können, denn viele Filme sind zerstört, verschollen oder einfach nur vergessen, etwa Tiger Boy mit Jimmy Wang Yu. Angeblich gibt es einen Menschen auf der Welt, der noch eine Kopie besitzt, aber sie nicht rausrückt. So werden Legenden geschrieben...

    Nun, der Anstoß für diesen Thread gab gestern die Sichtung von "Die sieben goldenen Vampire" - einer von zwei Produktionen wo Hammer und Shaw kooperierten. Dieser Film zeigt eindrucksvoll, wie perfekt die Firmen zusammenpassten. Leider war dann mit Hammer schnell Schluss, aber das Vermächtnis ist magisch...

    Mein Review nochmal hierein gepackt:
    Die sieben goldenen Vampire (1974)

    - Der letzte Dracula Film der Hammers ging neue Wege. Denn das Studio war im Niedergang und es gelang nicht mehr im Zeitalter vom „Exorzist“ Geld für neue Produktionen aufzutreiben. Also versuchte man es im Osten und kooperierte zwei Mal mit den Shaw Brothers. Was dabei herauskam, galt als kommerzieller und auch künstlerischer Flop... damals. Auch ich war als Teenager nicht unbedingt ein Fan des Streifens, denn er war wirklich nicht Fisch, nicht Fleisch – aber heute? Vom jetzigen Standpunkt aus, kann man nur eins sagen: der Film ist ein Meisterwerk der guten Unterhaltung und vereint das Beste aus zwei Welten.
    Die Story ist simpel. Der böse Hohepriester Kah reist nach Transsilvanien, um Graf Dracula zu bitten, die sieben goldenen Vampire zu erwecken. Der Obervampir hat jedoch seine eigenen Pläne mit den chinesischen Dämonen und entflieht seinem europäischen Gefängnis, in dem er sich hinter der Gestalt von Kah versteckt. 100 Jahre später ist Dr. Van Helsing (Peter Cushing) auf Studienreise in China unterwegs. Doch bei seiner Vorlesung über Vampirismus wird von den Gelehrten verhöhnt und ausgelacht. Nur Hsi Ching glaubt ihm, da er aus dem Dorf kommt, das die sieben goldenen Vampire terrorisieren. Er bittet Van Helsing um Hilfe. Der willigt erst ein als die Finanzierung der Expedition steht – denn das Geld von der reichen Lady Vanessa Buren. Dann geht es durch die Lande – unterwegs kloppt man sich mit Banditen, den goldenen Vampiren und Horden von Untoten, bis Van Helsing Kah bzw. Dracula stellen kann.
    Vorneweg ist es einfach nur zu geil, zu sehen, wie die Superstars Peter Cushing und David Chian zusammen treffen. David Chiang und seine Film-Brüder (und Schwestern) kloppen sich Shaw-gewohnt durch die Gegend, wo später auch der Europa-Cast mitkämpft. Die Fights sind flott und blutig – die Masken der Vampire sind klasse (erinnern etwas an Zombie-Makeup), während die Untoten alle Skelettmasken tragen. Ein bisschen Zombie, ein bisschen reitende Leichen und Hammer-Vampire und schon ist der Mix perfekt. Die Kampfszenen und HK-Regie ist von Meister Chang Che selbst, während Roy Ward Baker als englischer Regisseur im Vorspann steht. Optisch sieht der Film absolut klasse aus. Das Filmmaterial wirkt wie aus den 60ern und nicht wie die Hammers der 70er – die Beleuchtung ist knallig bunt (giftiges grün und saftiges rot) und die Gore-Effekte gehen ebenfalls in Ordnung. Die Monster zerfallen hübsch zu Staub und nebenbei werden noch einige (halbnackte) Jungfrauen den goldenen Vampiren geopfert. Also – hier ist eigentlich immer was los. Selbst die Lovestorys stören nicht. Zuerst denkt man, dass Van Helsings Sohn Lady Buren anbaggert, aber ne – er steht auf die Kungfu-Kämpferin Ma Kwei. (Szu Shih ist auch zuckersüß anzusehen.) Lady Buren hingegen bandelt mit David Chian an, was man den beiden sogar schauspielerisch abnimmt. Julie Ege ist eigentlich keine Schauspielerin, denn sie begann als Miss Norway. Doch nach deiner Rolle im Lazenby-Bond und einigen Horrorfilmen landete sie hier. Wahrscheinlich liegt es an der norwegischen Herkunft, denn ich kann es mir sonst nicht erklären, warum man ihr in der deutschen Fassung einen extrem lispelnden Akzent gegeben hat. Das hört sich am Anfang unheimlich albern an, aber man gewöhnt sich dran. Schlimmer ist hier allerdings John Forbes-Robertson als Dracula. Da Christopher Lee keinen Bock hatte in diesem komischen Film mitzuspielen, musste jemand anderes her. Nun, da Dracula in seiner Gestalt nur am Anfang und am Ende vorkommt, lässt sich das jedoch verschmerzen. Nun – was soll man noch sagen. Eigentlich dürfte der Film in keiner Sammlung fehlen. Ich hab den damals beim Saturn für 1,99 am Grabbeltisch bekommen. Heute geht die DVD gebraucht für 50 Euro über den Tisch (vor einigen Jahren waren es gar 200) – wir brauchen allerdings eine gute Bluray, wo die Farben so richtig zur Geltung kommen.

    Fazit: Das Beste aus zwei Welten. Genial.


    und das hatte ich 2008 mal geschrieben:

    Die sieben goldenen Vampire -
    Hammer meets Shaw - absolute Trash Granate, die nicht nur toll aussieht, sondern auch noch sehr kurzweilig ist uns Spaß macht - nur die Synchro der Schwedin ist bescheuert...

    und Gerts 5 Cent zu dem Film:

    Vorhin:

    Die Sieben Goldenen Vampire :arrow: 7/10

    Ganz netter Martial Arts-Horrorfilm mit Peter Cushing und David Chiang.


    und der Vollständigkeit halber der Kommentar des Einsamen Wolfes:


    Der Film ist eine Kuriosität, ein Kabinettstückchen des Horror- und Eastern-Kinos. Die einzige Zusammenarbeit zwischen den legendären Studios "Hammer" und "Shaw" versuchte sich an einer Symbiose aus den bewährten Horror- und Period-Filmen und bot zwei Superstars der Studios auf: Zum einen der einzigartig charismatische Peter Cushing aus den hammer-Studios, zum anderen David Chiang aus den Shaw Studios. Zusammen bekämpfen sie niemand anderen als den legendären Grafen Dracula, den Van helsing vernichtet glaubte. Dummerweise wird der Prinz der Dunkelheit aber von einem Chinesen zum untoten leben erweckt und macht sich auf ins Ferne China, um dort ein neues Heer von Blutsaugern um sich zu scharen. Sein pech, dass ausgerechnet sein Erzfeind Professor Lawrence Van Helsing dort weilt und zusammen mit einigen kampferprobten schlagkräftigen Begleitern die Pläne des Vampirfürsten und seiner Untoten zu durchkreuzen sucht...

    Das Ganze ist - zugegeben - ziemlich in die Hose gegangen, denn die eine Hälfte des Films ist typisches Shaw Brothers Gruselkino mit kindlichen Effekten, die wir beispielsweise aus japanischen TV-Serien wie "S.R.I. und die unheimlichen Fälle" oder so grauslig gruseligem Trash wie der Shaw Brothers Produktion "A Ghost Story" kennen; die andere Hälfte ist dann typisches und routiniertes Period-Easternkino, wie es die Fans der Shaw Brothers lieben. Die Atmosphäre der Hammer-Studios hätte den gruselszenen gut getan, doch man sucht sie vergebens. Die Untoten wirken wie Figuren aus einem drittklassigen  Marionettentheater, dafür sind die Kampfszenen routiniert und daran kann man kaum meckern - wenn Davod Chiang ein Schwert in der Hand hatte, wusste man, was man bekam.

    Nur inhaltlich konnte die Schose kaum funktionieren, denn kein Fan hat den machern abgekauft, dass Graf Dracula aus dem 19. bzw. 20. Jahrhundert nach Fernost schippert, wo die Leute rumlaufen wie in der Ching-Dynastie und sich auch so benehmen, als sei die Zeit fünfhundert oder mehr Jahre früher stehengeblieben. Das einzige, was den Streifen hätte retten können, wäre die Darstellung des Vampirgrafen durch den unvergleichlichen Christopher Lee gewesen, dazu ein toller und hochdramatischer Showdown zwischen Lee, Cushing und Chiang, und ein Stück Hammer-Atmosphäre, die zu Lee's Dracula gepasst hätte. Aber da man dies nicht wollte und vielleicht auch nicht konnte, musste das Projekt scheiter - der Dracula in den "sieben goldenen Vampiren" ist einer der schlechtesten, die ich je sah...

    Dennoch - Für Eastern-Fans eigentlich ein unverzichtbares Kleinod, doch 15 EUR würde ich persönlich nicht dafür berappen...

    Der Lonewolf Pete

    « Letzte Änderung: 06. August 2020, 16:52:07 von Elena Marcos »

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      The Warlord and the Actress (1964)

      - Die Shaws sind in erster Linie für ihre Action und Kungfu-Filme berühmt geworden, aber vorher waren sie in vielen Genres unterwegs, unter anderem waren sie stark bei Huangmei-Opern und auch bei Dramen. Bei „Warlord & the Actress“ dachte ich gleich an den Artverwandten „The Vermillion Door“, doch dieser sollte erst ein Jahr später entstehen.
      Für dieses Kriegs-Drama hatte der spätere Star-Regisseur und John Woo-Lehrmeister Chang Cheh das Drehbuch geschrieben. Die Story spielt in Nordchina der frühen 30er Jahre. Es gibt die Bedrohung durch Kommunisten, sowie Japanern. (Wobei ich nicht weiß, warum die Kommunisten hier mit Japanern kooperieren – egal). Der Film beginnt mit einem Angriff von Rebellen auf eine Waffenfabrik. Das ruft natürlich den bösen General Cao Lin auf den Plan, der die Rebellen natürlich alle vernichten will. Gleichzeitig ist er aber ein großer Fan der legendären Sängerin und Schauspielerin Tang Pei-Hua, die den „Warlord“ immer gekonnt an der Nase herum führt. Denn sie ist in den Studenten Lin Ke-Quian verliebt und will mit ihm die Gegend verlassen. Doch in der Nacht der Flucht wird die Sängerin zu einem Empfang abgeholt. Die verschobene Reise findet jedoch nicht statt, denn die Liebschaft wird entdeckt und Ke-Quian verhaftet, weil er der Rebellion (mit untergeschobenen Beweisen) beschuldigt wird. Nun wird er von den bösen Militärs gefoltert – doch Pei-Hua kann seine Freilassung erwirken unter der Bedingung, dass sie den General heiratet (sie ist dann die 7. Ehefrau). Sie drängt ihren Liebsten in den Süden zu flüchten und auf sie zu warten. Ein Jahr später hat sich der Student wirklich den Rebellen angeschlossen und stößt bei einem geheimen Treffen auf die Schwester von Pei-Hua. Sie wollten am 50. Geburtstag beim General in die Residenz eindringen und wichtige Dokumente stehlen. Während die Theatertruppe eine Aufführung durchzieht, versucht Ke-Quian den Safe zu öffnen...
      Sicher ist der Love-Anteil bei den Shaw Filmen sehr groß, doch wird es nicht langweilig – denn optisch sind die Filme immer grandios ausgestattet. Der Rest bleibt etwas blass. Die Hauptdarsteller Julie Yeh und Chin Han bleiben etwas blass – machen ihren Job als Liebespaar routiniert. Ins Auge fällt natürlich Ching Miao, der den General spielt (ich glaube er spielt in „Vermillion Door“ die gleiche Rolle) – man fragt sich natürlich, warum die Bösewichter immer als total überdrehte Deppen dargestellt werden und in der nächsten Sekunde eiskalt jemanden hinrichten können. Mein Highlight war hier auf jeden Fall, die kleine Schwester, die nicht nur die Infiltration der Residenz mit plant, sondern auch den General hinhält, damit die anderen den Plan ausführen können. Insgesamt hat der Film alle Komponenten für einen großen Film. Es gibt Liebe und Intrigen, zwei drei Actionszenen, tatsächlich wieder einige Lieder (bei den Bühnenaufführungen zum Beispiel. Das ist ähnlich wie bei Disney – in den frühen Shaw wurde immer gerne gesungen), Spannung besonders in den letzten 40 Minuten beim Eindringen in die Residenz und ein Shaw-typisches tragisches Ende.
      Doch – am Ende bleibt ein unterhaltsamer, recht kurzweiliger Film, der mich nicht ganz so begeistern konnte wie „Vermillion Door“, der eben Ivy Ling Po als Darstellerin hatte. Aber trotzdem – klare Empfehlung. Natürlich sind die Filme, die hier nie auf deutsche erschienen sind, ob schwer zu bekommen, das sie ja schon lange oop sind. Ich konnte noch eine alte Original-VCD mit mäßiger Qualität ergattern. Das reichte jedoch vollkommen.

      « Letzte Änderung: 06. August 2020, 16:55:45 von Elena Marcos »

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        Am 25. Januar 1973 kam der erste Shaw-Brothers Film in Deutschland in die Kinos und löste eine gigantische Welle aus. Der Film wie ein Prankenhieb war "Das Schwert des gelben Tigers". Da ich einige der Filme vor kurzer Zeit noch gesehen habe - suche ich hier nochmal die einen oder anderen Reviews zusammen. Diesen hatte ich vor allem etwas länger besprochen, da ich der Film zu Gerts Vermächtnis zählt. Mittlerweile gibt es ein schönes Mediabook von TVP. Leider ist der deutsche Ton der Blu-ray fehlerhaft codiert, so dass man sich den nicht anhören kann... Das Label hat eine Neuauflage in Aussicht gestellt.

        Tsui Hark drehte 1995 ein Remake mit temopreichen Szenen, aber Story- und Charaktertechnisch leider unterirdisch war...

        "Das Schwert des gelben Tigers"

        Der Shaw Brothers Film war damals der "erste" seiner Art in den deutschen Kinos und stieß eine Welle an, die nicht mehr aufzuhalten war. Denn selten hatte man Schwertkampf, Blut und Männerfreundschaft in dieser Form gesehen.

        Die Story ist eigentlich ganz simpel. David Chiang spielt den etwas überheblichen Schwertkämpfer Lei Li, der einen Raubüberfall entdeckt. Der echte Räuber beschuldigt den Schwertkämpfer, dass er die Leute umgebracht hätte und das Silber geraubt hat - und geht zu Großmeister Lung, dem "Großmütigen". Dieser stellt Li zur Rede, der sich das nicht gefallen lässt und Lung zum Kampf rausfordert. Leider ist Lung der Öberbösewicht und Drahtzieher hinter allen Intrigen. Er kämpft mit einer besonderen Waffe, die sich im rechten Moment teilt, damit der Böse unfai zuschlagen kann. Li ist besiegt und steht zu seinem Versprechen, das er vor dem Duell gegeben hat. Seinen rechten Arm abzuschlagen und nie mehr zu kämpfen. (Hier muss ich anmerken - dass Li schon vorher mit links kämpft ...). Jahre später fristet der Schwerkämpfer ein Dasein als Kellner in einem Wirtshaus. Zwer kommt er mit einem Arm gut zurecht - aber er wehrt sich nicht gegen Spott und Hohn der Bevölkerung. Nur die Tochter des Schmieds (und der Wirt) steht zu ihm. Eines Tages wird diese von Soldaten von Chen, dem Herren der Tigerburg, belästigt. Er kann sie allerdings nicht beschützen, weil er sich einfach weigert, ein Schwert in die Hand zu nehmen. Jetzt tritt Feng (gespielt von Ti Lung) auf den Plan, der eingreift. Sofort sieht dieser, dass in dem "Krüppel" mehr steckt. Als er herausfindet, wer Li ist, buhlt der um seine Freundschaft. Doch Feng kann Li nicht vom "Schwert" überzeugen - eher will Feng seine Schwerter an den Nagel hängen und Bauer werden. Doch eines muss Feng zu Ende führen: einen Raubüberfall aufklären. Dazu will er in die Tigerburg endringen. Lung kommt ihm zuvor und lädt ihn zu einem Fest auf die Burg ein. Natürlich ist es eine Falle, in der Feng von Lung getötet wird.
        Das ist der Punkt, an dem Li wieder zum Schwert greift und in der Tigerburg ein Massaker anrichtet. Er kann sogar Lung, der nur mit drei Schwertern getötet werden kann, den Gar aus machen....

        So - jetzt hab ich alles erzählt - was allerdings kein Spoiler ist. Von Anfang an, ist es klar wie die Geschichte endet. Denn diese Shaw Geschichten sind sich oft ähnlich. Die Schauspieler sind alles sehr gut und auch dem Fan bekannt. Chen Sing, als Herr der Tigerburg und Knecht von Lung, macht eine gute Figur. Auch David Chiang macht seine Sache sehr gut, obwohl ich ihm den reumütigen Ex-Kämpfer nicht immer abnehme. Ein kleines Highlight ist Ti Lung, der als Charakter zwar farblos bleibt - aber die Rolle des "Freund" 100 Prozentig ausfüllt - seine Actionszenen sind aber allesamt Sahne.
        Obwohl der Film eigentlich alles bietet, was man bruacht - Action, Blut und klirrende Schwerter, verliert er gegenüber seinem Vorgänger. Denn "das Schwert des gelben Tigers" ist das Remake von "das goldene Schwert des Königstigers". Das Original (One-Armed Swordsman) bot mit Jimmy Wang Yu einen Schwertkämpfer, der innerlich richtig zerrissen ist. Er verliert seinen Arm auch nicht im Duell, sondern durch eine Dummheit einer Mitschülerin, was eine noch größere Schmach ist. Ich glaube, dass er auch mit rechts kämpft und den Arm auch verliert. Er muss sich dann das Kämpfen mit links erst antrainieren. Ausserdem hat er ein zerbrochenes Schwert, weil er kein normales führen kann. (Diese Kleinigkeiten fehlen natürlich in "New One-Armed Swordsman) und machen den Film zum "simpleren Actionfilm" ohne Tiefgang. Aber mehr soll dieser wohl auch nicht sein. Die Kulissen sind typisch Shaw und wissen rundum zu gefallen.

        Ich persönlich ziehe das Original vor - muss aber auch das Remake seinem Klassiker-Status zugestehen ... denn er veränderte das deutsche (Bahnhofs-)Kino. Die Welle an Shaw und anderen Kungfu-Filme ist heute Legende.

        Und die DVD von Gert ist zwar die damalige Bootlegfassung - hat aber zwei Fassungen an Bord. Die Celestial-Fassung (restauriert) und die Kinofassung - die allerdings etwas Mogelpackung ist. Denn hier wurden die fehlenden Segmente der Celestial-Fassung eingefügt. Das deutsch Bild ist zerkratzt und hat blasse Farben (jaaaa Grindhouse) - doch beim Endkampf von Ti Lung hat man ein recht sauberes Bild.

        Ganz gleich - ich halte diese schöne Scheibe in Ehren ... und werde auch nicht auf BD aufrüsten.


        « Letzte Änderung: 06. August 2020, 16:56:43 von Elena Marcos »

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          Nachdem der erste Shaw super gelaufen ist - schob man mit "Zhao" - der Unbesiegbare" den zweiten nach. Der "King Boxer" oder "5 Fingers of Death" ist bei uns auf DVD in der Koch Shaw Brothers Edition Box erschienen. Es gibt ihn auch auf Blu-ray in einer Box von Koch, aber die ist nicht mehr erhältlich und leider im Moment unbezahlbar.

          Hier die alten Reviews:

          Zhao der Unbesiegbare war der Film, der Lo Lieh zum Star machte. Viel Handlock, und ein wenig gewöhnungsbedürftig, aber nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass es einer der ersten Filme war, die Handlock zum Erfolg machten und quasi eine Alternative zu den Schwertkampffilmen boten. Abscheun kann man ihn auf jeden fall - blieb aber eine der eher begrenzten hauptrollen für Lo Lieh, der wie gesagt abwechselnd als Guter und Bösewicht in überwiegend in "zweiten" Hauptrollen zu sehen war...
          Witzig ist Lo Lieh immer anzuschauen, wenn er in period Eastern mit langer Zottelfrisur und Bart rumläuft und Bösewichter mimt... danach nimmt ihm keiner mehr ab, dass er auch einen der Guten spielen konnte...

          Der Lonewolf Pete


          Zhao - der Unbesiegbare

          ganz großes Kino - Klassischer Shaw mit austauschbarer Geschichte - aber: tolle Fights, ein sympathischer Lo Lieh und der Soundtrack, den Tarantino für Kill Bill nutzte (der Sirenen Sound). Toller Martial-Arts-Film der alten Schule in toller Qualität von Koch.

          - Zhao, der Unbesiegbare
          Zweitsichtung - und funktionierte auch wieder grandios. Die Shaws machten flotte, harte Klopper, die immer wieder neu aufs Tablar kommen. Die Story ist nicht grad innovativ - denn die Rivalitäten unter Kampschulen und der Schüler, der sich behaupten muss, um dann im Turnier zu bestehen, ist schon tausendmal dagewesen. Aber der "ich reiß dir die Augen aus dem Kopf" schlag und die Soundeffekte, die wir dann in Tarantions Kill Bill wiederfanden, rundet das Vergnügen ab.


          « Letzte Änderung: 06. August 2020, 16:58:07 von Elena Marcos »

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            Der dritte Shaw kam wieder einen Monat später in die Kinos. Mit "Die Rache der gelben Tiger" ging ein weiteres Epos an den Start. Den Film habe ich bereits mehrfach gesehen, weil ich den sehr mitreissend und gut gemacht finde. Mittlerweile gibt es in für einen guten Preis von Koch/Black Hill als Bluray - von den MBs aus dem Hause "Inked Pictures" rate ich ab, denn das sind (so viel ich weiß) alles Repacks. Es gab mit "14 Schwerter" 2011 noch ein Remake von Frankie Chan, das ich wohl nicht ganz so pralle fand - auch wenn die Schlüsselszenen (Menschenbrücke) enthalten waren, war er nicht ganz so packend.

            Hier mein Review:

            14 Amazons

            - der hat gerockt. Shaw Brothers Film vom feinsten. Leider fehlen in der "Celestial Fassung" ein paar Minuten (Zeitraffer, Filmrisse) und damit auch einige blutige Details. Aber die Geschichte um die 14 letzten Frauen des Yang-Clans, die ausziehen, um die Tataren aus dem Land zu vertreiben, ist fesselnd und spannend. Das Remake "14 Schwerter" soll mehr Märchencharakter besitzen, der dem Shaw eigentlich voll abgeht. Bis auf die geniale Szene mit der "Menschenbrücke" bleibt der Film recht realistisch. Mich hat der Film schwer begeistert - besonders Ivy Ling Po ist klasse. Ganz anders als in den frühen Dramen/Musikfilmen (wo sie als einzige Shaw-Darstellerin selber gesungen hat) ist sie hier eine ernste, toughe Kriegerin, die ein paar gut choreographierte Fights hat. Die Kämpfe sind alle recht hart und nicht auf "Show" ausgelegt ... in manchen Szenen geht es etwas chaotisch und deswegen auch glaubwürdig zur Sache. (Trotz mancher Filmfehler ... als sich die Damen in der Burg des Kahn verstecken - ragen überall ihre Frisuren über die Mauer ... aber darüber sehe ich mal hinweg.)
            Der Film hat mich schwer begeistert ... mehr davon.

            « Letzte Änderung: 06. August 2020, 16:58:50 von Elena Marcos »

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              Der Pirat von Shantung (1972) / Boxer from Shantung

              - deiner DER Klassiker aus den Shaw Studios. Der kam zwar erst im Laufe des Jahres 1975 in die deutschen Bahnhofskinos und war der Vorgänger zu "Der Mann mit der Tigerpranke", der bereits 1972 lief. Es ist eigentlich überflüssig zu bemerken - dass die deutsche Kindofassung mit 80 Minuten arg gekürzt war, unter anderem fehlte fast der ganze Schluss - die Originalfassung geht 129 Minuten.
              Folgende Reviews habe ich gefunden:

              Boxer from Shantung

              - der Klassiker, in Originalfassung gesehen. Etwas langgezogen mit vielen blutigen Fights. Chen Kuan-Tai hobelt hier alle weg - auch mit Axt im Bauch macht der alles platt. Schöner Shaw Klassiker, den man hier als "Pirat von Shantung" genießen kann (oder nicht, wenn man die 51-Minuten-Cut-VHS hat).

              Der Pirat von Shantung
              - genialer Shaw Brothers Klassiker. Über zwei Stunden gibt es auf die Glocke - aber nebenbei erzählält man auch den Aufstieg eines kleinen Niemands zum Gangsterboss ... und natürlich der Niedergang. Ist kein Gangsterdrama a la Scorsese, aber es ist auch nicht langweilig. Viele Fights mit der Handkante, Messer oder Beil - mit gutem Blutgehalt. Chang Che Klassiker halt. Die ungekürzte Fassung ist gegenüber der Kinofassung 40 Minuten länger und ist ja auch schon längst auf BD erschienen.

              Das sagt natürlich nicht viel aus. Chang Ches Klassiker hat natürlich eine typische Underdog Geschichte: Chen Kuan-Tai spielt den jungen Draufgänger Ma Yung Cheng, der nach Shanghai kommt, um sich einen Namen zu machen. Er freundet sich mit dem Gangsterboss Tan Wei an (David Chiang), der ihn unter seine Fittiche nimmt. Schnell steigt Ma in der Hirachie auf - und legt sich mit dem Gangster Yang Shuan an. Der lässt Tan Wei umbringen und lockt Ma in eine Falle... dann gibt es erstmal Blutbad...

              Nun - die Moral von der Geschicht: Verbrechen lohnt sich nicht. Aber auf dem Weg dahin gibt es viele klassische Kämpfe, mit Faust, Beil oder anderen Waffen. Die Action ist blutig inszeniert und lässt keine Wünsche übrig. Mit dem Ding hatte Che sich echt ein Denkmal geschaffen und Chen Kuan-Tai ebenso. Existenzieller Shaw-Film, der in keiner Sammlung fehlen darf... übrigens UNCUT auf Bluray erschienen. Hier gibt es zwei Synchrospuren - eine mit der Erstynchro und den Fehlstellen mit Zweitsyncho aufgefüllt, sowie die schlimme Zweitsynchro von 2005 - alle anderen nehmen die Originaltospur.

              Ach ja ... mit Shanghai Hero (1997) gab es von Shaw noch ein cooles Remake - das bei uns auf DVD erschienen ist.

              « Letzte Änderung: 06. August 2020, 16:59:53 von Elena Marcos »

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                Der Mann mit der Tigerpranke - Man of Iron (1972)

                die Forsetzung, die keine ist. Chen Kuan-Kai spielt einen ähnlichen Charakter, der in einer ähnlichen Handlung wieder den Ausftieg zum Gangserboss vollzieht. In diesem Streifen, ebenfalls von Chang Che, ist eine Frau der Anstoß des Untergangs. - macht aber gar nichts, denn es geht einfach um jede Menge Action und Stunts, die den Bahnhofsliebhaber glücklich zurück lassen. Der Film hat alle blutigen Zutaten eine guten Shaw Films - was soll ich dazu noch sagen. Die deutsche Bluray ist uncut und wie der Vorgänger unerlässlich für die Sammlung.

                Mehr kann ich echt nicht schreiben - die Story ist natürlich nicht der Brüller, aber darauf kam es bei den Kungfu-Streifen echt nicht an.

                Hier noch mal meine kurzen Anmerkungen vom Mai 2019:

                Der Mann mit der Tigerpranke
                - die Quasi-Fortsetzung zum Pirat von Shantung rockt ebenfalls. Chen Kuan-Tai hat den Leuten 97 Minuten auf die Glocke. Dabei muss man erwähnen, dass er zwar einen anderen Charakter spielt (der Film ist 20 Jahre später angesiedelt), den aber wesentlich unsympathischer anlegt als im Vorgänger. Nun - die Moral der Geschichte ist: Verbrechen lohnt sich nicht. Hier ist die Hauptfigur bereits ein Gangsterboss (der Film behandelt nicht den Aufstieg), sondern es geht datum sich gegen die anderen Banden zu behaupten. Am Ende sind natürlich wieder alle tot und die Moral von... ach so hatten wir schon.

                « Letzte Änderung: 06. August 2020, 17:00:35 von Elena Marcos »

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                  Die Prinzessin Yang (1955)

                  - heute wage ich mich mal ein wenig weg. 1955 schuf "Shaw & Sons" in Zusammenarbeit einen Film mit den japanischen Daiei Films, der schon einwenig die üblichen Shaw Produktionen vorwegnahm. Rein optisch kam dieser Film, der von Kenji Mizoguchi inszeniert wurde, schon nah an die späteren Shaw Farbfilme ran - etwa "Diau Charn". Die Künstlichkeit der Kulissen und die bunten (aber heute etwas blassen) Farben (was vielleicht am Material lag), sollte drei Jahre später bei Shaws erstem Farbfilm ähnlich aussehen. Auch dei Story ist die Blaubause für spätere Erfolge. Denn Yôkihi, wie er im Original heißt, wurde 1962 unter dem Titel "The Magnificent Concubine" von Shaw neu gedreht.

                  Die Story spielt am kaiserlichen Hof. Der Kaiser hat keinen Bock auf Staatsgeschäfte und trauert seiner geliebten Kaiserin nach, die gestorben ist. Er übt sich im Müßiggang und spielt und komponiert lieber auf seiner Laute. Um den Kaiser wieder beeinflussen zu können, kommt die Familien Yang auf die Idee, die Küchenmag Kwei Fei in den Palast zu schmuggeln, weil sie eine starke Änhlichkeit mit der toten Kaiserin hat. Der Kaiser bemerkt sie waz nie so richtig, aber als sie dann später ein von ihm komponiertes Lied spielt, ist er Feuer und Flamme. Die beiden verlieben sich letztendlich und er macht sie zur neuen Kaiserin ... doch die Intrigen werden von den Umstürzlern weitergesponnen, was ein tragisches Ende zur Folge hat.

                  Der Film geht nicht gut aus - das sei schon mal verraten. Ich hab den Streifen auf You Tubr gefunden, weil er auf DVD nur zu überteuerten Preisen aus dem Ausland zu bekommen ist. Die bei YT hochgeladene Fassung ist leider spanisch und passt überhaupt nicht zum Film. Aus filmhistorischen Gründen ist ein Blick zwar interessant, weil er für die Shaws schon irgendwie wichtig ist, doch an sich ist der Film leider sehr lahm. Er sieht zwar schön aus, aber es wird tierisch viel geredet - und auch die Aufstände am Schluss sind natürlich noch nicht aufwendig produziert. Als Japan/HK Kooperation schon interessant, aber insgesamt - kein Film für den Schrank, außer für Daiei Fans. Ich bleib übrigens beim Remake, das hingegen sehr gut ist, auch wenn dort wesentlich mehr gesungen wird...

                  « Letzte Änderung: 06. August 2020, 17:02:09 von Elena Marcos »

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                    The Grand Substitution (1964)

                    Ein gutes Beispiel für die frühen Erfolge der Shaw Studios. Bevor der Durchbruch mit den Kungfu-Filmen kam, unterhielt man die Leute mit beliebten „Huangmei Opern“. Dies waren oft Geschichten angesiedelt im alten China, die für das Mainstream-Publikum mit vielen „Volksliedern“ versehen waren. „The Grand Substitution“ von Yen Chun (der in dem Film übrigens selbst als patriotischer Physiker/Arzt Ching Yin mitspielt) ist ein sehr gutes Beispiel für eine Oper, die sich um Intrigen, Verrat und Rache dreht.

                    Die Geschichte basiert auf dem Stück "The Great Revenge of the Orphan of Zhao" und ist zunächst ganz einfach. Kaiser Ling ist ein ziemlicher Waschlappen, was das Regieren anbelangt und verlässt sich bei Entscheidungen auf seine Minister. Leider hört er weniger auf den treuen Chao, sondern auf den bösen Minister Tu (genial dargestellt von Ying Li, dem man schon an seinem verkniffenen Gesichtsausdruck und den hochgezogenen Schultern die Böswilligkeit ansieht). Dieser will seinen Rivalen ermorden lassen, doch der Mörder ist ebenfalls ein Patriot und opfert sein Leben, damit Chao diesen Betrug aufdecken kann. Doch Tu dreht es bei der Anhörung beim Kaiser so, dass Chao als Intrigant dasteht.  Natürlich hat Tu bereits ein kaiserliches Edikt vorbereitet, um Chao und seine ganze Familie auslöschen zu lassen. Der Kaiser – immer noch voll der Waschlappen – verhindert das natürlich nicht, da er sich gegen Tu nicht durchsetzen kann. Leider ist die Familie Chao in die Kaiserfamilie eingeheiratet, denn Prinzessin Chuan Ji (Shaw Superstar Li-Li Hua) ist schwanger, was Tu spitzbekommt. Nun, nachdem alle der Familie ausgerottet sind, wartet Tu auf die Geburt. Doch der Arzt Ching Yin schmuggelt den Jungen aus dem Palast. Doch Tu ist nicht blöd und glaubt der Prinzessin die Geschichte der Totgeburt nicht (er lässt auch die Dienerin befragen und foltern – doch die spricht auch nicht. Leider lässt er der Dame die Zunge rausreißen – quasi noch rechtzeitig, denn sie hätte sonst den großen Plan des „Austausches“ zunichte gemacht). Er lässt verkünden, dass alle neugeborenen Babys im Land getötet werden, wenn man das Baby nicht zurückbringt. Der Arzt ist im Zwiespalt und will seinen eigenen Sohn opfern, um den Prinzen zu retten. Das gelingt ihm nur durch seinen Schwager Kung Sun, der alt ist und sich ebenfalls opfert. Nun der Arzt verpfeift Kung Sun, bei dem man das (falsche) Kind findet und der dann als Verräter hingerichtet wird. Das Kind wird getötet und Tu belohnt den Arzt, indem er ihm im Palast aufnimmt und Patenonkel seines Kindes wird (welch Ironie, dass er mit den Prinzen aufzieht). 15 Jahre später begegnet der junge Chiu Wu, der Prinzessin, die ihn für den Sohn des Verräterischen Arztes hält... doch bald kommt natürlich alles raus und zum großen Finale...

                    Wie bei allen anderen Huangmei Opern, geht es hin und her, Intrigen werden gesponnen und führen entweder zum Happy End... oder auch oft nicht. Hier wird alles gut. Der Film ist bunt und hübsch anzusehen, natürlich wird viel gesungen, aber irgendwie werden mir die SingSang-Filme auch nicht langweilig. Das liegt auch oft am nächsten Shaw-Superstad Ivy Ling Po, die ich in jeder Rolle super finde. Für sie wurde in Hong Kong ja auch ein Preis erfunden: Beste Schauspielerin in einer männlichen Rolle. Denn oft spielte sie Männerrollen, wie auch hier. Lustig ist natürlich, dass sie einen 15 Jährigen Jungen spielt und wahrscheinlich genauso alt ist wie Filmmutter Li-Li Hua (Hier muss ich mich korrigieren - Li-Li Hua ist 16 Jahre älter als Ivy Ling Po. Das kommrt zwar hin, aber im Film wird die Prinzessin ja irgendwie nicht älter). Aber darüber sehen wir hinweg. Der Film wurde als Best Picture beim 12. Asian Film Festival ausgezeichnet und – wie sollte es anders sein, ebenso Ivy Ling Po (auf die mal leider rund 80 Minuten warten muss, bis sie auftritt). Außerdem war Ivy Ling Po, der einzige Shaw Star, die ihre Lieder selbst gesungen hat, die anderen wurden immer von professionellen Sängern inspiriert.

                    Fazit: Eine recht flotte Oper, die mit 112 Minuten recht lang, aber nicht langweilig ist. Ein buntes Vergnügen, leider ohne große Schlachtszenen, mit einem rührenden Ende. 

                    « Letzte Änderung: 06. August 2020, 17:03:22 von Elena Marcos »

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                      Die Teufelspiraten von Kau-Lun / The Pirate (1973)

                      Hier haben die Shaw mal ein etwas anderes Genre als Hintergrund gewählt, denn dies ist ein echter Piraten-Film. Natürlich ist er nicht so aufwendig, wie die amerikanischen Vorbilder, sondern passt sich in die Kung-Fu-Schmiede der Brüder perfekt ein.

                      Ti Lung spielt den Piraten Chang Pao, der gerne an der Küste britische Schiffe überfällt. Direkt zu Beginn kapert er ein Boot und stiehlt haufenweise Schätze. Leider hat beim Feuergefecht sein Schiff ein Leck kassieren müssen. Er kann nur weiter, wenn er das Leck repariert. Pao versucht an Land unbemerkt Material zu erwerben, doch das Gebiet steht unter der Fuchtel von Fiesling Xiang, der zusammen mit seiner herrischen Schwester für die Regierung die Bevölkerung (in erster Linie die Fischer) auspresst. Wer die überhöhten Steuern nicht zahlen kann, muss dann die Töchter zum Spottpreis in den Bordellen abgeben. Dieses gemeine Vorgehen erweicht das Herz von Pao, der den Menschen helfen möchte. Zunächst versucht er Xiang als Geschäftsmann übers Ohr zu hauen, um an sein Material fürs Schiff zu kommen. Doch als ein alter Rivale Hua-Ehr aus dem Knast abhaut, sein (kaputtes) Schiff stielt, bleibt Pao nichts anderes übrig, als Xiang zu bestehlen, um sein Versprechen den Fischern zu helfen, erfüllen zu können. Doch dann taucht der edle Händler Wu (David Chiang) auf, der eigentlich für den Kaiserhof arbeitet und den Behörden vor Ort auf die Finger schauen soll – und er soll den gefürchteten Piraten Pao dingfest machen. Die Weichen sind gestellt für jede Menge Keile...

                      Der Film ist an sich ganz ok, was an der schwachen Story liegt. Man durchschaut sofort, dass Wu Sympathien für den Piraten hegt und dass Pao auch sich sofort den Fischern als Robin Hood anbietet. Eigentlich ist der Film wieder Vehikel für jede Menge Action. Die Schlacht auf See vom Anfang bleibt leider die einzige. Zwischendurch gibt es viele Kloppereien, von denen die große am Strand das Highlight des Films ist. Der Mann gegen Mann Kampf von David Chiang und Ti Lung wirkt wie drangeklatscht, weil irgendjemanden auffiel, dass die Superstars noch nicht im Film richtig gekämpft haben. Dieser ist dafür auch miserabel choreographiert – man sieht eindeutig, dass sie aneinander vorbeischlagen... außerdem hat Ti Lung auf einmal einen Bartschatten (ob die Szene nachgedreht wurde???). Vielleicht liegt es auch daran, dass „The Pirate“, der angeblich auf der wahren Legende von Cheung Po Tsai basiert, drei Regisseure verbraten hat. Da man Von Chang Cheh und Wu Ma besseres gewohnt ist, liegt es vielleicht am Einfluss von Pao Hsueh-Li, der aber selbst viele Klassiker gedreht hat.

                      „The Pirate“ ist auf jeden Fall nicht der beste Shaw-Bros Film, aber aufgrund der Piraten Thematik doch erfrischend. Die Blu-ray basiert auf der gekürzten Celestial-Fassung und lässt wohl ein paar Dialoge vermissen, die in der damaligen gekürzten Kinofassung enthalten waren... Egal. Wer mal zwischendurch einen unterhaltsamen Kungfu-Film ohne Tiefgang braucht, ist bei den Teufelspiraten auf jeden Fall richtig. Ti Lung und David Chiang haben schon in einigen anderen Krachern wie „Fan Chu“ und „Zehn gelbe Fäuste für die Rache“ perfekt harmoniert. Das Zusammenspiel macht Spaß und der Film (übrigens jetzt FSK 12 – nicht 16 wie es auf der Hülle steht) ist unterhaltsam, auch wenn er kein großer Wurf ist.


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                        Sumpah Orang Minyak – The Curse of the Oily Man (1956)

                        So – jetzt wird es ein wenig skurril. Denn die Shaw Brothers waren nicht nur in Hong Kong unterwegs, sondern investierten ihr Geld auch in Nachbarländern. Daher gibt es eine ganze Latte an Filmen, die in Malaysia entstanden sind. Viele sind verschollen oder liefen nur dort im TV. You Tube ist manchmal eine interessante Quelle, um wenigstens mal einen Eindruck zu bekommen, was damals Sache war. Einer dieser Filme, die Run Run Shaw dort produzierten war der „Fluch des öligen Mannes“.

                        Hier geht es um einen armen buckligen Mann, der in seinem Heimatdorf immer gehänselt und geschlagen wird. Nur eine Wäscherin setzt sich für den Behinderten ein, der nicht nur ein gutes Herz hat, sondern auch ein begnadeter Künstler. Denn seine Zeichnungen sind atemberaubend. Das führt dazu, dass er tatsächlich irgendwann durch göttliche Kraft, einen vollendeten Körper bekommt. Doch das Böse bleibt wachsam. Die Unholde des Dorfes ermorden nach einer Auseinandersetzung die Liebe seines Lebens und verwüsten die Hütte des Mannes, wo der Bucklige immer gemalt hat. Jetzt ist Schluss mit Lustig. Der Bucklige/Schönling verbündet sich mit Satan und will Rache. Die bekommt er auch: er verwandelt sich in den „Oily Man“ und huldigt dem Teufel. Innerhalb einer Woche soll er 21 Jungfrauen vergewaltigen – und der „ölige Mann“ geht auf die Jagd.

                        Der „Oily Man“ ist ein malaysische Legende, der angeblich nachts junge Frauen entführt. Dass die Angst immer noch vorhanden ist, beweisen heutige Zeitungsberichte. Im Jahr 2012 behaupteten die Bewohner eines Dorfes  die Kreatur gesehen und gehört zu haben. Einige Jahre zuvor trugen lokale Zeitungen sensationelle Berichte über einen mit Messern bewaffneten Vergewaltiger, der mit Öl bedeckt war. Der Film fußt auf dieser Legende, lässt sich aber viel Zeit, die Geschichte des Buckligen zu erzählen. Erst in den letzten zwanzig Minuten ist die Kreatur unterwegs. Auch wenn man nichts sieht, inszeniert Regisseur P. Ramlee eindeutig was das passiert – denn der Ölige ist ein „Rape Man“. Die Produktion sieht zwar für heutige Verhältnisse billig aus, aber greift dennoch dem Shaw Stil vorweg. Die Künstlichkeit der Kulissen sollte es später auch in Hong Kong geben. Ansonsten ist der Film ordentlich inszeniert, auch wenn man lange auf den „Öligen“ warten muss. Die Qualität auf TY ist schwach, was wohl an einer VHS Kassette liegt. Man kann dem Film aber mit etwas Phantasie auch ohne Untertitel folgen. Es gab im gleichen Jahr noch eine lahme Fortsetzung „The Oily Man strikes again“, was keine Shaw-Produktion war und eher in die Ecke Krimi fällt. Doch geschehen Überfälle des Monsters und ein Polizist will herausfinden, wer das ist.

                        1976 drehten die Shaws wohl noch ein Quasi-Remake, wo das Monster allerdings nicht „raped“. Der Film soll bodenloser Trash sein... da komme ich auch eines Tages noch hin. Des Weiteren gab es wohl noch 2007 ein Remake und 2012 ein Zusammentreffen mit einer anderen malaysischen Legende: dem Pontianak, einem weiblichen, fleischfressenden Vampirgeist.

                        So – nun genug... Hier für die, die es nicht lassen können:   

                        « Letzte Änderung: 28. August 2020, 08:43:16 von Elena Marcos »

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                        Offline Elena Marcos

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                          Die 13 Söhne des gelben Drachen -
                          feiner Shawklassiker, der zwar als Epos gehandelt wird, im Grunde aber ein hübsches Familiendrama mit Schlachtszenen ist. War mit zwei Stunden auch gar nicht langweilig, hatte nette Fights und einige blutige Szenen. Ein rundes Shaw-Erlebnis.

                          Meine Güte - ich hatte vor einiger Zeit noch ne Zweitsichtung und habe nichts dazu geschrieben. Nun ist mir der Streifen auch nicht mehr so präsent.

                          Film Art gibt folgende Inhaltsangabe:
                          "Gegen Ende der Tang Dynastie gehen die 13 Söhne von Li Ke-Yung, Herrscher von Sha-To, gegen die Rebellen vor, die die Hauptstadt Changan besetzt haIten. Die 13 Söhne von Li Ke-Yung gelten als gefürchtete Gegner, sie alle sind mit tückischen und perfektionierten Kampftechniken gesegnet. Während der Zeit des Kampfes kommt es aufgrund mehrerer Befehle von Li Ke-Yung mehr und mehr zu Unruhen unter den Brüdern. Li Tsun-Hsin, eigentlicher Mitstreiter und Verbündeter von Li Ke-Yung, sieht im Streit der Brüder seine Chance die Tang Dynastie zu übernehmen. Mit einem hinterlistigen Plan und heimtückischen Fallen, will er die Brüder gegeneinander aufhetzen."

                          Der Film ist eigentlich wieder ein groß angelegter Film, mit aufwendigen Fights und einem Best-of der damaligen Stars. David Chiang, Ti Lung und Ku Feng finden sich genauso darunter. Auch Chen Sing und Bolo Yeung kann man entdecken. Der Streifen ist gut besetzt, toll inszeniert (natürlich Chang Che) und sieht auch toll aus, da viel draußen gedreht wurde. In späteren Shaw Filmen wurden sogar die Schlachtszenen dann im Studio gedreht, wo der Himmel auf die Wand gemalt wurde. Das sah dann schon komisch aus.
                          Hier hingegen gibt es viele tolle Szenen unter freiem Himmel. Der Hauptbestandteil sind natürlich die Massenfights und Schalchtszenen, die wahrscheinlich irgenwann ermüdend wirken. Aber die Shaws wollten bei "The Heroic Ones" mal so richtig aufdrehen. Dre Trailer verrät leider schon die eine oder andere Szene, aber das macht eigentlich nichts - denn von den 13 Söhnen bleiben einige auf jeden Fall auf der Strecke.

                          Neben den Bluray-V.Ö. mit der Neusynchro gibt es auch eine Collectors Edition von filmart, welche die Kinosynchro beinhaltet (und wahlweise dann die Fehlstellen mit O-Ton oder Neusynchro füllt). Die BD Auflagen hatten jedoch das leicht gelkürzte HD-Master als Quelle, weshalb rund 18 Sekunden fehlen, gegebüber der DVD-Erstauflage. Man muss aber dazu schreiben, dass in HK die Celestial DVDs oft "restaurierte" Fassungen beinhalteten, die oftmals Beschädigte Stellen und Filmrisse einfach wegließen und deshalb Szenen vermissen ließen, die in den "gekürzten" deutschen Kinofassungen vorhanden waren.

                          Egal - die "13 Söhne des gelben Drachen" ist ein Zwei-Stunden-Kungfu-Schwertkampf-Klopper, dem man jedem Shaw Fan (und dies es mal werden wollen, wie der Markus zum Beispiel) ans Herz legen kann. Man macht nichts falsch. Er gilt als einer der besten von Chang Che - ich fand ihn zwar sehr gut, aber als einer der besten würde ich nicht behaupten. Vielleicht mache ich eines Tages nochmal eine Sichtung und lasse ihn nochmal auf mich wirken.



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                            Ich fülle mal die alten Reviews hier etwas auf:

                            Die Bande des gelben Drachen
                            - seltener Shaw Bros Film mit vielen Kungfu-Fights - trotz angeblich verschachtelter Geschichte. Nun - eine Gangsterbande heuert einen Killer an um eine Karateschule auszuheben (die angeblich voller Gangster wäre). Unser etwas unbedarfter Killer lässt sich an der Nase herumführen, unter anderem stehlen die Bösewichter dem Typen seine Messer und bringen damit Leute um. Der frühere Kinderfreund des Killers ist nun wieder in der Stadt und gibt den Zoll-Polizisten. Zuerst versuchen die beiden zusammen dem zwielichtigen Obergangaster auf die Spur zu kommen, doch später verdächtig der Polizist seinen Freund dann doch der Täter zu sein. Am Ende kommen sie dem Oberfiesling auf die Spur - der natürlich Japaner ist.
                            Bis dahin gibt es einiges auf die Mütze, es geht unheimlich viel zu Bruch und bei den Fights fliegt die Opfer allesamt durch irgendwelche Fenster. Gegenende wird es bei einer Schlacht am Hafen sogar richtig blutrünstig... Im Grunde gibt es 90 Minuten flotte Unterhaltung mit allen Shaw Zutaten. Die Kino Synchro rauscht ziemlich, was aber wohl dem seltenen Material geschuldet ist. Kein Großes Highlight, aber keineswegs schlecht. 

                            Diesen recht seltenen Shaw-Film gab es nur gekürzt im Kino und auf VHS. Dank T.V.P. gibt es eine kleine aber feine DVD Auflage, die uns den Streifen ungekürzt zugänglich macht.
                            Der Kungfu-Fan kann auf jeden Fall einen Blick riskieren.


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                              Diesen Shaw Streifen möchte ich gerne jedem doch ans Herz legen. Denn "Die Blutsbrüder des gelben Drachen" haben mir sehr gut gefallen.

                              Die Blutsbrüder des gelben Drachen

                              - das Zweistunden Epos mit David Chian, Ti Lung und Chen Kuan-Tai ist ein ebenfalls kurzweiliger Shaw Bros Film aus der Hand von Chang Che, der allerdings sehr zurückhalten agiert (was die Blutfontänen angeht). Die Geschichte um drei Blutsbrüder, die sich durch Ehrgeiz, Gier und Intrigen entzweien (oder vielmehr entdreien) findet man in dem später entstandenen Remake "Warlords" mit Jet Li, Andy Lau und Takeshi Kaneshiro wieder. Die Geschichte entwickelt sich hier eher langsam. Ti Lung gibt den "Ma", der von Ehrgeiz zerfressen, unbedingt am Kaiserlichen Hof zum General aufsteigen will. Als er den Banditen Cheng und Huang über den Weg läuft, engagiert er sie und beginnt Räuberbanden auszuheben. Durch seine strategischen erfolge wird er an den Hof berufen und steigt auf. Später lässt er seine Blutbrüder zu sich holen, um mit ihren in die Schlachten zu ziehen. Der Haken ist nur: Huang ist verheiratet, schert sich aber nicht um seine Frau, die sich in Ma verliebt. Es kommt wie es kommen muss: Ma schickt Huang auf einen Auftrag, von dem er nicht zurückkehren soll. Cheng kommt dahinter und versucht seinen Bruder aufzuhalten - doch vergeblich. Huang wird ermordet und Cheng schwört Rache - es kommt zum Duell.
                              Die Story klingt größer angelegt, als sie ist. Wir folgen der Freundschaft der drei unterschiedlichen Charaktere (die sehr plakativ dargestellt werden) und können uns das bittere Ende ausmahlen (besonders da der Film als Rückblende erzählt wird und wir wissen, dass Cheng für den Mord an Ma vor Gericht kommt). Dennoch ist die Figurenkonstellation nicht schwarz/weiß - ganz im Gegenteil. Huang ist zwar ein Hurenbock und vernachlässigt seine Frau - ist aber Ma treu ergeben und würde ihm nie etwas schlechtes nachsagen und scheitert damit. Für Cheng hingegen, der sich sonst immer im Hintergrund hält, fällt die Entscheidung zwischen Ma und seinem Bruder schwer, scheitert aber kläglich. Und auch Ma ist die Freundschaft nicht egal - er versucht auch der Liebe nicht nachzugeben (hier scheitert er auch, weil diese erwidert wird) - und scheitet vor allem aufgrund seines Ehrgeizes. Im Grunde ist das Thema des Filmes "Scheitern" in jeder Hinsicht ... wo der Film jedoch nicht scheitert sind, zahlreiche Kung-Fu und Schwertkampfszenen, die wieder meisterhaft in Szene gesetzt sind, aber weniger blutig daherkommen wie etwas in "Pirat von Shantung" usw. Fazit: Großer Shaw Film, der eben die Vorlage für den ebenfalls grandiosen "Warlords" war, aber weniger von epischen Schlachten sondern von Freundschaft erzählt.

                              Die Blutsbrüder des gelben Drachen
                              - Zweitsichtung dieses grandiosen Shaws. Düsteres Drama um Freundschaft, Macht und Verrat. Ich hab den nochmal als Vorbereitung gesehen, weil hier mit "The Warlords" das Remake (Li, Kaneshiro, Lau) bereitliegt.

                              Ich fand den Film im Nachhinein betrachtet sehr mitreißend und gut gespielt. Ich persönlich würde das "Original" bevorzugen, aber man kann den Shaw Film nicht unbedingt mit dem Remake vergleichen. Durch die veränderte Figurenkonstellation ergeben sich auch ganz andere Charaktere. So viel ich weiß, beruht die Story auf wahren Begebenheiten. 1870 gab es einen Anschlag auf einen Stadthalter, was die Vorlage für die beiden Filme gab. Ich persönlich finde die schauspielerischen Leistungen von David Chiang, Chen Kuan-Tai und Ti Lung herausragend.
                              Die Bluray von filmart in der Collectors Edition ist die einzige Uncut V.Ö. des Films und beinhaltet wieder die Wahl zwischen Mischform (Kino- mit Neusynchro) oder anderen Varianten.

                              Dieser Film sollte in keiner Shaw Sammlung fehlen.


                              "Wir laufen keinen Trends hinterher, wir SETZEN welche!"


                              Offline Elena Marcos

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                                West Chamber (1965)

                                Mit der westlich gelegenen Kammer produzierten die Shaws wieder das, was sie am besten können: eine leichte „Huangmei Oper“. Bei diesen Stoffen kommt einem schnell in den Sinn, das dies nichts anderes ist, was wir hier als „Bauerntheater“ ansehen. Die Storys ähneln sich oft, sind von vielen Liedern durchzogen (wie bei Disney Filmen) und bieten oft unnötige Hin-und-Her-Szenen, die die Handlung nicht immer voranbringen. Auch „West Chamber“ ist so ein Fall – hat aber einmal wieder viele Schauwerte, denn Kostüme und Kulissen sind Shaw-Typisch phänomenal und er hat erneut: Ivy Ling Po in der Hauptrolle.

                                Die Geschichte ist simpel. Zhang (Ivy Ling Po – mal wieder in der Männerrolle) ist Student und auf dem Weg in die Hauptstadt, um sein Examen abzulegen. Er macht in einem Tempel Station, wo auch die Familie des kürzlich verstorbenen Premierministers untergekommen ist. Sie möchte eigentlich die Leiche des Vaters zum Begräbnis in die Heimatstadt schaffen, doch Angriffe von Rebellen auf der Reiseroute verzögern dies. Zhang trifft zufällig auf die Tochter des Hauses, Yingying, und verliebt sich. Er bittet den Abt, in die „West Chamber“ einziehen zu dürfen, die „Next Door To Yingying“ liegt. Nach einigen Spenden, stimmt der oberste zu. Doch die Witwe und Mutter von Yingying ist eine herrische Frau, die niemanden an die Familie lässt. Als die Rebellen vor den Toren auftauchen und der Rebellenführer Yingying zur Frau nehmen will, verspricht die verzweifelte Mutter jedem die Hand ihrer Tochter, der die Rebellen verjagen kann. Zhang ersinnt einen Plan und kann die Gefahr abwenden. Doch die Mutter, denkt nicht daran beide zu verheiraten und bricht ihr Versprechen. Daraufhin können sich die Geliebten nicht sehen und müssen sich heimlich treffen...

                                Nun – dann beginnt besagtes hin und her. Schreiben von Gedichten, nächtliches Ständchen mit der Laute, der Student wird krank vor Liebeskummer usw. Mittendrin ist Yingyings Dienerin Hong Niang, die beide gegeneinander ausspielt und die Turteltauben immer wieder zusammenbringt. Sie bekommt am Ende des Films auch die Schläge ab, als die Mutter herausfindet, dass sich die beiden treffen – aber das ist auch schnell vorbei.
                                Leider geht dem Film deshalb auch etwas die Luft aus – die beiden kommen nicht richtig zusammen – anstatt direkt bei der Mutter auf den Putz zu hauen. Das streckt den Film auf 108 Minuten. Er sieht zwar wieder bunt und hervorragend ausgestattet aus, täuscht aber nicht darüber hinweg, dass die West Chamber und der Garten die Dreh-und Angelpunkte sind. Der Angriff der Rebellen usw. sind nur kurze Szenen – Schlachtsequenzen usw. gibt es gar nicht. Was bleibt ist ein leichter, amüsanter, kaum tragischer Film, den Griffin Yueh Feng auf die Leinwand bringt. Im Gegensatz zu etwa „General Hua Mu-Lan“ (ebenfalls mit Ivy Ling Po) oder dem tragischen Hammer „The Last Woman of Shang“ (mit Linda Lin Dai) ist „West Chamber“ ein laues Frühlingslüftchen, dass die Haut streichelt und niemanden wehtut.

                                Wenn man sich den Film zu Gemüte führt, dann nur wegen Ivy Ling Po, die als einzige Shaw-Darstellerin die Lieder selber sang (alle anderen Schauspieler wurden von professionellen Sängern vertont) und gerade in Männerrollen brillierte. (Natürlich auch als Frau – 14 Amazons ist legendär).

                                Fazit: Netter Zeitvertreib, hübsch zum Anschauen – aber auch nicht mehr. Die Geschichte gibt das nicht her und reißt auch nicht so emotional mit, wie sonst.

                                Kurzer Nachtrag: Auf YT hab ich einen Stummfilm von 1927 entdeckt, der die gleiche Geschichte erzählt. Anscheinend ist auch diese eine bekannte Legende.

                                « Letzte Änderung: 31. August 2020, 13:23:19 von Elena Marcos »

                                "Wir laufen keinen Trends hinterher, wir SETZEN welche!"


                                Offline JasonXtreme

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                                  Also den Warlords kenn ich, der war nicht übel, und basierte meines Wissens wirklich auf einer realen Geschichte
                                  Einmal dachte ich ich hätte unrecht... aber ich hatte mich geirrt.


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                                    Also den Warlords kenn ich, der war nicht übel, und basierte meines Wissens wirklich auf einer realen Geschichte

                                    Genau - beide Filme basieren auf der gleichen wahren Begebenheit. Ob sie natürlich sich so zugetragen hat, wie in den Filmen dargestellt bezweifle ich. Aber man sieht, wie sich Drehbuchautoren von solchen Ereignissen inspirieren ließen. Auch "Hero" basiert ja angeblich auf wahren Geschehnissen.

                                    "Wir laufen keinen Trends hinterher, wir SETZEN welche!"


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                                      The Skeleton Ghost / Hantu Jerakung (1957)

                                      Diesen Film aus Malaysia hab ich nur durch Zufall entdeckt, weil ich nach anderen Shaw Produktionen gesucht habe. Doch tatsächlich ist „The Skeleton Ghost“ eine Prduktion von Run Run Shaw und ist in der imdb unter dem Originaltitel gelistet.

                                      Er steht den anderen Produktionen eigentlich in nichts nach, denn auch hier werden dem Zuschauer mit ganz billigen Mitteln (Überblenden, Schnitten, Verzerrungen usw.) Effekte vorgegaukelt, die dennoch irgendwie creepy aussehen. „Hantu Jerakung“ ist wieder ein Horrorfilm, der aber ganz den 50er Produktionen immer noch dem Massengeschmack entspricht.

                                      Es geht um die Schamanin Mak Hitam, die gerne ihr Leben verlängern möchte und deshalb geht sie einen Pakt mit dem Teufel (oder Dämon ein). Der lebt in einem Totenschädel und erscheint immer als Teufelsfratze, wenn sie ihn beschwört. Doch dann stirbt die Schamanin und soll begraben werden. Doch sie erhebt sich im untoten Dasein und wandelt nun als Geist umher. In dieser Nach müssen die ersten Menschen sterben. Sie erscheint auch dem Ehepaar Ajis und Ramlah, die vor Angst das Dorf verlassen und weiterziehen. Sie finden in einem hübschen Dorf Unterschlupf, wo sich vor kurzen ebenfalls eine Schamanin niedergelassen hat. Natürlich ist diese Frau vom Geist Mak Hitams besessen und richtet weiteres Unheil an. Unter anderem wirft sie ein Auge auf Musa, der gerne heiraten möchte. Doch mittlerweile vermutet der Dorfälteste Tok Penghulu, dass jemand im Ort mit dem Teufel im Bunde ist...

                                      Neben den grusligen Szenen, wir der Rest mit dem Liebesdrama rund um Musa und seine Braue, wie auch die mehr Komischen Szenen zwischen Ajis und seiner Frau, aufgefüllt. Es gibt auch wieder lustige Sing Sang-Einlagen, zum Beispiel, wenn das Dorf zur Arbeit auf die Felder zieht. Ansonsten ist „The Skeleton Ghost“ ein typischer Vertreter der malaysischen Shaw-Welle, von denen höchst wahrscheinlich nur die Horror-Streifen überlebt haben. Denn die Dramen sind kaum zu finden. Höchstens noch ein paar Komödien sind auf YT zu sehen. Wer keine Probleme mit O-Ton hat, hier die Gruselmär mit englischen UT:

                                      « Letzte Änderung: 25. September 2020, 14:20:50 von Elena Marcos »

                                      "Wir laufen keinen Trends hinterher, wir SETZEN welche!"


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                                        Du haust Dir Zeug rein, Dirkster - ich wusste nichtmal, dass es die Sachen gibt :D
                                        Einmal dachte ich ich hätte unrecht... aber ich hatte mich geirrt.


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                                          Du haust Dir Zeug rein, Dirkster - ich wusste nichtmal, dass es die Sachen gibt :D

                                          Das wusste ich auch nicht. Erst wenn mann etwas recherchiert - kommt recht schräges Zeug ans Licht.

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                                            Fan Chu – Tödliche Rache / Duel of Fists (1971)

                                            Nun springen wir mal wieder in die guten 70er. Black Hill und Koch Media heben sich zurzeit mit Veröffentlichungen von Shaw Klassikern auf Bluray (und DVD) hervor. Unter anderem mit diesem feinen Klopper, der mal nicht als Period-Movie kommt, sondern gleich in den 70ern angesiedelt ist.

                                            Fan Chu (David Chiang) ist Architekt in Hong Kong und ein richtig feiner Kerl. Als sein Papa stirbt, erfährt er von seinem Halbbruder, der in Thailand lebt. Außer einer Kinderfotographie und der Hinweis nach einer Tätowierung, weiß er nichts von ihm. Es wird aber schnell klar, dass der erfolgreiche Boxer Wen Lieh (Ti Lung) der Gesuchte ist. Der hat gerade Probleme mit der örtlichen Boxer-Mafia. Nun – nach der Familienzusammenkunft mischen die beiden dann die Unterwelt richtig auf.

                                            Ich hatte den Film vor einiger Zeit gesehen und das hier geschrieben:

                                            Fan Chun - Tödliche Rache
                                            - eigentlich müsste es Fan Ke heißen. Das Thailand-Boxer Drama von den Shaws brilliert mit hübschen Außenaufnahmen, einer flotten 70er Jahre Synchro und mit david Chiang, der mit typischen Hippie Klamotten, von Batikhemd bis Streifenhose, sich durch die Bösewichter kloppt. Dazu bekommt er noch einen Bruder in Gestalt von Ti Lung und die machen die Kampfszenen so richtig perfekt. Toller Shaw-Klassiker, der mal nicht im "Historischen" Gewand daherkommt.

                                            Nun – es hat sich nicht viel geändert. Der Film ist super unterhaltsam. David Chiang hat immer einen Spruch auf den Lippen, trägt schreiend grelle 70er-Klamotten und lässt keine Prügelei aus. Originell ist die Story natürlich nicht, aber von Chang Cheh wieder hervorragend in Szene gesetzt. Der Film zwischen Boxerdrama und Kungfu-Film ist sehr unterhaltsam und war anscheinend auch erfolgreich, denn mit The „Angry Guest“ gab es gleich eine Fortsetzung, die an das Original lückenlos anschließt. Ein Vergleich mit Bloodsport wäre jetzt an den Haaren herbeigezogen, aber ich würde „Duel of Fists“ so in die Sparte einräumen... obwohl es auch nicht um ein Turnier geht.

                                            Fazit: sehr guter Shaw, der im modernen Ambiente absolut punkten kann.


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                                            Offline Elena Marcos

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                                              Bujang Lapok (1957)

                                              Bei den Shaw Produktionen aus Malaysia muss ich mal einen Abstecher in das Comedy Fach wagen. Denn manchmal ist man dem Humor der Asiaten nicht immer gewachsen. Aber auch hier produzierte Run Run Shaw einen Hit, der noch vier weitere Filme nach sich ziehen sollte. Doch die standen nicht unbedingt im Zusammenhang. Im Zentrum stehen die drei Schauspieler Aziz Sattar, S. Shamsuddin und P. Ramlee, die immer mitspielen sollten. Letzterer ist übrigens der Regisseur, Autor und auch Komponist des Films. Denn auch hier wird hin und wieder mal gesungen und Lieder gespielt.

                                              Die Story ist eigentlich so universell, dass sie fast auch in Amerika funktionieren könnte. Denn die drei sind etwas in die Jahre gekommene Junggesellen, die im Haus der Witwe Cik Normah ein Zimmer haben. Die Jungs sind eigentlich arm und bis auf Sudin haben die eigentliche keinen richtigen Job. Ramli ist zwar Handelsvertreter, kann aber nicht unbedingt seine Produkte absetzen (Parfüm und falsche Zigaretten). Da es eine Komödie ist, kommt es zu vielen witzigen Szenen – etwa direkt am Anfang, als sie zusammenlegen um fürs Abendessen ein Huhn zu kochen. Sie leihen sich einen Ofen der Wirtin und legen los – was allerdings im Chaos endet. Das Huhn ist hart wie Stein und total versalzen.
                                              Im Grunde geht es aber um die Beziehungen der drei. Ramli verabredet sich ständig mit  hübschen Mädchen, die ihn jedoch immer ausbeuten und über den Tisch ziehen. Er findet die Witwe zwar total cool, aber leider ist die wohl an einen jungen Mann vergeben, den sie heiraten möchte. Sudin hat das größte Problem, denn er ist in das Mädchen von gegenüber verliebt. Aber Zaiton möchte ihre Tochter an einen reichen Mann verheiraten, denn sie selbst ist aus gutem Hause (sie besitzt ganze zwei Diamantringe). Die zwei treffen sich immer heimlich und werden von Zaitons kleinem Bruder immer erpresst, der über alles Bescheid weiß. Aziz ist der dritte im Bunde und bandelt mit der jungen Saphia an, die er bei einem Selbstmordversuch aus dem Fluss zieht. Denn ihr Vater spielt, trinkt und verkauft auch schon mal seine Tochter, um die Schulden zu begleichen. Doch gemeinsam schaffen es die Junggesellen alle Probleme zu lösen, manchmal mit List oder auch roher Gewalt...

                                              Ich gebe zu, erwartet habe ich nichts, aber je länger der Film ging, desto besser wurde er auch. Denn sicherlich hat er eine typische Komödien-Struktur, spricht aber durchaus ernste Themen an (etwa der Vater, der seine Tochter prostituiert). Es gibt viel Situationskomik, aber auch eben auch einen Charakter-basierten Plot, so dass der Film gar nicht so platt daher kam. Vor allem hält sich die typische asiatische Komik (anders als bei den HK-Chinesen) im Rahmen und stört nicht. Mal abgesehen von der Story ist der Film auch die Dokumentation des 50er Lebens in Malaysia. Man bekommt einen kleinen Eindruck vom Leben und der Kultur, was auf der einen Seite exotisch anmutet, auf der anderen Seite doch irgendwie sehr westlich wirkt. Mir hat er auf jeden Fall Spaß gemacht. Die Jungs um Regisseur P. Ramlee haben noch vier weitere Filme gemacht, der letzte war 1985. Nicht jeder wurde von den Shaws produziert (witzig ist übrigens, dass im Vorspann neben den Namen immer die Gesichter eingeblendet sind), aber oft von Shaw vertrieben.

                                              Für Leute, die Lust auf Experimente haben – hier der Film auf YT mit englischen UTs:



                                              "Wir laufen keinen Trends hinterher, wir SETZEN welche!"


                                              Offline Elena Marcos

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                                                The Pearl Phoenix (1966)

                                                Zur allgemeinen Erheiterung gab es gestern mal wieder eine Huagmei-Oper. Das Schema bleibt wie immer gleich. Der Top-Student Wen Bizheng begegnet im Garten eines Nonnenklosters der hübschen Huo Dingjing, die ihren Haarschmuck in Form eines Perlen-Phönix verliert. Der Student verliebt sich und will den Haarschmuck nicht hergeben. Die Dame muss schnell nach Hause. Wen entwickelt den Plan sie wiederzusehen und lässt sich als Diener im Hause Huo anstellen. Hier kommt es dann zur Begegnung und beide schwören sich ewige Liebe. Doch Wen will erst sein Examen machen und dann wiederkommen, um Dinjing zu heiraten. Leider hat die böse Stiefmutter die Tochter ihrem Neffen aus dem Hause Zhuo versprochen. Damit nimmt das Unheil seinen Lauf. Der Student ist nichtsahnend auf dem Wege nach Hause. Dinjing will jedoch nicht heiraten. Sie setzt gemeinsam mit ihrer Dienerin setzen ihr Haus in Brand und fliehen zusammen als Männer verkleidet nach Loyang, um Wen zu finden. Auf ihrer Reise begegnen sie einem hohen Beamten, der Dinjing (als Mann) als Pflegesohn adoptiert. Schneller als sie gucken kann, wird sie zum General-Inspektor befördert. Doch die Steifmutter war nicht untätig und schreibt ihrem Bruder, dass er  Wen verhaften soll. Er wird des Mordes an Dinjing angeklagt (er soll den Brand gelegt haben) und kommt ins Gefängnis. Der böse Onkel besticht zudem den Gefängnisaufseher, der den unschuldigen Studenten vergiften soll. Als Dinjing in Loyang ankommt erfährt sie von dem Tod ihres Geliebten und macht sich als „Inspektor“ an die Aufklärung...

                                                Natürlich entwirrt sich die Geschichte bis zum Ende hin. Wen ist nicht Tod, der Pflegevater erfährt, dass sein Adoptivsohn ein Mädchen ist und die Geliebten finden wieder zusammen. Natürlich ist der ganze Film, der Shaw-Typisch toll ausgestattet ist, wieder mit viel Singsang durchzogen (ist ja auch eine Oper). Der leichte Ton bleibt aber bei und lässt den Film nie ins Tragische kippen. Die Spannung kommt natürlich daher, weil der Zuschauer wissen möchte, wie alle aus ihrem Lügengeflecht/Katz-Maus-Spiel herauskommen.
                                                Absurd ist natürlich wieder die Rollenverteilung. Der Student Wen wird von Schauspielerin Hsiao Hsinag verkörpert, die zwar mit einem strengen männlichen Gesicht aufwarten kann, aber leider nicht so überzeugend ist, wie Ivy Ling Po, die immer diese Rollen gespielt hat. (Irritierender Weise singt Ivy Ling Po die Songs von Hsiao Hsiang – dann hätte sie es auch gleich machen können). Das Highlight ist jedoch eher Li Ching, die als Dinjing die Wandelung von der hübschen Tochter zum ernsthaften Beamten glaubhaft darstellt. Allerdings sieht man ihr die „Weiblichkeit“ immer an – aber man nimmt es an, denn es ist ja irgendwie ein Märchen. Der Film ist mit 94 Minuten recht flott und unterhaltsam, aber eben kein großes Highlight, sondern einfach leichtes „Bauerntheater“ (oder Rosemunde Pilcher in Shaw Form). Kein Meisterwerk, aber für den Abend mal gut zum Abschalten.

                                                Hier der Trailer:


                                                "Wir laufen keinen Trends hinterher, wir SETZEN welche!"