The Kingdom and the beauty / Jiang Shan Mei Ren (1959)
Nach „Diau Charn“ kam der nächste große Shaw-Farbfilm, der eine wunderbare Geschichte versprach. Ein sensationelles Drama um Liebe und Romantik – ein Märchen, das wir nur allzu gut kennen. Der Kaiser möchte das einfache Leben kennenlernen und reist inkognito durch das Land. Bei einem Umzug sieht er eine Frau, die ihn fasziniert. Das hübsche Mädchen arbeitet in einem Gasthaus und kommt aus armen Verhältnissen. Doch die beiden begegnen und verlieben sich. Doch der Kaiser wird von seiner Mutter an den Hof zurückbeordert und soll eine Frau aus reichem Hause heiraten. Der Hofstaat bringt den jungen Mann auf andere Gedanken und bald vergisst er seine große Liebe, die ein Kind von ihm erwartet. Doch dann wird sie krank und der Schwager macht sich auf den Weg in die verbotene Stadt…
Im Grunde gibt es hier wieder das ganze Shaw Programm (noch ohne Kung Fu). Die Fraben sind knallig, die Kulissen künstlich (da Studio) und das Drama ist an sich zuckersüß. Die erste habe Stunde glänzt vor Heiterkeit. Zhao Lei (ebenfalls aus Diau Charn oder anderen frühen Shaw Filmen, bis zu einer seiner letzten Rollen in Just Heroes 1989) gibt den Kaiser als naiven jungen Mann, der eine ungeheure Leichtigkeit an den Tag legt. Linda Lin-Dai gibt das Aschenputtel ebenfalls hervorragend, ebenfalls mit jugendlicher Sorglosigkeit, was manchmal in albernem Gebaren endet. Doch zusammen geben die beiden ein hübsches Paar ab.
Was 1959 so leicht erscheint, wird wahrscheinlich heute anders bewertet, denn der Kaiser ist unheimlich übergriffig, was seine Annäherung anbelangt, was natürlich zur ersten Nacht (kann man als Vergewaltigung sehen) und der Schwangerschaft führt. Früher habe ich diesen Film eher als Märchen gesehen. Mit seinem Singsang und den hübschen Liedern macht der Film auch genau diesen Eindruck, ist aber in Wirklichkeit eine bitterböse Geschichte. Denn der Kaiser lässt die Liebste zurück und vergnügt sich mit einem Harem. Erst als es der Dame schlecht geht und der Schwager auftaucht (King Hu als Ta Niu … also DER King Hu!!!), erinnert sich der Kaiser an sein Versprechen und lässt die Herzensdame an den Hof bringen.
Und hier haben wir genau die klassische Shaw-Drama-Formel: denn, wenn es aussieht ob alles in Ordnung geht, bekommen wir in den letzten Minuten den Tritt in die Eier und die Breitseite in die Fresse. (Das geht aus anders herum – wenn es ausweglos aussieht, kommt das Happy End aus dem Nichts). Im Grunde genommen kann jeder sich nun ausmalen, wie es zu Ende geht – im Grunde wird jeder für seine Taten bestraft. Der ganze Film baut bis zum Ende eine Hoffnung auf, die er dem Zuschauer gnadenlos zerschlägt. Deshalb kann ich sagen – das geht hier nicht gut aus.
Dennoch bekommen wir hier eine wunderbare „Huangmei“-Oper, mit denen das Studio lange Jahre gut Kasse machen konnte. Der Film ist 95 Minuten hübsch anzusehen und durchaus unterhaltsam. Natürlich ist das Genre nicht jedermanns Sache – daher sollte man die Huangmeis für sich antesten. Ich hingegen liebe die Filme mit Ivy Ling-Po, die als einzige Schauspielerin selbst gesungen hat. Die anderen bekamen von Profis eingesungene Lieder auf die Lippen gezaubert.
Die Celestial DVD aus HK ist in Vollbild und besitzt wie alle Editionen englische Untertitel.
Hier der kurze Celestial-Trailer: