Sehen und sterben lassen – der italienische Söldnerfilm

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Offline Elena Marcos

  • a.k.a. Dirk
  • Moderator
  • *****
    • Come on in ... hahahahahahahahahah
      • Show only replies by Elena Marcos
    The last Hurrah - Teil 1

    Bevor ich mit dem nächsten Genre anfange – braucht es auch hier ein wenig Vorbereitung. Ich hab mir das Buch von Michael Cholewa zur Brust genommen und auch hier im Vorwort mir mal einige Titel notiert. Natürlich hat der Söldnerfilm in Italien die Wurzel in amerikanischen Vorbildern – von den Kriegsfilmen der 60er bis zum Rambo-Man-on-a-Mission Movie der 80er Jahre... oftmals haben sich die Italiener schnell an den Streifen bedient und billige Rip-offs produziert. Da ich mich in dem Genre allerdings nicht ganz so gut auskenne, hol ich aus filmhistorischer Sicht einiges nach – vielleicht nicht ganz chronologisch, aber immerhin.

    Ich mache hier auch einen kleinen Break - denn ich muss noch die 70er und 80er - Vorbilder abarbeiten, werde dafür noch einen zweiten Post einschieben...

    Eigentlich wollte ich mit den „Kanonen von Navarone“ von 1961 beginnen, doch griff erstmal zum 1962 entstandenen „Der längste Tag“:

    Der letzte große in Schwarz/Weiß gedrehte Kriegsfilm lag mir als TV-Aufzeichnung von Kabel Eins vor. Leider wurde der in Vollbild gesendet – und in einer colorierten Fassung. Warum ein Film, der einen Oscar für seine S/W-Fotographie bekommen hat, später nachcoloriert wurde, entzieht sich meiner Kenntnis. Macht aber auch keinen Sinn.
    Das große Plus des Dreistunden-Epos ist vor allem die Besetzungsliste. Bestimmt dreißig bis vierzig hochkarätige Stars treten hier auf. Viele haben nur wenige Sekunden Screentime. Da tummeln sich John Wayne, Robert Mitchum, Henry Fonda, Gert Fröbe, Richard Burton, Peter Van Eyck, Curt Jürgens... mal hüpft Sean Connery ins Bild oder Dietmar Schönherr. Das Staraufgebot macht einen schwindelig. Mel Ferrer, Robert Wagner, Loriot oder Roddy McDowell konnte ich nicht ausmachen. Der Film basiert auf einem Buch und beschreibt detailliert die Vorbereitung und Umsetzung des D-Day. Der Film ist megaaufwendig – riesige Schlachtszenen mit hunderten Darstellern. Wenn die Landung in der Normandie nicht auch Spielberg für „Jamey Ryan“ beeinflusst hat (oder eben die historischen Gegebenheiten). Doch in der Umsetzung liegt ein riesiger Kritikpunkt. Es gibt zu viele Figuren und kleine Handlungsstränge, so dass keine durchgehende Geschichte erzählt wird, die mich als Zuschauer packen konnte. Man kommt schnell in Durcheinander – die Zuordnung der Ereignisse ist schwierig und die Abläufe kommen ganz schnell hintereinander. Zudem ist der Film von drei Regisseuren inszeniert – so dass der Film in den britischen, amerikanischen und deutschen Part zerfällt und dann zusammengepuzzelt wurde. Zudem zerfällt der Film auch dramaturgisch in drei Teile – von der Vorbereitung bis zur Invasion. Die letzte Stunde ist nur noch Materialschlacht – selbst das war dann irgendwann etwas ermüdend. Dennoch bleibt ein großer Hollywood-Film mit einer unglaublichen Stardichte und einer wohl sehr authentischen Aufbereitung des Themas. Aber kein Unterhaltungsfilm, den ich mir unbedingt nochmal ansehen müsste.

    Die Kanonen von Navarone (1961):
    Ein echter Klassiker des Kriegs/Action/Men-on-a-misson-Films. Ob das der erste ist, wage ich zu bezweifeln, aber hier sind schon die „Expendables“ und „Söldnerfilm“-Blaupausen ersichtlich. Gregory Peck schart eine Truppe von Spezialisten um sich, um die Kanonen von Navarone in die Luft zu sprengen. Denn mit denen beherrschen die deutschen die Ägäis und können nahezu jedes Schiff zerstören. Die Insel wird scharf bewacht, deshalb müssen das echte Profis ran... Peck spielt einen Bergsteiger, die eine Steilwand erklimmen soll... dann haben wir noch seinen alten Partner Stavros (Anthony Quinn), der ihn nach dem Krieg umbringen will, weil er seinem Kameraden die Schuld am Tode seiner Familie gibt – und dann ist das noch David Niven, als britischer Sprengstoffexperte. Dann haben wir noch einen Profikiller und einen Griechen, der aus der gegens stammt, sowie einen Offizier, der zunächst Kommandogeber ist. Der Film ist mit zweieinhalb Stunden verdammt lang und erzählt vom Zusammenstellen der Truppe über die Planung bis zur Ausführung. Dabei geraten die Helden von einem Schlamassel in den andren. Der Befehlshaber wird verletzt und muss rumgetragen werden, ein Teil der Ausrüstung geht flöten und ständig werden sie von den Deutschen verfolgt... vielleicht ist ein Verräter unter ihnen? Spannend bleibt es jedoch bis zum großen Finale – wo die Truppe in die Festung eindringt, um die Sprengsätze zu legen.
    Inszeniert ist das mit viel Kohle, aufwendigen Sets und Kostümen, sowie vielen Ballereien und Explosionen. Der Film von J. Lee Thompson (ja – der später Norris und Bronson Filme für Cannon machen sollte oder Slasher wie „Ab in die Ewigkeit“) ist pures Abenteuer/Action-Kino der 60er im historischen Gewand und basiert auf einem Buch von Allistair McLean. Es gibt sogar noch eine Fortsetzung, wo Robert Shaw die Rolle von Peck inne hat. Für mich war das ein spannender aufwendiger Film, der übrigens in der Ultimate DVD-Edition und auf Bluray mit viel Bonusmaterial daherkommt. Fazit: Klassiker, der mit einer sehr guten Besetzung und einem spannenden Plot zu unterhalten weiß.

    Der wilde Haufen von Navarone / Force 10 from Navarone (1978):
    Tja – eine Fortsetzung. Wie so oft sollte das Thema/Schema des Originals aufgekocht werden. Naja – auch hier muss Major Mallory mit einer Truppe etwas zerstören, zum Beispiel eine Brücke. Ich dachte mir, schau mal ... und dann dachte ich: schau mal richtig hin – und bekam ein hochwertiges Actionabenteuer von Bond-Regisseur Guy Hamilton mit einem Bombencast. Zehn Jahre später standen Gregory Peck und David Niven nicht mehr zur Verfügung und wurden durch Robert Shaw und Edward Fox ersetzt. Aber die Jungs machen ihren Job richtig gut. Wenn man Peck mal mit Shaw vergleicht, gibt es sogar Ähnlichkeiten. Fox bleibt am Anfang etwas blass – dreht aber gegen Ende als englischer Gentleman voll auf. Der Rest ist einfach nur Kino-Spaß pur... denn Harrison Ford spielt den Anführer der Titelgebenden „Force 10“ – und wir begegnen auf dem spannenden Abenteurer-Trip Carl Weathers, Barbara Bach, Franco Nero und ... Richard Kiel als Captain Drazak. Das ganze ergibt dann keinen Müden Aufguss, sondern ein hochwertiger Actionknaller, der richtig Spaß macht. Er ist zwar FSK 12 – aber der Kriegshintergrund und die Mission machen daraus schon eine ernste Angelegenheit. Mit Humor, vielen Explosionen und grandios aufgelegten Schauspielern hab ich zwei Stunden Unterhaltung pur gehabt, die ich so nicht erwartet hätte. Dringend mit den „Kanonen“ im Doppelpack geben. Tolle 70er Jahre Unterhaltung mit einem wunderbaren Ensemble. Fazit: Bleibt in der Sammlung

    Kanonenboot am Yangtse-Kiang (1966):
    Ein Dreistunden-Epos, das allerdings zu keiner Sekunde langweilig ist, auch wenn der Actionanteil gering ausfällt. Hier heuert Steve McQueen 1926 in China auf einem amerikanischen Kanonenboot als Maschinist an und gerät immer wieder in Konflikte. Einmal mit einem chinesischen Aufseher an Bord, später mit einem anderen Matrosen. Im ersten Teil geht es um Charaktereinführung und der Aufbau der Beziehungen – unter anderem lernt er den „Kuli“ Po-han als Maschinist an (ein junger Mako) und hilft seinem Freund Frenchy (Richard Attenborough) eine Chinesin (Emanuelle Arsan unter ihrem damaligen Namen Marayat Andriane ... also DIE Emmanuelle – die echte!!!!) aus den Fängen eines Bordellbesitzer (James Hong) heraus zu kaufen, die dort als Hausdame angestellt ist. Auch der Captain des Schiffs (Richard Crenna) hat echt manchmal Probleme, seine Autorität durchzusetzen. In den Wirren der Revolution sollen die Ausländer dann das Land verlassen. Im zweiten Teil geht es dann auch um die Rettung von Missionaren (und der Lehrerin Candice Bergen). Hierzu muss das Boot den Yangtse-Fluss rauf und eine Blockade durchbrechen (Hier ist dann der Action-Anteil). Der Film von Robert Wise ist mehr Abenteuer-Drama als Kriegsfilm, lebt aber von den tollen Schauspielern und dem unüblichen Setting. Gedreht wurde allerdings in Taiwan und Hongkong. Fazit: Toller Klassiker, den man im TV wahrscheinlich zu wenig gesehen hat. Der Film hat viele Facetten in der Darstellung und tolle Aufnahmen. Doch – lohnt sich.

    Das dreckige Dutzend (1967):
    Wenn DAS mal nicht der „Expendables“ seiner Zeit war. Wieder mal ein irres Staraufgebot in einem richtigen Männerfilm von Robert Aldrich. Im Gegensatz zu dem Stallone Film, ist man sich hier nicht sicher, wer von den 12 Haudegen am Ende durchkommt. Aber eins ist sicher, Stallone hat unter anderem gerade diesen hier als Blaupause genommen.
    Nun – die Story ist simpel: Lee Marvin, der sich nicht ganz der Militär-Autorität unterordnen kann, soll ein Schloss infiltrieren, wo deutsche Offiziere zur Erholung sich zurückziehen. Oft werden gerade dort dann wichtige Entscheidungen für den Verlauf des zweiten Weltkrieges getroffen. Lee Marvin wird nahegelegt, sich für dieses Himmelfahrtkommando 12 Leute zu suchen – und zwar aus dem Militärgefängnis. Den meisten droht die Todesstrafe – und sie haben eh nichts mehr zu verlieren. Doch nicht der Angriff ist das Problem, sondern aus diesen irren, psychopathischen und ungehorsamen Haufen eine Einheit zu formen. Deshalb nimmt sich der Film sehr viel Zeit, um die „Ausbildung“ zu behandeln – bevor es in den „Kampfeinsatz“ geht (und zuvor eine Feuerprobe)... Der Cast ist natürlich Bombe und er Film sowieso Legende: neben Lee Marvin ist noch Charles Bronson, Donald Sutherland, Telly Salvallas und John Cassavettes dabei. In Nebenrollen schauen auch Ernest Borgnine und George Kennedy mal vorbei. Der Film ist trotz unterschwelligem Humor und Militär-Kritik auf seine Weise knallhart und düster. Besonders das Finale fragt nicht nach Sonnenschein.
    Der Film ist natürlich mit zweieinhalb Stunden wieder sehr lang – aber zu keiner Sekunde langweilig. Fazit: Cooles Actionkino der 60er – ein echter Hammer.

    Das Dreckige Dutzend 2 (1985):
    Puh – kaum zu glauben, dass man so viele Jahre später eine Fortsetzung fürs TV produzierte. Der Film kopiert in groben Zügen das Original – nur in billig. Lee Marvin ist nicht nur älter, sondern er wirkt auch regelrecht müde in seiner Rolle. In der Besetzungsliste sind unter anderem Ken Wahl und Sonny Landham dabei. Natürlich schaut auch Ernest Borgnine vorbei, aber das macht den Film auch nicht besser. Die Action ist TV-bedingt ok, aber die Story ist irgendwie Müll. Warum die Alliierten Hitler unbedingt beschützen wollen, erschließt sich mir nicht – ist auch am Ende egal. Die Truppe führt ihren Auftrag aus, geht fast komplett drauf und füllt 91 Minuten mit sinnloser Unterhaltung.

    Das Dreckige Dutzend 3 (1987):
    Und jetzt ist statt Lee Marvin wieder Telly Savallas dabei – nicht in seiner Rolle des ersten Films, sondern als Lee Marvin Ersatz. Die Story bleibt wie immer. Savallas holt zwölf Leute aus der Todeszelle, trainiert sie und fährt nach Frankreich, um ein Kloster platt zu machen, wo die Nazis Giftgas herstellen. Nebenbei wollen sie noch ein paar Wissenschaftler retten. Natürlich gibt es auch wieder die gleichen Szenen (einer oder zwei wollen abhauen und werden zurückgehalten) Typische TV-Produktion, mit Schwarzblenden für den Werbeblock. Das Setting hat mir besser gefallen als im zweiten Teil, doch merkt man, dass hier nur günstig aufgekocht wurde. Belanglos.

    Das Dreckige Dutzend 4 (1988):
    Jetzt ist aber mal gut... schon wieder geht Telly Savallas in den Militär-Knast und holt zwölf Jungs, die so durchgeknallt sind, damit sie einen bekloppten Auftrag erfüllen (darunter Ghostbuster Ernie Hudson). Nun soll das dreckige Dutzend einen Zug mit Nazis aufhalten, die als neue Elite das vierte Reich begründen. Neu ist am letzten Teil, dass in der Truppe ein Verräter ist, der sich nicht scheut einem Kumpel beim Fallschirmsprung die Reißleine zu kappen. Für den Zuschauer ist das eigentlich klasse, denn als Ersatz kommt Heather Thomas in die Truppe, die für viele die Traumfrau der 80er war. Und mit „Jodie“ kann ja fast nichts mehr schiefgehen... naja – es bleiben wie immer einige auf der Strecke. Die Action ist ganz ok – und das Finale mit dem Zug ist voller Explosionen. Doch auch hier kann man die Herkunft der TV-Produktion nicht verbergen. OK und unterhaltsam, aber genauso belanglos wie Teil 3.

    Agenten sterben einsam (1968):
    Für mich eine Zweitsichtung – aber was für eine. Ein Klassiker des Agenten/Abenteuer-Films. Hier geht es um ein Kommando unter der Führung von Richard Burton, der Clint Eastwood im Schlepptau hat. Ein amerikanischer General wurde über Bayern abgeschossen und von den Deutschen gefangen genommen. Nun müssen die Soldaten, den Mann aus der Burg „Adler“ herausholen, bevor er Informationen über die „zweite Front“ ausplaudert. Doch das Kommando steht unter einem schlechten Stern. Schon nach dem Absprung über Bayern findet einer der Truppe den Tod – doch das Genick hat er sich nicht bei der Landung zugezogen. Burton ist sich sicher: es gibt einen Verräter. Deshalb steht er in Kontakt mit Agentin Elison, die eine Stelle in der Burg annehmen soll und so den Weg für die Infiltration frei macht. Bis die Jungs (und Mädels) in die Burg eindringen können, gibt es noch so manches Hindernis zu überwinden...
    Die Story basiert mal wieder auf Autor „Alistair McLean“, der zu der Zeit wohl ganz gut im Geschäft war. Ich finde immer noch, dass der Film wie ein Computerspiel funktioniert oder eher die Blaupause für sämtliche Spiele darstellt. Letzten Endes ist der Film mit 150 Minuten unheimlich temporeich, durchweg spannend und nie langweilig. Die Schießereien, Explosionen und Actionszenen (Stichwort: Gondel) können sich nicht nur für 1968 sehnen lassen, sondern auch heute noch. Mein persönliches Highlight ist Hammer-Ikone Ingrid Pitt in ihrer Nebenrolle als Heidi, die Agentin Elison in die Burg schmuggelt. Der Film ist ein absoluter Klassiker des Genres und ist ein Muss für Kinoliebhaber. An „Where Eagles Dare“ für kein Weg vorbei! Fazit: Nur geil.

    Katanga – Dark of the Sun / The Mercenaries (1968):
    Das ist er - der Urknall der Söldner-Filme. Jack Cardiff hat ein Szenario gewählt, das eben nicht im zweiten Weltkrieg spielt, sondern im afrikanischen Kongo. Rod Taylor ist ein Söldner, der im Bürgerkrieg von dem amtierenden Präsidenten losgeschickt wird, Menschen aus dem von Simbas besetzten Gebiet zu holen. In Wirklichkeit soll er jedoch einen Angestellten der Diamantenminen rausholen, der Steine im Wert von 50 Millionen Dollar dabei hat. Der Präsident gibt ihm drei Tage, weil er dann für die internationalen Banken liquide sein muss. Taylor, der im Original Captain Curry heißt und im deutschen zu Willi Krüger gemacht wird, sucht mit seinem Freund Ruffo (Jim Brown) eine Truppe von Kämpfern für den Auftrag, darunter Captain Henlein, der von der realen Figur Siegfried Müller (Kongo-Müller) inspiriert ist, ein hinterlistiger Nazi, der aus seiner Vergangenheit keinen Hehl macht. Die Truppe bewaffnet sich mit Geschützen auf einem Zug und macht sich auf den Weg durch den Dschungel...
    Puh – dann geht es schnell ab. Der Zug wird einem Flugzeug angegriffen, der Anführer muss sich ständig gegen die Machenschaften des Nazis wehren, der Doktor ist ständig besoffen usw. Nichts geht glatt. Die Söldner kommen an zerstörten Häusern vorbei, wo die Simbas gewütet haben und sehen die Schrecken des Krieges. Unsere Helden selbst sind natürlich keine im üblichen Sinne – denn sie schrecken vor Greultaten nicht zurück. Zunächst können sie Menschen und Diamanten bergen und wegbringen – doch die Simbas sitzen ihnen sofort im Nacken und schaffen es sogar, die Beute an sich zu bringen. Das nächste Hindernis für die Söldner. Reingehen und die Steine rausholen... Der Film schafft es nicht nur toll auszusehen, er bietet viel Action und begründete mit seiner Atmosphäre und den kaltschnäuzigen Figuren auf jeden Fall dieses Subgenre. Es ist irgendwie verwunderlich, warum der Streifen bei uns nicht uncut auf BD erscheint. Die VHS Fassung ist wohl nicht ganz vollständig und die TV-Ausstrahlungen waren wohl alle zensiert (vor allem Henlein ist da Stein des Anstoßes...) Als Zuschauer bekommt man auf jeden Fall die ganze Breitseite geboten: Baller-Action, Prügeleien und Zweikämpfe (mit Kettensäge), Intrigen und ein moralisierendes Ende, das nicht ganz zur Thematik passt. Trotzdem – „Dark oft he Sun“ definierte die Blaupause für die ganzen billigen Italo-Action-Schinken, um die es hier noch gehen soll. Fazit: Vergessener Klassiker, der dringen auf deutschem DVD/BD-Markt erscheinen sollte.

     

    Die Seewölfe kommen / The Sea Wolves (1980):
    „Die Seewölfe kommen“ fühlt sich ein bisschen an wie ein James Bond Film – ist aber keiner. Auch wenn, man im Vor- und Abspann einige bekannte Namen liest – von Maurice Binder für den Vorspann bis zu John Glenn als Cutter. Auch der Name Roger Moore erinnert an die bekannte britische Agentenreihe – er spielt sogar einen adretten Hallodri, der die Damenwelt um den Finger wickelt. Rund machen die Besetzungsliste Gregory Peck und David Niven, die aber einige Jährchen älter sind als in „Guns of Navarone“. Handlungstechnisch liegt das alles gar nicht so weit weg. Nun – im Zweiten Weltkrieg schaffen es die Deutsche immer mit ihren U-Booten Versorgungsschiffe der Briten zu bombardieren. Die Regierung vermutet, dass an einem von drei deutschen Frachtschiffen, in einem neutralen Hafen in Goa, ein geheimer Sender ist, der alle geheimen Infos weitergibt. Da der Hafen eben auf neutralem Gebiet ist, kommt keine offizielle Aktion in Frage. Doch Peck und Moore kommen auf einen verrückten Plan: eine ausgemusterte Seniorentruppe, die ihren Beitrag leisten wollen, sollten als besoffene Touristen getarnt, das Schiff entern und den Sender ausschalten... die alten Herren sind direkt Feuer und Flamme für diesen schwierigen Auftrag...
    Und schon in den 80ern gab es wieder dieses „Expendables“-Thema. Die Schauspieler sind zwar nicht allzu bekannt, aber die Gesichter sagen dem Zuschauer auf jeden Fall was, wir finden auch Patrick Macnee unter den Haudegen. Das Geile ist, dass der Film auf einem Buch basiert, das einen wahren Fall aufgreift. Tatsächlich gab es wohl diesen Sabotageakt auch in Wirklichkeit. Die filmische Umsetzung ist vielleicht etwas zäh, mir hat es aber Spaß gemacht, den Senioren bei ihrer Attacke im Finale zuzusehen. Der Rest der Films orientiert sich mehr am Agenten/Abenteuerfilm – um Spione und geheimnisvoller Frauen mit Messern. Der Film ist vielleicht kein Meilenstein, aber gute Unterhaltung mit hübsch fotographierten Bildern.

    "Wir laufen keinen Trends hinterher, wir SETZEN welche!"


    Offline Elena Marcos

    • a.k.a. Dirk
    • Moderator
    • *****
      • Come on in ... hahahahahahahahahah
        • Show only replies by Elena Marcos
      Beim ersten italienischen Söldnerfilm hab ich ein waschechtes „Katanga“-Rip-off erwartet und bekam statt einem fiesen, dreckigen Actionfilm, ein Drama das mehr Charakterstudie über den Schrecken des Krieges ist. Darauf war ich nämlich nicht vorbereitet – und Valerio Zurlinis Film zog mich in den Bann. Mir lag die VHS-Fassung „Im Wendekreis des Todes“ vor, die wohl geschnitten sein soll, was mir jedoch nicht ins Auge sprang. Worum geht es: Die korrupte Regierung eines Afrikanischen Staates (Kongo?) will den Führer einer Unabhängigkeitsbewegung dingfest machen. Durch Verrat kann eine Söldnertruppe den Mann festsetzen und bringt ihn ins Gefängnis, wo er unter Folter ein Papier unterschreiben soll, das die Widerstandskämpfer aufruft, die Waffen niederzulegen...
      Der Plot ist eigentlich recht simpel – aber die Darstellung ist superb. Wäre das ein amerikanischer Film mit Morgan Freeman, wäre der mit Oscars überschüttet worden. Doch hier haben wir „nur“ Woody Strode als Maurice Lalubi, der eine sensationelle Darstellung abliefert. Den Mann kennen wir sonst nur aus Nebenrollen, oft als Bösewicht – aber hier gibt er eine derart sanfte Performance, die man so nicht erwartet. Man erkennt sofort, dass Lalubi eine „Jesus“ Figur ist, die nie die Menschen direkt zum Kampf aufruft. Er ist wie ein Prediger, der den Menschen Mut machen will. Doch der Commander (Jean Servais) versucht ihn zu überreden mit der Regierung zusammenzuarbeiten, was Lalubi jedoch verweigert. Der Soldat ist ebenfalls kein Unmensch, der die Grausamkeiten im Gefängnis nicht schätzt (und auch die Ohren verschließt, wenn die Schreie der Gefolterten durch die Gänge hallen). Er baut großes Verständnis und Mitleid für Lalubi auf, kann aber nichts machen. Im Gefängnis sitzt Lalubi noch mit dem italienischen Dieb Oreste zusammen, der zunächst den „Schwarzen“ beleidigt, weil er irrtümlich mit Lalubi in Verbindung gebracht wird, freundet sich aber dann mit ihm an. Später wird noch ein weiterer Gefangener dazu gesperrt, der sich jedoch in nichts einmischt. Letzten Endes wird befohlen, Lalubi zu beseitigen, weil sich sein Wille nicht brechen lässt. Der Schwerverletzte soll bei einem Fluchtversuch erschossen werden...
      Die Söldnerszenen beziehen sich auf die Gefangennahme am Anfang und der Fluchtversuch am Ende – sonst spielt das meiste im Knast. Ich hab von Strode selten so eine intensive Darstellung gesehen – der Mann konnte verdammt viel als Schauspieler, alle Achtung. Aber auch die anderen sind sehr gut besetzt und glaubhaft: Franco Citti als Oreste, Stephen Forsyth als stiller Gefangener und eben Jean Servais als Commander (der ebenfalls Rassismus über sich ergehen lassen muss – weil er Holländer ist). In Nebenrollen sehen wir unter anderem Luciano Catenacci als Folterknecht, der so richtig böse agieren darf. Hart sind zum Teil die Foltermethoden, die aber nicht ganz ausgespielt werden (vielleicht sind hier die Schnitte?). Mit „Töten war ihr Job“ bekommt man einen unerwartet tiefgründigen Film, den man mit dem schmierigen Italo-Kino nicht in Verbindung bringt. Ich war echt überrascht und kann den Film jedem Italo-Fan empfehlen, schon allein durch Strodes Darstellung als Lalubi. Leider ist der Streifen nur auf VHS erschienen und nicht auf Scheibe erhältlich, was ein großes Versäumnis ist... vergessene Perle halt.

      Erschienen ist der Film unter dem prophetischen Titel „Black Jesus“. Hier der Trailer:

      Hier die englische Fassung in schlechter Qualität:



      "Wir laufen keinen Trends hinterher, wir SETZEN welche!"


      Offline Elena Marcos

      • a.k.a. Dirk
      • Moderator
      • *****
        • Come on in ... hahahahahahahahahah
          • Show only replies by Elena Marcos
        „Ein Schwein bleibt ein Schwein, aber ich verkleide mich wenigstens nicht.“ – Alain Carres

        Genau das habe ich mir vorgestellt – einen dreckigen, schmierigen, rassistischen Italo-Action Film. So lieben wir die Italiener. Im Gegensatz zu „Töten war ihr Job“ bekommen wir hier die volle Ladung in die Fresse. Auch dieser Streifen ist kein „Katanga“ Ripp-off, aber orientiert vielleicht entfernt an diesem.

        Die Story ist einfach, aber fies: Kommandant Brandt wird im Kongo von Rebellen gefangen genommen. Seine Soldaten werden hingerichtet und eine französische Journalistin von den „Wilden“ zum wiederholten Missbrauch freigegeben. (Szenen aus diesem Film hat Regisseur Mario Siciliano dann in „Häutet sie lebend – Unternehmen Wildgänse“ wiederverwendet) Brandt kann entkommen, weil er wichtige Dokumente an den Rebellenführer abgibt. Von seinem Vorgesetzten will er ein neues Kommando, um die Papiere zurückzuholen – aber der will dem Versager nicht noch eine Truppe zur Seite stellen. Stattdessen teilt er Brandt dem schwarzen Captain Lauderwood zu, was dem Rassisten Brandt gar nicht passt. Lauderwood sucht sich sieben Söldner zusammen, darunter den ebenfalls Rassistischen Sargent Kimber, den „netten“ Sargent Vlasky (Sieghardt „Kressin“ Rupp) und Sargent Mary Wooder, die als Ärztin dabei ist. Um durch den Sumpf im Feindesland zu kommen engagieren sie den Schmuggler Carres (Ivan Rassimov) und los geht es...

        Und in dem Film geht es echt zur Sache, denn ALLE sind irgendwie Arschlöcher. Auch, wenn Lauderwood und Vlasky noch die Sympathieträger sind, sind es immer noch Soldaten, die alles platt machen. Tatsächlich können sie im Dorf der Rebellen die Papiere sicherstellen und die Journalistin befreien. Während dem Überfall kann Carres nicht an sich halten und vergewaltigt die Ärztin (was die ihm aber am Ende des Films gar nicht übel nimmt: „Ich habe noch nie einen Mann wie Dich getroffen.“). Danach macht sich die Truppe durch Sumpf, Wüste und Dschungel, wird angegriffen, verreckt fast und kapert am Schluss einen Zug um durchzukommen. Ob sie es schaffen, kann man leide nur auf der gekürzten Billig DVD von MCP sehen, die wohl OOP und recht selten ist. Laufzeit ist 82 Minuten, die ungekürzte Fassung ist 93 Minuten lang. Ich kann mir gut vorstellen, dass hier Folterungen und Brutalitäten entfernt wurden.

        Im Fazit lässt sich aber sagen: der Film ist echt dreckig, rassistisch, frauenfeindlich (besonders als Carres der Journalistin sagt, dass sie ja vor der 30-fachen Vergewaltigung ja auch schon keine Jungfrau war... und hinterher ist es auch nicht anders. „Du hast ja noch deine Arme und Beine, kannst ja froh sein.“) und bitterböse – aber genau das erwarte ich von einem Italo-Söldner-Film. Diese deutsch-italienische Koproduktion war in der 82-minütigen Kinofassung schon damals ab 16 freigegeben, was den Film aber nicht weniger fragwürdig macht. Kein Film für die ganze Familie, aber ein richtig schöner Bastard...

        Kurzer Nachtrag: Was den Film natürlich leider auch wieder hat, ist eine Tiersnuff-Szene in der Rassimov eine Python tötet. Unnötig und grausam - auch eine Szene in der ein Leopard mit einem Bunsenbrenner geängstigt wird, ist leider nicht zu entschuldigen.
        « Letzte Änderung: 05. August 2021, 10:43:09 von Elena Marcos »

        "Wir laufen keinen Trends hinterher, wir SETZEN welche!"


        Offline Max_Cherry

        • Die Großen Alten
            • Show only replies by Max_Cherry
          Ich glaube, bei den Thema bin ich raus.
          2-3 Söldnerfilme kenne ich und mag ich, hab aber kein großes Bedürfnis nach dem Genre.

          Dir trotzdem weiterhin viel Spaß.


          Offline Sing-Lung

          • Hat Elefanten im Garten
          • Die Großen Alten
            • Festen som aldrig tar slut...
              • Show only replies by Sing-Lung
            Ich glaube, bei den Thema bin ich raus.
            2-3 Söldnerfilme kenne ich und mag ich, hab aber kein großes Bedürfnis nach dem Genre.

            Dir trotzdem weiterhin viel Spaß.

            Also von den Filmen im ersten Post hast Du def. einige gesehen und für super befunden oder nicht? :confused:

            Klar, sind keine Italo-Söldner Filme. Aber das Kanonenboot oder Agenten… muss ich umbedingt bald wieder schauen!

            Stosstrupp Gold und der Adler ist gelandet würde hier auch noch passen als Vorlage des Söldnerfilms.


            Offline Max_Cherry

            • Die Großen Alten
                • Show only replies by Max_Cherry
              Ja ok, ich hab jetzt in eine andere, schäbbigere Richtung gedacht. Im Wendekreis des Söldners oder sowas, diese billig runtergekurbelten Dinger.
              Die von Dir genannten würde ich mehr in die Ecke "Men On A Mission" schieben.


              Offline Elena Marcos

              • a.k.a. Dirk
              • Moderator
              • *****
                • Come on in ... hahahahahahahahahah
                  • Show only replies by Elena Marcos
                Ich glaube, bei den Thema bin ich raus.
                2-3 Söldnerfilme kenne ich und mag ich, hab aber kein großes Bedürfnis nach dem Genre.

                Dir trotzdem weiterhin viel Spaß.

                Also von den Filmen im ersten Post hast Du def. einige gesehen und für super befunden oder nicht? :confused:

                Klar, sind keine Italo-Söldner Filme. Aber das Kanonenboot oder Agenten… muss ich umbedingt bald wieder schauen!

                Stosstrupp Gold und der Adler ist gelandet würde hier auch noch passen als Vorlage des Söldnerfilms.

                Ja. Ich mach nochmal einen zweiten Abschnitt zu den Ursprüngen. Da müssen die beiden Filme auf jeden Fall auch noch her...

                Söldner Filme sind in Italien ja auch quasi "Men on a Mission" Filme. Wenn man jetzt aber an Filme wie "Jäger der Apokalypse" denkt ... die gingen ja schon in Richtung Splatter Kino.
                « Letzte Änderung: 06. August 2021, 08:47:25 von Elena Marcos »

                "Wir laufen keinen Trends hinterher, wir SETZEN welche!"


                Offline JasonXtreme

                • Let me be your Valentineee! YEAH!
                • Global Moderator
                • *****
                  • Weiter im Text...
                    • Show only replies by JasonXtreme
                  JÄGER... fand ich nie so hart wie der immer gemacht wird!? Hatte ich da ne cut Fassung? :D Rest les ich nur zu gern mal durch
                  Einmal dachte ich ich hätte unrecht... aber ich hatte mich geirrt.


                  Meine DVDs


                  Offline Max_Cherry

                  • Die Großen Alten
                      • Show only replies by Max_Cherry
                    Jäger der Apokalypse würde ich auch zu den besseren von den schäbigen Filmen zählen.


                    Offline Elena Marcos

                    • a.k.a. Dirk
                    • Moderator
                    • *****
                      • Come on in ... hahahahahahahahahah
                        • Show only replies by Elena Marcos
                      JÄGER... fand ich nie so hart wie der immer gemacht wird!? Hatte ich da ne cut Fassung? :D Rest les ich nur zu gern mal durch

                      Der Film hatte viele Erschießungen und blutige Leichen. Ich kann mich auch nicht mehr so gut erinnern. Gab Flammenwerferszenen und irgend eine Falle, die jemanden aufgespießt hat. Der kommt hier irgendwann auch mal dran.

                      "Wir laufen keinen Trends hinterher, wir SETZEN welche!"