Nackt unter Kannibalen / Emanuelle e gli ultimi cannibali (1977)
Und wieder Laura Gemser und der Joe d’Amato – nun in dem Schmuddelklassiker Nackt unter Kannibalen. Und der hat es in sich, denn hier tobt sich der Regisseur wieder komplett aus. Laura ist als Reporterin diesmal im Irrenhaus unterwegs. Dort kommt es zu einem Angriff einer Insassin auf eine Schwester. Das Opfer bekommt die Brust abgebissen und die Wahnsinnige landet in der Zwangsjacke. Laura versucht dem auf den Grund zu gehen, kann aber aus der Irren nichts rausbekommen, auch nicht nach zärtlichen Streicheleinheiten zwischen den Beinen der Gefesselten. Sie macht ein Foto, auf dem die Frau mit entblößtem Unterleib zu sehen ist – auf dem Bauch hat sie eine Tätowierung eines Kannibalen-Stamms. Gemeinsam mit Professor Mark Lester (Ehemann Gabriele Tinti) fährt sie in den Dschungel, um die letzten Kannibalen zu suchen. Begleitet wird sie von der jungen Isabelle und der Nonne Angela. Auf dem Weg durch den Busch treffen sie auf den zwielichtigen Großwildjäger Donald McKenzie und seine Frau Maggie, die aber ganz andere Pläne verfolgen…
Ja – die erste Stunde hat mit aller Regelmäßigkeit wieder alle paar Minuten eine (unnötige) Erotikszene – das fängt in der Anstalt an und geht bis in den Urwald, wo die nymphomane Maggie sich von dem Träger Salvador begatten lässt. Nach der Hälfte kippt der Film und kommt mit ekligen Splattereffekten daher – es wird ausgeweidet und gefressen, dass es so richtig kracht. D’Amatos Film sieht übrigens sehr gut aus, hat bekannte italienische Charaktergesichter und punktet mit der sensationellen Music von Nico Fidenco, der das üble Machwerk dadurch so richtig aufwertet.
Der Film ist wirklich ein hübsches Guilty Pleasure – ein heimliches Vergnügen der besonderen Art. Auf der einen Seite ist der in seiner Story hübsch trashig, auf der anderen Seite gut gedreht und bietet eben einen guten Cast. Die ganzen Erotikszenen und Gore-Effekte mögen nicht so recht zusammenpassen, hält aber den Zuschauer hübsch bei Stange. Und im Finale dreht auch die Laura auf, wenn sie mit dem Gewehr einige Kannibalen vom Boot holt.
Man kann sich für den Film schämen, aber ich möchte das nicht, denn das Ding rockt irgendwie…
Das XT-Mediabook mit der BD ist oop – aber diese Titel kommen immer mal wieder. Da bin ich ganz sicher.
Hier ein zusammengeschnittener Clip von YT:
Mondo Cannibale 3. Teil – Die blonde Göttin / Mondo cannibale (1980)
So und nun kommen wir zu einem richtigen Guilty Pleasure. Jess Francos dritter Mondo Cannibale ist rundum ein absolut schlechtes Machwerk, wenn man objektiv bleibt. Da der Film aber so trashig und doof ist, macht der wieder richtig Spaß. Ich kann die blöden Szenen gar nicht alle aufzählen. Al Cliver spielt Jeremy Taylor, der mitsamt Familie im Urwald von Kannibalen überfallen wird. Vor seinen Augen fressen sie seine Frau und entführen ihn und die kleine Tochter in den Dschungel. Jeremy bekommt den Arm abgehackt, so dass Al Cliver im ganzen Film mit angewinkeltem Arm spielen muss. Er kann mit letzter Kraft entkommen und wird dann brav von Lina Romay gehegt und gepflegt. Als er dann bei seinen Finanziers eine neue Expedition zusammenstellen will, verweigern die ihm zunächst das Geld. Einige Jahre gehen ins Land wie nix und Jeremy und Pflegerin Ana machen sich in den Urwald auf, um irgendwie das Mädchen zu retten. Doch niemand will sich ihm anschließen. Auch der zwielichtige Händler Mr. Martin nicht (Cameo-Auftritt von Jess Franco persönlich). Doch auf einmal steht Charles Fenton vor Jeremy, der seine Meinung geändert hat und doch die Expedition zahlt. An Bord jede Menge toller Großwildjäger, die sich eigentlich nur als die dekadente verwöhnte High Society herausstellt. Die Truppe zieht los, um die Kannibalen zu finden – doch das endet in Chaos und Blutbad.
Was ist an dem Film eigentlich schlecht? Eigentlich alles? Die Story hat zwar viel Abenteuerflair, aber die Umsetzung ist haarsträubend. Der Urwald ist irgend so ein Park, wo die Leute ihre Botschaften in die Bäume geritzt haben. Die Kannibalen sind Statisten, die wie ne Kiss-Tribut-Coverband angemalt sind (und Schmuck tragen) – außerdem sprechen die Kannibalen akzentfreies Englisch oder Deutsch. So wahnsinnige wild kommen die gar nicht rüber. Die Splattereffekte sind Kindergeburtstag – die sind so nah gefilmt, dass man eigentlich nichts sieht und werden in Zeitlupe mit Schmatzgeräuschen abgespielt. Oft hat man auch das Gefühl, die wollen gar nicht in die Eingeweide oder Requisiten beißen und ekeln sich selbst davor.
Dann wechselt der Film oft in manchen Einstellungen ins Schwarz-Weiß, ganz ohne Sinn. Keine Ahnung, warum. Der einzige Lichtblick neben Lina Romay (die man erst auf den zweiten Blick erkennt, so brav wie sie in dem Film ist) ist vor allem unsere Lieblings-Italo-Barbarin Sabrina Siani als blonde Göttin.
Am besten ist das Finale – da kam ich aus dem Grinsen gar nicht mehr raus. Am Schluss kommt es zum Zweikampf mit dem Kannibalen-Häuptling. Doch bevor sich Al Cliver mit seinem „Schwiegersohn“ um die Frau klöppen können, scheißt sich die Nebenrolle Marke Möchtegernheld dazwischen mit der Begründung: „Lass mich kämpfen. Du bist verletzt:“ Mir war sofort klar, dass der junge Held nix draufhat. Denn Al Cliver ist der Hero, der mit nur einem Arm sämtliche Kannibalen zu Klump hauen kann. Der hätte Pappa mal direkt ranlassen sollen. Töchterchen bittet um das Leben ihres Dschungel-Gatten und geht mit Papa Cliver wieder in die Zivilisation zurück.
Der Film ist eigentlich strunzdumm – aber genau das macht ihn wieder irgendwie charmant. Franco liefert einen Abenteuerfilm ab, der hier locker ab 16 oder 12 durchgehen könnte. Warum der jahrzehntelang verboten war, kann ich mir nicht erklären. Vielleicht hat der Film bei der Beschlagnahmung den zuständigen Prüfern das Hirn raus gebrannt.
Mir hat der Film viel Freude gemacht – wahrscheinlich wäre der ideal für ScheFaZ.
Ich habe das uncut Mediabook von Retro Gold. Die erhältliche FSK 16 Fassung ist um gut zwanzig Minuten geschnitten. Das will man sich wirklich nicht antun.
Ein Eindruck – hier ist der deutsche Trailer unter dem Alternativtitel Inferno der Kannibalen: