The End of the World As We Know It - New Tales of Stephen King's The Stand
Herausgegeben von Christopher Golden & Brian Keene mit der freundlichen Genehmigung des Königs.

Der spontanen Idee der beiden Editoren ist es zu verdanken, dass sich eine breit gefächerte Auswahl der aktuellen Horrorautor:innen zusammen gefunden hat, um viele Kurzgeschichten zu schreiben, die im Umfeld um Stephen King's The Stand spielen.
Es ist unterteilt in vier Bereiche, also ähnlich dem Vorbild, aber mit mehr Teilen. Teil 1 umfasst Stories, die zum Zeitpunkt spielen, als die Seuche ausbricht und sich schnell ausbreitet. Teil 2 dreht sich um die Zeit, in der die Gruppen sich bilden und sammeln. Teil 3 spielt in der Zukunft, bis zu mehreren Jahrzehnten nach den Ereignissen des Originals. Teil 4 bildet dann noch einige alternative Welten ab.
Ein paar der Stories, die für mich Highlights waren:
Caroline Kepnes - Room 24: 7/10
Ein Polizist ist gleichzeitig ein gefährlicher Stalker und nutzt den Ausbruch, um sich sein Ziel schnappen zu können.
Bryan Smith - Every Dog Has Its Day: 7/10
Ein Junge irrt umher und sucht seinen entlaufenen Hund und trifft auf ein paar andere (noch) Überlebende.
Bev Vincent - Lockdown: 7/10
Ein interessantes Szenario: Die Bewohner einer abgeschotteten Inselgemeinschaft erfahren von der Seuche und beschließen, koste was es wolle, zukünftig völlig isoliert zu bleiben.
Joe R. Lansdale - In a Pig's Eye 8/10
Ricky versteckt sich als Immuner in einem Ort, in dem ein Sheriff nach und nach immer mehr durchdreht und seinen Gewaltfantasien freien Lauf lässt. Eines Tages hilft er einer Frau, die sich bislang ebenfalls versteckt hatte, vor besagtem Sheriff zu entfliehen, doch dadurch sind nun beide voll im Fokus gelandet von dessen Truppe gelandet und müssen einer Konfrontation entgehen.
Jonathan Janz - Lenora 8/10
Sehr herzliche Geschichte über einen Hund. Mehr mag ich gar nicht verraten, war wirklich sehr schön und herzlich.
C. Robert Cargill - Wrong Fucking Place, Wrong Fucking Time 8/10
Ein bisschen wie Tucker & Dale, Backwoods mal anders. Ein paar Freunde überleben abgeschieden auf einer Farm und fühlen sich auf sich alleine gestellt eigentlich ganz okay, bis plötzlich Fremde auf dem Weg nach Vegas vorüber ziehen und am falschen Ort Ärger machen.
Richard Chizmar - Moving Day 8/10
Ein Teenager überlebt den Rest seiner Familie und vertreibt sich die Zeit mit Büchern hoch oben auf dem Wasserturm des Örtchens. Von dort aus beobachtet er die Szenen mit Larry und Rita im Zelt.
Die erste Geschichte, in der Figuren aus dem Original auftauchen - abgesehen natürlich von den Träumen um Abagail und Flagg.
Catriona Ward - African Painted Dog 8/10
Zwei afrikanische Wildhunde schaffen es nach Ausbruch der Pandemie, aus ihrem Zoo zu entkommen.
Michael Koryta - Kovach's Last Case 8/10
Das war mal eine Story, die ich so nicht erwartet hatte. Ein alter Detective kann es nicht lassen und ermittelt in der fast menschenleeren Stadt noch gegen einen Serienkiller. Sehr schöne Stimmung.
S. A. Cosby - The Legion of Swine 8/10
Ein alter Farmer bekommt Besuch, der sich auf dem Weg nach Vegas mit ihm und seinen Schweinen anlegt.
Sehr stark geschriebene Story. Macht mir vor allem noch mehr Lust, endlich mal einen von Cosbys Romanen zu lesen, die ich schon so lange auf der Liste habe.
Rio Youers - Keep the Devil Down 8/10
Auch stark. Eine Frau und ein Kind auf dem Weg nach Nebraska, auf der Flucht vor dem anderen Schlag Menschen.
Insgesamt gab es sehr viele Stories, die sich um die zu erwartenden Konfrontationen zwischen Anhängern der zwei Gruppen auf der Reise an ihr jeweiliges Ziel entwickelten. Das war aber auch zu erwarten. Nur wenige Stories gehen richtig in die Tiefe, ist wegen des Umfangs allerdings auch irgendwo klar, es sind halt "nur" Kurzgeschichten.
Ich mochte an dem Projekt besonders, dass hier so viele Stories eine besondere, neue Perspektive bieten, aufgrund der sehr diversen Autor:innen-Riege.
Über einen Monat lang konnte ich nochmal in die fesselnde Welt des letzten Gefechts eintauchen und bin froh, dass es dieses Projekt gibt. Schade ist nur, dass die Herren Keene und Golden sich davor gedrückt haben, selbst auch jeweils eine Geschichte beizusteuern. Darüber beklagt sich auch King im Vorwort. Aber man kann wohl nicht alles haben.