Sorry für den langen Text.
Citizen Vigilante (2026)

Mein erster Gedanke zu Beginn der ganzen Aufmerksamkeitswelle war: warum sollte ich mir was neueres von Uwe Boll ansehen? Seine letzten Filme waren wohl ausnahmslos nicht der Rede wert, wenn man dem allgemeinen Tenor glauben kann. Im Laufe des Empörungsmarathons der einen Seite und des Abfeierns der anderen, ist das Interesse bei mir gestiegen. Wie ist wohl der Film, der für diesen ausufernden öffentlichen Diskurs verantwortlich ist?
Und während ich mir "Citizen Vigilante" so ansehe, komm ich aus dem hämischen Grinsen fast nicht mehr heraus. All die positiv und negativ gerichtete Aufregung für diesen Scheißhaufen von Film?
Hammers Auftritte sind ein paar Mal unfreiwillig komisch, wirklich lächerlich. Man darf nicht vergessen, dass der Mann vor seiner Cancel-Pause oft ordentlich bis gut abgeliefert hat. Hier aber fehlt ihm jegliche Ausstrahlung von damals. Was für ein klotziges, gelangweiltes Runterrattern von Drehbuchzeilen. Boll war das wahrscheinlich alles egal. Der hat sich ja eh noch nie für gutes Schauspiel interessiert, nur für große Namen.
Das Zerlegen des Einsatzkommandos war zumindest nett, doch generell fand ich den Film erzählerisch und visuell teils so beschissen, dass ich fast schon darüber lachen musste. Der Vigilante will nicht nur alttestamentarische Gerechtigkeit für die Opfer von Migranten, er repräsentiert auch die armen Immobilienbesitzer, die es nun wirklich nicht leicht haben. Manches ist schon wirklich absurd.
Nachdem ich zu Beginn diesen super hässlichen Look wahrgenommen habe, der an SAT1 Nachmittags-Seifenopern erinnert, gab es 20-30 Minuten lang pure Langeweile, keine Spur von Dramaturgie, das fühlte sich nicht mal wie ein richtiger Film an, einfach nur aneinandergereihte, in die Länge gezogene Sequenzen. Was sollten diese nicht enden wollenden Aufnahmen der Panzerfahrzeuge? Boah, war das kacke. Und dann der Besuch im Puff. "Hey, du musst nach dem Duschen richtig lüften, ich bin übrigens der Hausbesitzer." Soll sowas witzig sein? Keine Ahnung, aber auch hier war es das zumindest in einer unfreiwillig Art und Weise.
Generell fehlt hier jedes Gespür für Bildgestaltung und dynamischen Schnitt. Man hört es oft aus dem Umfeld des Regisseurs, aber ihm geht es scheinbar wirklich nur noch um das Wirtschaftliche, der hat doch gar kein Interesse (mehr) daran, einen guten Film zu machen. Braucht er ja auch nicht, wenn er ein paar ideologische Fragwürdigkeiten mit einbaut wie hier. Mitte-Links würde sich drauf stürzen und unfreiwillig Werbung machen und Rechts feiert den Film tatsächlich ab, da spielt die handwerkliche Qualität auch keine Rolle mehr.
Die Hinrichtung der unbeteiligten Familie am Ende und die Verschwörungstheorien des Vigilante auch abzufeiern ist echt fragwürdig. Am Ende ist das ein Aufruf zur Gewalt gegen Moslems auch gegen nicht kriminelle. Dass der Film schlussendlich so eine deutliche Sprache spricht, habe ich während des Guckens bis dahin nicht erwartet. Ich hatte mich vorher schon die ganze Zeit gefragt, wo jetzt der große Aufreger ist. Das geht tatsächlich zu weit, zumal der Vigilante permanent als "Der Gute" dargestellt wird. Wenn es nicht so beabsichtigt war, hat Boll auch das voll verkackt. Vorher hätte ich vielleicht noch 3 Punkte vergeben.
Die Verweigerung der FSK war zudem marketingtechnisch das Beste was ihm passieren konnte. Am Ende bleibt ein überwiegend sehr schlecht gemachter Film, der Selbstjustiz glorifiziert. Es ist ganz normal, dass der keine FSK ab 18 Freigabe bekommen hat.
Abschließend ist es echt eine Frechheit, dass ein Regisseur, der über 35 Filme gedreht hat, so einen Käse abliefert. Aber um sich wieder ins Gespräch zu bringen und ein Plusgeschäft zu machen, hat das gereicht.
Hätte er nicht seine unfreiwillig komischen Momente (1 Punkt) und ein paar nett gemachte Kills (1 Punkt), wär ich niedriger. So landet er bei einer
