Ok, ich hab die 11 Folgen wirklich schnell durch gesuchtet. Das Ende hat mich, trotz seines starken Drückens auf die Tränendrüse, wie erwartet, ordentlich mitgenommen. Es ist doch immer wieder erstaunlich, welche emotionale Kraft Zeichentrick haben kann.
Abschließend habe ich aber doch ein paar kleine Kritikpunkte gefunden: 8 oder 9 Folgen hätten es auch getan, denn im letzten Drittel sind ein paar Elemente redundant, da hätte man etwas straffen können. Es wird in der Phase zudem so viel geweint, dass schon ein bisschen melodramatischer Kitsch in der Luft liegt. Trotzdem bleibt es manipulativ ansteckend, bei mir zumindest. Das Freunde-Thema fand ich super, aber als es später mehr und mehr Richtung Romanze und Liebe ging, hatte die Geschichte besonders was die Darstellung des toten Mädchens angeht ein Problem.
!Leichte Spoiler! Ich fänd sie nicht schlimm, deswegen unverspoilert:
Der Geist des toten Mädchens sagt zwar, dass sie auch wie die anderen gealtert sei, sieht aber immernoch aus, spricht und verhält sich wie ein Kind. Die ist schon sehr niedlich mit großen Augen usw. designt. Diesbezüglich sind mir schon direkt am Anfang ein paar wenige verspielte sexuelle Andeutungen etwas sauer aufgestoßen. Generell finde ich den Umgang mit großen Begriffen wie Liebe bei Kindern und Jugendlichen ein bisschen schwierig. Ok, das mag kulturell bedingt in Japan anders sein. Dass Paare schon ab dem jungen Teenageralter gemeinsam alt werden, ist da keine Besonderheit. Und trotzdem schwingt in der oben angesprochenen Situation etwas mit, das sich für mein westliches Verständnis falsch anfühlt.
Deswegen möchte ich nicht die ganze Serie verdammen, ich glaube auch nicht, dass dahinter ernsthafte phädophile Gedanken stehen, aber zumindest erwähnen muss ich das. Ich hätte mir einfach gewünscht, dass Menma nicht ganz so kindlich designt worden wäre. Alternativ hätte es natürlich auch bei den Freundschaften bleiben können, statt noch romantische Beziehungen zu thematisieren.
Trotz der Kritikpunkte finde ich die Serie ansonsten sehr gelungen. Besonders wenn man im tristen, eintönigen Alltag zwischen flachen Streaming-Filmen und Serien mal wieder etwas fühlen will, ist "Anohana" sehr gut geeignet.

-
