Noch warm und schon Sand im Kopf: Der Italo-Western-Thread

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Offline Elena Marcos

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    ...und Santana tötet sie alle / Lo irritarono... e Sartana fece piazza pulita (1970)

    Santana oder Sartana – das ist hier die Frage. Auch wenn der Held hier Gianni Garko heißt, ist die Hauptfigur diesmal ein Santana. Und der hat es in sich.
    Der spanisch, italienische Western von Rafael Romero Marchent ist ein typischer Vertreter des harten Italo-Western mit einer innig geliebten Rainer Brandt-Synchro. Die Spruchdichte macht aus dem etwas episodenhaft gehaltenen Western ein wahres Vergnügen.
    Die Story ist simpel – Santana und sein Kumpel Marcos starten in einer verzwickten Situation – belagert von Gesetzeshütern spielen die Gauner darum, wer abhauen darf und wer die Meute aufhält. Marcos bleibt zurück und Santana macht sich auf den Weg zu Marcos Herzallerliebsten, um ihr von seinem Tod zu berichten. Marcos wird gefasst, kann aber einen gierigen dicken Hilfssheriff überreden, mit ihm zu Santana zu reiten, weil der weiß, wo die Burton-Brüder sind. Die haben die Gauner um 100.000 Dollar betrogen. Doch einem der Burtons wird von der fiesen Kirby-Bande das Geld abgenommen, so dass Santana und Marcos sich mit der ganzen Kirby-Familie anlegen müssen. Hilfe bekommen sie von der ruppigen Maria, die ihr ganzes Hab und Gut verloren hat und ebenfalls dem großen Glück hinterherjagt. Auf der Suche nach dem Geld und mit den Gesetzeshütern im Nacken, haben sie noch so manches Hindernis vor sich…
    Der grobe Handlungsstrang mit dem Geld verbindet die Episode mit dem fetten Hilfssheriff, den Kirbys und der Maria-Geschichte – doch das ist letzten Endes total egal, denn die Sprüche rocken, es wird viel geballert, in Brand gesteckt und blutig gestorben. Santana und Marcos sind fiese Gauner – keine strahlenden Helden, die von Maria (Augenweide - Maria Silva) – ein ganzer Kerl – als Dritte im Bunde perfekt ergänzt werden.
    Im Grunde bekommen wir einen extrem unterhaltsamen Reigen, der runde 89 Minuten keine Wünsche offenlässt. Das schmissige Titellied tut da noch sein Übriges dazu. Die Schlussszene fand ich zwar komisch, da man den Eindruck hatte, dass dies irgendwie drangehangen wurde (hätte auch aus der Mitte sein könne). Letztendes ist das ein Italo-Western wie er sein sollte. Eine stringentere Handlung wäre wünschenswert gewesen, doch Rainer Brandt versöhnt den Zuschauer.
    Die Koch-Media DVD ist gebraucht noch für gutes Geld zu bekommen. Das Mediabook mit Bluray ist gebraucht etwas teurer. Bei YouTube ist übrigens auch die deutsche Uncut-Fassung zu finden.

    Hier der deutsche Trailer:

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    Offline JasonXtreme

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      Der klingt wegen Rainer sehenswert :D
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      Offline nemesis

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        Online Max_Cherry

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          Wow, Maria Silva ist mal nicht das übliche Püppchen (ich hab nichts gegen die jungen, aber schöne Abwechslung).


          Offline Elena Marcos

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            Dem hat wohl der Teufel persönlich in Gehirn geschissen ...
            Genau...
            Hau dem ne Beule in den Bart, damit man weiß wo vorne ist.

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            Offline JasonXtreme

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              Steine und Gräser...
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                100 Fäuste und ein Vaterunser / Alleluja e Sartana figli di... Dio (1972)

                Halleluja und Sartana? Wohl kaum, denn der extremalberne Western von Mario Siciliano gilt als einer der schlechtesten Italo-Western. Viele meinen zu Recht – ich meine, es kommt drauf an, wenn man weiß, worauf man sich einlässt.
                Nun – vorneweg: der Film ist saudämlich, obwohl diese Kooperation mit Lisa Film eigentlich einen netten Cast hat. Neben Muschi Glas haben wir hier „Tarzan“ Ron Ely und Robert Widmark in den Hauptrollen. Die heißen in der grausamen deutschen Synchro „Salto“ und „Mortale“. Die Gauner sind im Westen unterwegs und möchten ganz gerne harmlose Mitmenschen um ihr Geld (oder Pferde) bringen. „Salto“ ist der junge fitte Kerl, der ähnlich wie Cynüt Arkin ständig auf Trampolinen rumhopst und über andere Banditen springt. Ron Ely ist Mortale, der sich als Pfarrer verkleidet und bei Uschi Glas (die nicht viel macht, als dumm rumstehen und ein paar Sprüche klopfen) in der Gemeinde eine Kirche bauen soll. Aber eigentlich wollen die Gauner die 1600 Dollar für den Kirchenbau einsacken. Doch die haben nicht mit Lupo gerechnet – einem sächselnden Verbrecher, der die Siedler um ihr Land betrügen will und mit seiner Bande, als „Gespenster“ verkleidet, die Menschen terrorisiert.
                Doch Salto und Mortale legen sich mit den (total bescheuerten) Banditen an und mischen die mal kräftig auf.
                Der Film ist eine freche Kopie der Spencer/Hill Formel mit einer dümmlichen Syncho. Leider haben wir es nicht mit Rainer Brandt zu tun, denn das wäre cool. Es gibt zwar ein paar brauchbare Sprüche, aber die kann man an zwei Händen abzählen. Ferner geht einem Ezio Marano als Lupo total auf den Geist – besonders mit dem sächsischen Akzent. Aber auch sonst ist der in der Rolle so dämlich, dass ihn eigentlich niemand ernst nehmen kann. Der Böse hat übrigens noch einen bekloppten Vater im Rollstuhl, der ebenfalls mitmischt.
                Von den typischen Prügelszenen gibt es reichlich, aber irgendwann ermüdet das Ganze den Zuschauer. Die deutsche Fassung ist übrigens an Handlung und Prügelei um rund 20 Minuten geschnitten – was aber bei der dünnen Story gar nicht auffällt.

                Also – wenn man etwas peinliches aus dem Italo-Western Fundus sucht und sich nicht vor schlechten Filmen scheut, kann hier mal ein Blick riskieren. Ich habe den Film die 80 Minuten auch durchgehalten. Irgendwie ist dieser filmische „Unfall“ doch irgendwie genießbar – lag vielleicht am Bier.

                Der Streifen ist damals in diversen Boxen erschienen oder auch einzeln bei cent – aber lange schon oop. Ich denke, den kann man bestimmt gebraucht für kleines Geld bekommen.
                Bei You Tube ist er auf jeden Fall drin:

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                Online Max_Cherry

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                  Ich habe nur mal ganz kurz reingeskippt. Der sächselnde Lupo ist doch klasse. Hmm, vielleicht muss ich da doch mal reinschauen.


                  Offline JasonXtreme

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                    Ja da scheinen paar Knorken drin zu sein, und Glas spielt auch nicht grade geil
                    Einmal dachte ich ich hätte unrecht... aber ich hatte mich geirrt.


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                    Offline Elena Marcos

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                      Ich hab ganz vergessen zu erwähnen, dass der exponentielle Einsatz der damaligen Hitsingle Popcorn von Hot Butter wohl so ziemlich der dümmste Einsatz von Musik in einem Italo-Western darstellt.

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                      Online Max_Cherry

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                        Ich hab ganz vergessen zu erwähnen, dass der exponentielle Einsatz der damaligen Hitsingle Popcorn von Hot Butter wohl so ziemlich der dümmste Einsatz von Musik in einem Italo-Western darstellt.

                        Haha, ich hab's kurz gehört und war, nun ja, überrascht.


                        Offline Elena Marcos

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                          10.000 blutige Dollar / 10.000 dollari per un massacro (1967)

                          Heute ist Gary Hudson oder eher Gianni Garko nicht Sartana, sondern Django, der Kopfgeldjäger. Allerdings ist der Revolverheld nicht an den üblichen Verdächtigen interessiert, vielmehr will er gut verdienen. Das gibt er auch dem äußerst fiesen Zeitgenossen Manuel Vasquez zu verstehen. Der Bandit krebst bei einem Kopfgeld von 2.000 Dollar rum, das Django viel zu billig erscheint. Jedesmal, wenn er Manuel über den Weg läuft, rät er ihm, etwas an seinem Wert zu schrauben, damit er als Beute für Django interessant wird. Das lässt sich Manuel auch nicht zweimal sagen, da er mit einem reichen Hazienda-Besitzer noch ein Hühnchen zu rupfen hat, da dieser wohl für vier Jahre Gefängnis gesorgt hat. Nun, Manuel holt sich statt Geld lieber Dolores, die Tochter des reichen Knilchs. Dieser will Django engagieren, aber nicht viel Kohle ausgeben. Django treibt das Kopfgeld für Manuel in die Höhe, da 10.000 blutige Dollar das Minimum sind. Als sich Django später mit Manuel zusammentut und sich zu einem Raubüberfall überreden lässt, geht das Unternehmen natürlich schief. Denn Manuel ist nicht an einem unblutigen Raubzug interessiert...
                          10.000 blutige Dollar von Romolo Guerrieri ist ein typischer Italo-Western-Vertreter seiner Zeit und auch solide inszeniert. Man hätte sich zwar auch hier eine gute Brandt-Synchro gewünscht, aber man kann, trotz ein paar kerniger Sprüche, nunmal nicht alles haben. Garko macht seine Sache als Django ganz gut, denn der harte Revolvermann zeigt hin und wieder auch mal Herz und Gefühl, besonders wenn es um seine Liebsten geht. Da wird auch schon mal eine Träne verdrückt. Claudio Camaso als Manuel kommt als Bösweicht auch sehr gut rüber. Er ist zwar gewissenlos, besitzt jedoch eine traditionelle Gaunerehre und zeigt sich auch als Bandit oftmals durchaus fair. Dass die Figuren trotz aller bekannten Klischees und Zutaten nicht farblos sind, haben wir wahrscheinlich Ernesto Gastaldi zu verdanken, der am Drehbuch mitgearbeitet hat. Ganz gleich, ob der Sidekick Fidelo, Saloon-Besitzerin Mijanou oder Manuels Vater (gespielt von Italo-Western Inventar Fernando Sancho), bis zu den kleinen Verbrechern wie Cisco oder Seven Dollar – alle werten die klassische Story auf.
                          Insgesamt ist der Film auch nicht allzu hart und wirklich spannend ist es auch nicht, da man gleich weiß, wo die Reise hingeht. Doch die Figuren reichen aus, um doch unterhaltsame 93 Minuten zu garantieren.
                          Fazit: Gute Italo-Western im oberen Drittel – kein Highlight, aber auf jeden Fall einen Blick wert. Und Garko geht eigentlich immer...
                          Der Film ist bei Mediacs/Inked Picture als Mediabook erschienen und noch gut erhältlich. Ich hab einfach zu einfachen Bluray gegriffen, die eigentlich auch noch zu haben sein müsste.

                          Hier der alte Trailer:

                          Und da Italo-Western auf YT immer zu finden sind:

                          "Wir laufen keinen Trends hinterher, wir SETZEN welche!"


                          Offline ap

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                            Fahrt zur Hölle, ihr Halunken (The Specialists) (1969)



                            Ein wortkarger Revolvermann kommt in das trostlose Provinznest Blackstone, um seinen Bruder zu rächen. Aufgebrachte Bürger haben ihn wegen angeblicher Unterschlagung von Bankeinlagen kaltblütig gelyncht. Gemeinsam mit El Diablo, einem mexikanischen Bandenchef, der sich für den Verbleib des Geldes interessiert, räumt er in dem Kaff gründlich auf.

                            Mal wieder ein richtig schöner alter Italo-Western von Großmeister Sergio Corbucci, und Fahrt zur Hölle, ihr Halunken ist nur einer von vielen Filmen mit denen sich der Mann ein Denkmal gesetzt hat! Der Film bietet eine verzwicktere Handlung als die meisten seiner Kollegen, so muss unser Revolvermann Hud Dixon erst herausfinden, wie genau es zu dem Lynchmord an seinem Bruder kam und wer dafür verantwortlich ist. Die Auflösung würde einem kleinen Thriller gerecht werden. Und doch bleibt der Film ein Western durch und durch, mit einem typischen Rächer und Anti-Helden, einem ehrlichen aber überforderten Sheriff, einem gut gelaunten aber brutalen Banditen, erstklassig verkörpert durch Mario Adorf, einigen Fieslingen und einer holden Dame, die es zu beschützen gilt. Der Film hat die ein oder andere Wendung zu bieten und wird niemals langweilig. Der ausgiebige Showdown hat es in sich und setzt dem Film die Krone auf! Unser Revolvermann Hud Dixon muss sich mit einem Endgegner nach dem anderen auseinander setzen, dabei kommt es nicht nur zu einem regelrechten Massaker sondern auch zu einer denkwürdigen Szene, in der die ganze Dorfgemeinschaft zu leiden hat, aber die möchte ich nicht spoilern. ;)
                            Der Soundtrack ist ausnahmsweise nicht von Ennio Morricone sondern von Angelo Lavagnino, aber der hat das auch ganz gut hinbekommen.
                            Alles in Allem ein cooler Western Klassiker!  :thumb:



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