Die sich in Fetzen schießen / Dio non paga il sabato (1967)
Tanio Boccia gilt als der schlechteste Filmregisseur Italiens, zu Unrecht wie ich finde. Dass er auch mit Ed Wood verglichen wird, finde ich ebenfalls übertrieben. Sein Italo-Western „Die sich in Fetzen schießen“ hat auch nicht unbedingt den besten Ruf, im Gegensatz zu „Matalo – Willkommen in der Hölle“, der auf dem gleichen Drehbuch basiert.
Absolut zu Unrecht, wie ich finde, denn Boccias Western ist spannend, atmosphärisch und hat einige echt harte Szenen. Auch die Story hat es in sich:
Braddock ist ein Bandit, wie er im Buche steht. Als er am Galgen steht, wird er von seinen Kumpels und einer anderen Gang befreit. Doch statt denen das Gold für die Rettungsaktion auszuzahlen, schießen sie die Gang über den Haufen. Als nächstes begehen sie einen Postkutschenüberfall, bei dem sie eine Kiste mit Gold klauen und einer der Kungs verletzt zurückgelassen wird. Im Anschluss verstecken sich in einer verlassenen Geisterstadt. Doch so verlassen ist die gar nicht. Hier lebt noch die alte Hotelbesitzerin Molly, die in den Ruinen umherschleicht. Später treffen auch Benny, der Fremde ohne Waffen, und Judy ein, die eigentlich nur in dem Ort Pause machen wollten. Sie werden von den Banditen gefangen genommen und verhört. Judy war mit ihrem Pferdewagen unterwegs, als ihr Mann einem Fieber zum Opfer fiel. Braddock glaub ihnen nicht und sucht mit Judy ihren kaputten Planwagen, während Laglen Benny verhört und dabei fast zu Tode prügelt…
Der Film ist mit 90 Minuten nicht zu lang und konzentriert sich auf die Beziehungen der Figuren untereinander. Herauszuragend fand ich vor allem die spanische Schauspielerin Maria Silva, die das Liebchen des Gangsters Braddock spielt. Eine traumhaft schöne Frau, aber eiskalt, brutal und ein echtes Biest. Das perfekte Gegenstück zu der eher schüchternen Judy.
Die Szenen, wo der verrückte Laglen (Massimo Righi) Benny (Larry Ward) mit einem Gurt verprügelt ist absolut schmerzhaft und kaum zu ertragen. Auch Furio Meniconi als Braddock macht eine herrlich böse Figur, wie auch Robert Mark als abgebrühter Randall. Auch Italo-Ikone Vivi Gioi gibt die Hotelbesitzerin Molly herrlich „irre“, so dass es ein echtes Vergnügen ist, ihr zuzuschauen. Besonder toll fand ich die Geisterstadt – alles ist kaputt, verstaubt, voller Spinnweben, wie in einem Geisterschloss. Das unterstützt natürlich die Gothic-Horror-artige Atmosphäre, die den Western etwas aus dem üblichen Einerlei herausragen lässt. Auch die Musik und der ohrwurmverdächtige Titelsong „The Price of Gold“ bleibt hängen. Im Vergleich mit dem Über-Western „Matalo“ verliert dieser Film schon – aber er ist trotzdem ein richtig guter Film. Falls man was anderes liest, sollte man sich nicht beirren lassen. Er ist auf jeden Fall einen Blick wert.
Leider ist er nur als DVD in der Koch Italowestern-Enzyklopädie No 2 erschienen und schon lange oop.
Allerdings ist er auch auf YouTube komplett zu sehen:
Hier der deutsche Trailer: