Hände über der Stadt / Le Mani sulla città (1963)
Francesco Rosi hatte mich mit seinem Salvatore G. nicht überzeugen können. Das schafft sein „Le Mani sulla città“ dann schon eher, denn hier haben wir eine Figur, die wie als Dreh- und Angelpunkt haben: den skrupellosen Bauspekulant Edoardo Nottola, gespielt von Hollywood-Schwergewicht Rod Steiger. Der Film beginnt mit einer Szene, in der Nottola seinen Investoren klar macht, wo die Zukunft des Geldes liegt: in Immobilien.
Dann sehen wir in einem Arbeiterviertel (wahrscheinlich Neapel) ein Hochhaus zusammenstürzen. (Mir ist ein Rätsel, wie die das gedreht haben – denn die Szenen sehen verdammt echt aus und die Leute dort sind definitiv in Gefahr. Ich war schockiert). Ob nachgeholfen wurde, oder einfach nur gefuscht, bleibt offen – denn die verantwortliche Baufirma gehört Nottola, der im Übrigen auch im Stadtrat sitzt. Es soll eine Kommission gebildet werden, die das Unglück untersuchen soll. Dann beginnt eine Odysee aus Bürokratie, Schlamperei, Korruption, Politik, Schmutzkampagnen, Wahlpropaganda usw.
Der Film könnte kaum aktueller sein – die Zentrumspartei und die Rechten tun sich gegen die Linken zusammen, die im Grunde die Situation der Arbeiter verbessern wollen – die wählen lieber die Rechten, die ihnen ein besseres Leben versprechen. Leider werden diese Menschen, die dann unter dem Deckmantel ihrer Sicherheit aus den Häusern vertrieben werden. Sie sollen in andere Wohnungen umziehen, bis neue moderne Gebäude stehen. Leider werden die Menschen Nottolas neues Wohnparadies nicht bezahlen können – ach ja – Kapitalismus und Lobbyarbeit tut Übriges. Am Ende geht es um Wählerstimmen und Machterhalt – jeder will gewählt werden und auch Nottola will seine Schäfchen ins Trockene bringen. Sei Plan – ich will Bauminister werden…
Rod Steiger spielt den eiskalten Bauspekulanten mit Bravour. Er schaut darauf, dass andere nicht zum Zug kommen, macht klar, dass er an die Macht will und setzt alles daran, dieses Ziel zu erreichen. Dafür opfert er auch seinen eigenen Sohn, dem er die Schuld für das Unglück unterschiebt. Im Fokus des Films steht jedoch die Politik – die Machthaber der Parteien und wie jeder quasi in die eigene Tasche arbeitet und auf den Wählerwillen und das Wohl der Bürger gnadenlos scheißt. Auch hier wählt Rosi einen leicht dokumentarischen Stil, der den Zuschauer direkt in den Strudel der Macht reißt. Ein schonungsloser Blick wie Demokratie ausgehebelt wird… Rosi bekam 1963 in Venedig den Goldenen Löwen für diesen Film, der quasi wie ein Mafia-Film ohne Mafia funktioniert – dafür aber jede Menge Verbrecher in Anzügen.
Der Film lief wohl im Kino und im TV auf Deutsch, aber auch auf Arte in der Originalfassung mit UT (diese Fassung kenne ich). Hier ein neuer italienische Trailer: